Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 80 (29.3.1929)
- Date
- 1929-03-29
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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9 Seite 12 DIE NEtJE WELT Nr. 80 Hier mußte man den Weinscheitker dahin unterbrechen, daß man von ihm nichts über den Verstand vom Wein hören will, sondern et\Vas anderes. Behauptet man doch, daß die Akteure des Jüdisclifett Theaters bei ihm eine ganze Nacht gesoffen haben. Oesoffen? — Das Wort nur hörend, lacht Henich auf. Chachacha! Alles heißt schon „gesoffen". Gut: „gesoffen!" Ein Jud sauft!! Die Geschichte war so: Er steht sich im Keller bei der Arbeit, das heißt beim Wein, kommt man zu ihm hinunter und sagt ihm,,die Akteure vom Jüdischen Theater sind gekommen Wein trinken. Hat er alle Arbeit beiseite geworfen, geglaubt, daß man hier einen schönen Schluck Wein machen wird, daß der Wein sich nur so gießen wird. Zuguterletzt zeigt sich's, daß sie alles in allem dritthalb Oka Wein vom roten Wein und ein Oka Wein vom \Vejßen Wein getrunken haben. Vom Wein haben sie nur gesprochen und für Henich ist es abgemachte. Sache* daß wer Vom Wein redet, keinen Wein trinkt, und wer Weih trinkt, nicht vom Wein redet. „Das ist alles richtig," hat man den Weinschenker unterbrochen und ersucht, er möge lieber, das erzählen, was er über das davongelaufene Paar .wisse. Da stellte sich erst heraus, daß er über das davongelaufene Paar^genau so wisse wie die anderen. Das heißt, die Geschichte war so: Als er frühmorgens aufgestanden war, ging er zuerst hinunter in ,den Keller zum' Wein —; „Genug vom Wein," sagte man zu Henich Weinschenker und nahm Jechiel den Musikanten her. \, Jechiel der Musikant ist ein Mann niit einem hübschen Schopf, einem silbernen. Siegelring am Finger, trägt einen Halbzylinder und einen Kragenhiahfel, ist aber nicht ganz gesund; das heißt, an und für sich-.ist er ganz beisammen, aber er geht immer mit verbundenem Hals herum und spielt so heiser, daß es schrecklich ist. Jechiel will haben, daß es von der Fiedel .gekommen sei.. Aber seine Kollegen behaupten, daß daran. kein Wort wahr ist. Es kommt davon, daß er nicht ungern tut, was man nicht tun darf. Er hat seine Techtelmechtel mit allen jungen Frauenzimmern der' Stadt — ein -Scharlatan, behaupten sife, daß Gott behüte! Sein Weib, maiitü es euch aus, iGhanne Perl, kennt ihn mit allen. seinen Schlichen, Spiegelfechtereien tind Gaünersfückchen, aber Channe Perl ,ist nfcht eine solche, sie hat Skandal nicht gern. Versteht feich, nur bis zu. einem gewissen Punkt. Ein Mensch istnicht aus Eisen, ein jeder;hät eine Galle,; i Deshalb kpmmt es 'auch' vor\~ und, nicht seltein, rr-». daß sie mit iftni abrechnet, .gewöhnten, ab^ *-••'- •'••••* ': ">^-r ■ '•■ ■iY^aiaar.'-' Channe-PeH ist nicht eine solche*/-sfe hat Skandal nicht gern.. . ,,.vv;:-; ...., jetzt ist es kein Wunder mehr, daß jechiel so erschrocken ist, als man ihn ins Gebet nahm, er soll die ganze Wahrheit erzählen, was .