Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 87 (17.5.1929)
- Date
- 1929-05-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2711613-2711683-2711703--1156-2714351- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
CjMfo« ... r "r;y "' ^""'r' f" — ■-. Sie dachte älafäri wie $fe Öucrrhote in die lÖeffentHdh'kedt bringen könnte, pisher .war es ihr niofit geiungert. Bn-rnal aber lud sie Buchiholz für den Samstagabend in Bermanns Keller ein. wo sie ihn mit einem Redakteur einer großen amerikanischen Tageszeitung bekannt zw machen hoffte, der etwas für ihn tun könnte. Zu dieser Zeit begann Bermanns Keller gerade berühmt zu werden. Vor allem pflegten ihn Künstler und SahriftsteMer gern aufzusuchen, einen Abend dort DTE NEUE WEIT Nr,*7 zu verbringen und „Atmosphäre" einzuatmen «i» Damals war der Keller noch ein gewöhnliches Restaurant für Geschäftsleute aus der East-Side, aber die Attraktion des Kellers war Bermanns Cymbalspiel. Bermann, der Eigentümer des Restaurants, sah nicht aus wie ein Restaurateur so stark gewürzter, fetter Speisen, die man bei ihm bekam. Er hatte vielmehr das Gesicht eines Künstlers; und das war er auch wirklich, wenn er seine Melodien aus der Walachei auf dem Cymbal -spielte. (Forteetoum« folgt.) Copyright 1928 by „Die Neue Welt", Wien. Nachdruck verboten. Roman von Schaföm Alechem. Ins Deutsche übertragen von P. Rosenhai!. (27. Fortsetzung) ' Holzmann selbst aber war auch ein feiner Starrkopf. •Es lag ihm schon nicht so sehr am Verdienen wie an der Ambition. Er ließ sich drücken von dieser Eiche, dem Ausbeuter, ging auf solche Konditionen ein, die er sonst nie angenommen hätte, es sei denn, er hätte vorher den Verstand verloren. Als der Kontrakt für die ersten drei Spektakel beiderseits unterfertigt war tjjid man in ein Restaurant ging etwas einzunehmen, fragte Holzman Getzl ben. Getzl ganz ernst: „Sagen Sie mir, mein teurer Jokl ben Flekl, trifft es sich nicht manchesmal, daß sich zu euch nach Lern* berg als Gast verirrt die Cholera?" .; „Bis jetzt hat's Gott verhütet. Was ist denn?" „Schade. Es wäre dann wenigstens, ein Stückchen Hoffnung, Sie einmal loszuwerden." Nichtsdestoweniger machte das nichts. Man kam in eine jüdische Restauration, trank je ein Gläschen guten RVein, aß darauf Gansleber und noch was, rauchte wohlfeile Zigarren, — Regie, und beide Direktoren pflogen freundschaftliche Unterhaltung. Aber als es ans Zahlen des Gabelfrühstücks kam,, machte sich Getzl ben Getzl gewahrwerden, daß er nicht einen einzigen Heller bej sich habe und wollte aus .der Restauration langsam her ausrutschen. Hielt ihn Holzman an: „Panje direktor! Warum sollen Sie sich, bemühen? Für einen Direktor, der ein jüdisches Theater in einer deutschen Stadt hat, paßt es nicht, durch eine Hintertür zu gehn." Aber nicht nur mit Worten setzte ihm Holzman zu. Holzman wußte, daß er nach seinem ersten Spielabend mit Rafalesco dem Direktor den Todesstoß versetzen, daß dieser, ihn .im Gedächtnis, behalten werde. Und Holzman hatte sich nicht geirrt. Wie überall so. auch in Lemberg, hatte Rafalesco nach seinem ersten Auftreten das Pubh'kum in der Tasche. Die Lemberger Theaterbesucher, die dem Holeneschtier Publikum nicht gerade überlegen sind, konnten sich keine Rechenschaft darüber ablegen, wodurch eigentlich Rafa* 1 lesco ihnen gefiel. Anscheinend eine ganz einfache Sache, ein ganz gewöhnlicher Schauspieler, der nicht singt, nicht tanzt, der rein Worte spricht, so ruhig,. bescheiden, still, und doch nicht wie sonst. Jeder Schritt, jede Bewegung, jedes Wort von ihm ist so natürlich einfach und spre" chen — spricht er nicht, wie auf der Bühne, gar. nicht wie ein Schauspieler, sondern wie jeder andere, wie ich und ihr, und doch, welch sonderbare, Sache, will man nur ihn -sehen,- nur: ihn höferi; 'denn alle anderen; sehen neben ihm aus wie"'Puppen, Mannequins, Stockhauben. „'Wer