Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 88 (24.5.1929)
- Date
- 1929-05-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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f Seite ß DIE NEUE WELT Nr. 88 in der Gesellschaft (und führt den Amerikaner sofort zum Tisch. Dort stellt sie ihm 'Buchholz vor: ...Siehst du, Gregory, das ist mein, Freuwd Buchholz, der größte lebende amerikanische Bildhauer. Das einzige, was er braucht, ist ein wenig Reklame, und die erwartet er von dir. Und die da" — sie deutet auf Dwojre — „ist seine kleine Freundin, russisch durch und durch." — Dann schiebt Miß Forster ihren Arm so nonchalant in den Gregorys, daß alle staunen. — „Das ist unser aller Freund Gregory, der lange Gregory vom „Journal". Und ich heiße Miß Forster. Darf man, hei euch Platz nehmen? Buchholz, stelle uns deine Freunde vor." Buchholz-stellte die Gesellschaft , vor.. Für jeden einzelnen hatte Miß Forster ein freundliches Wort. Als Nadeis Name genannt wurde, rief sie verwundert: „Sind Sie der berühmte Dichter?" Damit gewann sie sofort Nadeis volle Sympathie und sein Herz. Die einizige Schwierigkeit bildete das Englisclisprechen, man mußte den „G03" zuliebe englisch sprechen; und das störte die Stimmung. Doch Miß Forster wußte auch da Rat. „Laßt euch nicht stören, sprechet ruhig weiter jiddisch. Er versteht jedes Wort, und was er nicht versteht, braucht er auch nicht zu verstehen." (Fortsetzung folgt.) Copyright 1928 by „Die Neue Welt", Wier Nachdruck verboten. KOMÖDIANTEN Roman von SchaJom Alechem. Ins Deutsche übertragen von P. Rosen hall. ]r (28. Fortsetzung) „Wen, uns? Mich und meinen Bruder?" . „Nein, Euch, Euch selbst!" I „Mich selbst? Mich ruft man Jentl unu mtin Familienname ist Schwalb." pjen«? Pfui! Was für ein Name: Jentl! ■. Entl', Henrietta ist viel schöner. Henrietta Schwalb, ihr habt, sagt Ihr, einen Bruder. Wo ist er, der Bruder?" „Er ist draußen. Hier bei der Tür!" „Ah, schickt ihn herein zu mir. Sagt ihm, ich bitte ihn hereinzukommen. Wir werden mit ihm schon insj Reine kommen." 50. Kapitel. Chaim Itzig Schwalb. Der Direktor Getzl ben Getzl hatte sich sehr geirrt, als er glaubte, mit Jentls Bruder so rasch fertig zu werden. Chaim Itzig Schwalb erwies sich als ein Mensch, den man. nicht leicht herumkriegt. Und obendrein 'gab es auch noch die Misere, daß es deni Zigarettenhändler schon seit jeher zum Theater . zog. Soll einer hingehen und Hellseher sein, um zu wissen-, daß in diesem dickbäuchigen kurzbeinigen Chaim Itzig Schwalb ein Schauspieler steckt! Hingehen und .erraten* daß unter seinem geröteten Gesicht eine edle Seele leuchte^ die nach Theater und Musik vergeht und nach allemj, was schön ist, Nicht umsonst hat dieser Zigarettenhändler; hinter den Kulissen herumgetaucht, den Schauspielern das letzte Zehner-Zigarettenpaket hingeschehkt, daß man ihm wenigstens von ferne einen Blick tun lasse, damit er sehe, wie theatergespielt wird. Man kann nie eines Menschen Seele erkennen und nicht immer darf man einen. Menschen nach seinem Gesicht beurteilen. Als Chaim Itzig Schwalb von Direktor Getzl ben, Getzl hörte, was man von seiner Schwester wolle, sagte er sich: Jetzt ist die Zeit gekommen.