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Die neue Welt · 1929-05-10 · Heft 86 (10.5.1929) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 86 (10.5.1929)
Date
1929-05-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nf. 86 riinUULLLLIJJ^HllHtHllLilU HUI IUI IIUUIM1L lllllll M11M UliU Ul IXUtMinnill LIUltllUI tlltlUTllUl lUMlMIHmillimtlMfMtlgtM Wer gut und billig speisen will, der macht einen Versuch im RESTAURANT ROTH II., Pratersfraße 94 Meofi: Suppe, Fleisch, Oemflse, Mehlspeise S 1.35 Vorspeise, Suppe, Braten nach Wahl, Gemüse, Mehlspeise S 1.75 IL Palästinareise 5689. 2. September bis 1. Oktober 1929. Der Prospekt für die vom Verbände Demokratischer Zionisten veranstaltete zweite Palästinareise ist bereits fertiggestellt, und wird über Verlangen den Interessenten gratis zugesendet. Der Prospekt enthält außer einem ge nauen Programm auch die Zahlungsmodalitäten und alles für die Reise Wissenswerte. Das Programm der Reise wurde nach den auf der ersten Palästinareise gesammel ten Erfahrungen erweitert und außerdem ) ein Aufenthalt in Venedig auf der Hinreise eingeschoben. Die Seereise wird sowohl auf der Hinals auch auf der Rückreise mit dem Luxuseildampfer „Ausonia" der „Sitmar-Linie" zurückgelegt. Prospekte versendet das Sekretariat der Reiseleitung (Frau Berta Taubes, Wien, II., Böcklinstraße 92). Anfragen und Auskünfte bei. Frau Paula Stricker', Wien,..«., Hollandstraße :i0' (Tel. R 45-6-89) und Frau Berta Taub.es, Wien, 11.4 Böcklinstraße Nr. 92 (Tel. R 43-9-19). * _____ Otto Abeles. (Zu seinem 50. Geburtstag.) Wiiir (besitzen ein Bildnis von Otto Abeles — 'in einem bedeutungsvollen Auigenibldäk, unmittelbar vor seinem Betreten Erez Israels: dm raschen» scharfen, uinigeniein ausdrucksvollen Linien — von ihm selber umrissen. Eime wie dm Flug entworfene Skizze. Umid trefflicher möchte dihn wohll kaum ein Bild von der Hand eines anderen charakterisieren, als es hier seiner eigenen gebückt ist — auf dem ersten Blatt, mit dem die Schilderung seiner Palästinafahnt einsetzt. Und wie das schon tomer zu seihen pflegt: die seelische' Treue in der Wiedergabe des subjektiv Erlebten erhebt und adelt sich unbewußt zum seelischen Ausdruck des Objektiven. Sein Selbstbildnis ist mit ein Spiegel der. Generation, dar er angehört. * Jugend .und Judieotuan — damit 'beginnt es. Mit einer Rückschau, die, auf den heu tilgen Tag und Anlaß bezogen, wie eine Vorwegnähme dessen ist, was ja manche^ von Ulis rüdkMdcend zu sagen hätte. Otto Abeles sagt es hier miir dem :ersten Satz, den er aulf jemeim ersten Blatt nieid'eirsobredbt: „Ich Jahre in das Traumliaud der Jünglinigsjabre." Man sollte meinen, auf diesen jubelnden AkkortuitwTVollaikkoird müßten Klänge folgen all der Romantik der Jugend, ihrer Träume und ihres Tr&uirnlandes. Was aber-folgt? Die grell aufschiliernde Frage: „Wie wiair es damalsau? der Oberstufe*- dies -Gyinmasiums?" Und die drastisch realistischen Details, womit die Frage -hier illustriert wird, faßt Otto Abeles in den einen Satz zusammen: „Tägliche Bitterkeiten und Demütigungen, trostlose Vereinsamung, keine Zuäiucht." Das sind die Töne, die auf den ersten schmeti*--. ternden Juibelru/f folgen. Aber an sie, die tief traurigen, schließt sich u'mmittelbar, wie lösend und ablösend, ein neuer Klang — ein neuer Ton und Grundton'.