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Die neue Welt · 1929-03-01 · Heft 76 (1.3.1929) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 76 (1.3.1929)
Date
1929-03-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
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rmen m mm wect Nr. "76 schwebte eine leichte Mädchenhand. Eigentlich hatte sich nichts darin geändert imd doch sah alles anders aus: der Fußboden war ausgekehrt, die Madelle waren in einen Winkel gerückt, der Tisch, der gehinkt hatte, war mit einem Male wieder gerade und stand aufrecht an seinem Platz. Alles lag, wo es hingehörte, Bücher standen bei Büchern, die Schmutzwäsche war vor menschlichen Blicken versteckt. So saßen beide beim geheizten Eisenöfchen, neben dem ein ansehnlicher Sack Kohle lag, und Buchholz erzählte Dwojre wieder von seinen Plänen. Die hatten sich inzwischen mächtig verändert. Denn vor allem besaß Buchholz schon Geld. Er erinnerte sich, daß Moscovici ihm ein Geschäft mit einem jüdischen Blichhändler in Downtown vorgeschlagen hatte, der ihm den „Simson" abkaufen und ihn in unzähligen kleinen Figuren gießen lassen wollte. Die wollte er um einen Dollar per Stück verkaufen und Buchholz sollte zehn Prozent davon bekommen. „Morgen bin ich bei Moscovici, er führt mich zu dem Mäzen und ich schließe ab. Drei Millionen Juden gibt es in Amerika, das sind drei Millionen „Simsons"; zehn Prozent von den drei Millionen... wieviel ist das? Es wird jedenfalls reichen, bis ich meine „Mutter" fertig habe. Na, und wenn die erst fertig ist, so wie ich will, mit dem lächelnden Bauch...!" (Fortsetzung folgt.) IM»M»»»MMMM.....»»♦»»»♦»♦»»»♦♦»»»♦»»»♦♦♦♦♦♦♦»»•»»»»»»»♦♦♦♦♦»♦♦»♦♦»♦♦♦♦»»♦♦»»»»♦»»♦»♦♦»♦♦♦♦♦»♦♦♦»♦♦♦♦♦♦♦♦^♦♦»M Copyright 1928 by „Die Neue Welt", Wien. Nachdruck verboten. KOMÖDIANTEN. Roman von Schalom Mechern. Ins Deutsche übertragen von P. Rosenhall. (19. Fortsetzung) „Nichts..., Gute Wocht'" Und fällt mit ihrem heißen Kopf auf des Chasen Brust, schmiegt sich an ihn und umhalst ihn und küßt ihn. 33. Kapitel. Der Dämon Geld. Auch Ben je. ist mit seiner Hawdälah zw Ende. Bei Benje wird die Hawdälah mit großer Parade zelebriert. Wenn Benje Hawdälah macht, muß' seine ganze Bande um ihn herum sein und alle müssen ihm den Spruch „Gesegnet sei Er und gesegnet sei" sein Name Amen", hinlegen, das Weib, die -Kinder und die alte Mutter und der junge Mann, der Kassier, und die Amme und die Köchin, alle, alle. ' Und die Hawdälah, die Berijc macht, die kann sich sehen lassen. Den Beginn setzt er sich laut, mit festec Stimme und mit weitausholender Geberde an, die Melodie ist traurig; aber wenn er zur Stelle kommt, wo von der ^Erhabenheit des Gesanges zu Gott" die Rede ist . und noch ein wenig weiter, strauchelt er über den Text, verschluckt ein ganzes Stück, indem er es unter die Nase nimmt, bis er endlich auf den richtigen Weg kommt , und mit kräftigem Laut wieder ein Stückchen Satz hinausschmettert, worauf er eine Lage' tiefer geht und von dort aus mit den schon zum Alltag überleitenden ■Worten „Bejn Kodesch lechol"*), sie langsam zerdehnend, schließt. Alle fallen in seinen Ton mit „Amen" ein. Er fängt das Flämmchen, das erlischt, mit rascher Hand in die Tasche ein, .um sich eine gute Woche zu sichern^ und sagt mit seiner brüllenden Löwenstimme „Gute Woch'", worauf alle in ein ,jGute Woch', Gut Jahr'", einstimmen. . So macht Benje Hawdälah. Die Hawdälah zu Ende gebracht, winkt er dem Kassier, den Erlös der Woche zu zählen und die einzelnen Posten ins Buch einzusetzen. Und der Kassier Schischen-we-Simche schiebt die Rockärmel zurück, kramt die Schlüssel aus der Hosentaschen heraus, sperrt die mittlere Lade auf, setzt sich hin das Geld zu zähteh, mit Ernst, Bedeutung und heißen*-Eifer.; •) Zwischen Heiligkeit und Alltag. Zuallererst präsentiert sich das noble Papiergeld. Der Kassier Schischen-we-Simche ist ein Virtuose im Geldzählen. Jeden Augenblick flitzt er Speichel auf seinen Daumen und zwischen seinen Händen knistern, fliegen, schimmern die Scheine. Innerster Reihe marschieren die