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Die neue Welt · 1929-04-24 · Heft 84-85 (24.4.1929) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 84-85 (24.4.1929)
Date
1929-04-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 30 Groschen V. b. b. DIE NEUE WELT BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.*-; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc. 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. REV U E BEZUGSBEDINGUNGEN; Deutschland monatlich Mark l.~, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schwerer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25~2~82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 3 Mittwoch, den 24. April 1929 Nr. 84185 Sonnenthals letzter Tag Seite 12 SPEZIALHAUS für original ausländische Herren- und Damen- Trench-Coatsi (Allwettermäntel) ■ sowie Seiden- und Oeiseidenmäntel für Damen ■ Auch bequeme Teilzahlungen I VII., Schottenfeldgasse Nr. 28 1 Telephon B-31-5-30 ' WBBBEKUBBMBm ^ammämm^m^mammm^mmmKmm^mm^a^mmmmmm^mmmmmmmmm^mmmmmmmm "\ Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. / Die nächste Nummer der „Neuen Welt" erscheint wegen der Feiertage erst" am 10. Mai. ■ i T,":.....-.. .- ,h-:\ —- ' 1 1 Aus dem Inhalt: I)r. Fritz L ö wen s t e i n, Jerusalem: Brief aus Pa- ^^firiä. :{ r;;-';- .• -r Zionismus und Assimilation im^ Zionismus.; < . ' fc£l£y ß:..Helmweli.\.::; $äzzoth in SowjetrujJlahd. ,7 Die englisch-jüdische Vereinigung. Wiener zionistischer Delegiertentag. Ritualmorddebatte im preußischen Landtag. jösef P6pper-Lynkeus: Eine Sabbatfeier des Baal Schern. /; Pie-prügelnde Edelrasse. b. sz;: Die Märtyrer von Dzykow.: Dias hebräische Technikum in Haifa. Die(Vierzahlin der Hagadah. .' . Aus der jüdischen Turn- und Sportbewegung. — Hakoahs Siegeslauf. Schalom Asch: Die Mutter. . Schalom Alechem: Komödianten. _ Der Minderheiten-Kongreß, Tagung der Exekutive.;Das Präsidium der Europäischen Mitider-heiteukonferenz «tagte in Paris vom 12. .bis 16. April. An der Konferenz nahmen von sehen' der deutschen Minoritäten der Lettländer Paul Sc hie mann, von-seiten der Slawen der' (italienische Vertreter W i 1 f a n, ' in Vertretung der ungarischen Minderheiten der tschechische Abgeordnete Dr. Geza SzuUö, in Vertretung der Kataüaner Doktor M.as'poais'und der j-üdischen Minoritäten Dr. Leo Mo tzki u teil. - Zuletzt ihatfe der Völkerbund toekanntlich beschlossen, die interessierten Staaten mögen ihre Vorschläge in der Minoritätenfrage bis 15. April dem D r e i e r a u 3 s c h uß unterbreiten. Die Leitung der Europäischen nationaien Minoritäterikoniferenz hat den Dreierausschuß ersucht, nicht nur die einzelnen Staaten, sondern1 auch die Leitung der zur Interessenvertretung' der Minoritäten bestimmten Konferenz anzuhören. Diese Forderung-ist unter anderem auch im Hinblick auf die jüdischen Minderheiten, die in keinem Staate eine Volksmehrheit darstellen,; besonders wichtig. * Dieser Brief wurde durch den japanischen Botschaf- , ter Adaci, den Präsidenten des Dreierausschuisses, sogleich beantwortet. Von- .'ihm ' erging an die Konferenz-. leitimg die Aufforderung, unverzüglich eine Denksc'<br"if t zu verfassen und ihm zukommen zu lassen. : Seit dem zehnjährigen Bestand des Völkerbundes ist.dies