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Die neue Welt · 1929-07-02 · (2.7.1929) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
(2.7.1929)
Date
1929-07-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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f ^ssionslosen, nicht jüdischen Dienst ii i ii d ciien g e w ä h 11." Diesen Artikel haben — das wurde einwandfrei festgestellt — die Herren Dr. Lee Goldhamaer, Präsident des österreichischen Landeskomitees und Herr Or. Z. Fink eis tein, Mitglied und Organisationrefeient des Landeskomitees und Obmann der zionistischen Bezirkssektion Brigittenau, verfaßt und zum Drucke befördert. Man kann daraus ergehen, in welche Hände die offizielle Leitung der österreichischen Zionisten geraten ist. Es wäre aber verfehlt, nur die Genannten verantwortlich zu machen. Die „Stimme" ist das Blatt des Landeskomitees und wird aus Geldern von Zionisten erhalten. Für ihren Mißbrauch sind alle Mitglieder der Parteileitung, die Herren Dr. Friedmann, Böhm, Benedikt, Frau Löwenherz u. a. verantwortlich, alle Mandatare, in deren Namen die „Stimme" erscheint und schreibt. Die Duldung solcher Exzesse, welche ein Beweis moralischen Tiefstandes sind, ist ein Verbrechen an der Organisatior Ergänzend wäre zu bemerken, daß in keiner Wahlrede und in keinem Wahlaufrufe der demokratischen Zionisten auch nur ein die Gegner verletzendes Wort gebraucht wurde. * Das christliehe Dienstmädchen und anderes. Als im Verlaufe des Wahlganges die Niederlage der Friedmann-Liste merkbar wurde, unternahm man Versuche, die Wahl zu stören. In der Leopoldstadt provozierte ein gewisser Herr Spindel, Ausschußmitglied der Bezirkssektion, Krawalle, beschimpfte und bedrohte demokratische Wählerinnen, bezeichnete sie als „Frauenzimmer" und drehte schließlich das Licht ab und ließ das Tor sperren, wodurch viele Wähler an der Wahl behindert wurden. Im Prater versuchte man es anders. Als ein Ehepaar namens Szamek seine Stimmzettel vorwies, stürmten unter Führung des Ausschußmitgliedes Chajim Dörfler einige Leute herein und schrieen, das seien getaufte Juden, Christen. Die Vertrauensmänner der Poale Zion und der Friedmann-Liste stimmten sofort für Nichtzulassung. Nach der Wahl wurde protokollarisch festgestellt, daß die Eheleute jüdischen Glaubens sind und die Anerkennung ihr er Stimmen wird vom Kongreßgerichte gefordert werden. Daraus konstruiert das Parteiorgan die schamlose Lüge vom entlarvten christlichen Dienstmädchen der Demokraten. Wie es um die „gekauften'' Stimmen der Demokraten bestellt ist, kann aus der Statistik der abgegebenen Stimmen ersehen werden. In Bezirken und Orten, wie: Innere Stadt, Aisergrund, Landstraße, Mariahilf, Döbling, Währing, Mödling, Innsbruck, wo die Demokraten weniger Schekalim als die anderen oder gar keine abgeliefert haben, haben sie Majoritäten erzielt! Da müßten also die für die Demokraten stimmenden christlichen Dienstmädchen, gekauften kleinen Existenzen etc. von anderer Seite stammen! Die „konstruierte" Hauptwahlkommission. Um in der Hauptwahlkommission die Demokraten, Revisionisten und Demokraten sicher majörisieren zu können, verschafften sich die Friedmann-Liste und die Poale Zion auf originelle Art eine Stimme mehr. $ie forderten