-.er'über-das Jüdische Theater weiß. Jechiel hustet sich aus, kämmt seinen Schopf durch und stellt sich hin reden. Jechiel, wenn er reden will, kann er reden. Der Teufel hat Ihm nicht die Zunge gebunden. Jetzt aber gings nicht ' recht. Vielleicht deshalb, weil Channe Perl dabei stand. Die Zunge verwirrte sich ihm mit, Proben und Rcpetitionen; Repetjtionen und Proben, Orchester und Partituren, Partituren und Orchester und sonst mit niemand zu tun gehabt außer mit Nöten, Rcpetitionen, Orchester, Orchester, Repetitionen, Noten. Und wenn von ihm seine Kollegen, di£ Musikanten, behaupten, daß er mit der Primadonna 'eng verschwägert war, so soll man ihnen! ihr Gesicht vollspucken, es ist Lüge und Verleumdung, Verleumdung- und Lüge, kein wahres Wort, rundherum alles Lüge, nicht gtffräclie^j; nicht geflogen. „Charascho," unterbrach man ihn mitten drin, „otschen charascho," über seine Verschwägerung mit der Primadonna wird man ihn später '.fragen,, man hat Zeit dazu. Vielleicht wurde er so freundlich seinf zu erzählen, was er über: das' Paar wisse, das, wie mäh annimmt/in dieser Nacht-mit den Akteuren des Jüdischen. Theaters davongelaufen ist. , .- Darauf antwortete Jechiel der Musikant und schwor, man möge ihm um jeden Preis glauben, daß er über nichts zu-sagen wisse: ,;Nic1tts?" Nichts. „Ganz und gar nichts?" Ganz und gar nichts'.".^Nicht einmal': einen Fingernägel?f^;,Nicht einmal cinV Fingernagel^ lügst du!" „Dann - soll ich; krepieren, soll ich zerfallen, soll mir herauskriechen -^f „PJt,; genug,VgSnttg/' Jechiel w glaubte, er sei* es nun^lös. Zuguterletzt aber ließ man ihn jn < ein besonderes. Zimmer, führen, zusperren und ihn bitten; dort sitzön^^-'jbteib^, bis er '.gerufen wird, \yenn 'man , ifin bratVchC/lindVorläufig' nahm mau sich Neche. die Wirtin und ihre, zwei Schwesterchen her und da kam es zii einem häßlichen; Skandal. Wie unsere Leset §icb noch vom Anfang unseres Romans her erinnern j ist Nfe;cfie nach Scholen! Meirs Attest eine Wirtin .eine.; Mesu0£i.C E^ ist/schwer zu sagen, warüm Nech| in solche ^uj^güiig geriet, als; man;sie ins Verhör n^lim. Vietidch'rtj'phajbi 'weil: sie, die Arme» eine '-so;- rem§V-,inakeJlpse...Se^eJ>e.l ist,.: die, es nicht zulassen lka*m,; daß ausU-einem. äi*tder|ii-y 0,r:Q*jM^-^^denfälis/^äls1: man sie fragte, was sie von dem davongelaufenen Paar wisse, öffnete sich bei ihr eine Schleuse zu Flüchen, sie erhob ein derartiges „Gewalt!", daß es unmöglich war, sie zu besänftigen." Pech und Schwefel goß sie auf ihre Feinde, die ihr das Stückchen Brot nicht gönnen und auf alle, die ihr Schlechtes nachsagen! „Das Maul soll sich ihnen verdrehen, Herr der Welten! Die Zunge soll ihnen abfallen! Die Augen sollen ihnen herauskriechen! Hände und Füße soll man ihnen abbrechen! Auf Stelzen sollen sie gehen! Vater und Mutter sollen sie verlieren! Kein jüdisches Grab sollen sie haben! In die Häuser sollen