- Und er faßte sich! ein Herz und stellte den herben Punkt hin, daß er ihm nur unter der Bedingung die Schwester als Schauspielerin überlasse, wenn er selbst als Schauspieler genommen wird, „Was für Schauspieler sind Sie mit diesem Ge-| sieht?" ' <;Chaim Itzig griff's ans Herz. Nicht schon einer hat es ihm gesagt, daß er ein Gesicht wie ein „Vagabund") habe und Augen wie ein Waldräuber. Er senkte die Augen und fragte leise: „,Was hab ich denn für ein Gesicht?" „Das Gesicht von . einem — ich weiß selbst nicht was!" (Chaim Itzig Schwalb seufzte tief. „Tret ich dennC so -1 aufv; derj Bühne. auf?Man wird mir doch Maske machen?" Der Zigarettenmann hob seine Augen zum Direktor auf. „Sie glauben, daß ich die Sachen nicht kenne? Ich hab einmal auch schon gespielt sogar. „Wo haben; Sie schon .. gespielt?" j,Wo ich gespielt hab?.. Mit den Purimspielern hab ich gespielt. Das;heißt, ich spiel heute auch noch, wenn Purim kommt. Na, soll nur jemand probieren zu zeigen einen solchen Haman wie ich." Chaim Itzig läßt seine Räuberaugen rollen. Aber der Direktor unterbricht, ihn rasch. p,Mag sein. Kann schon sein. Und der Schmerbauch, was wird der dazu sagen?" . Chaim Itzig wirft einen Blick''nach dem leibhaftig dicken Bauch auf den kurzen Füßen. ■;; V'<"!■':-.• •.. „Werd ich ihn unterbinden,' einziehn. Sie glauben, ich versteh gar nichts? Ich ' hab bei Ihnen hinter? den Kulissen nichts anderes gesehen als bei uns Purimspielern." ' |( *' ' r : < •/>! :■.!!■ Dem, Direktor Getzl ben Getzl gefällt nicht die Geschichte, — daß man seTri Theater mit den Purinn Spielern vergleiche, und er "unterbricht ihn. > . . / „Und mit dem Sprechen, was wird geschehn?" -. „Ich,glaub,. ich hab .ein solches Sprechen wie alle Menschen." [ „Das scheint Ihnen „nur so. Wenn Sie' wenigstens)-' nicht pfeifen möchten." V . .? „Wer pfeift? Ich pfeif?". „Wer denn pfeift?. Ich?" , „Bei den Haaren geschleppt!" Der Zigarettenmann stand mit fürchterlich rotem Gesicht auf. „Seid mir also gesund und stark! Wenn ich Ihnen nicht zum Schauspieler taug, ist meine Schwester Ihnen keine Schauspielerin." Nichts half. Da aber Direktor Getzl ben Getzl seine Schwester zur Schauspielerin begehrte, mußte er ihren Bruder, den Zigarettenhändler, hinunterschlucken, das Pulver mit dem Papier. Henrietta, wenn sie auchS so rasch keinebesonderen Fähigkeiten für die Bühne zeigte, noch keine eingesungene Stimme besaß, so hatte sie doch wenigstens „eine prächtige Taille und majestätische Figur". Aber was tun 'mit diesem Holzklotz, diesem Zigaretten menschen? Würde er wenigstens einen Golem, einen Statisten im Theater geben wollen, dann — hol's der Teufel. Wird er halt zehn Gulden die Woche wegen der Schwester kosten. Hegt er aber das Bedürfnis, vonu zu stehen und just die besten tragischesten Rollen auf der Bühne zu spielen. Aber was macht man nicht iüä das Geschäft? Getzl ben Getzls Geschäfte sind in der letzten Zeit miserabel dran. Die Leute gehen nicht ins Theater und wenn man sie auch mit Gewalt hineintreiben wollte. Und wenn eine solche Schauspielerin wie Henrietta Schwalb mit einer so „prächtigen TailJ^ und maje-j stätischen Figur" das Geschäft nicht' heben sollte, ist's) ein Beweis, es gibt keinen Gott auf der Welt. So sagte Getzl ben Getzl und ließ Ankündigungen; drucken, «„daß bald aus Buenos Aires ,eine berühmte] Sängerin kommen werde, die mit ihrer Figur die ganze Welt bezaubert hat." Den Namen Henrietta Schwalb wollte er -noch nicht preisgeben, wegen des Bruders Schwalb, der gestern noch mit einer Kiste Zigaretten hausierjenj gegangen ist. Die Stadt Buenos Aires hat sich