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Die neue Welt · 1929-05-31 · Heft 89 (31.5.1929) · page 12

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 89 (31.5.1929)
Date
1929-05-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
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Steife T2 DIE NEUE WELT Nr. 89 i! Krieg bis aufs Messer an." Er faßte die 2wei Frauen, Miß Forster und Dwofre, unterm Arm, sprang mit ihnen in ein Auto und fuhr davon. Die übrigen fuhren nach. Es war um die Osterzeit. Der milde Frühlingswind wirkte nach der Stickluft im Keller erfrischend und erquickend. Alle atmeten tief und sogen den frischen, duftigen Windhauch ein. Bei Madame Suleika kam erst die richtige Stimmung auf. In dem großen Raum, der mit verschiedenen orientalischen Copyright 1928 by „Die Neue Welt", Wien. Tüchern behängt und mit phantastischen Bildern bemalt war, herrschte Halbdunkel; es gab kein elektrisches Licht, sondern da und dort brannten in eigenartig ornamentierten, hohen eisernen Leuchtern Kerzen. Im großen Kamin schwelten ein paar Holzscheite, deren Rauch im Hals kratzte. Beim Ofen saßen einige Pärchen, groß, bleich, rauchten fremdartig duftende Zigaretten und tranken schwarzen Kaffee. Auch in den Ecken waren Pärchen verstreut. (Fortsetzung folgt.) Nachdruck verboten. KOMÖDIANTEN Roman von Schalom Alechem. Ins Deutsche übertragen von P. Rosenhall. (29. Fortsetzung) 51. Kapitel. Ein Haufen von Anbetern der Primadonna. Zu allem braucht man Glück. Chaim Itzig ist, so wahr ich lebe, gar kein so schlechter Tragödist. Es' gibt auf der Welt viel viel schlechtere. Es gibt Komiker, die glauben, ganz gute Tragödisten zu sein und Tragödistenj die glauben, ausgezeichnete Komiker zu sein, und doch, — nichts, es geht ganz gut seinen Gang. „Hört, iWr, ohne Glück soll man nicht gehören werden." So sagt Chaim Itzig selbst. Er weiß, daß seine Kollegen, die Akteure, ihm todfeind sind. In einem Löffel Wassen könnten sie ihn ertränken, lachen ihn aus; nennen ihn „Grüner Junge" und „Stück Holz" und „Schmierfink' und „Klotz" und noch derartige ähnliche Beinamen. Keiner ist. da, der ihn lieb hat. Aber mehr; als alle haßt ito.1 der Direktor des Lemberger Jüdischen Theaters. Einmal entschlüpften dem Direktor Getzl ben Getzl vor Chaim Itzigs Augen die Worte: „Merkwürdig, anscheinend was? Schwester und Bruder, eine Mutter hat sie geboren und dennoch, Henrietta flieb ich wie das Leben und ihn, diesen Vaga-* bunden, kann ich nicht anschaun." Chaim Itzig Schwalb brauchte nicht mehr. Er weiß schon seit langem, daß der Direktor und die übrigen Schauspieler von seiner Schwester mehr halten als von ihm und deshalb auch sieht er mit sieben Augen dazu, gibt acht, daß Henrietta sich anständig aufführt wie ein sittsames Mädchen. Das bedeutete, sie könne vor' dem Plublikum sogar nackt auftreten, auf der Bühne tanzen und springen und Stellungen zeigen, aber sonst — Hände weg! Dazu ist er ja der Bruder da, ein getreuer Bruder, „schon zu getreu", das wußten alle: Und wer es nicht wußte, dem gab er es so *zu wissen, daß er es ein andermal bleiben ließ. „Eine Pratze hat dieser Glieder-; brecher, daß sie ihm noch am heutigen Tag gelähmt werden soll..." So sprach die Schauspielergesellschaft unter sich, was aber alle nicht abhielt, vom kleinsten Spieler bis zum' Direktor Getzl ben Getzl, die Primadonna zu umschmeicheln. Ja. Henrietta Schwalb, ist bereits Primadonna. Die frühere Primadonna mußte ihr leider zu Schande und Herzweh ihren Platz abtreten, nur deswegen, weil Henrietta Schwalb schöner ist als sie, wenn auch singen —(, singen sie besser kann, und spielen —, spielen sie auch besser* kann, ganz unvergleichlich