sie mit Kind und Kindeskindern betteln gehn bis ins vierte Geschlecht! Vater du, süßer, lieber, herziger, getreue** ..." "41. Kapitel. Wie Öel auf dem Wasser. Neches Flüche haben aber Neche nichts geholfen. Man gab ihr rund heraus ein für allemal zu verstehen: sagt sie, was sie weiß, ist gut. Wenn nicht, wird sie dorthin gehn, wo der Musikmacher sitzt... Da erschrak Neche und erzählte, virie sie es verstand, — auf Russisch;» das übrige auf Jüdisch, eine ganze Geschichte: Sie selbst, Neche, also, ist alles in allem ein Frauenzimmer, eine Witwe, und führt ein Gasthaus, chachacha, nur so gesagt, auch nur ein Gasthaus! Eine Scheune,- ein Stall, wert wie der gestrige Tag. Sie hätte schon längst das Gasthaus zugemacht, aber was soll sie tun, wenn ihr Mann, er ruh in Frieden, ihr zurückgelassen hat eine Bombe — Natschastvo erschrak. Was ... eine Bombe? Sie meint eine Wohnung, meint sie, eine Stub, eine Ruine, die niemand kaufen will, höchstens man schenkt sie ihm. jeder, der die Wohnung ansehen kommt, sagt, die Wohnung wäre eine ganz feine Wohnung, wenn die Wohnung wenigstens auf. dem Marktplatz wär. Soll ich also die Wohnungauf den Kopf laden und hinübertragen auf den Marktplatz die Wohnung...? ' „Nein, das nicht. Die Wohnung laßt für ein andermal. Du' Teure, erzähle uns, was weißt du von den jüdischen Komödianten, die bei dir Quartier gehalten haben?" '•■'.■. Neche . war nicht sehr ungehalten darüber, daß man sie' im schönsten Anfang unterbrochen hatte und begann von den Komödianten zu erzählen. .(Fortsetzung folgt.) T EPPICHHAUS W EITZNER VI., Mariahilfersträße 105 - IV., Wiedner Hauptstr. 10 macht liöfl. auf den besonderen .OkkasionsverKauf . aufmerksam. Es Gelangen zum Verkaufe, Teppiche, Decken*, Vorhänge,. Linoleum, totes, Doppelbettdeckeh, Künstlervorhänee , etc. Tischteppiche |25:~ Stores S 3.50; Madrasvorhäng^S Doppelb^ttdecken Yort'egi wtvt^v v w««/V| iuauiaoTUiimug« y«oui ,vvuuvivvllui.i.Avli 125-, Laufteppiche.perMetefS230, Flänejtdetken $4^50, Bett- >rfeger<S 350 und vieles ,andere;bis zu feinsten'Qualitäten; v GRABSTEINE F RIEDL Ä N DER & pE V7 S CH Wien,!. Bes., Seitenstettengasse 2, Telephon U-28-7'28 XI., Zentralfriedhof, neb. d. 1. Tor, Telephon V-18-0 85 ^llllllllllllfllllff fllllfllllllllllllllllllllllllllllllf IlllfllllllllllllU Gegründet 1882 Lebensoerslcherunss- Geseilschaft i 11 Zentraldirektion: WIEN f., Riemergasse Nr. 2 'rMHwm^ s Prämienond Zinsenemnahmen in Jahre 1927 71 Mienen Sdiflfxng s Carantiemitlel 192? 192 Minionen Sdiülmg 5 5 Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, 'S' s Belgien, Holland, Italien, Spanien, Tschechoslowakische s s Republik, Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Griechen- £ s land, Türkei, Aegypten und Palästina.?iiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiti»iiiHiiiiiiiiiHiuHiiiiiiliiiimiiit>r mmm^^^m-m^.; -; mjt kräftiger Stimme I S^*^-^;[' | f^Üntef^e^^ Blattes IX^eninttUt^ ajarrii i inmiii -fi f i fivifi tf trtiiyFHf f «n ruii f i rt«? ui f rir« i rijHf7H>Hiiif ii» ufiiiif ift »»p» ji^^gijlih int?iin iiimnmsiäg mit Verbindungen %gtit jüdiscSheh Kreisen . 