Getzl ben Getzl deshalb ausgedacht, weil es etwas Entfernteres gar nicht gibt. Gleichzeitig ging man daran, aus Henrietta eine Schauspielerin zu machen und eine Sängerin, mit iht! Rollen einzustudieren, ein paar Schmachtlieder mit ihr durchzugehen, einige zweideutige Couplets mit ihr einzulernen und in der Hauptsache brachte man ihr den Witz bei, sich so anzuziehen, daß sie angezogen und nichtanH gezogen sei, nackt und nichtnackt. Und als. man sie auf die Szene hinausließ, machte sie solche Furore, daß man ihr von der Galerie zurief: „Schwälbchen" und „Vögelr chen" und „Kätzchen" und „Herzchen" und ähnliche süße Namen . . . Der Direktor Getzl ben Getzl zerging vq* Entzücken, wurde länger und breiter. Dafür aber riß ihm ihr Bruder Chaim Itzig Schwalb die Jahre herunter. „Schändung des Gottesnamens, so etwas auf die Bühne zu lassen", sagte er zur Truppe und alle gaben ihm Recht. Wir müssen aber bemerken, daß sie aieht ganz recht hatten. Chaim Itzig schuftete mit blutigem Schweiß und die Rolle floß ihm außenwendig wie Wasser. Na, dafy der Text bei ihm, wie die Akteure sagen; „zerkaut wie aus einem Kalbsmaul"' herauskam — hat er ha^, eine solche Aussprache, was kann er dafür! Na und, ihm Vorwürfe machen wie er steht, wie er geht, was hat .er) für Schuld, ich bitt euch" sehr, daß ihm ein solcher Gang) angeboren ist? Dafür aber fühlt er sich stark in den wirklich tragischen Rollen. Wenn er einen. Bösewicht^ efnen Frevler, einen Tyrannen oder sonst einen Banditen; zu spielen hat, ist er fürchterlich. Die Räuberaugen über« gießen sich mit Blutwie bei einem echten-Waldräuber und das rote Gesicht, das; bei ihm immer aussieht wie bei einem ,',Vagabunden", sieht schrecklich. aus. Nicht umsonst pflegte er soviel Erfolg in der Rolle des Haman zu ernten, als er noch — heute seis nicht mehr gedacht — mit den Purimspielern auftrat. (•Fortsetzung folgt.) GRABSTEINE IFRIEDLÄNDER & DEUTSCH \Wien,l Bes., Seitenstettengasse 2, Telephon U-28-1-28 \Xl„ Zentralfriedhof, neb. d.i. Tor, Telephon U-18-0-85 ■■■■■■■■■■ "DISKRETION V E N A L - Gummi - Schutz Im elegant. Karton, halbes Dtzd. S 3.50, in Lederetui, weiches später als Geldbörse zu verwenden ist, halbes Dtzd. 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Zuschriften! unter „Diskret" an die Expedition des Blattes laaai |IIIIIIIIIIIII)I1IMI1IIIIIIIIIIIII111III1IÜ^ 1BBkannt6r rr?sn?fö mit kräftiger Summe sucht Posten Unter „Religiös" an die Expedition dieses Blattes | Vermittlung erbeten Vermittlung erbeten MALERARBEITEN SCHÖN DAUERHAFT BILLIG Hermann Baumgarten XX, Karl-Meißl-straße6/3 rwwt L?ii3 rjigraggT läfiolSöd . IttO Streng IM Täglich Irisch geschlachtetes Rind-und Kalbfleisch Kitzfleisch hiesiger Schlachtung. . wie. auch MastgeflUge! zu "billigsten Tagespreisen nur bei ROTH, XX., Karl-Meißl-Stralle Nr. 3: Auf Wunsch Zustellung ins Haus. .< höchste Preise für abgelegte Kleider Konzessionierter Altkleiderhändler M« FeldStelft Karte genügt, komme abholen! II., Rueppgasse 1G FAHRRÄDER 1929 S20.- monatlich ohne Angabe! Mtf lf IX. LlechtenstelnstroBe Hr.ZJ ■aFl^lm A 16-5-64 und A 16-5-65 USS Ii1, Wfedner Hauptstraße Nr.8 ■aaaaaaaaaHHI Tel. A 30-0*36 SPORT- UNO TO II RISTEN ARTIKEL §te$S$mrt üsslms» Herausgeber und verantwortlicher Redakteur Oberbaurat Robert Stricker, « Druckereiuui i-:-.*-------. - V&tim*A*&' Um Stfiteaa, beide wm IX« ltto«6l&testiftfie ................»-J