Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 84-85 (24.4.1929)
- Date
- 1929-04-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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r gelte 8 Nr. 84/85 Gemütlichste Abende HDD Feiertage in Baden b Wein finden Sie nur im Restaurant Stern Antonsgasse 13, Fransensrfng 34 *VDD .nun« WKV Telephon 1154,8 Anerkannt beste jüdische Küche :: Kulanteste Bedienung Herrlichste Lokalitäten :: Zivile Preise Voranmeldungen erwünscht 1 Eii?e Sabbatfeier des Baal-Schein Von Popper-Lynkeus. Dr. Wittels: „Was für ein Baum, auf dem im Alter solche Früchte reifen." 1 Wie bekannt, hatte der. .Baal-Schern stets eine große Sehnsucht nach Erez Israel, dem gelobten Lande seiner Väter; nach langem Zögern entschloß er sich endlich, dahin zu wallfahrten und trat die Reise an. Er machte sich also, es war einem Freitag frühmorgens, auf den Weg und hoffte, noch lange vor Anbruch des Sabbats in der nahen großen Gemeinde anzukommen, wo er Samstag vormittags über Erez Israel predigen wollte. Der Baal-Schern saß im Wagen und sprach sein Morgengebet, während das klein* Pferd den leichten Wagen munter fortführte und der Kutscher die Peitsche lustig knallen ließ. Solange das Morgengebet währte, war das Wetter klar und freundlich. Kaum war es aber zu Ende, da trübte sich der Himmel, finstere Wolken z0gen herauf, es begann zu blitzen .und zu donnern und ein wolkenbruchartiger Regen ging hernieder und erschwerte die Weiterfahrt. Der Baal-Schein hielt das für ein Zeichen des Himmels, er solle seine Reise aufgeben. „Warum sollteaber der Ewige eine Wallfahrt nach dem gelobten Lande nicht gutheißen?" dachte er und in seinem Zweifei bat er, der Herr möge m ihm ganz deutlich sprechen. Gleich darauf, es war um die zehnte Stunde, erscholl von oben eine Stimme, die verkündete: „Wenn der Baal-Schern nach Palästina kommt, müßte auch der'.M es-, sias kommen, für dessen Ankunft ist aber die Zeit noch nicht reif." Infolge dieser göttlichen Stimme gab er die Weiterreise auf. Da es ihn aber sehr schmerzte, Er©z Israel nicht sehen zu können, so bat er den Himmel, er,möge ihn zum Tröste bald etwas sehr Merkwürdiges und sehr Schönes, erleben lassen, etwas, was sein Herz hinaufzieht; der Ewige wisse ja, daß der Baal-Schern nicht gerne lange trauere und Gott für jede Freude danke, jede Freiide komme ja vom Herrn, gesegnet sei sein Name! Er hieß darauf den Kutscher umkehren und nach Hause fahren.! An diesem Tage war der Baal-Schern zwar schon 60 Jahre alt, aber seine Natur war noch immer so frohgemut wie bei einem Zwanzigjährigen, und so erwartete er mit Sicherheit und in heiterster Stimmung, daß sein Gebet erhört würde. Während der ganzen Rückfahrt dachte er nur an das Besondere ufld sehr Schöne, das ihm der Himmel zukommen lassen werde. Wahrscheinlich, dacthe er, wird irgendein mächtiger Fürst mir entgegenkommen und mich vor allem Volk begrüßen, zui^ Belohnung für meinen Gehorsam gegen die Stimme Gottes. Wer weiß? Oder vielleicht wird mir eine außerordentlich schöne Frau begegnen, die mich eigens aufsucht, um mich zu beglückwünschen und zu sich einzuladen. Man kann nicht wissen! Er hieß nun den Kutscher etwas schneller zu fahren, damit sie gewiß noch vor Sabbatanbruch nach Hause kämen. Zur rechten Zeit kamen sie an. Der Wagen hielt vor einem Vorgarten, der zum „Karmel-Original" (Friedmann, Petach Tikwah) und andere edle Sorten Wein Feierliche Seder-Abende Anmeldungen erwünscht: Restauration ,Wienea* II» Obere Donaustrafie 9i // Tel. Die ««libtrahmten und bevorzugtesten Amerikanischen HANISCHEWITZ Farvel i Gries I nrcöTwwttpjKö I «iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii sind bereits