Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 75 (22.2.1929)
- Date
- 1929-02-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 75 Verband demokratischer Zionitten Mlttwocn, den 27. Febtr (929 um '/,9 Uht abends im C&i6 Produktenbörse (HlubsAaf) II. raoorstrafie lu f Gegenstand: Aktuelle jüdische und zioni-I _ stlsche Fragen. I §jj Frei« Autsprache. § ff Eintritt tre« Üflste willkommen §§ ^iiniiiniiiiiiiiim gebieten besitzen, ferner kein Vorsteheramt auf dem Lande bekleiden.; Das oberste Verwaltungsgericht hat ein Urteil herausgegeben» wonach die Zarengesetze solange in Geltung sind, als sie nicht durch einen ausdrücklichen Beschluß des Sejm aus der Welt geschafft werden. Andererseits hat das Oberste Qericht eine Entscheidung getroffen» daß die Zarengesetze schon durch das Inkrafttreten derVerfassung aufgehoben worden waren. Nach einer längeren Aussprache, in der sich die meisten Redner gegen den judischen Antrag unter verschiedenen Vorwanden aussprachen, und nachdem derVizejustizminister erklärt hat, die Regierung sei nicht in der Lage, das Projekt im Sejm in dieser Form vorzulegen, wurde beschlossen, den Antrag des jüdischen Klubs auf unbestimmte Zeit zu vertagen. Brief aus Palästina. Von Dr. Fritz Loewen stein, Jerusalem. Enttäuschung über den neuen OberkommissSr. —s Geheimnisvolle Bodenkäufe. Die Ankunft der ersten neuen Chaluzira in Palästina ist im Jischuw mit Begeisterung und als „Beginn der fünften AJijah" aufgenommen worden. Leider steht zu befürchten, daS das tibereilte Hoffnungen sind. Es ist zwar gelungen, diesen neuen Einwanderern binnen wenigen Tagen Arbeit zu beschaffen, aber es ist schwer zu sagen, wann die Entwicklung des Landes eine stetige und große Einwanderung wieder gestatten wird. Die Regierungsarb ejten werden immer weiter hinausgezögert, die S t eilung de r Regi erung zu m Problem der jüdischen Arbeit hat sich in den letzten Wochen in ganz ablehnendem Sinn deutlich enthüttt. Wenn von dieser Seite sehr wenig au erwarten ist, so gilt leider dasselbe auch von zionistischer Seite. Die Finanzlage der gegen wärtigenEjcekut i v e unterscheidet sich leider in nichts von der der vorhergehenden Exekutiven und ermöglicht vorläufig nicht einmal die Deckung des Minimaibudgets, geschweige, daß sie die Inaugurierung neuer kolonisatorischer Unternehmungen und damit eine neue AÜJah rechtfertigen worden. Und der letzte Faktor: Die Privatinitiative konzentriert sich durchaus auf Orangenpflanzungen und zeigt keine besondere Neigung, sich dabei nationalen Geboten, wie dem der jüdischen Arbeit, zu unterwerfen. Wir wollen die drei genannten Faktoren, Regierung, Zionistische Organisation und Privatinitiative, kurz Revue passieren lassen, indem wir uns nur mit Vorgängen der allerletzten Zeit befassen. Regierungserklärungen haben häufig nicht den Vorteil, allgemein verständlich zu sein. Die zionistische Bewegung hat viele, allzu viele Sympathiekundgebungen erhalten, die auf dem Papier geblieben sind. Auch der neue High Commlssioner hat sich so eingeführt, und der Jisebuw, trotz aller Enttäuschungen immer wieder bereit, den Engländer als Herfer und Freund unseres Werkes anzusehen, vernahm mit Befriedigung manche Aeußerungeu. Die Erwähnung des jüdischen Nationalheimes erscheint uns Ja heute — wie bescheiden sind wir geworden! — bereits ais ejn Symbol besonderen Verständnisses für unsere Sache. Inzwischen hat der OberkommJssar Gelegenheit genommen, InTeJ-Awiw einmal konkret zu Aufgaben des Landes Stellung zu nehmen, auch diesmal in einer Form, die persönliche Sympathien für unsere Sache zu enthalten scheint, leider aber in ihrem Ergebnis nur zu negativen Konsequenzen führte. Die Rede Heß sich auf zwei Grundgedanken bringen: 1. von neuer Einwanderung kann erst die Rede sein, wenn das Land genügend entwickelt ist, um eine Einwanderung aufzunehmen. 