Geadelten, die schweren Hunderter oder, wie Benje sie nennt, die Leintücher, weiter treten die weißen delikaten Fünfundzwanziger auf, dann die roten knalligen Zehnerchen mit den zartblauen Fünferchen. Und nachher trippelt schon das „Kleinzeug", grüne abgegriffene Dreier, gelbe zerfetzte Einser, in Herden. Die ganze Zeit über, während der Kassier das Bargeld zählt, sitzt von ferne unser Leb! über einem Gebetbuch, so-als betete er leise in sich hinein, schaukelt sich, schlägt Seite für Seite um und ist verstohlen beim Geldzählen dabei. Er zählt und zählt und kann nicht zu Ende zählen. Solange die Pakete mit den großen Noten daran waren, könnte er noch mithalten, als aber das „Kleinzeug" kam, verlor er die Rechnung und begann wieder in das Gebetbuch zu blicken und im selben stillen Singsang weiter zu beten. Die Pakete mit den Noten stehe» ihm vor den Augen und lassen ihn nicht zur Ruhe kommen. Er fragt sich selber: „Wo werden die schönen Notenpäckchen alle heute Nacht sein, wo? Bei ihm, bei ihm, bei ihm... 1" Und ein Zittern packt ihn und er wiegt sich noch stärker hin und her, sagt sein Gebet immer werter und weiter, aber mit größerer Lebhaftigkeit. , Die zwei, Benje und der Kassier, sind in ihre Arbeit s>o sehr vertieft, daß sie Lebl nicht sehen und das Gebet, das er sagt, nicht hören. Dafür aber die Mutter Bejlke, die zur Seite sitzt! Sie sieht und hört\, wie Lebl sein Gebet sagt, hat ihre Freude daran und wünscht sich „solch ein Glück,' solch ein. Stück Gold, was das für ein Kind ist". Der große Schmerz, den sie still bei sich im Herzen trägt, beginnt zu heilen. Und sie denkt sich:-„Was hat denn das Kind so Arges versündigt? Dafür, daß ein Kind einen armen kranken Schauspieler sein Mittagessen abgetreten hat, muß man es derart bestrafen, ihm eine solche Schmach antun?... Wenn Benje den Knaben mit ihren Augen sehen könnte, auf sie alles Böses, was etwa für sein helles braves Gesicht bestimmt ist!" Aber Benje will wie zum Trotz nicht schauen und nicht hören. Er ist ins Geldzählen vertieft. - Mit dem Papiergeld fertig, wendet man sich dem Silber zu. Das Silberzählen beherrscht Simchc noch besser als das Notenzählen. Er zählt das Silbergeld zu Häufchen und die Häufchen wachsen und wachsen, hier ein Häufchen, daneben eines, zwei, drei, fünf, zehn und noch und noch und noch! Das Silbergcld erledigt, gehts ans Nickel. Die Nickelmünzen werden rasend abgerollt, klingen und verschwinden . zwischen den Fingern wie bei einem Zauberkünstler. Ihr da könnt .zum Teufel gehn, denkt sich Lebl. Er braucht kein Nickel, er braucht auch kein Silber, für ihn werden jene Notenpäckchen genug sein, die der Vater jetzt in den Hätnden hält. Ünd Lebl sieht mit einem Auge hin und merkt, wie der Vater sich am Geld weidet. Benje nimmt jedes Päckchen für sich in die Hand, be« fühlt es, streichelt es und übergibt es dem Kassier mit einem Ziffernzettel und der legt es in die Tischlade, ein jedes Päckchen an seinen Platz. Wie immer, zuerst die die Geadelten, die Hunderter, dann das „Kleinzeug" und zuletzt die Silber- und Nickelsäulen. Und Lebl schaut mit einem Auge hinein ins Gebetbuch, mit dem anderen dorthin, dorthin zur Tischlade, zu den Notenpäckchen. Dort weilt er jetzt mit all seinen) Hoffnungen, mit seinem ganzen Wesen, mit seiner ganzen Seele, Daß Geld ein böser Dämon ist, hat er vom Lehrer, im Cheder und auch sonst von älteren Leuten oftmaW gehört und daß der böse Antrieb vom Geld her ungeheuer groß ist, auch das ist seinen Ohren nicht fremd, aber was es wirklich bedeutet, fühlt er erst jetzt in dieser Minute. Lebl fühlt, daß der Dämon Geld ihn fest, fest in seine Klauen genommen hat, und Lebl weiß, daß jede Mühe umsonst ist, der Gewalt des Dämons zu entrinnen. Er macht auch keinerlei Versuche, im Gegenteil, er bittet Gott, er möge sein sündhaftes Vorhaben gelingen lassen, denn wenn es vielleicht, Gott behüte,* mißlänge, wenn er ertappt würde —- wehe, wehe! Die Stunde will er nicht erleben. Sonst wäre er verloren! Die Welt hier und die Welt dort ist verloren! Hotzmach fährt ab, das Theater fährt ab, und er? und Resl? Was wird aus; ihm werden? Zu Ende mit dem Theater, zu Ende mit Resl, die goldenen Träume dahin ... „Prrr, maseltow, die ,Bräuteväter' sind angefahren gekommen, um die Scheune vom jüdischen „Mist" zu putzen!" ■ So sagt Benje in seiner Geheimsprache und erhebt sich von seinem Sitz. Der Leser, dem die Redeweise, unseres Benje Rafalowitsch schon bekannt ist, wird ohne Beihilfe verstehen, daß mit Bräutevätern die Kutscher gemeint , sind und mit jüdischem Mist das Jüdische Theater. . 