und setzten die Zulassung eines Vertreters }•<•* radikalen Zionismen, welehe niohf bei den demokratischen Zionisten organisiert sind, durch. Auf die Frage, wer und wo denn diese Radikalen seien, konnte man nur zwei, sage und sehreibe zwei Namen nennen, nämlich die Herren Dr. Leo Goldhammer und Dr. Josef Löwenherz. Herr Dr. Leo Goldhammer wurde seinerzeit vom radikalen Verband, welcher jetzt demokratischer heißt, ausgeschlossen und Herrn Dr. Löwenherz wurde der Austritt nahegelegt. Und aus diesen zwei Leuten hat man eine „Schar" von nicht vertretenen Radikalen gemacht! In der ersten Sitzung erschien als „radikaler" Vertreter Herr Dr. Leonhard Eckstein. Auf die Frage des demokratischen Vertreters mußte er zugeben, daß er in seinem Leben nie Radikaler gewesen sei. Als ihn der Demokrat beschwor, an einem solchen Betrug nicht teilzunehmen, legte Herr Dr. Eckstein sein Mandat nieder. Dafür tauchte in den letzten entscheidenden Sitzungen an Stelle des Herrn Dr. Eckstein Herr Moses Rath als Vertreter der „Radikalen" auf. Herr Moses Rath, der Jahre hindurch bei Bekämpfung der Radikalen in vorderster Reihe kämpfte. Herr Moses Rath scheint weniger Bedenken zu tragen als Herr Dr. Eckstein. Auf dieses Stückchen können alle Beteiligten stolz sein, die Friedmann-Leute, die Poalezionisten und HeTr Moses Rath. Nur die zionistische Organisation nicht! * Die „Wahl" in St. Pölten. Am Wahltage traf bei der Hauptwahlkommission ein vom St. Pöltner Wahlleiter und Vertrauensmann der Friedmann-Liste Herrn Rudolf Gewing gefertigtes Telegramm ein, wonach Dr. Friedmann 18 Stimmen und die Poale Zion 9 Stimmen erhalten haben, Stricker nicht eine einzige. Am nächsten Tage traf ein sorgfältig verfaßtes „Wahlprotokoll", gleichfalls von Herrn Gewing gezeichnet, ein, welches dieses Resultat bestätigte. Dafür meldete der demokratische Vertrauensmann aus St. Pölten, daß dort überhaupt keine Wahl stattgefunden hatte. Außerdem legten die demokratischen Zionisten Zeugnisse von St. Pöltener Wählern vor, welche die Angaben des demokratischen Vertrauensmannes vollinhaltlich bestätigen. Das von dem Vertraucnsmanne der Friedmann-Liste verfaßte Telegramm und Protokoll erwies sich als unverschämter Betrug. Nach stundenlanger Beratung stimmte die Hauptwahlkojnmission der Annullierung zu. Die Linzer „Wahlen". ein noch ruhmloseres Kapitel ist dasjenige der Kongreßwahlen in Linz. Am Abend des Wahltages, am 25. Juni, traf der nach Linz delegierte demokratische Vertrauensmann in Wien mit der Meldung ein, daß ihm die Leiter der Linzer Ortsgruppe erklärt hätten, keine Wahlen vornehmen zu wollen, er möge nach Hause fahren. Am nächsten Tage traf beim Landeskomitee in Wien ein Brief des Linzer Wahlleiters, Herrn Fritz Pie singer ein, in welchem dieser Sachverhalt bestätigt wurde. Linz hatte nicht gewählt! Inzwischen war das Wahlresultat bekannt worden. Mit 44 Stimmen hatten die Demokraten die vereinigte Friedmann- und Poale Zion-Liste geschlagen und damit von drei Mandaten zwei erobert. Da tauchte der famose Plan auf, durch eine fingierte Wahl in Linz den demokratischen Vorsprung einzuholen. Die für die Hauptwahlleitung bestimmte Meldung aus Linz wurde nicht weifergegeben, klar gesagt", unterschlagen. Daftlr fuhr der Präsident des Landeskomitees, Herr