besser. Aber was soll man tun? Ein schönes Gesicht spielt überall, selbst in Paris! sagt man, die größte Rolle. Eine solche Welt geworden. Nichts zu machen. Aber wie die Geschichte auch immer sein mag, unsere Jentl oder Henrietta Schwalb ist bereits die Primadonna des Jüdischen Theaters in Lemberg. Und sie ist nicht mehr zu erkennen, die einstige Jentl. Ihr dürft es euch, es macht nichts, gönnen, einen Blick zu werfen — was für Hut sie trägt. Echtes Panama mit Straußfeder% keine imitierten, bewahre, sondern wirklich echte. Und halten tut sie sich wie eine echte Prinzessin. Bei dens Beneficen bekommt sie keine Orangen mehr, wie in der ersten Zeit, nein, sondern wirklich Geschenke, die einen Wert von zwanzig Gulden haben und von fünfundzwanzig Gulden und warum nicht auch von dreißig Gulden? Es verlautet, daß sich Henrietta sogar eine Dienstmagd hält, die sie bedient und ihr die Garderobe ins Theater naciri trägt. Es ist wahr, daß Henrietta, wenn es niemand sieht, sich zusammen mit der Magd waschen stellt und die gaiize Wäsche plättet. Es ist wahr, daß eine Geschichte passiert ist: Henrietta ging ein Kragen mit Plastron im! Wert von eineinhalb Kronen verloren, worauf unsere Primadonna Lärm schlug, das Dienstmädchen bestehle sie, woraus ein Skandal entstand. Die Beiden schonten einander nicht. Henrietta warf dem Mädel vor, daß! es mit ihrem Bruder Schwalb zu nahe verschwägert sei. Das verdroß das Mädel sehr'und es warf Henrietta noch schlimmere Dinge vor, man stand fast vor Ohrfeigen. Ein Glück, daß der Bruder kam und es sich herausstellte, daß der verlorengegangene Plastronkragen sich bei ihm befand, bei Schwalb, zwischen, den abgeschriebenen Rollen und den Noten. Wie sie dorthin gekommen sind? Weiß der schwarze'Teufel. Da weinte das Dienstmädel.'"Als Schwalb sie auszufragen begann, warum sie plötzlich mitten drin drauf losheule, erzählte sie, was seine Schwester über sie sage. Da erwachte nun in unserem Schwalb der einstige Chaim! Itzig und er nahm —> >. Nein! Wir gehen an dieser Szene mit Stillschweigen vorüber. Wen geht es was an, wie die Schauspieler dorfl untereinander leben. 5 2. Käpi.tei. Kulissenpolitik. „Wenn man den Dieb braucht, holt man sich ihn vom Galgen." Dieses Sprichwort machte sich der berühmte Direktor des Lemberger Theaters Getzl ben Getzl zueigen. Er rief zu sich ins Zimmer den j,Vagabümi", der) Primadonna Bruder Isaak Schwalb, er heißt nicht mehr Chaim Itzig, schloß sich mit ihm ein und hatte mit ihrrt ein langes intimes Gespräch unter vier Augen. Schwalb lobte an jenem Tage etwas sehr stark der Schwester den jungen Schauspieler aus Bukarest auf. Er begann ihr zuzusprechen, sich möglichst nah und*freundlich diesem Rafalesco' gegenüber zu halten, wenn er auch' noch ein ganz junger Bursche sei. , „Verstehst du, Henrietta, man muß ihm den Kopf verdrehn, diesem Burschen, er soll nicht von da weg-' fahren können — wird das für uns alle gut sein. Wa« das „gut"~ ist, sollst du nicht fragen. Später wirst du's) sehn ' und ' alles andere mußt du von selbst begreifen, wenn du Wind im Kopf hast." Aber Schwalbs Unterweisung war vergeblich. Unsere Primadonna hatte sich schon früher an diesen Jüngling, mit den unschuldig-verträumten Augen und dem schönen blonden Haar herangemacht, nicht etwa weil sie von seinem Spiel entzückt war, sondern einfach aus Verdrossenheit Als es Henrietta, die gewohnt war, daß alle um! ihreti willen durchs Feuer gehen, verdroß, daß der Jüngling sich zu ihr stelle, als bemerkte er sie gar nicht, wen-, dete sie alle Mittel an, die jede Schönheit besitzt, den' zu behexen, den sie behexen will. Sie hielt sich in seiner Nähe, hüpfte und trällerte. Sie