Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 84-85 (24.4.1929)
- Date
- 1929-04-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10 DIE NEUE WELT Nr. 84/85 lil.MARXERGASSEJÖ-32 Telephon : 90-5-67 urd.95-9- .5 8 VI.MAR IAHILF ER STR. 49 Telepho tV...-'.^ i 2 1 verlange rt. S i e p r 6 s p e K t e! Die Regierung hat beschlossen, das Urteil im vollen Umfang vollstrecken zu lassen. * Es ist möfflioh, sogar wahrsoheinlloh, daß der Taufjude als Richter das Reoht zugunsten des christlichen Holländers gebeugt hat und daiiür gegen den jüdischen Farmer die volle Strenge walten ließ. Von den Tauf- und •Assimtlationsijuden im Rieht er talar, welche durch Schikanderung'jüdischer Angeklagter ihre Objektivität beweisen wollen, wissen }a die Juden in aller Herren Länder ein Lied zu singen, aber dais Geschrei von verletzter „weißer Würde":und das Gewimmer von bedrohtem Prestige der „Edelrasse" ist lächerlich und widerwärtig, noch lächerlicher und widerwärtiger, weil Juden mdrschreien. Wenn die Herren jüdischen und christlichen Farmer ein Prügelgesetz geschaffen haben und es für gut und 'heilig halten, solange.es schwarze Menschen betrifft, dann sollen sie den Mund nicht aufmachen, wenn einmal von Gesetzes wegen ein weißes Fell tüchtig gegerbt wird. Fest steht, 'daß der jüdische'Farmer seinen .schwarzen Arbeiter geprügelt hat oder hat., prügeln lassen. Vielleicht sind sieben Jahre Zwangsarbeit für nioht beabsichtigten Totschlag zu viel, laber die zehn Rutenhiebe sind gewiß nicht zu viel. Mehr wäre "besser gewesen. Rassenstolz ist eine rohe und blödsinnige-Sache. Und wenn gar Juden, welche Jahrtausende hindurch-'unter den Ausschreitungen dieses bestialischen Rassenstolzes geblutet haben, auch in „weißem Rassen« stpte" 'machen, wind er zur ekelhaften Groteske. Der jfidisohe;Deputiertenrat hat gut getan, seine Mithilfe zu verweigern. Katholische Frauen gegen die judische Gemeinde in Braganza. Aus Lissabon meldet die J. T. A.: Eine Ab* Ordnung, der Organisation katholischer Frauen Portugals erschien'beim Gouverneur von Braganza und ersuchte ihn, der.v; neugebildeten jüdischen Gemeinde die offizielle Anerkennung zu versagen und ihre Organisation zu veitbieten. "Als Begründung gaben die katholischen Frauen an, daß die Juden Freimaurer sind. Der Gouverneur wies das Ansinnen zurück und forderte die katholischen Frauen auf, die jüdische Religion als gleichberechtigt zu' respektieren. Er' informierte über diesen Zwischenfall die jüdische Gemeinde. Dje Rückkehr der portugiesischen Mara,ri;nen zum Judentum schreitet fort. Die Marariinen-Gemeinde in Braganza ist im ständigen Wachsen begriffen. In der neuerbauten Synagoge finden täglich Gottesdienste statt; an Samstagen tragen die Gottes1dienste.-einen besonderen festlichen Charakter. Die Marannen von Miranda und Dovoüvo haben ebenfalls "beschlossen, den offiziellen Uebertritt zum Jüd e n t u m zu vollziehen. Wochen-Kalender April-Mai 1929 'JD'J &"Enn Nissan 5689 | 26 Freitag lB-rc> Sabbateingang 7*— Omer 1 nDS 2 . 27 Samstag 17 Sabbatausgang 7-44 Omer 2 dwi naw 28 Sonntag 18-ro Omer 3 nyion 29 Montag M-to1» Omer 4 ny^n br\ 38 Dienstag '«•-3 Omer 5 -jy^n y ', - •. 1 MIttwMb 21-itt Omer 6 nDD? 2 Donnerstag 22-)tt Omer 7 nDD 8 iim Erstklassiger noe rjt*n Iii« rtöpö f sowie Wach* liefert zu besonders billigen Preisen I der Selbsterzeuger I« J, STAHL, Wien, «., Schiffamtsgasse s/1 Korrespondenzkarte genügt Jedes Quantum wird auf f Wunsch ins Ha,us geliefert. Das hebräische Technikum in Haifa. Hervorragende Lehrerfolge. — Schwere Konflikte in der Verwaltung bedrohen die gesunde Entwicklung. Die Teilnehmer an der Palästinareise des Verbandes demokratischer Zionisten Oesterreichs hatten Gelegenheit, das hebräische Technikum in Haifa eingehend zu besichtigen. Es ist keine Uebertreibung, wenn man diese