Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 76 (1.3.1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 76 WIEN VII., KAISERSTRASSEE 123 IX., ALTERST RASSE 6 FERNSPRECHER B-38-0-34 Das liberale deutsche Judentum lehnt die Beteiligung an der Jewish Agency ab. Aus Berlin, 25. Februar, meldet die J. T. A.: Die Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland hat in ihrer am 24. Februar stattgefundenen Sitiung, zu de.r sich nahezu sämtliche Vorstandsmitglieder aus Berlin und dem Reiche eingefunden haben, folgende Resolution angenommen: Der Vorstand der Vereinigung lehnt eine Beteiligung der Vereinigung für das liberale Judentum an der Jewish Agency ab. Für die Stellungnahme der Vereinigung Sind folgende Erwägungen entscheidend: 1. Nach den Bestimmungen des Palästinamandates ist es Zweck der Jewish Agency) Rat und Mitarbeit zu gewähren bei der Errichtung des jüdischen n a t i n a 1 e n Heimes. Im Palästinamandat ist ausdrücklich bestimmt, daß durch die „Errichtung eines nationalen Heimes für das jüdische Volk in Palästina" „die historische Verknüpfung des jüdischen Volkes mit Palästina und die Grundlage für die Wiedererrichtung seines nationalen Heimes in diesem Lande anerkannt sind". Der Vorstand betont gegenüber der in diesen Formulierungen niedergelegten Auffassung wiederholt, daß die Vereinigung für das liberale Judentum im Judentum eine religiöse Gemeinschaft sieht, deren Bekenner zu den verschiedensten Völkern gehören. 2. Hieraus folgt, daß dem Land Palästina'in der Zukunftsgestaltung des Judentums nach liberaler Auffassung keine Sonderstellung eingeräumt werden .kann. Die Palästina-Siedlung kann einen Teil der zur Behebung der Judennot erforderlichen Maßnahmen bilden; sie muß sich jedoch dem kolonisatorischen Gesamtplan einordnen. 3. Die Besiedlung eines Landes kann in der Gegenwart nicht lediglich mit historischen Gründen gerechtfertigt werden. Eine Besiedlung Palästinas darf. in der Gegenwart nur im Einvernehmen mit der Bevölkerung des Landes durchgeführt werden. Der Vorstand der Vereinigung für das liberale .Judentum m^ß^esk der Zionistischen Organisation^ überlassen, die ..zurzeit; bestehenden.: Hindernisse' für di£>Mitarbeit der Vereinigung^ zu. beseftigenV Er'' ist überzeugt, der Befriedung des Judentums am besten zu dienen*' werin er unter den jetzigen Umständen die .Zionismen-.den,,von ihnen beschrit* tenen Weg ,a 1 U i n gehen läßt. Der letzte Zionistenkongrefi? Der Kongreß -rein schöner Traum; Im offiziellen Organ der Weltorganisation zionistischer Frauen „.Pioniere und Helfer'/ erschien ein Artikel der Vizepräsidentin Edith Eder (London) über die Folgen, welche die Erweiterung der Jewish Agency durch Eingang zum AUerheiligsten bewacht, dann kann man an der Roulette, friedlich vereint und in Massenformatioh, den grünen Tisch umdrängend, Neologen, Orthodoxe und Agudisten wiederfinden. Die Sitzplätze sind den besseren Ehehälften reserviert. Mit zitternden Fingern greifen sie nach den bunten Spielmarken, die der, Croupeur graziös und treffsicher über den Tisch hinwarf, hektische Röte schlägt durch die geschminkten Wangen und mit gestielten Augen starren sie, kettenrauchend, auf die Laufkatze. In gleicher Besorgnis um . die Ereignisse der nächsten Minuten, aber doch mit anderen Gefühlen — denn die Angst um das Leben ist doch ein anderer Kitzel als die Spielerleidenschaft — mögen sie damals, vor Jahresfrist, durch die dicht verhängten Fenster gelugt haben, als sich unter militärischer Assistenz der rohe Judenhaß durch die Gassen wälzte, die Synagogen verwüstete, die Geschäftsläden zertrümmerte,, die Juden verprügelte. „Schauen Sie näher hin," sagte mir mein Gewahrsmann, „die Roulette ist zweigeteilt. Die Juden und Jüdinnen , sind von den anderen Hazardeuren räumlich getrennt." Das Ghetto in der Spielbank. Eine Spezialität von Großwardein. Das größte Wunder, In dieser Stadt der