9©fM*M Unter ipstjude," amdie Exped.; des Blattes 3 " Organ für'die politische '.§§ |§, \p l 1 Herausgeber Dr. Mayer Ebnere Cernauti ff 1 , ' j |: ^scheint dreimal: wöchentlich in deutscher Sprache *'§ § BezugspreisInland 50 Lei, ^Ausland1100 Lei monatlich 1 illlllllllllllllllilllllllllllOlllilllllllltlllllliillllilH^ k 4AAAAAAAAAA4AA^A A A^AJAt 4 rfffff??T»T^TTfT?TTfTTW!l MM«MMMMU>HMM)M^t»H,MMMM»HMMttMf Oesterreichische Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe KUNDMACHUNG :; Die dreiundsiebzigste ordentliche Generalversammlung der Aktlorjäre der Oestcrreichlschen Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe lindet Montag, den^ 1^, AprM 1^29, halb 5 Uhr nachmittags, ± im großen Festsaale des Oesterreicljlschen Ingenieur-. und Architekten-Vereines (Ii, Eschenbachgasse Nr, 9), statt. Gfgenetfinde der Verhandlung sind; •"' 1. Jahresbericht des VerWattungsrates. ' ''r-ß": " , 2. Bericht des Revisionsäusschusses über den Rechnungsabschluß des Jahres 1928 und Beschlußfassung Uber denselben. ';y(: ■ , ' 3. Beschlußfassung über die Verwendung dep Reinertrögnlsses des Jahres 1938, 4. Beschlußfassung über die Wahlen in -den Yerwaltürigsrat. 5. Wahl des RevlslöheaMSSchutses für das Jahr 1929. - .. Die stimmberechtigten Herren Aktionäre, welche - an* der Q^neralversamm.lüng teilzunehmen wünschen, werden hiemit eingeladen, ihre Aktien samt Kuj>ons;8pfttest?ri8 5. April d. J. als ^em statutenmäßig«jn Endtermine zu deponieren und zwar Tin Wien bei 4er Effekten-Abteiluhg der Anstalt (I., Am Hof 6) an Wochentagen von 9 bis 12 Uhr, in Baden bei Wien, Bregenzl Feldkirch, Graz, Innsbruck, Klagerifürt, Leoben, Uni, Salzburg, §t. Pölten bei den Filialen der Anstalt, An den übrigen Plätzen findet 4tr>qj)ftß bei den Hiefür bestimmten Anmeld,est§)l*» statt. Je fühfAktien geben dw Re^ ,< , Wien, am U mm 1929. 1.............HMMMMMX»M>MMMMHIM........MMMIMMMIMtMM.............»........MtM»M«M.......: Bei Einkäufen berufen S9e sich auf jammmwam GOLD SILBER PLATIN bei G. A. Scheid Wien, VI., . QumpendorferstraSe 85 I., Franz Joseta Kai 39 Niederlage' FLASCH IOCH1NEN ZIMET WIEN,XX.,<iERHÄROUSG. 26 OFFERIERT SÄMTLICHE FLASCHEN¬ SORTEN FÜR OSTERWEINE, SÜBOWITZ ETC. ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■»■■■■■■■■■■■■««■■■■! : ,fD1tP . S ■ ■ ■ Schadehen, der in besseren jüdischen Kreisen J ■ verkehrt, empfiehlt sich ■ ■ . * " ■ ■ ■ Gefl. Zuschriften S S unter „Diskret^ an, die Expedition des Blattes J NXHMAfCHINEN FAHRRÄDER 1929 S20.— monatlich ohne Angabe! IX.LiechtenstelnstroBeHr.27 Tal. A 10-5.S4 und A 16-S-6S IQ. Wiedner Hauptstraße Hr.8 Tal. A 30.0-36 UND TOURISTENARTIKEL PICK SPORT- W*»^Wfi"Veriw^ Stricker. — Druckerei, and VerlagsrA,-£J, Ignaa Steinmann, beide Wien, IX, Universitätsstraße 6—8,