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Die neue Welt · 1929-02-15 · Heft 74 (15.2.1929) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 74 (15.2.1929)
Date
1929-02-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
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caan * Seite 12 Dl£ NEUE WELT Nr. 74 mit straffen Segeln untergehen, bald ein stürmischer Himmel, auf dem die Wolken miteinander Krieg führen, bald ein brennender Wald. „Doch am besten verstehe ich Musik, wenn ich mit Ihnen zusammensitze. Wenn Sie neben mir sitzen, höre ich die | Musik besser." . „Warum gerade mit mir besser?" — fragt Dwojre und ihre Augen leuchten in die seinen hinein. „Warum, das weiß ich nicht. Doch es ist so. Wenn ich auf Ihr Haar und Ihre Schultern sehen kann, dann verstehe ich besser, was das Orchester spielt." Manchmal ist Buchholz ganze Tage lang unsichtbar. Dann steht er irgendwo auf East-Side, dreht das Rad einer Wäscherolle oder schlichtet Holz auf einem Lagerplatz auf. Doch am Abend, wenn Dwojre aus dem Shop kommt, erwartet er sie, sorgfältig gewaschen, mit nasser, gut gekämmter Mähne; wenn er sie kommen sieht, fuchtelt er schon von weitem mit dem Gelde und ruft: „Wir haben Geld für Billetts!" Sie schaut ihn an und erkennt in den müden Falten seines Gesichtes, daß er den ganzen Tag- Holz geschleppt hat: sie wird traurig: „Das stört Sie doch in Ihrer Arbeit!" „Keine Idee, ich habe heute gar keine Lust gehabt, zu arbeiten, ich habe meine Hände ein bißchen in Bewegung setzen müssen, sonst wjachsen sie ja an." Dwojre lacht, und an diesem Abend wird ins Konzert gegangen. Auf dem Heimweg vom Konzert erklärt Buchfiolz Dwojre das Gehörte in seiner Sprache. Er modelliert die Musik geradezu: „Unbekannte Menschenmassen, ganze Völker ziehen durch einen tiefen, uralten Wald, fällen die Bäume, wecken mit ihrem Lärm die wilden Tiere und lassen den ganzen Wald vor Schreck erbeben. Auf dem Gipfel des Berges liegt die Stadt. Im Schein der untergehenden Sonne sieht man von oben, daß sie kommen; die ganze Stadt gerät in Schrecken und Aufruhr, Menschen erscheinen auf den Mauern und ein Krieg auf Leben und Tod beginnt ..." An Sonntagen besuchen sie öfters die Lehrerin in Bronx, ihre einzige Bekannte. Miß Forster hat Buchholz' Arbeiten, auch. den. „ßimson", gesehen und ist der Ueberzeugung, Buchholz sei ein großes Talent, „auf das Amerika einmal stolz sein wird". Sie schimpft auf die amerikanischen Millionäre, welche Millionen für gefälschte alte Meister ausgeben, die eigens für sie in Europa fabriziert werden, aber kein Verständnis für die neue amerikanische Kunst haben und die amerikanischen Künstler verhungern lassen. Miß Forster hatte versprochen, in Buchholz' Atelier einen Kunstkritiker zu bringen, mit dem sie bekannt war; der sollte Buchholz' Arbeiten ansehen und versuchen, für ihn ein Europastipendium zu erhalten. Seit Dwojre mit Büchholz ging, nahm sich Miß Forster des Paares liebevöll an, Ihr gefiel das Verhältnis der beiden und sie gewann das. Mädchen (und durch Dwojre auch Buchholz) sehr lieb. Um ihnen zu helfen und ihnen das Leben leichter zu machen, lud sie sie, zu, sich ein. Sie pflegte Buchholz zu ermuntern, in Stünden des Zweifels ihm Zuversicht zuzusprechen, er möge bei seiner Arbeit bleiben; Dwojre redete sie zu, sie. iinöge Buchholz stärken und begeistern,' dadurch werde sie sich „große Verdienste" erwerben. Dwojre wußte nicht, was Miß Forster'damit meinte. Sie und Buchholz hatten die Lehrerin sehr gern und sie tat ihnen auch viel Gutes. Bei der. Lehrerin war immer ein Mittagessen zu haben, auch ein paar Cents, wenn Geld zur Heimreise fehlte. (Fortsetzung folgt.) Copyright 1928 by „Die Neue Welt", Wien. Nachdruck verboten. KOMÖDIANTEN Roman von Schalem Mechern. Ins Deutsche übertragen von R Rosen hall. 9 (17. Fortsetzung) 31. Kapitel. Sterne fallan nicht, Sterne irren umher! Das, was Resl in jener zauberhaften Nacht, da sie zü zweit auf der Schwelle bei Israel dem Chasen saßen, Lebl erzählte, war für ihn eine Neuigkeit. Eine frohe, sonderbar willkommene