34. Kapitel. Willkommen ein Gast. Schimon Dovid der Fuhrmann. Wenn Benje könnte, würde er sich abohrfeigen. So wütend ist er auf sich, daß er wegen. des „Hauchs'* von ein paar Bitten seinen „Hals zum Fenster" herausgesteckt und eine so reine, so saubere Scheune für ein jüdisches Theater hergegeben hat. Eine Herde von Schweinen, in einen Stall hineingelassen, hätte seiner Meinung nach den Hof nicht so sehr verdreckt wie man ihm den Hof in diesen wenigen Wochen versaut hat. Benje weiß selbst nicht warum, aber wie ein Frommer Schweinsfleisch haßt, so haßt er diese hungerlumpigeu „Lapetutniks", das heißt die Akteursleute. (Fortsetzung folgt.) fj iXVfc Wwn mSM GRABSTEINE FRIEDLÄNDER & DEUTSCH Wien, 1 Bes., SeUenstettengasse 2, Telephon U-28-1-28 XI., Zentralfriedhot, neb. ä. 1. Tor, Telephon U-J8 0 85 » BeKannter ntoi füßfl?yn mit kräftiger Stimme sucht Posten Unter „Religiös* an die Expedition dieses Blattes f Vermittlung erbeten Vermittlung erbeten funumufMijnr^wutMTMfnnTiTf nr iTtTiiiniiiMiiriiiiif inrTnirniiTiiiiiMirinni^Miinp'M....."iniiniiiiiiiinifjnni"iifif Siliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiltiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiu | Begründet 1892 | 1 lebensuerslctierunssdu n M l vi I | Gesellschaft fri1UlllÄ § 5 Zentraldirektion: WIEN I., Riemergaese Nr. 2 | s VmiAtraipfeestud x 1 MWe 680 MflliBDffl E s foHiiigezakltn tttieokipital 4,000.000 - Sdullii§ S PrS«Um- und ZtotneinMbmiB in Jahn 1927 1\ Wim SdüUing s g CannÜBBitlel End« 1927 192 MQlioiiiB SddUing § S Tätigkeitsgebiet; Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, § s Belgien. Holland, Italien, 8panien, Tschechoslowakische s s Republik, Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Griechen- § s (and. Türkei. Aegypten und Palettina. S aiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiimiiiimiiiiiiiimuiiiiiiiiiiHitiimitiHiitr? IIIIIIIIM ViiMWv 10, bis 16. März 1929 (Rotunde bis 17. März) SONDERVERANSTALTUNGEN: Internationale Automobil- und Motorrad Ausstellung Technische Neuheiten und Erfindungen Strassenbaumesse / Kohlenmesse Kunstseiden-Ausstellung / Wiener Pelzmode-Salon Bedarfsausstellung für das Gastwirte-, Hotel- und Kaffeehausgewerbe / Reklamemesse Ausstellung für Nahrungs- und Genußmittel Land- und forstwirtschaftliche Musterschau Weizenschau / Milchwirtschaftliche Ausstellung Kleintierzucht-Ausstellung Bundeswelnkost Oesterreichische Mastvieh-Ausstellung (15. bis 17. März 1929) Bedeutende Fahrpreis - Ermäßigungen! Messeausweise & S 5.— bei der Wiener Messe-Aktiengesellschaft, Wien, VU., Mcsseplatz 1 — Eintrittskarten (zum einmaligen Besuch der Rotunde o der des Messepalastes und der Neuen Burg) ä S 2.- . bei den Kassensenaitern der Messehäuser ■ ■■■■■HB BOIBBII ■■■■■■■ ■»■■■■■■■•■■■■M I pnv! ■ ■ ■ Schadehen, der in besseren jüdischen Kreisen J ■ verkehrt, empfiehlt sich J s . * : ■ ■ Gefl. Zuschriften S S unter „Diskret" an die Expedition des Blattes 5 Bei Einkäufen berufen Sie sich auf if Einlösung von GOLD SILBER PLATIN bei G. A. Scheid Wien, VI., Gumpendorf erttraBe 85!., Fran* Josefs* Kai 39 Niederlage! NÄHMASCHINEN $20.- FAHRRÄDER 1929 monatlich ohne Angabe! lX.UechtenstelnstroBeNr.Z7 Toi. A 16-5-64 und A 16*5.63 iy. Wfcdncr Hauptstraße Hr.8 Tel. A 30-0-30 SPORT. UND TOURISTGNARTIKEL PICK Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur Oberbaurat Robert Stricker. — Druckerei- und VerlagS'A,'Gr Ignaz Steinmann, beide Wien, 1X„ Universitätsstraße 6—8. EflMSii

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