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Die neue Welt · 1929-05-10 · Heft 86 (10.5.1929) · page 12

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 86 (10.5.1929)
Date
1929-05-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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f Seite 12 DIE NEUE WELT Nr. 86 iwenm man alles zu Geld macht und das gamze Geschäft verkauft, so gibt das gut 700 bis 800 Dollar. Vielleicht heiraten, ein gescheites Mädel von daheim zur Frau nehmen, die ein paar Dollar Bargeld hat? Für einen Kaufmannist die Hauptsache* daß er Kapital besitzt. Vor Moses* Augen wirbeln. Ziffern: 1000, 1500, 2000, 3000. Nein, soviel nicht — saigte er sich — etwa 1200 bis 1500. Man könnte vielleicht ein gut eingeführtes Geschäft vom Schwiegervater übernehmen, und mit den Schwiegereltern zusammenarbeiten. Basld aber fällt ihm etwas ein. Nein — sagt er sich — die Zeit ist noch nicht gekommen. Erst muß Mascha erwachsen sein. Das habe ich der Mutter versprochen. Und ich werde Wort halten. (Fortsetzung folgt.) Copyright 1928 by „Die Neue Welt", Wien. Nachdruck verboten. KOMÖDIANTEN. Roman von Schalom Alechem. Ins Deutsche ubertragen von P. Rosen hall. (26. Fortsetzung) „Erschlagen soll er dir werden von einem Donner, (Weißt du, was ich dir sagen will, mein teurer Spielvogel! Ich hab sehr wenig Lust, ihnen hier zu begegnen und du wahrscheinlich auch. Wenn dem so, dann wollen wir ihnen" ganz Bukarest schenken, mögen sie ruhen1 im „Paradies", indes wir ein bißchen weiterfahren." „Wohin?" „(Wohin uns die Augen tragen werden. Wie es! in der Schrift heißt: Wechsel des; Orts — Wechsel des: Plätzchens/" „(Es siteht ,WechseI des Orts — Wechsel des Glücks'," verbesserte ihn Lebl Rafalesco. „Mag es so sein, wie du sagst! Die Hauptsach Ist» daß wir so rasch wie möglich von hier wegmüssen. Ich geb zwar auf sie wie auf den Row am Zwischen-Purim und du wahrscheinlich auch. Aber wegen so — ich will ihnen nicht begegnen. Ich mag deine Holeneschtier Leute nicht, Gott soll midi nicht' strafen für die Rede. Folg mir, Liebling, laß uns ein bißchen rascher gehen. Oder halt, pßt, weißt du noch was, hier fährt ein Fiaker. Laß uns hineinspringen und er soll das Pferd antreiben, damit es in Trab kommt, der Teufel in den Geldsack hinein!" ife * * Nicht später als nach drei Stunden saßen unsere braven Helden bereits im Waggon eines Schnellzuges, der von Bukarest direkt nach Budapest führt. Da jene Nacht eine kühle Nacht war und sie ein wenig zu sommerlich angezogen waren, zog Holzman das bekannte Kleidungsstück hervor, das er „Tendewerende" nennt, und hüllte seinen jungen Freund Lebl Rafalesco darin ein. „Zieh's gut zusammen. So. So, gut. Sonst wirst du dir ein tüchtiges Zittern holen. Wie sagst du, steht geschrieben, ,Wechsel des Orts ,,,, „Wechsel des Orts . — Wechsel des Glücks." „Ein kluges Wort, wie ich ein Jude bin," sagt Holzman, greift sich an die Brusttasche, verhustet sich und läßt auf Schtschuppak und Scholem Meir fürchter* liehe Flüche los. 4 8. Kapitel. In Galizien. Trotzdem unsere Helden Hotzmach und Lebl Ra" falowitsch ihre Namen gewechselt hatten und bereits Ber nard Holzman und Leo Rafalesco heißen, trotzdem sie sich überhaupt verändert haben, daß es schwer ist, sie zu, erkennen, wollten , sie es dennoch nicht wagen, nahe be* Holeneschti zu bleiben, verließen Rumänien, gingen in die Bukowina, von. da nach Galizien, schleppten sich mit einer Schauspielertruppe, die Holzman zusammengestellt hatte, von Stadt zu Stadt gastrollierend, das heißt, sie gaben Vorstellungen. Auf den Africhen stand in großen Lettern: Die berühmte Wandertruppe Bernard Holzman et Comp. Und in noch größeren Lettern stand der Name des berühmten jungen Schauspielers: Leo Rafalesco. aus: Bukarest. »Wer ist dieser Rafalesco? Woher hat er sich her genommen? Das wußten Viele nicht. Alle aber hatten gehört, daß da irgend eine jüdische Truppe mit irgend einem Rafalesco herumfährt, von dem in den Blättern Wunderdinge stehen, weshalb es sich lohnt, ihn zu sehen. Denn gerecht dem, was die Blätter von ihm schreiben, muß er eine Art Zauberkünstler sein, der aus Luft Eisen macht. Nicht nur Juden, auch Christen können ihn nicht genug loben, — und wenn Christen loben, ist kein Wort mehr hinzuzufügen. Sie sagten von ihm und schrieben in den Zeitungen, daß da ein zweiter SonnenthaD heranwachse, ein Barnay, ein Possart, ein Irving, ein Rossi und ähnliche derartige große Namen zog man heran und man ging den jungen berühmten Zauberkünstler1 sehen und man bewunderte den glänzenden Stern, der am Firmament der jüdischen Bühne aufgegangen war. Womit eigentlich packte der junge Schauspieler die Leute? Wie die Rezensenten jener Zeit