ist er, dieser Kerl?" «feht die Frage im 'Publikum. v-' „Weiß ihn das gute Jahr, irgend ein Rafalesco aus Bukarest." , So war's am' ersten; Abend: Am zvveiten war das Theater' gesteckt voll. Und zum dritten Spekt «kel waren keine Karten . zü kriegen, man stand Kopf an Kopf, so daß Getzl ben Getzl Hotzmach nicht von der Ferse ging und nur mit Mühe noch drei weitere Spielabende mit dessen Truppe erbat. / Es ist mehr als sicher, daß beide Direktoren so rasch als möglich einander los werden' wollten. Aber als zwei echte Diplomaten hatten sie sich jeder für sich was zurechtgelegt, um den Andern zu täuschen, zu beschwindeln und die Narrenkappe aufzusetzen. 49. Kapitel. Henrietta Schwalb. Um ruhig zuzusehen, wie das dumme Publikum eins ums andere wie die Schafe ins Theater hineingeht und seine blutigen Heller hinlegt um einmal diesen:;,dummen Laffen" anzuschauen Und zu hören, hätte Getzl ben Getzl stärker als Eisen sein müssen. Ihn ärgerte jeder Gulden, den die Kassa " 'einnahm, obwohl drei Viertel der Einnahmen ihm, Getzl beti Getzl, gehörten. Wie ein Räüber saß er an der Kassa und sah zu, wie die Leute verrückt geworden waren und sich um eine Eintrittskarte balgten, „vielleicht Wißt ihr wozu". Und als schon alle Plätze ausverkauft waren und alle Zusä'tzsesseln und das Theaterchen übervoll war, zum Ersticken wie in einer Hühnersteige, da hatte auch unser Getzl1, ben Getzl Lust der Pikanterie wegen zu sehen, woran „dumme Juden sich ergötzen". Und er wirft einen Blick durch die Kulissen und sieht wieder einmal nur dumme Juden vor sich, die sich die Finger ableckenj sich, unterhalten und „Bravo" klatschen. ' Er weiß, nicht weshalb, aber der Kopf schwindelt ihm, niicht des "Spielens wegen, das er g^r nicht beachtet, sondern' vor dem gesteckt vollen Saal. Es verschlägt ihm den Atem. Seitdem 'er Direktor ist, erinnert er sich nicht an ein so volles Haus. Und wenn das nur wegen des Jünglings aus Bukarest, dann muß man zusehen, ihn auf jeden Fall wegzuschnappen, a&* wie das tum? A/n ihn herantreten und ihn 'eine so gesalzene Summe reiben, daß ihn der Teufel packt, kann möglicherweise das Menschenkind hingehen und es seinem Direktor erzählen und daraus kann ein Skandal werden^ Der richtige Kerl ,dieser Holzman. Ihm zwischen die Zähne zu kommen, hat Getzl ben Getzl keine Lust. Nein, er hat .einen anderen Plan. Er wird einen anderen schießen lassen, seine neue Primadonne Henrietta Schwalb. iWer diese Henrietta Schwalb ist und die Geschichte, wie sie Primadonna wurde, kann in kurzen Worten erzählt werden. Einmal bemerkte Getzl ben Getzl in seinem Theater ein einfach gekleidetes Mädchen mit „prächtiger Taillq und majestätischer Figur". So äußerte sich der Direktor) selbst und begann, über das Mädchen nachzudenken, ob Näherin oder nicht, Dienstmädchen oder nicht;"jeden}» falls schön wie die Welt. „Wenn ich dieses Mädchen zu mir ins Theater hereinbekommen könnte,, mach ich sie sofort zur Primadonna", sagte Getzl ben Getzl zu einem seiner ständigen Verehrer, „vielleicht würdest du herausbekommen!, wo sie dient". „Die Schönheit da?" antwortete dieser. „Wo sie dient, weiß ich nicht. Aber ihren Bruder kenn ich. Schwalb heißt er. Er ist ein Zigarettenhändler, hausiert mit Zigaretten". „,Der Kerl da mit. dem roten . Gesicht? Den hab ich doch erst vorige Woche durchgeprügelt und hinausgeworfen aus dem Theater, damit er sichs abgewöhne, hinter die Kulissen zu kriechen und den Schauspielerinneri Zigaretten zu verehren, während man ans Spielen denken muß." j-.Was macht das schon? Im Gegenteil. Seid ihr doch schon alte Bekannte. Wenn Sie wollen, werd ich mit ihm sprechen." „Bitte. Aber so, daß er nicht einen hohen Haufeh verlangt. Verstehst du, was man zu dir sagt?" ^,Was! Warum soll ich nicht verstehen? Bin ich denn ein Holzklotz?" Nach diesem Gespräch wurde Henriette