— mit dem Satz: »„Da erreichte uns die königliche Botschaft Theodor He^zls, niedergelegt im Judenstaat'!" In knapp drei Sätzen sind Wiesensmomente, Grandizüge festgehalten in Otto Abeles' Jugendbildnis und gleicherweise dm Charakterbild seiner. Generation —- einer Generation jüdischer Jugend. ■. Otto Abeles steht auch heute-noch in ihrem Zeichen, Im , Zeichen der Jugend1! ■ Es ist das Besondere dieser 'Generation, daß sie ihr Judentum, ihr Sich-bewußt-Werden des Judentums, daß sie ihren EinMtt in die jüdische Renadssancebewejguing. des Zippismus dem tiefsten Erlebnis ihrer Jugendjahre verdankt, dem Erlebnis? Theodor Herzl. , Und es ist nicht gleichgültig und es ist nicht nebensächlich, auf welchem Wege - man seinen Anschluß vollzieht an die jüdische •Renaissancebewegung, auf welchem Wege man zu seinem Volke zurück- und heiimgeifuinden hat.' Die Generation, -welcher unter anderen prominenten Gestalten Otto Abeles angehört, hat in Theodor Henzl als Vorbild, als e r le-b/tern Varlbild, in Herzl als Führer zum Judentum — zu einem Judentum, das er mit dem Einsatz seiner ganzen machtvollem .Persönlichkeit, bewußt und aufrecht, zu Eigenwert und Bigeniwürde gehoben und getragen hat; ~, in ihm haben diese „Politischen" ihren Zionismus verankert. Fürs Leben. Das Erlebnis: Theodor Herzl ist der. jüdischen Jugend dieser Generation — und einer und der anderen früheren und späteren r—. zum Gelöbnis der Treue geworden. « •"- Und unter den Getreuen, die „von Jugend auf" ihre Gefolgschaft im Bild uns Vorbild Theodor Henzls sich zum Gelöbnis gemacht, ist Otto Abeles der Treuesten einer. Ueber'alle Spaltungen^ Scheidungen, ja tiefen Gegensät^liclhJkeiten hinweg, die unsere jüdische Renaissancebewegung mit schweren Konflikten erfüllen und erschüttern, sie'bald hemmend, bald vorwärtstreiibend, vermochte Otto Abeles dank dem Erlebnis und Treugelöbnis seiner Jugend, sich seine Ursprüngiichfceiij, seinen reinen Enthusiasmus für die Probleme und Ziele des Zionismus zu bewahren. Im Zeichen der Jugend und Jugendkraft steht Otto Abeles auclh heute in hingebungsvoller, unermüdlicher. Arbeit in Wort und Schrift, in mühseliger Werbearbeit fürls nationale Werk und den nationalen Aufbau, im festen Glauben.an die Verwiriklichung. de« schönsten, aller Jugendträumev 1 „»Der Weg in die jüdische Zukunft geht über Palästina." Eine Note, eine Note zum Text und Grumdtext seiner Schriften und seines Lebens — dies und nicht mehr wollen die Wort» zu seinem 50. Geburtstag sein* iB. T< Die Seele des Ostens. Von Dr. Marcus Ehrenpreis (Stockholm). Bs war 5n den Tagen prophetischer Ahnungen, da Theodor Hemzfl Menschen einfing und Seelen gewann, als er einen eleganten, von der Krawatte Ms zum Schuh sorgfältig gefoieadeten Herrn als L a n d e 9 r a b b i n e r von Bulgarien vorstellte. Unsere frommen Freunde erzählten, daß dieser Rabbi auch tamze. — Man denlke» mit fremden Frauen tanze. Das hinderte ihn aber nicht, ein Werk aiber^die „ßmamationsilehre der Kaibala im 13. Jahrhundert" zu schreiben.' Seine Weltige w&ndüheit war so groß wie seine Gelehrsarnlkei<t, er war auch politisch gut vorgeschiult; seine lebendige Darstellung der jüdischen Verhältnisse in Bulgarien ist 'mir noch heute vollinhaltlich äm, Erinnerung. Von Sofia kam Dr. Ehrenpreis als Großrabbiner von Schweden noch Stodkhotoi, wo er eine allgemein hochgeachtete Stellung edinntamt. Vor einigen Mon-a-ten eaizaiMte rndir eine schwedische S*chrSftstelllterin, daß er als Kapazität der Sprache gelte, und wenn.jemand aus der Gilde iür ein fremdes Wor.t den schwedischen Ausdruck sweht, daranheißt es, Dr. Ehrenpreis waird iihn finden. Kann Ich fiür sein Buch „Dffie Seele des Ostens" eine bessere Einführung finden, als die Charakterisierung dieses österrdchischenjuden, der es schwedisch geschrieben hiat'und das ich in detr englischen Uebersebzunig lese." („The Soul of tihe East", aus dem Schwedischen ins Englische übersetzt