machte Aeuglein auf ihn, umschmeichelte ihn, zeigte für ihn freundliches Lächeln um die Lippen. Ob es nötig war oder nicht, sie lachte; fortwährend, um ihm zu zeigen, welch kleine weiße Zahnchen sie habe. Wie eine Biene um die Wabe, wie eine] Fledermaus an einem warmen Sommerabend, so summte und flatterte sie ihm vor den Augen. Alles hinausgeworfen. Vergeblich, vergeblich'. Es| wiederholte sich wieder einmal die alte Geschichte vorü Putiphar und Josef, aber nicht so einfach wie es in der] Bibel erzählt wird. Denn Henrietta war doch nicht- Pir« tiphar und Rafalesco war nicht Josef der Gerechte. Alle außer dem einen, Rafalesco, wollten es haben, daß zwischen diesem' Pärchen sich ein Stück Roman entwickle, und jeder hatte hiebei etwas anderes im Auge. Der Direktor Getzl ben Getzl hatte, wie wir bereits klar wissen, nur die eine Absicht: durch die Primari donna den „Jüngling aus Bukarest" an sein Theater zu Iocken, da das ein Heilmittel für die Kassa wäre. Die Primadonna Henrietta ging an die Arbeit, man kann sagen, mehr aus sportlichem Ehrgeiz, um zu zeigen, was eine schöne Primadonna vermag. Ausgesprochenes, Wunder?! Um sie krepieren so viele ausgewachsene Kavaliere und da soll sie nicht beikommen können so einem grünen Jungen!? Sieht aus also, daß keinen Wert hat nicht sie, nicht ihre schönen Augen, nicht ihre samtenen Augenbrauen, nicht ihr seltenes Haar, nicht ihre Taille, nicht ihre Figur, nicht ihr Hut, nicht ihre Federn, gar nichts, gar nichts — wenn dem so ist, dann ist's, aus! mit der Welt." , / Ihrem Bruder Schwalb öffnete sich wieder eine andere Perspektive: ihm gefiel, an sich die Verbindung.- Schon Zeit, daß alle diese Kavaliere aufhören, seine Schwester zu umtänzeln und daß er, Schwalb, aufhöre, ein ständiger Wachthund und Rippenstößer zu sein. Schon Zeit, daß Henrietta eine anständige Partie mache, denn eine solche „Ziege" mit einem schönen Gesichtchen, wie seine Schwester es ist, kann akkurat —- der Teufel weiß — in welche Hände geraten. Deshalb klebte zuerst Schwalb an Direktor Holzman, kaufte sich bei ihm ein bißchen durch Schmeicheleien, .ein bißchen durch Nachtmähler ein — und man wurde so eine Seele. (Fortsetzung folgt.) GRABSTEINE! \F RIEDLÄNDER & DEUTSCH] \Wien, I. 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WUlUBUraltSu, Lauten, Violinen, Zithern, Blasinstrumente «Imtis Schlesinger «£& ^IlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllU I Gegründet 1882 1 Lebensverciclnss- | Gesellschaft | Zentraldirektion: WIEN!., Riemergasse Nr. 2 S § i/eTsicfiGrungsbestanü t Milliarde 6QQ Millionen Schilling 5 VoIIelngezahltes Aktienkapital 4,009.000.— Schilling £ s Prämien und Zinseneinnahmen im ftbre 192? 71 Millionen Stililling s 5 Garantiemittel Ende 1927 192 Millionen Schilling 2 Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, s Belgien, Holland, Italien, Spanien, Tschechoslowakische s s Republik, Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Griechen- S s land, Türkei, Aegypten und Palastina, s gSiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiuiniiiiiiiiiimiiiniiiS tW4t«t»>t<»»»t»»»»»»t»t«»»»»»>>»»»i<»»tt»»c»w»»t»>>»o»»t*ft>et .PHÖNIX B ■ _ _ _ n ■ ■ a ■ Schadehen, der in besseren jüdischen Kreisen Jj ■ verkehrt, empfiehlt sich ■ ■ ' * ■ ■ * ■ S Gefl. detaillierte Zuschriften S S unter „Diskret" an die Expedition des Blattes " ■ ■ MALERARBEITEN SCHÖN DAUERHAFT BILLIG Hermann Baumgarten XX, Karl-Meißl-Straße 6/3 RADIO Für S 2.80 Wochenraten erhalten Sie komplette Radioapparate mit allem Zubehör in feinster Ausführung und alle Radlo-Bestandtelle nur Im MUSIKHAUS SCHLESINGER, Wien. 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