Scheinheiligen und Gecken, der Abenteurer und Spieler, der entjudeten Frömmler , und 2ionistenfresser, in diesem von einer schweren Krise heimgesuchten Großwardein gibt es schlichte, bitter ringende, kleine Kaufleute,. Gewerbetreibende, Handwerker mit echt jüdischem Familienleben, mit großem Verantwortungsgefühl und mit Zionsliebe, In diesen Gassen trat ich in manches Gewölbe, in manche Werkstatt, in manchen Keller, wa tapfer ringende Juden und Jüdinnen »ich opferfreudig zu dem großen , Werke'der Erneuerung und Errettung des jüdischen Volkes bekennen, , Das ist das größte Wunder von Großwardein- IOTEL CONT INENTHl WJEN, 12., PRATERSTMSSS 7 (rieben Öchwedenbrücke •••200" ZimMf •' mn'derns't 'eingerichtet ■ Erstklassige Küche te&t:* I J'MflÖig> Preise liehen Entwicklung die Dichter, die Träumer, die ' Inspiratoren von denen trennt, .<cjie,atn/ ehesten.'--.geeignet sind, ihren Träumen Leben zu verleihen?)" : : Frau.Eder, die Leiterin«der zionistischen Frauenbewegung und langjährige Mitarbeiterin ihres Gatten, des gewesenen langjährigen Mitgliedes der Zionistischen Exekutive, Dr, Eder, hat ihre Anschauungen gewiß nicht aus der Phantasie, hergeholt, sondern sicherlich in den für den Zionismus heute maßgebendsten Kreisen, in den Kreisen der obersten Leitung erworben. Sie spricht aus, was die Opposition immer betont ', und. was die Jewish Agency abgeleugnet hat: ,jDie Erweiterung der Jewish Agency durch nichtnationale, nichtzionistische Juden bedeutet die Auflösung des Z i o n i s t e n k o n g r e s s p.s, raubt ihm jeden Sinn, macht ihn zum zerflatternden Phantom." Es ist für die Stärke und Geradlinigkeit der zionistischen Politik voon heute bezeichnend, daß in diesem offiziellen Organ die Liquidation des CZionistenkongresses als Tatsache widerspruchslos hingestellt, wird,, während . gleichzeitig in den anderen Organen Kundgebungen der Leitung veröffentlicht werden, in welchen, zum Zionistenköngreß, als dem bedeutsamsten, ausschlaggebenden Willensausdruck des jüdischen Volkes aufgerufen wird. Wo ist die Wahrheit?. sind die kostbarsten Güter des Lebens in der Jugend wie insbesondeie im Alter Bewahren und mehren Sie' diese Schätze d'irch ständige, sorgsame Pf'ege Ihres Körpers. 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Wir werden d-eh Genannten das Blatt, einige Male probeweise zukommen lassen, ohne daß dem Empfänger oder Ihnen irgend eine Verpflichtung daraus erwächst. -Wenn Sie es für nützlich und tunlich halten, bitten wjr Si«i bekanntzugeben, ob wir uns auf Sie berufen sollen. Wenn Sie uns nicht ausdrücklich dazu ermächtigen, unterbleibt selbstverständlich diese Berufung. Verwaltung „Die Neue Welt", Wien, IX., Universitätsstraße 6—8. Nichtzionisten notwendigerweise mit sich bringt. Es heißt da: „Es ist nur natürlich, daß Zionisten, erfüllt von . den Erinnerungen an die ersten Kongresse der, .Sturm¬ und Prangperiode und an eine Zeit, in der die harten und verzweifelten Anforderungen des Tages noch nicht dem Leben ihre grausame Logik aufgeprägt hatten, tief bekümmert darüber sind, daß der schöne J u g e n dtraum von dem zionistischen Kongreß, der das Parlament der jüdischen Welt darstellt, wie ein Phantom in leichte Luft -zerronnen ist. (Gibt es vielleicht eine bestimmte Qualität, die stets und unvermeidlich in der geschieht* =51 l<; Soctfeftä iana «M » ««»rvbl MrirhUmi :•■ UK.l:*-.^±.« fliililHIi wnchentilcn mit den Luxus<iamniein und T »JlUtfVälJlfiB f>L <t3 eim'ßle EMI ml*n ach Palästina, Grieche«!»