Neuigkeit. Ihre Worte gössen sich ihm wie Balsamöl ins HerzK ihre Stimme klang ihm in den Ohren wie die schönste Musik, in dieser seltsamwunderbaren, göttlich-zauberhaf'en Nacht. Ach, es tut ihm weh, daß er davon nicht früher gewußt habe. Gut, daß sie es ihm erzählt, gut, daß er es weiß. Jetzt sieht er, daß es Gott so will. Jetzt wird es klar, daß es Gottes Fugung sei. Anscheinend ist es ihnen beiden beschieden, die gleichen Schmerzen zu tragen, an Holeneschti gleich an gleich zu leiden, aber auch von diesem Leiden gleich an gleich erlöst zu werden*'-sich gemeinsam aus diesem engen düstren finstren Holeneschti herauszureißen und dorthin dorthin zu ziehen hinein in eine neue Welt, in eine große Weltl Oh! Dort wird für beide ein neues Leben anbrechen, ein neues strahlendes Leben. Sie werden beide den gleichen Weg gehen, dasselbe erlernen, er Schauspielen, sie singen, und beide werden sie in der Welt berühmt werden, er mit seiner Schauspielerei, s'e mit ihrem Gesang. Und Lebl gibt ihr seine Hand, ruft Nacht und Himmel zu Zeugen an: diese Nacht, dieser rote feuerbedeckte Himmel sei Zeuge, daß sie sich niemals, niemals von einander trennen werden. Darauf geben sie zum Gelöbnis einander die Hand, Gott möge ihr Zeuge sein, daß sie immer und immer zusammenbleiben werden, ewig und ewig. Was immer mit ihnen ge chehen mag, w o h ini m m er sie verschlagen werden mögen — zusammen! Immer und überall — zusammen! Und selbst dann, wenn s'e beide schon erwachsen, groß sein werden, auch dann darf keiner ohne den andern einen Schritt tun. Niemals. Niemals! Beide werden sie am selben Theater sein, beide .werden sie durch die Welt reisen und wenn es sich so ergeben wird, hierher nach Holeneschii kommen. Bestimmt werden sie.hierher kommen, ganz ohne jeden Zweifel. Sie werden zu Vater und Mutter ins Elternhaus kommen ... die Stadt wirds erfahren, man wird gelaufen kommen wie zu einem Wunder,,Benje Räfälowitschs Sohn und Israels .des; Chasen Tochter zu sehen. Oh welches Glück! Alle werden sie beneiden. Man wird auf sie mit dem Finger zeigen: das ist das glücklich glückliche Paar! Und sie werden dann gewiß schon Braut und Bräutigam sein. Warum erst Braut und Bräutigam? Nein, nicht Braut und Bräutigam, sondern Mann und Frau. Haha, Braut und Bräutigam sind sie ja schon seit langem, seit jenem ersten Abend, als man sie zum erstenmal ins Theater setzte. > „Denkst du an damals, als man uns das erstemal ins Theater setz'.e, haha?" Welch eine Frage! Ob sie daran denkt! Sie hätte ewig so sitzen wollen, denn was gibt es Besseres, Lieberes, Süßeres als Theater, als jüdisches Theater? I *' Ach du Ewiger, ist es nicht so, als wären sie schon lange im Herzen e'nig gewesen, Gottes Fügung? Hat Gott selbst nicht Mitleid mit ihnen gehabt und von oben auf sie herabgeblickt und jedem von ihnen einen Engel, einen Erlöser gesandt, ihr diesen Schlemihl Schölem Meir und ihm den Hotzmach? Und Lebl erzählte ihr eine schöne Geschichte» eine lange Geschichte,' wie er diesen Menschen, den Hotzmach kennen gelernt und sich ihm befreundet habe, mit ihm eine Seele. Wie der Vater ihn erwischt und häßlich bestraft habe und wie er sich das Gelübde gab, Rache zu nehmen, heimzuzahlen, abzurechnen für die Schmach. Und den ganzen Racheplan, den er ausgearbeitet hatte, ja selbst das mit dem Geld — alles gab er ihr in allen Einzelneren wieder. Er hat keine Angst vor ihr. Warum soll er Angst haben? Er weiß, er fühlt, daß er und sie von dieser Nacht an eins sind, da sie es einander: gelobt haben. Ihre Hand ist in seiner Hand und Gott ist ihr Zeuge. Gott ist oben. Dort im Himmel. Aber er hört, Gott hört alles. Alles. Und zwei Augenpaare blicken hinauf in den Himmel. Der Himmel ist nicht mehr so rot wie früher. Das Feuer geht immer mehr ein. Der Lärm und das Treiben legen sich. Und schon neigen sich wieder Sterne am tiefen Himmel dieser göttlich schönen, wsrmen Spätsommernacht. Zuerst ein Stern, dann noch einer. Und dann viele, viele Sterne ohne Zahl. Und sie kommen heraus, einer da, einer dort, bald oben, bald unten, sie fallen, fallen. „Sieh