der erste Fall, daß in. der Minoritätenfrage nicht nur dje im Völkerbunde vertretenen Staaten, sondern auch; die -gesellschaitilichen .Organisationen vernommen werben, _ %>; _ ......._....... . Das Pessachfest und seine Bedeutung in Vergangenheit und Gegenwart. Von Dr. Paul J. Di a m a n t. Wodurch ist dieses Fest ausgezeichnet vor allen anderen Festen? Durch vielerlei, wie wir im folgenden ausführen werden, vor allem aber durch sein ehrwürdiges, hohes Alter. Seit vor mehr als 3000 Jahren, wohl zum. erstenmal in der Geschichte, ein Freiheitstraum sich erfüllte, wird Pessaoh gefeiert; seit einem Despoten und seine mVoIk von Leibeigenen ein Bahnbrecher der Menschheit und ein Volk frei sein wollender Männer erfolgreich gegenübertrat. In die Wüste zogen unsere Vorfahren, reinigten sich von dem.Aussätze Ägyptens und drangen in das Ostjordanland vor, um das Land, das schon damals das Land ihrer Väter und daher ihr Vaterland war; zu besiedeln.'Aberschondamals, wie auch oftnoch später; s.ä R.i n. Jerutea I e m; d e r F e i n-d. Aradchlbä, .der .Stadtkönig von yrusalim, kein würdiger Nachfolger Melchizedeks, 'sondern' ein Soldknecht des Pharao, schrieb zitternd dem ägyptischen Großkönig: „Sende, o Pharao, bald ein starkes Heer nach Chanaan,' denn die Chabiri — die Hefa r ä e r—bedrohen dein. Land. Doch Aegypten war ein Reich mit tönernen Füßen und konnte seine Vasallen vor der Niederlage durch freie Männer nicht mehr schützen. Die Hebräer besiegten die Emire im Osten und die Häuptlinge im Westen des Jordans. Von Dan bis Berscheba reichte .ihr Reich,.wechselvoll war ihr Schicksal, aber nie vergaßen sie an den Auszug aus Aegypten, stets feierten sie im Frühlingsmonat die Pessachtage. Die hebräischen Hirten waren Ackerbauer geworden, die das Pessaohauch als Frühlingsfest feierten, sie, die Naturkenner und Naturenthusiasten lange vor Rousseau waren, feierten in den Pessachtagen die erwachende Natur. Wir wissen nicht, wie an den Flüssen Babels dieses Fest gefeiert wurde, aber als das Volk aus der Verbannung zurückgekehrt war, da wurde die Pessachfeier ein nationales Wallfahrtsfest. Alljährlich kam aus allen Teilen des Landes das Volk nach Jerusalem, brachte die frühen Früchte des wärmeren Galiläa als Erstlinge dar und feierte zu Hunderttausenden in seiner Hauptstadt sein altes Fest, Welch' machtvolle, selbstbewußte Offenbarung nationaler Einheit. Begreiflicherweise war dies den Römern ein Dorn im Auge, als wieder der Feindin Jerusalem saß, und neben Moriah und Zion in der. Burg Antonia der römische Prokurator residierte. Am Pessachtage kam es stets zu Konflikten mit Rom, das seinen Adler an Stelle des jüdischen Löwen in Jeru- „Vom Else befreit sind Strom und Bäche ... Ihr Frühjahrs-Ausflug führe Sie nach dem schönen Alle Hotels, Pensionen und Sanatorien haben ftirdieFrühjahrft'Saison bereits eröffnet! LLOYD TRIESTINO DIREKTE LINIE TRIEST-JAFFA UND RETOUR Abfahrten jeden zweiten Donnerstag 8 Uhr abends Fahrtdauer unter Berührung von Brindisi bloß 5l/a Tage Fahrpreise: I. KI. Lst. 22.—.-—, II. Kl. Lst. 15.—.-—, III. Kl. Lst. 5.—.— inklusive Kabine und Verpflegung C/mluvim besondere Ermässigung Eine Fahrt Triest — Jaffa — Haifa und zurück kostet in der III. Klasse inklusive Kabine und Verpflegung bloß Österreich. Schilling 345.