elngetrollen und In allen besseren Lebensmittelgeschäften erhältlich Eine Spezialität sind die neu eingeführten Matzo-trackers, eine besondere Freude für die Kinder B Manlschewifz Natzos Vertrieb Wien« Um Fugbachgasse 24 Tel. Nr. R-23-9 32 u. R-48-0-82 Filiale: Ig Prost, IL, Haidgasse 9, Tel. A-41-8-64 Hause des Baal-Schern gehörte und dieser, etwas mißmutig, weil ihm nichts Schönes auf der Reise begegnet war, stieg vom Wagen, bezahlte den Kutscher, empfahl sich freundlichst von ihm, öffnete die Gartentüre und schritt seiner Wohnung zu. Bevor er aber noch eingetreten war, hörte er Pferdegetrappel hinter sich und immer näher kommen und wie er sich umdrehte, sah er zu seinem Erstaunen das kleine Pferd herantrippeln. Der Baal- Schern rührte sich nicht von der Stelle, das brave Tier aber stellte sich, vor ihn hin und-begann: „Sieh* doch, von dem Kutscher hast du dich so freundlich verabschiedet,' obwohl er nichts anderes getan hat, als öfters mit der Peitsche zu knallen und mich mit ihr aufzumuntern, obwohl das gar nicht nötig gewesen wäre. Sonst aber* saß er bequem im Wagen und ließ sich zugleich mit dir von mir ruhig fortführen. An mich aber hast du vergessen. Und ich habe doch die ganze Arbeit gehabt! Ohne mich und ) ohne meine ordentliche Aufführung wärst du nicht E32.AIMSCHEINS IVD Unerreicht in Qualität und Preist ,ir Erzeugt unter streng ritueller Aufsicht Seiner Ehrwürden des Herrn Öberrabbiriers S. Fürst Darf in keinem jüdischen Haushalt fehlen nee bv Ueberau erhältlich | KARL BLAIMSCHEINS Vereinigte Margarine- und Butterfabriken, Wien, XIV., Diefenbachgasse 59 nach Hause gekommen, und wenn ich nicht so fleißig gelaufen wäre, hättest du nicht vor Anbruch des heiligen Sabbat deine Wohnung erreicht. Warum hast du dich nicht bei mir bedankt? Und mir nicht einmal ein freundliches Wort zürn Abschied gegeben?" Nach diesen Worten, während der Baal-Schern Wie starr vor Staunen dastand, erhob das Pferdchen den rechten Voredrfuß, streckte seinen Huf dem Baal- Schern wie zum Gruß entgegen und sagte: „So sei gegrüßt und wir wollen Freunde bleiben für immer", worauf der so Angeredete ergriffen mit seiner Rechten den Huf umfaßte, tüchtig schüttelte und ausrief: „ja, du hast wacker gearbeitet und verdienst meinen Dank! Gelobt sei der Ewige, der jede Arbeit anerkennt und belohnt und uns zu ermahnen weiß, den Arbeiter nicht zu vergessen! Gepriesen sei der Herr, der auch im Tier seine Herrlichkeit offenbart und der mich würdigte, das Sonderbarste und Schönste zu sehen!" Darauf wieherte das Pferdchen vergnügt, wandte sich um und lief zum Wagen, vor dem es sich stellte und einspannen ließ. Der Baal-Schern aber trat in seine Wohnung, begrüßte sein Weib und stimmte dann das Lecho-Dodi, um den Sabbat zu begrüßen, mit soviel Freude und mit so heller Stimme an wie noch nie. _^ Musik ist das geeignetste Mitte), um den Anforderungen, die der Kampf um den Lebensunterhalt an die angegriffenen Nerven stellt, zu entsprechen. Ein geeignetes Mittel ist die Anschaffung einer Sprechmaschine, die es mit Hilfe der neuesten elektrisch aufgenommenen Schallplatten ermöglicht, zu Hause jederzeit gesellschaftliche Unterhaltungen zu finden- Das Musikhaus „Exzelsior", Wien, L, Adler-gasse 5, Telephon R-23-4-90, II., Kleine Pfarrgasse 28, Tel. A-41-6-24, und Taborstraße 48, hat In seinen Schaufenstern und im Lokal, L, Adlergasse 5, eine für jedermann ohne Kaufzwang frei zugängliche Schaustellung von nur erstklassigen Apparaten (jedes Stück mit dem Kassapreis gezeichnet) arrangiert, Zahlungserleichterungen von 12 bis 18 Monatsraten selbstverständlich. Wir sind fest überzeugt, daß die Freude, die Jeder Familie durch dieses Wunder menschlicher Erfindung