nur, wie die Sterne fallen," sagt Resl zu Lebl und ihre Stimme zitiert und das Herz klopft. Lebl lacht auf. „Hast du gar Angst? Brauchst keine Angst haben", beruhigt er sie, als ob er der Aeltere wäre, obwohl er um ein Jahr jünger ist. „Warum fürchten? Sterne fallen nicht, Sterne irren umher. Sterne irren umher..," Und er erklärt ihr wie ein älterer Bruder, woher, es kommt, daß Sterne irren. Er weiß es. Lernt im Cheder, darum weiß er es. Der Sinn der Sterne ist der: „Jeder Stern ist die Seele eines Menschen. Wohin die Seele wandert, dorthin wandert der Mensch. So kommt' es uns vor, als ob die Sterne fielen. Sterne fallen nicht; Sterne irren umher —" sagt Lebl, hinaufblickend in den tiefen Himmel, der von der früheren Röte immer mehr verliert. Nur ein Rand dort am Horizont ist noch ein wenig mit hellroier Farbe überdeckt, die immer heller, und fadenscheiniger wird und nach und nach vergeht. Und die schwarzen Silhouetten, die früher so dicht an einer. Stelle zusammengedrängt waren, haben sich gelockert. Man hört sc'ion nahe Stimmen und bald wird man sie — im Handumdrehen — hier bei der Schwelle sitzen sehen. Man muß aufstehen, man muß gehen... wie gern man auch bliebe... Gute Nacht! — Gute Nacht! — Lebl erhsbt sich von der Schwelle und schlägt die Richtung zu der Brandstätte ein, bleibt stehen, wendet sich um, noch einmal mit dem Gesicht zu Resl, noch einmal: . ■, ' „Gute Nacht!" „Gute Nacht!" Einen Augenblick noch — und er verschwindet in der Dunkelheit der Nacht. ' 32. Kapitel. ,Guts Woch«! I Sabbathäusgang. Alle guten Wahrzeichen des schönen lieben heiligeA Sabbath in Holeneschti zuende. Man sieht in der Herren£a:se nicht mehr die feinen jungen Stutzer mit den schön herausgeputzten Mädchen4 die dzn ganzen Sa'>bathtag bis zum späten Abend lustwandelten und hochrussisch konversierten, ein schlechtes lahmes Russisch ohne Hände und Füße — wenn nur * russisch. (Fortsetzung folgt.) I Bekannter j-^ßfl | 1 mit krältlger Stimme | i sucht Posten ( f. Unter „Religiös" an die Expedition dieses Blattes | r,HUHMmiMiiiitHimnim|t|||imimiiHmiimiuiim ■HBHHH Einlösung von GOLD SILBER PLATIN bei G. A. Scheid Wien. VI,, Gumpendor erttraBo 88 f., Frans Joseis Kai 38 N ederiaee G RAB STEINE FRIEDLÄNDER & DEUTSCH Wien. I. Bes., SeitemieUen^asse 2, Telephon 0-28-J'28 XL, Zenttattneahot, neb. a 7.7or, leteohon U-18 0 85 Bei Einkäufen berufen Sie sich aut „Ii! Kill If nillllllllllllllllllllllltllllllllllllllllllllllllMIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII'. i * » . i > ■ ■ i » Für junges Mädchen aus besserem jüdischen Hause, absolvierte Bürgerschülerin, wird Stelle als Praktikantin - gesucht. Gefl. Zuschriften unter „Branche egal" an die Expedition dieses Blattes 1 rs-itr i ■ Schadehen, der in besseren jüdischen Kreisen J. J verkehrt, empfiehlt'sich ■ ■'. # ■ ■.. * . a S Gefl; Zuschriften J S unter „Diskret" an die Expedition des Blattes S ■ ■ MWBBBSBSBSSB | Gegründet 1882 [ I LeUßTOSlflieranss- DUflMIY'! | qeseiisctiaft }rnUmA i | Zentraldirektion: WIEN 1., Riemergasse Nr. 2 [ s reisidiBWisiiMUofl 1 Silliirdi 810 MHliORU SAflüii [ Vfllltinstubllej Mtienkipitil 4.00B.0M.- Staffln! : § Prämie* und Zinseneinulintn in Jahn 1927 71 Millionen Silllliij : s £»M«efflillH Mi 1927 192 MUlUatn Sdülug [ s Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsche« Reich, Frankreich, [ Belgien. Kolland, Italien, Spanien, Tschechoslowakische : s Republik. Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Briecnen- : 5 land. Türkei. Aegypten und Palästina. s S a aiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifliiiiih" ^^^tBmamm (^^B ^Pl FAHRRÄDER 1929 S20.— monatlich ohne Angabel ni^if IX. LlechtenstelnstroDe rtr. 27 P^l^lm Tel* * 16-9*64 und A 16*3-66 ■kÜ 10. Wiedner Hauptstraße Hr.8 ■HHaVBHH fei. A 30-0-36 SPORT- UNO TOURISTENARTIKEL Eigentümer, Verleger, Herausiieher umJ verantwortlicher Redakteur Oberbaurat Robert Stricker. — Druckerei- Verlags-A,-G, Ignaz Steinmann, beide Wien, IX., UniversitätsstraÜe 6—8, ... . und a&ai

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