von Alifihild Huebsdi dm Verlag der berühmten „Viiking Preß" in New York.) Die gesamte engldsohe Welt erfährt von einem Kenner des Balkan vor dem Kriege, daß der Nachkrieigsbaillkan einen niederdrückenden Eindruck mache. Wir zitieren einige Sätze: „Der Baten ist gegenwärtig ein verwirrendes Chaos, in welchem Sprachen, Religionen und Völksstämme ohne Zweck und ohne Hoffnung vermengt sind. Man kennt kein Glück in diesen Religionen unfd alles scheint gleicherweise verarmt und vernachlässigt. Die Städte verfallen, Menschen und Baulichkeiten in der Landschaft, trostlos. Leider Schwedens beste Rasierklinge rasiert schneHi'angenehm,' erhält die Haut zarfc- erstreckt sich . der Palikan auirz.eit über einst kultdyder^ und glanizivolle Stäidte,, .vwie z. B. Budapest, das nunmehr auf den Autor einen änrJlichen Eindruck macht." Aber kein Vorwurf, kein Wort über die. Juidenfr-age einst und jetzt. Dr. Ehrenpreis urteilt reim politisch, Ungarn ist an seiner umgliückliichen NationaflitätenpoSitlk auigrunide gegangen. „Bs dst so niameniois traurig, daß der Jude doch verbrannt wuirde." Erst in Saloniki erfahren wir duirch dem Autor vom Jiudenschieiksal. Jene Einwanderer aus Spanien, die im 15. Jahrhundert dem Feuer und Schwert entgangen waren, dieiben noch heute in altkastiliischen Kulturresten. Riabbi Chajiim Bedjarano, Obarrabbiiri-er'der Tü-rkei in Konstantinapel, hat im Auftrag der spanischen Akademie der Wissenschaften" köstliche Sprichwörter, Wiegenlieder, Kinderspiele usw. gesaiminelt. Und als man in Spanien eine vollständige SaminDlung der mationalen Romanzen anstrebte, wurde der bekannte . Schriftsteller, und Komponist 'Mainfiqiues: de Lara zu den Sepbardüm mach dem Orient gesandt, um jene Romanzen 'kennen zu lernen, die im Spanien längst vergessen waren, aber von den vertriebenen Juden duirch fünf Jahrhunderte lebendig erhallten wurden. Wir erfahren sehr viel Interessantes über Griechenland, das er auf dem Wege in die alte Heämat besucht und lesen gerührt seinen Jubel über Teä-Awlw, über das Lebendigwerden der scheintoten Sprache unseres Volkes. Hier seine Schlußworte des Kapitels Tel aviiw: „Gott sei mit dir» vielversprechender Sprößling! Behüte deine Freude an der Arbeit, deinen Glauben an das neue Leben., deine Verehrung für das Geistige, deinen Zusammenhang mit der Tradi'bion und über allem deine moralische Reinheit!" Es ist selbstverständlich, daß ein so gelehrter Enthusiast auch viel Interessantes über Jerusalem zu sagen weiß. Aber ganz einzigartig sind die letzten Kapitel des Buches, von denen eines den Titel führt: „Auf dem Wege z>u mir selbst." — „Immer, wenn ich mich dem Osten nähere, habe ach die Empfindung, zu meimem eigenen Selbst zu reisen. Diese Empfindung ist im Grunde bescheiden, ungleich der selbstbewußten des europäischen Touiristen, der sich herablassend dem zurückgebliebenen Orient* nähert, um exotische Dinge zu erleben." Für Dr. Ehrenpreis Ist der Orient menschlicher, das Individuum weniger maskiiert als im Westen, In seinem tiefen Verständnis für das wahre Wesen des Orientalen, von dem diese Kapitel voll sind, sehe ich ein Stück Atavismus, Ahnung früherer Jahrhunderte, vergangener Stamitneserlebnisse, ein Stück alten, iwalten Judentums. Und da wird die Frage lebendig: Wollen wir Palästina total verwestlichen oder unsere Seele arientalisieren? Man lese das Buch von Dr. Ehrenpreis und entscheide, was menschlich höher steht, der Westen mit seiner Zivilisation oder die Seele des Ostens, Hg York^S t«ioeTt Soeben erschienen: F. Bernstein: Hfc _ _ _■__g ^.M.g ^» ^Um. Der zionistische Gedanke auf Irrwegen Ein Mahnruf zu