Schwalb,-— damals hieß sie noch einfach Jentl — tum Direktor nachhause gebracht. Ihr Bruder ' Chaim Itzig Schwalb hatte im Zusammenhang mit den Prügeln, die er vom Direktor bekommen, Angst und schickte zuerst seine Schwester hinein und blieb selbst draußen. Es war nach dem Mittagsschläfchen, der Direktor empfing ,sie barfuß. Er .bat sie Platz zu nehmen,-sie wollte aber nicht, man muß nicht. Da fragte er sie: wo sie diene, rühmte sie sich einen guten Posten zu haben. „Einen guten und einen leichten." „Wieviel bekommt sie?" „Nehmen — nimmt sie im ganzen fünfzehn Gulden den Monat außer Wäsche. Für das Waschen außerdem zehn Gulden. Dann fällt ihr von der Seite ab einmal vier, einmal sechs und einmal sogar sieben." ^Wieviel macht das also zusammen?" „Berechnen Sie!" Der Direktor mit den bloßen Füßen stand' auf, suchte Bleistift und ein Stück Papier. Warf ihr die Frage hin, was zürn Beispiel wäre, wenn man ihr anfangs einen Fufziger für den Monat vorschlagen möchte, -— antwortete sie ihm darauf, daß ein Fufziger ein schöner Gehalt ist, fragt sich nur, für was für eine Arbeit. ' „Gar keine Arbeit, nur theaterspielen. Wie ruft man Euch?" ' ■ ■■>_ (Fortsetzung folgt.) RABSTEINE \FRIEDLÄNDER & DEUTSCH Wien, 1. Bes., Seitensiettengasse 2, Telephon V-28-U28 Zentralfriedhof, neb. d. 1. Tor, Telephon U-18-0 85 \xr. "WlrgebenlhnenGesundhelt V E N A L - Gummi-Schutz im elegant« Karton, halbes Dtzd. S 3.S0, in Lederetui, welches später als Geldbörse zu verwenden ist, halbes Dtzd. S 5.—, Zigarettenpackung in Holzkarton, halbes Dutzend S ö.~. Gummi-Pessare, Dauerschutz für Damen, in allen Größen. St. S 5.—, Frauendusche S 7.—, Wärmeflasche S 11.—, Reise-Irrigateur, komplett S 12.—, alles in hervorragender Qualität gegen Voreinsendung des Betrages : in Briefmarken oder Nachnahme „SPIHO" Gumml-Fabrikslagerl \ b Wien, II.JaborafraQe Nr. 11 ^iiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiif iiiiiiriuiiiiiiu 1 Gegründet 1882 | I lebensverslcheranss- DU n UI Y< I | Gesellschaft frrlUNIA | | Zentraldirektion: WIEN 1., Riemergasse Nr. 2 5 s Versitfeerungsbesland 1 Milliarde 600 Million« 5 Meiogeialiües JlkfißDkapilal 4.QÖO.Q00 - JdiiDiDi s Prämien- und Zlnsenei'nriafimea in Jahre 1927 71 Millionen Shilling 5 GarantiemlHel Ende \\\ Millionen Mitling land, Türkei, Aegypten und Palästina, niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiS BAD HALL CObwösterr. Stärkstes Jodbad Europas "*Ä8l orth. "itto Restaurant1 orth. nttO S. NAYERSOHN Schöne ein» und zwefbeftige Zimmer Eröffnung 25. Mai 1929 Telephon 59 . , Telephon 59 Pension, Au Stria' Kinderheim Vöslau .(OLGA KADISCH) JägermayerstraBe 15 - Telephon 99 Stelle 8 Für Dauer' und Erholungsaufenthalt Jeder Unterricht im Hause, auch Nachhilfe für öffentliche Schulen besuchende Kinder. - Pädagogisch einwandfreie Leitung durch staatlich geprüfte Lehrerin. - Erstidassige Verköstigung. - Mütterliche Pflege. - Mäßige Preise ■■■■■■■■«■■■■■■■■■■«■■■ ■ ' - fIHtf ■ Schadehen, der in besseren jüdischen Kreisen ■ J verkehrt, empfiehlt sich ■ ■ ■ ■ * ■ ■ ' Gefl. Zuschriften 8 i unter „Diskret" an die Expedition des«Biattes' S B -IttO Streng;W3 -Täglich frisch geschlachtetes Bind- und Kalbfleisch Kitzfleisch hiesiger Schlachtung wie auch Mastgefltigel zu billigsten Tagespreisen nur bei ROTH, XX., Kart-MeiiSI-Stralle Nr. 3 Auf Wunsch Zustellung ins Haus. Zahle höchste Preise für abgelegte Kleider _ m m m '; M. Feldstein Karte genügt, komme abholen i II., Rueppgasse 1<S NÄHMASCHINEN FAHRRÄDER 1929 S20.— monatlich ohne Angabe;! ni/Vt Uechtenstelnstraöe Hr. 27 PB^IV^ 1% A 1S-5.64 und A16.S-SS ■ ■ ^" m IV, wiedner Hauptstraße ifr.8 Tel. A 30-0-36 SPORT- UND TOURISTENARTIKIL Eigentümer, Verleger, Herausgeber un4 verantwortlicher Redakteur Oberbaurat Robert Stricker, u Druckerei*, und VerlagSrA^G. Ignaz gtefomanrj, beide Wien, IX„ Universitätsstraße 6-8,