««!, tfonst ntinopel Bü« Jtanrl n Im Mittdweor Billige So mm e r t a h. r t e n Auskörnte:' •„Sjtmar". I. Kärntnerring 18 (Ecke Schwai zenbergptatx) Telephon 55009 &l Gegen die Autonomie der Stadt Tel-Äwiw. Eine Verordnung des neuen Oberkommissärs von Palästina. Aus Jerusalem, 22. Februar, meldet die J. T. A.: Der Oberkoinmi-sär für Palästina, Sir John "C ha n:c e 11 ö r, hat eine neue Verordnung bezüglich der Gemeinde "vorr Tel- Awiw veröffentlicht, wonach der Bürgermeister und die V i z e b ü r g e r.m'e i s t e r der Stadt nicht mehr von dem a us Urwahlen hervorgehenden Stadtrar gewährt, sondern von der Regierung ernannt werden sollen. Die Verordnung hat unter der Bevölkerung von Tel- Avviw eine energische Protestbewegung hervorgerufen. Der Stadtrat beschloß, eine Abordnung zum Oberkommissär zu entsenden und ihn zu ersuchen, die Verordnung für Ungültig zu erklären. ' ' ' . .?. . * . '•• :; Der Vorfall ist ein neuerlicher Beweis für die fortschreitende Schwächung des .politischen Einflusses der Zionistischen Organisation, beziehungsweise ihrer Leitung, auf die Mandatsmacht. Es ist fraglich, ob es .der Oberkom- •missär für gut finden würde, der. kleinsten arabischen.Kommune die Entgegennahme einer derartigen Verordnung zuzumuten. Das Jubiläum des iüdischrakademischen Philosophen- Vereines. Das vierzi'gsemestrige J-utbiläum des Jüdischen akademischen PnUosophenvereines in Wien, hat mit. Uein am 23. .Februar, im Festsaal des Hotels de; prance .abgehaltenen EestkörjSmersV der" Ä in eh glänzenden ^Verlauf, genoimmen hatte,, seinen-. Abschluß - gefunden," .Der Obmann, cand. Ing. et phil, Philipp Pick'haiz, konnte'" unter den Erschienen begrüßen:-' den Dekan., der philosophischen Fakultät, Hof rat M-e n gh i n, den Präsidenten, der israelitischen Kultusgemeindey Prof. Dr. Pick sowie ihre .,Vize-; Präsidenten Dr. jQsef Low e.n h e r z und Dr. Jakob Ornstein, den Präsidenten des' zionistischen Ländeskomitees Herrn Dr. Leo G 0 l d h a m m e r/ die Universitätsprofessoren Max Eisler, Hofrat Frankfurter und Geiger und den Rabbiner Herrn Dr. Feuchtwang sowie die Vertreter sämtlicher Wiener jüdischen akademischen Verbindungen und Vereine und die Vertreterin der jüdischen Studentenschaft in Graz. Hofrat Frankfurter führte den Ehrenvorsitz. Der Dekan Hofrat Menghin knüpfte an die vom Rektor der Wiener Universität in der' Festversamlung gebrauchten Worte an, daß die jüdische Studentenschaft an-der Wiener Aula jenes Element darstelle, welches die Ruhe.und Ordnung an derselben gewährleiste und forderte die jüdische Akademikerschalt auf unter Wahrung ihrer n a.ti 0 n a 1 en I n,fce ressen" sich mit Hingebung dem Studium zu widmen, denn nur ein ganzer Mensch könne dem eigenen Volke und' dem Staate, in dessen Mitte er lebe, dienen. Prof. ';$r. F i c k feierte den Idealismus des jüdischen Studenten, Dr. Goldhammer forderte die Studentenschaft zurzionistischen Arbeit auf. -Es sprachen noch die Professoren E i s 1 e r und Geiger, worauf mit einem Toast des Rabbiners Dr. Feucht wan g,. die Feier ihren offiziellen Absphl.uß fand. Neue Tabakfabrikate l Mit 25. Februar 1. J. bringt die Tabakregie eine besonders ödle, gehaltvolle} 'hocharoinatische Luxuszigarette mit Eohtgoldbelag „Heliane'* zu 14 g heraus. Mit ihrer hochfeinen Qualität und eleganten Ausstattung — mattgoldfarbige Kappenschachtel mit Rotdruck, Viste: ein mehrfarbiger Offsetdruck „Aus Hinterstoder" nach" einem Entwurf des Wiener Malers F„ A. Harta, goldfarbige Alumiriiumfolie — ist diese neue Zigarette für den verwöhnten Genießer und Kenner bestimmt. Gleichzeitig bringt d,ie Tabakregie vier 1 Sorten Rauchtabake für kurze Pfeife eigener Erzeugung in Vertrieb, und zwar: Nach englischer Art „My Friend'' (sprich: mai frend), hochfein, leicht, sehr mild, in buntfarbigen Blechdosen'! ä 50 Gramm zu S 2.40 und „Bobby's Dream" (bobbis drihm), sehr fein, süßlioh, in buntfarbigen Papiermanschetten *ä 50 Gramm zu S 1.60i ferner .nach amerikanischer. Art-„American Blend" (A^mer-i-lcn blend), hochfeini ziemlich leicht, granuliert, in braunroten Blechbüchsen ä 50 Gramm zu S 2.40 und „Blue bird" (bluvbörd), sehr fein, süßlich, granuliert, in blauen ^apiermanschetten a, 50 Graniin zu S 1.60, Alle vier Sorten eignen sich auch zur Mischung mit den Regiesorten, insbesondere JLatakia, Caballero, Rio;;; E