2. Die Vorschläge zur Entwicklung des Landes sind alle sehr berechtigt, die Regierung kann sie aber aus Mangel an Mittein nicht durchführen. Das heißt, rund und nett gesagt, daß die Regierung nichts zu tun gedenkt, um das Land zu entwickeln, gleichzeitig aber wegen dieser Nicht« entwlcklung des Landes uns die Einwanderung sperrt. Üebrig bleibt, daß auch Hi Zukunft die Regierung nichts dagegen hat, wenn die Juden mit eigenen Mitteln das Land entwickeln. Dies ist also der offizielle englische Kommentar zum Artikel 2 des Mandates, der die Regierung verpflichtet, das Land unter solche Bedingungen zu stellen, die die Er» richtung des jüdischen NaMonaiheim* garantieren! Damit aber nicht genug: Chancellor hat »ich zu gleicher Zelt, und dann noch einmal in Haifa, zum Problem der Beschäftigung jüdischer Arbeiter bei Regierungsarbeiten geäußert. Wiederum sieht er die Berechtigung der Forderungen ein, wiederum gestattet die Leere der Regierungskassen es ihm nicht, diese Forderungen zu erfüllen, er hofft aber, Juden wenigstens ais Facharbeiter verwenden zu i können. Das bedeutet, daß trotz der von Wedgwood durchgesetzten fair wages-Klausel die Regierung den Hafenbau mit arabischer Arbeit durchführen wird, abgesehen von der ziemlich unwesentlichen Facharbelt, In der vielleicht Juden beschäftigt werden können. Wenn damit die Hoffnungen, die an den neuen Oberkommissär sich knüpften, zu einem Teü bereits enttäuscht sind, so kann man nicht sagen, daß die Vorgänge der letzten Tage im eigentlich zionistischen Lager Palästinas Ueberraschungen enthalten. Wieder einmal drohte der Lehrerstreik, brach für einige Stunden,aus und konnte dann besonders durch das Eingreifen von Frau P e r s 11 z, sofort beendet werden. Wdeder einmal kämpften Hästadruth und Exekutive in der ' Frage der Beschäftigung der noch verbliebenen Arbeitslosen, und die Exekutive scheint, trotz der entgegengesetzten Stellungnahme der Londoner Zentrale, auf Ihrer Weigerung, etwas für die Arbeitslosen zu tun, zu verharren Es gehört viel Naivität dazu, diese Fragen noch immer ais Fragen der Schuld des einen oder anderen Teils zu behandeln. Die Exekutive war gewiß nicht immer gut beraten: sie hätte den Lehrerstreik wahrscheinlich überhaupt verhindern können, und wenn London eine Möglichkeit sieht, den Resi der Arbeitslosigkeit zu liquidieren, so hätte die Jerusalemer Exekutive nicht auf ihrem „Nein" zu bestehen brauchen oder es zum mindesten begründen sollen. Aber das sind ja Detailfragen, Die Hauptsache bleibt, daß eben kein Geld da ist und daß man Forderungen, die eine Gruppe auf Grund des Budgets erhebt, nur erfüllen kann, indem man andere, OTEL CONTINENTAL WIEN, IL, PRATERSTRASSE? (neben Schwedenbrücke 200 Zimmer modernst eingerichtet Erstklassige Küche Mäßige Preise ebenso berechtigte Wunsche nicht befriedigt. Konsolidierung hängt eben nicht von der Zusammensetzung der Exekutive ab, sondern ausschließlich und allein Von den- Gefdeihgärigen! Ohne; Geld kann auch Sacher nidit konsolidieren, mit Geld kann es auch Sprinzak! Während diese Dinge sich in der Oeffentiicbkeit des Landes afospiden, geht unbemerkt ein Prozeß vor sich, der eben um seiner Unbemerktheit willen schwer mit konkreten Details wiederzugeben ist Privatpersonen und Privatgesellschaften kaufen große BodenDächen In der Pflanzungszone, die bekanntlich etwa von Gaza bis Haifa reicht. Es gibt niemand, der in diesem Augenblick genau sagen könnte, was gekauft «st und was nicht. Nur gelegentlich erfährt man etwa, daß in der Nähe von Rechoboth 9000 Dunam. in jüdische Hände, übergegangen sind. Die Preise für Orangeruboden sind sehr (n die Höhe gegangen und es kommt schon vor, daß 15 Pfund für einen Dunam Orangenboden bezahlt werden. Es hat den Anschein, als ob nicht wie bisher kleine Orangengärten bis höchstens fünfzig Dunam entstehen, sondern große zusammenhängende Terrains. Der Boden wird jüdisch und das ist, wenn er jüdisch bleibt, selbstverständlich zu begrüßen. Ob die Käufe zu Spekulations- oder zu reellen Verwendungsabsichten geschehen, weiß niemand Aber auch in letzterem Falle ist der ganze Prozeß sehr kritisch zu betrachten. Das Stelgen der Bodenpreise wird sich kn ganzen Lande auswirken und wird wird mm leicht von Erkaltung befallen. Man muß daher rechtzeitig Sorge dafür tragen, daß In Hause nie fehle der in seiner schmerzlindernden Wirkung einzige DIANA- Franzbranntwein mit Menthol weicher für Massage, Einreibung. Umschläge und ata Qurgelwauer gleich unentbehrlich ist Nehmen Sie nur Diana! Werttoae Nectiatiiviifnaen weifen II« «pt*tlilee}«ft an?Mck I Uftbftrall •rbÄlUltfu Koh e*Hiittonkoks »B£RS HUCSISCh ANTHÄACIT ä« VpmklSSS Qualitätssorten - Billigst *ASCH, IV. f«i.ah «-««-«03 Argentln eratr. 