Anstalt als eine der größten Errungenschaftenjüdischen Geistes und jüdischer Arbeit rühmt. Der Erbauer des herrlichen Gebäudes, Baurat Alex Baerwald, jetzt Professor für Architektur am Technikum, war so zuvorkommend, dem Herausgeber der „Neuen Welt" einen eingehenden Bericht über die Entwicklung, des Technikums zu übergeben. Einige wichtige Stellen aus diesem Berichte seien nachstehend wiedergegeben: „Das Technikum kann in diesem Jahre auf ein vierjähriges Bestehen zurücksehen und hat im Dezember die erste Generation von A. rchitekten und Ingenieuren mit dem Diplom ins praktische Leben entlassen. Diese vier Jahre intensiver Lehr- und Lerntätigkeit bergen eine starke Entwicklung in sich und sind der Anfang dazu, Haifa zum technischen Zentrum Palästinas zu machen. Als man vor 19 Jahren begann, das Technikum am Abhang des Karm e 1 zu bauen, hielt man allgemein diese Tat für gänzlich phantastisch. Ringsumher stand kein einziges Ge bäude. Weit draußen über der Altstadt Haifas, auf verwahrlostem, nur mit einigen Oelbäumen bestandenen Terrain, ohne Zufahrtsstraße, entstand ein für die da maligen Verhältnisse Palästinas riesiges Gebäude. Heute liegt es im'Zeutr um einer neuen jü^schen Vorstadt und genügt kaum noch den Bedürfnissen.- Nach mancherlei Schicksalen, die das Gelände in Krieg und Frieden durchgemacht hat, gelang es der Energie der ersten Direktoren Blok und Heck er, die Fertigstellung und Inbetriebnahme des Technikums als technische Mittelschule im Februar 1925 mit 25 Schülern zu erreichen. Die Schülerzahl zeigte, in den folgenden Jahren eine ständige Zunahme: 1925 . . . Y i s * 25 1926 . . 3 .' « j; 65 1927 ....... 85 1928 ....... 97 1929 ....... 125 und beweist schlagend die Notwendigkeit einer' solchen technischen Erziehungsanstalt. Die Schüler stammten in den ersten Jahren ausschließlich aus Osteuropa (Rußland, Polen p. t), und erst in den letzten Jahren haben die Palästinenser selbst ihr Mißtrauen gegen die Schwedens beste Rasierklinge rasiert schnell, angenehm, erhält die Haut zart neue Anstalt überwunden und schicken ihre Kinder ins Technikum. Der Drang zur höheren technischen Ausbildung ist so stark, daß. junge Leute, die bereits jahrelang als Arbeiter im Lande tätig waren, ihre Arbeit verließen und wieder die Schulbank drücken-" „In diesen vier Jahren hat das Institut eine Uniwandlung erfahren. Sowohl die Lehrerschaft als auch die Schüler drängten dazu, das Technikum in eine technische Hochschule zu verwandeln. Die Gründe dafür sind mannigfaltig. Der starke Intellekt unserer technischen Jugend forderte das Beste und Höchste an technischer Erziehung, was nur möglich ist. Der jüdische Student konnte und kann sich nicht damit begnügen, die technischen Wissenschaften auf dem Wege der ihnen gegebenen Formel zu erhalten, wie es auf den technischen Mittelschulen geschieht, sondern er will die wissenschaftliche Entwicklung und Ableitung dieser Formel begreifen und so imstande sein, in jedem Fall der Praxis selbständig den Weg der Lösung zu finden. Auch die Lehrerschaft des Technikums, die von ihrem Beruf die idealste Auffassung hat, ist, da sie. sich nur aus Akademikern zusammensetzt, gar nicht in der Lage, technischen. Mittelschulunterricht zu geben, wenn sie ihr Bestes geben will. So ergab es sich geradezu zwangsläufig, daß der Unterricht ein akademischer wurde, und obgleich der Charakter der Anstalt von der Zionistischen Organisation als Hochschule noch nicht amtlich festgelegt und bestätigt worden ist, entsprechen Lehrplan und Leistungen denen einer europäischen Hochschule. Nur dieses Programm bewegt die jungen Leute aus Osteuropa und Palästina, das Technikum zu besuchen. Ein Zurückschrauben der Anstalt auf ein niedrigeres Niveau würde den Niedergang und Untergang der Anstalt bedeuten. Die Aufnahmsbedingungen für das