bereitet werden kann, den geringen Betrag voll aufwiegt. , . E I Die prügelnde Edelrasse. Ein Schwarzer totgeprügelt. — Das „Prestige" der weißen Totschläger. — Heilige Entrüstung. Die Jüdische Telegraphenagentur meldet einen nicht alltäglich klingenden Fall aus Johannesburg in Südafrika: Der Richter Sau'l Solomon hat den jüdischen Farmer im Bethaklistriikt Jack Nafte wegen Totschlages, verübt an einem seiner schwarzen Arbeiter, zu sieben Jahren Gefängnis und außerdem zu zehn Rutenstreichen verurteilt. Das Urteil, besonders die Prtigelbestimmung, hat Empörung'unter den jüdischen und nichtjüdischen Farmern im Bethaldistriikt und über die Grenzen dieses Distriktes hinaus hervorgerufen. Im ganzen Lande entspann sich eine lebhafte Kontroverse, die sich im Hinblick auf die bevorstehenden allgemeinen Wahlen zu einer politischen Streitfrage entwickelt, die das gesamte Farbig e n p r o b I e m in Südafrika und. wohl auch die Judenfrage aufrollt.- Der Distrikt Betfoal ist ebenso wie die Distrikte Devon und TrJchardts von zahlreichen jüdischen Farmern bewohnt. Der südafrikanische jüdische Depu Her tenrat führt gegenwärtig eine Aktion zur Ansiedlung weiterer jüdischer Farmer in diesen Distrikten durch. Die jüdischen wie die nichtjüdischen Farmer sehen in dem Pr ügelstraienurteil - eine ■ D e g r a d i e; r u n g d e weißen Rasse und dadurch eine Gefährdung des, Prestiges der Weißen unter den Eingebornen. Es ist dies das erste Mal, daß an einem Weißen die Prügelstrafe vollzogen wird. Der jüdische Deputiertenausschuß, der ersucht worden war, sich an der Aktion zugunsten Naftes zu. beteiligen, erklärte, er wolle in die Justizhoheit •n <i cht eingreifen. Von anderer Seite wird wieder! der Versuch unternommen, die Angelegenheit im anti-; •jüdischen Sinne auszuschlachten; man hofft aber, daß dieser: Versuch scheitern wird. Die Tötung des schwarzen Arbeiters vollzog nicht, eigentlich Jaok Nafte, sondern sein Verwalter van Niekerk, ein Holländer. Das Gericht trennte aber den Fall; Niekerk ab. Vor Gericht verteidigte sich Niekerk dahin,, daß der Schwarze ihn und seine Frau schwer bedroht, habe und daß die Tötung in Notwehr erfolg sei; Er wurde, vom Gericht nur wegen U e b e r s ch r e i t u n g der. Notwehr schuldig erkannt , und zu einer Geldstr^e von. 30 Pfund verurteilt. Gegen Nafte aber wurde ein Verfahren wegen Mordes eingeleitet. Die Jury aber empfahl ihn der Gnade, well durch den Gang der Untersuchung er-, sichtlich wurde, daß eine Tötungsabsicht nicht vorlag.! Richter Saul Solomon erkannte trotzidem auf sieben Jahre Gefängnis, verbunden mit Zwangsarbeit und zehn Ru t e n s t r e i che n. Er führte zur Begründumg aus: Die Bestrafung würde nicht angemessen sein, wenn sie nicht' auch eine körperliche Züchtigung, wie sie Nafte seinem schwarzen Arbeiter angedeihen ließ, einschließen würde. Der Kontrast zwischen dem Urteil gegen Niekerk und dem gegen Nafte: hat starkes Aussehen erregt und zu. scharfen Angriffen in der Presse gegen Richter Solomon, geführt. Richter Saul Solomon ist nicht Jude, aberi jüdischer Abstammung. Sein Vater war der aus. dem Judentum ausgetretene spätere christliche Missionär E. Solomon. •* Aus J oh a n n i s b u r g, 16. April, meldet die J.T.A.: NttttHIIIIIMIII il.....IHllllUilll Ulli ililllllilillllllilllll IllftiltllMHIIIItllllilllli Ii ......I IIIIIIIIIIII Ii uiiiiiiir(ii(iiifMii(ii(«ttiM(H((m(Mi(fTwtimiiiifii'' llllllllllll|lllllltllllllllM|IIIHIIII|lll|HIIItmUI|tlt* 3 Ii SIE GM. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUEREI jj Zentrale IX., Bera-ffa-s* 19. Telephon 17-3-99 u. 16-9-34 ff 11............................. ........" 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