Dr. Leo Goldhammer, nach Linz und arbeitete dort viele Stunden. Das Resultat dieser Reise nach Linz war eine Wahlkomödie, ein Schwindelt Am 27t Juni trai ein Brief aus Linz ein, mit der Meldung, man hätte Wahlen für den 27. Juni ausgeschrieben. Dann kam ein Telegramm und ein Protokoll! Wie in St. Pölten! Hinter dem Rücken der Hauptwahlkommission war also innerhalb von 2 Stunden, am 37. Juni von 8 Uhr bis 10 Uhr früh angeblich/gewählt worden, ohne daß den demokratischen Zionisten Gelegenheit gegeben worden wäre, einen Vertrauensmann zu entsenden! In dem famosen Protokoll stand geschrieben, daß hundert Prozent der Linzer Wähler von 8 bis 10 Uhr früh zur Wahl gegangen sind und alle, alle haben für Friedmann und Poale Zion gestimmt, keiner für Stricker! Durch diese hundertprozentige „Ausschöpfung" des Linzer Wählerreservoirs war ein Vorsprung von 11 Stimmen gegen die demokratische Liste erzielt und damit der Poale Zion das dritte Mandat er-obert. Aber diese Lüge hatte kurze Beine. Es liegen bereits Beweise vor, daß der Wahlleiter, Herr Fritz Piesinger aus Linz, ein gefälschtes Protokoll unterzeichnet und an dieHauptwahlkommission gesendet hat. In Linz haben keine ordnungsgemäßen Wahlen stattgefunden. Mehr als ein Dutzend von Wählern haben bereits bestätigt, daß sie überhaupt nicht gewählt haben. Die demokratischen Vertreter in der Wiener Hauptwahlkommission legten Verwahrung gegen den von den Herren Dr. Gustav M o r g e n s t e r n7* Rechtsanwalt in Linz, und Fritz Piesinger, Kaufmann in Linz, verübten W a h 1 b e t r u g ein und machten sich erbötig, 13 vonSchekelzahlern ordnungsmäßig ausgestellte Protokolle vorzulegen, aus denen hervorgeht, daß 13 Schekelzahler überhaupt nicht gewählt und 3 Schekelsanier abwesend waren und ein Schekelzahler ein Kind von 12 Jahren ist. Nachdem die Wählerliste nur 49 Namen enthält, im Wahlprotokoll aber 47 Stimmen für die Liste Friedmann-Poale-Zion angeführt sind, ist der Betrug erwiesen. Herr Moses Rath, der sich, wie oben bemerkt, als „Radikaler" ein Mandat in der Kommission von Herrn Dr. Leo Goldhammer auf unehrenhafte Weise hatte zuschanzen lassen, hatte die Stirne, den Antrag zu stellen, über diese Fakten zur Tagesordnung überzugehen. Und so geschah es! Offenkundige Fälschung wurde sanktioniert und so der Versuch unternommen, den Demokraten ein Mandat zu stehlen und es der Poale zuzuschanzen. Das Kongreßgericht in Zürich wird den Demokraten das Mandat zusprechen. Zionisten Oesterreichs!! Die Wahlen haben die Stärke der Idee des Verbandes demokratischer Zionisten erwiesen! Der Verband will seine Kraft daransetzen, die österreichische Organisation wieder aufzubauen und auszugestalten. Wer mit* helfen will, der trete dem Verbände demokratischer Zionisten bei. Schriftliehe Anmeldungen sind an das Büro, IX., Universitätsstraße 6-8, zu richten. Mündliche Anmeldungen werden allabendlich zwischen 8 und 10 Uhr im Verbandslokale, Cafe Produktenbörse, IL, Taborstraße 18, vom Schriftführer Herrn P* Wühl entgegengenommen. Bteeirtümw. VerlegMv Herausgeber ond verantwortfioher Redakteur Oberfeaur&t Robert Stricker. ttruekerelriü Verla*s?A.-6. Ignaz Stetomaon, beide Wien, IX, Üolver^tatsstraie 6—8, /

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