Technikum sind so verschärft worden, wie sie von einer Hochschule verlangt werden müssen, und entsprechen den Bedingungen, die zur Zulassung an eine englische Universität erforderlich sind, d. h. Reifezeugnis eines Gymnasiums oder Realgymnasiums. ,Das Technikum in Haifa hat zurzeit zwei Abteilungen: Architektur und Elektrotechnik. Es fehlt noch besonders ein Laboratorium für Baumaterialienprüfung. Erst das Vorhandensein dieses. Laboratoriums, würde Tonangebend I wie immer sind KRUPNIK,S Sommermodelle Die schönsten elegantesten Mäntel, Complets, die neuesten Trotteur-Kostüme, Nachmittags- und Gesellschaftstoiletten für den verwöhntesten Geschmack, zu unseren billigen Preisen Modenpalais JULIUS KRUPNIK Wien, VIL, Kaiserstraße Nr. 115 Wir haben nirgends Filialen! | das Technikum zum wahren Zentrum des technischen Lebens in Palästina machen." -Materielle Sorgen erschweren zwar die Arbeit der Anstalt, sie haben aber nicht vermocht, die Lehr- und Lernfreudigkeit von Lehrern und Studenten zu erschüttern. Eine ständige Ausstellung der Arbeiten der. Studenten zeigt dem Publikum den Standard der Anstalt. Es ist als großer Erfolg der jungen Hochschule zu buchen, daß die Regierung ihr großes Interesse am Technikum dadurch bewiesen hat, daß sie die Aufgaben für die Diplomarbeiten prüfte und zur mündlichen Prüfung zwei höhere technische Beamte als Kommissäre abordnete,, die nicht nur den Gesamtyerlauf der Prü^. fung überwachten, sondern auch vielfach persönlich in, die Prüfung" eingriffen^" „Man hört noch mancherlei Zweifel, ob unser kleines Land imstande sein wird, den Diplomingenieuren und Architekten des Technikums Arbeit und Verdienst* möglichkeiten zu geben. Andere sagen, es kämen so viele fertige Architekten und Ingenieure ins Land, daß sie allein für die Bedürfnisse des Landes genügten, ja sogar nicht einmal alle Arbeit gefunden hätten. Das ist für die Zeit wirtschaftlicher Depression richtig. Aber die Entwicklung Palästinas, die wir von Tag zu Tag sich entfalten sehen, muß und wird diese Verhältnisse allmählich bessern. Vergessen wir auch nicht, daß den jungen Absolventen der ganze vordere Orient offen steht, dessen technische Entwicklung noch in den Kinderschuhen steckt und der auf seine technische und industrielle Erschließung durch tüchtige Fachleute wartet. Die jüdische Oeffentlichkeit fängt an zu begreifen, daß das „Technikum" vielleicht die schönste Blüte ist, die der Zionismus in Palästina hervorgebracht hat. Mögen sich Menschen finden, die helfen, sie zur köstlichen Frucht reifen zu lassen." * Mit Bedauern muß aber festgestellt werden, daß die im Berichte Professor Baerwalds richtig geschilderte gute Entwicklung der Anstalt durch schwere Konflikte in der Verwaltung bedroht erscheint. Zur Zeit des Besuches der Anstalt standen mehrere der Hauptlehrer, das sind die Lehrer, denen die Anstalt ihre wissenschaftliche Entwicklung verdankt und die unter schwersten Verhältnissen ihr Bestes gegeben haben, im Ausstand. Sie erklärten, unter den gegebenen Verhältnissen nicht weiter lehren zu können. Ihre Anklagen richteten sich gegen die Z i o n i s t i s c h e O r g a n i s a t i o n» gegen die zionistische Exekutive in Palästina, welcher derzeit die oberste Leitung der Anstalt obliegt. Die wesentlichsten Beschwerdepunkte sind: Das von der zionistischen Exekutive ernannte Kuratorium ist ohne . Berücksichtigung der sachlichen Fähigkeiten willkürlich zusammengesetzt und arbeitet systematisch dahin, der Lehrerschaft jeden Einfluß auf die Organisation und den Lehrplan der Anstalt zu nehmen. Im Lehrersenat ist Cafe Reklame Cafetier: Jakob GoldfUefc Wien, II., Pratersirafje Nr. 34 anschließend die. „Jüdischen Künstlerspiele" / Vorzügliche Getränke und kalte Speisen zu billigen Preisen / Rummy- Spieltische > Treffpunkt der jüdischen Gesellschaft