22 reiepn. ü-41.a87 Qa*a tsoktion <4«s ICCRIEN-K AJCMgTH dem Narionalfonds seine Aufgabe noch mehr erschweren. Schon heute ist man ferner in Fachkreisen davon überzeugt, daß, ähnlich, wie in der Bauhausse der vierten Ahiah, viele Personen mit der Anlage von Orangengärten beginnen, aber aus Mangel an Mitteln nicht werden durchhalten können. Und was uns das wichtigste scheint: Weniger als in irgend einem Lande der Welt ist in Palästina der Platz für Großgrundbesitz. Unser Ziel, eine arbeitende jüdische Mehrheit in Palästina, ist nur bei intensivster Nutzung des Landes zu ^llllllllllllilliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiu | Verband demokratischer Zionlsten § | M Jpinii l s aus Anlaß des Geburtstages Popper»Lynkeus* E E Dienstag, am 26. Kebrua» um 8 Uhr abends im S 5 Saale der. Scholle*, II Lliienbrunngasse 1 (Dianabad j S Redner Oberbaurat Robert Stricker S ~E Dr. Leoootä Piaschlces K E An die jüdische Ju end I Kommet und höret, was der E S eioße jüHsche Freund und >'*üh»er der Menschheit wl'l! S_ iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiitiiiiingiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiHiiil erreichen und das heißt, daß eine Familie in der bewässerten Pflanzungszone keinesfalls mehr als 50 Dunam in ihrer Hand haben sollte. Das Entstehen großer Plantagen, voraussichtlich mit arabischer Arbeit, ist im nationalen Interesse eine schwere Gefahr, Werbt es unseres Erachtens aber auch dann, »vwwi mitjüdischer Arbeit gearbeitet wird. Hier ist Einschrelten der Regierung und eine Bodengesetzgebung vonnöten, wie sie heute--in; manchem ii-iohtsoziaWstischeri,. europäischen Staate besteht. Aber wird die Regierung für derartige Maßnahmen Verständnis haben und wird die Zionistische Organisation in dieser Richtung zu arbeiten bereit sein? Neue Beduinenaogriffe auf Chedera. Der Oberkommissär gegen die Jüdischen Kolonisten.. — Das 40jährige Besitzrecht der Juden wird nicht anerkannt. Aus Jerusalem, 15. d., meldet die J. T. A.: Die Beduinen, die sich vor einiger Zeit auf dem Boden der jüdischen Kolonisten von Chedera festgesetzt habem griffen in diesen Tagen abermals die jüdischen Kolonisten, die mit dem Pflügen der Infiath-Aecker beschäftigt waren, an und erklärten, auch diese wären ihr Eigentum. Als der zur Aufrechterhaltung der Ordnung dorthin kommandierte Polizeiposten herankam, ließen sich die Beduinen in einen Kampf ein. Die Beduinen sind noch nicht gewichen. Gestern ist in Chedera der Direktor der Landespolizei mit Gefolge eingetroffen und hat eine vorläufige Entscheidung Chancellors bekanntgegeben, die nicht allein unter den Kolonisten von Chedera, sondern in allen Kreisen des jüdischen Aufbaues in Palästina Bestürzung hervorgerufen hat. Ungeachtet des Umstandes, daß die jüdischen Kolonisten von Chedera schon seit vierzig Jahren im Besitz der Eigentumsdokumente für die ihnen plötzlich strittig gemachten Aecker sind, hat der Oberkommissär entschieden, daß die Angelegenheit dem Gericht vorgelegt werde und daß bis zu dem Zeitpunkt, wo das Gerichtsurteil ergangen ist, die noch nicht angebauten Terrains weiter unbebaut gelassen werden sollen, daß die bis zum Ausbruch des Streites von den; jüdischen Kolonisten kultivierten Böden weiter v<m den Juden bearbeitet werden und die Beduinen die einstmals besessenen Aecker auch weiter benützen sollen. Am 15. Februar fand eine Beratung von Vertretern sämtlicher jüdischen nationalen Institutionen in Palästina in dieser Angelegenheit statt. Araber beanspruchen HaJfabai-Bodeit. Die Fellachen von Manshyrie in der Nähe' von! Acco haben gerichtliche Klage gegen die Regierung und die Haifa Bay Development Company wegen Abtretung von ihnen beanspruchter 200 Dunam Boden, die urkundlich dem von der Haifa Bay Company erworbenen Land zugehören, eingereicht. __________ Ein Jüdischer Nachtwächter ermordet; Montag nachts wurde der jüdische' Nachtwächter der Kolonie Ro<;howoth südlich von Jaffa, Joseph N i n 1 w i t * c h, während der Ausübung seines Dienstes ermordet /