— Für Gesellschaftsreisen besondere Ermäßigung l Auskünfte: Lloyd Triestino, Wien, I., Kärntnerring 6 Telephon: U 46-0-33, U-46-0-54, U-46-0-33 salem aufgepflanzt hatte. An Rom zerschellte der ohnedies nicht festgefügte jüdische Staat, wieder, mußte unser Volk ins Exil ziehen, das längste seiner Qesahiehte, vielfach länger als das siebzigjährig^ ba* bylonische und das voh. Aegypten, das 400 jähre währte. Bs galt: nun^in^der-) Diaspora neue Formen des Judentums zu schaffen, Ueberlebtes und Veraltetes aufzugeben. Wie Megillath Thaanith meldet, ward eine große Menge von historischen Gedenktagen, Erinnerungfeiern und Siegesfesten aufgegeben, da man meinte, daß sie nun jede Bedeutung verloren hätten, aber das Pessachfest wurde mit verstärkter Innigkeit und tieferer Bedeutung als F a m i 1 i e n f e st gefeiert. Die so volkstümliche Pessachagadah entstand; die Erzählung vom Auszug aus Aegypten, verbunden mit weisen Erläuterungen, gewürzt durch geistvolle. Glossen, umrankt von bildhaften Gleichnissen und beschlossen von dem tiefsinnigen, melancholischen Ghad Gadjah. Das ist die Hagadaih schel Pessach, die neben der Bibel das verbreitetste Buch des Juden=i tums geworden ist. Sie begleitete das jüdische Yolk nach Europa, nahm an allen seinen Schicksalen und Kulturformen teil. Im Mittelalter wurde sie -für jüdi* sehe Künstler Anregung und Unterlage für herrliche Buchmalereien, die auf der Höhe zeitgenössischer Kunst standen; der orientalische Schriftinhalt wurde — welch' seltsame und reizvolle Synthese in der, Auffassung des europäisch-gotischen Menschen verdeutlicht und wiedergegeben. Als später dann Gutenbergs-Kunst der Menschheit geschenkt wurde, da war die PessacMiagadah einer der ersten hebräischen Texte, die im Druckverfahren vervielfältigt und deren Illustrationen im Holzschnittdruck wiedergegeben wurden. In Prag, dem alten jüdischen KulturmitteU punkt, gab ein Enkel der ersten Inkunabeldrucker im Jahre 1526 die älteste uns bekannte Hagadah mit Holzschnitten heraus, bei der das Erzeugnis der neuerfundenen Druckerpresse noch an die Meisterihan4 des Buchschreibers erinnert. Auch die neueren Erfindungen — wie die Technik des Kupferstiches — wurden in den Dienst des alten Büchleins gestellt. Ende des 17, Jahrhunderts erschien in Amsterdam die erste mit Kupferstichen illustrierte Hagadah,, die wiederholt nachgeahmt, bis heute Vorbild für manche gute und in der Jetztzeit für viele schlechte Nachahmungen geworden ist. Wie traurig und grotesk, daß dieses Fest, , das trotz seines Ursprunges keinen Kampfgeist mehr atmete, das nur erfüllt war von frommer Erinnerung und familiärer Innigkeit, so böswillig mißverstanden wurde. Aus der Mitte der Völker, die — trotz ihres Evangeliums, das die Feindesliebe predigt — nie aufgehört haben, sich gegenseitig in blutigen Kriegen durch dauernden Aderlaß zu schröpfen, aus der Mitte dieser Völker, die den Frieden kaum kannten iiii'd ständig blutbeflekt durch die Geschichte schritten, wagten gar häufig Stimmen laut zu werden, die des Genusses von Menschenblut jenes Volk beschuldigten, das selbst Tierblut zu genießen sich verabscheut. _u Hätte» doeü die Schriftgelehrtea dei Kölker.

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