schrieben, nur mit einer Sache: dadurch, daß er überall und immerdar einfach ernst, bescheiden naiv, echt wie die Wahrheit selbst, natürlich wie die Natur ist; „Die ganze judische Truppe,'' schreibt einer der Rezensenten, „ist nicht einen Schuß Pulver wert. Das jüdische Theater ohne Rafalesco iit, wie alle jüdischen Theater, eine Zigeunerbude, ein. Purimspiel, finster-wüst wie ein Friedhof. Und vom Augenblick an, da Rafalesco die Bühne betritt, wird es hell in allen Winkeln. Hell (und warm und freundlich, alles freut sich, alles wird lebendig, das ist keine Bühne mehr, kein Theater mehr* das ist das Leben selbst." So schrieben über ihn die Kritiker, die Rezensenten. Und das Publikum? Was sagte das Publikum? Das judische Publikum, das bis auf den heutigen Tag noch nicht sehr mit Theater, mit guten Stücken, mit berühmten Schauspielern eingedeckt ist, lief wie ein (Wunder diesen aufgehenden Star anzuschauen, den Zaubermann Rafalesco. Man belagerte das Theater, schlug sich um Billette und klatschte Bravo, was das Zeug hält. Obwohl das Publikum nicht so sehr aus Ver ständnis für dieses Kunstfach hinlief, sondern deswegen weil „eine Welt nicht verrückt ist", nichtsdestoweniger fühlte jeder, der im Theater saß, daß er etwas Neues zu sehen bekomme, eine ungeheure Kraft, ein außergewöhnliches unerklärliches Talent. Es tritt vor euch ein Mensch, der einfache Worte sagt, so einfach scheint es, so natürlich, ohne Kunststücke, und berührt in euch alle Saiten, weckt in euch geheime Gedanken, begrabene Gefühle, daß ein leises Frösteln über euren Körper streicht und ihr mit ihm fühlt, mit ihm lebt, kein Auge von ihm abwenden könnt. Und wenn er die Bühne verläßt, entreißt stich euch unwillkürlich der Ruf „Bravo". Es ist kain Wunder, wenn dem so ist, daß das Publikum neugierig war zu wissen, wer er sei dieser Zauberer, dieser junge Schauspieler, woher stammt er? IWo hat er studiert? Woher hat sich ihm diese Riesenkraft zugeschlagen? Wie sieht er aus im Leben, nicht auf der Bühne? Wie heißt er wirklich? Und was noch alles das jüdische Publikum gerne wissen möchte. Aber wie sehr auch die der Neugierde Beflissenen sich die Köpfe zerbrachen, wieviel sie auch grübelten und forschten, konnten sie doch nur das eine herausbringen, der wundersame Schauspieler heiße Leo Rafalesco, stamme aus Rumänien, aus Bukarest und daß er ein noch gar, gar junger Mensch sei, erst gegen, achtzehn, neunzehn Jahre alt. Und sonst konnten sie nichts ans Tageslicht} bringen. Mehr als irgendwo sonst war von dem jungen Schauspieler, dem aufgehenden Stern Rafalesco, die Hauptstadt Galiziens, Lemberg, eingenommen. In Lemberg gibt es schon seit langem ein jüdisches Theater. Der Besitzer dieses Theaters, derEntrepreneur also> ist eine Persönlichkeit, mit welcher, will uns bekannt machen müssen. Sie trägt den sonderbaren, Namen: Getzl ben Getzl. Getzl ben Getzl, der.. Direktor des. Lemberger jü" dischen Theaters, ist ein Direktor wie alle Direktoren des jüdischen Theaters, die das Publikum mit jenen herzzerreißenden Dramen und rührenden Tragödien bedienen, denen so seltene Namen anhaften, wie: „Schmitt" der Begez auf dem Autodaf6", dann „Die blutige Inquisition zu Sobieskis Zeiten", „Isabella, zerreiß mir den Zumpel", und mit ähnlichen derartigen dramatischen Perlen, zwischen Tag und Nacht verfaßt, von solchen Meistern wie Schtschuppak und seinem Flügeladjutanten Scholem Meir Murawtschik. Getzl ben Getzl hält nichts vom neuen Repertoire und den modernen Dramen, Erst in allerjüngsteir Zeit hat er begonnen, hie und da literarische Stücke wie zum Beispiel „Chinke Pinke", „Schlojme Gorgel",, ,Spriijg; (ins Bett", „Welwele ißt Kompott" zu, geben. Man kann aber nicht fortwährend literarische Stücke stellen, das jüdische Publikum nicht damit überfüttern^; Was immer auch man ihm geben mag, es wird sich die Finger ablecken wie nach etwas recht Schmackhaftem, „Bravo" klatschen und begeistert sein. Sofort nach der ersten Audienz, die beide Direktoren gegenseitig miteinander hatten, äußerte sich Holzman, daß dieser JokI ben Flekl — so benannte er ihn — nicht wert sei zu krepieren für Schtschuppaks kleinsten Fingernagel. Er gestand ein, noch niemals, seit er lebe, einem so harten Patron begegnet zu sein. Lemberg von der Stelle zu rühren ist leichter als irgend etwas bei diesem Hundezwerg zu erreichen. (Fortsetzung folgt.) GRABSTEINE FRIEDLÄNDER & DEUTSCH Wien, 1. Bes., Seitenstetiengasse 2, Telephon V-28'1-28 XL, Zentralfriedhof, neb. d. 1. Tor, Telephon U-18-0-85 DISKRETION V E N A L - Gummi -Schutz Im elegant. Karton, halbes Dtzd. S 3.60, in Lederetui, welches später als Geldbörse zu verwenden Ist, halbes Dtzd. 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