zionistischer Selbstbesinnung« Das Judenproblem. Konstellatloe- oder Qualitätsproblem? Palästina als Laboratorium. Bedingter oder bedingungsloser Zionismus. Ausstrahlung und Qaluth-Nationalismus. Der Sinn der Majorität Das judische . Staatsbedürfnis. Zionismus oderStaatsbürgertreuev Der binationale Staat Palästina oder judisches Volk? Bestellungen an den Verlag „Die Neue Welt1' Wien, IX. Bezirk, Unlversltütsstratse 6-8 Preis Mk. 1.50, ffOr Oesterreich S 2.20 Theater und Kunst. Adolf Weißmann gestorben. Telegramme aus Haifa melden, daß der Berliner Musikkritiker Professor Adolf W eiß mann, der von der hebräischen Universität Jerusalem aufgefordert worden war, einige Vorträge zu halten, an Bord des Schiffes, das ihn! von Marseille nach Palästina gebracht hatte, im Hafen, von Haifa einem Herzschlag erlegen ist und am 23. April in Haifa beerdigt wurde. Mit Weiß mann ist einer der gescheitesten und geistig beweglichsten Musikpublizisten Europas uns verloren gegangen. Noch immer gehörte der knapp 57jährige zu den wenigen Kritikern von Weltbedeutung, die zur musikalisch schöpferischen Jugend ein positives und förderndes Verhältnis hatten. Dies muß um so mehr betont werden, als Weißmann gerade in letzter Zeit starken Anfeindungen von seiten dieser Jugend ausgesetzt war. Sein Name Ist längst ein europäischer Name geworden; nach dem Weltkrieg war er einer der Ersten, die die geistigen; Beziehungen zum Auslande wieder aufnahmen. Als unvergleichlicher Kenner der romanischen Musik hat er für ihre Förderung wichtigste Arbeit geleistet. Professor Adolf Weißmann befaßte sich in den; letzten Jahren viel mit jüdischer Volksmusik und der modernen jüdischen Musik. Er stand seit zwei Jahren an der Spitze des Berliner Komitees zur Förderung des Musikwesens in Palästina. Die Beerdigung fand in Haifa unter großer Beteiligung von Kreisen der palästinensischen Judenheit und zahlreicher im Lande weilender Touristen statt. Am Grabe sprachen Präsident W e i z m a n n, Professor Schorr und der Maler Hermann Struck. Ein Judenstück in Frankfurt. „Die Umkehr" von Arnold Zweig. Arnold Zweig hat den Versuch unteraoimmen, eine, chaisslMiisicihe Legende zu dramatisieren, die nun alis Schau-. spiel mit Träumen, Erschietounigen und Muisiik einhengebt. ■ Die Idee vom der ewigen Belastumig . durch das Blut, der niemand entrinnen toann, hat er in eine Fabel gefoleideti Iii. der ein Jude,. aibtntoni'g und Bischof geworden* sich wandeln, uimlkehren soll. Der .Vollstrecker dieser Uimlkehr ist der Rabbi Israel ben EMeser. In einzelnen Szenen kommt, die Gewalt und Größe jüdischer Satzung cur Geltung. Die Uimikehr, die EnMesseliuinig aus dem Irrtom bedeutet $ür den Dichter den Weg zur sittlichen Freiheit. Trotz einzelner dichterischer Momente wußte das ' ■Stück nicht au fesseln. Die Worte entwehren jeder Plastik, die szenischen Details verpuffen trotz fleißiigister Regieanbeit. ßs war eine sanfte Ablehnung, die nicht die Kraft hatte, energisch abzulehnen. Pazmanltenteinpel. Freitag, den 10. d. um dreiviertel 7 Uhr abends und Samstag den 11. d. um halb 9 Uhr morgens finden zwei Gastpredigten des Herrn Rabbiners Dr. Ernst Klein aus Satu Mare statt. Israelitischer Jugendgottesdienst. Am 11. d. um 3 Uhr nachmittags Jugendgottesdienst in den Gemeinde« und Bezirks-Synagogen. Wochen-Kalender Mai 1929 TW-py mm Ijar 5689 10 Freitag 30 Sabbateingang 7.20 Omer 15 «nn mm 'tf 11 Samstag 1 - a Sabbatausgang 8.04 Dwn 'Wön ,owp 12 Sonntag 2-3 Omer 17 13 Montag 3 - a Omer 18 14 Dienstag 4-n Omer 19 15 Mittwoch 5 - n Omer 20 16 Donnerstag 6-1 Omer 21

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