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Die neue Welt · 1929-02-08 · Heft 73 (8.2.1929) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 73 (8.2.1929)
Date
1929-02-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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ir Seite 4 DIE NEÜE WELT Nr. 73 Tiefer«chöttert geben wir Nachricht vom plöte* flehen Ableben unseres langjährigen Kollegen ISAK TISCH Er war mehrere Jahre ein aufrichtiger, mustergültiger Kollege, ein treuer Diene seines Volkes und ausgezei hneter Mensch. In der Blüte seines Lebens, im Alter von 24 Jahren, ereilte ihnin Ausübungcinef zionistischen Arbeit unerwartet der Tod. Wir werden ihm immer ein treues Angedenken bewahren. Die Beamtenschaft der Vereinigten zionistischen Büros. mitteilt begünstigen, ohne daß sie berechtigt wären, sich auf irgend welche Weisungen von höheren Sellen zu berufen. Immerhin werde die karholische Judenmission in Polen mit unglaublicher Rücksichtslosigkeit betrieben, so daß sie zur Sprengung der Familienbande und zur Verleihung der infolge der ungeheuren Arbeifstos'gkelt no leidenden und vcnweif.llen Jüdischen Jugend f hrt. Trotz alledem ist' jedoch der Erfolg der Bemühungen der katholischen Judenmission noch ein geringer. Ritualmordhetze in Bulgarien. Das Konsistorium der Jüdischen Gemeinden Bulgariens ersuchte das Kultusministerium, der von der ärttisemKischen „Rodnä Zachtita" im Zusammenhang mit einem in Hascova vorgekommenen Ritualmord-tumufo eingeleiteten antijüdischen Hetze autoritativ entgegenzutreten. In Hascova entstand ein Ritualmord-Tumult dadurch, daß eine christliche Frau die Behaupt-ung aufstellte, eine jüdische Frau hätte ihr Schokolade in den Mund gestopft, um sie wehrlos zu machen und ihren Körper den Juden zu Ritualzwecken.auszuliefern. Ein „Goldenes Buch" der jüdischen Kriegsopfer in Frankreich. Der Verband der jüdischen Frontsoldaten Frankreichs hat beschlössen, eine Liste aller während dös Weltkrieges in den Jahren 1914—191& an den franzö 1schen Fronten gefallenen jüdischen Kriegsopfer anzulegen und in der Form eines ,,Goklenen Buches" tu veröffentlichen. Der Verband erläßt einen Aufruf, in dem es ü. aheißt: Die Angehörigen gefallener jüdischer Soldaten in Frankreich und im Auslande mögen dem Verbände die zuverlässigen Daten und Dokumente zur -Verfügung stellen. Bekanntlich hat auch der;. RefChsbiihd jüdischer Front« Soldaten jh Deutschland eine genaue Liste aller im Kriege. 1914«—1918 auf' deutscher Seite gefallenen jüdischen Soldaten, dereh Zashl sich auf rund 12.p00 beläuft, angelegt. Zehnjähriger Bestand des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Aus Berlin wird uns berichtet: Def Reichsbund jüdischer Frontsoldaten begeht am 9. ^rnd l6l Februar die Feier seines zehnjährigen Bestehens. In Berlin wird am 9. Februar eine Kundgebung im ehemaligen Herrenhaus stattfinden, bei der die Reichi- und Landesbehörden, hohe «hiHtänsche Stellen, städtische Behörden, die jüdischen amtlichen Stellen, Organisationen und Verbände, sowie die Landesverbände und Ortsgruppen 'des R. i. F. aus dem ganzen Reiche vertreten sein werden. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten zählt ungefähr 35.00Q Mitglieder, die ausnahmslos Frontkämpfer gewesen sind. Juden, welche in Mähren und Deutschland unter der Geißel der Judenverfolgungen stöhnten, einen Aufruf, sich unter den Schutz des osmariischen Szepters zü begeben. Der Appell hatte auch Erfolg. Im Jahre 1470 strömten sogar aus Bayern jüdische Familien nach Saloniki, die eine besondere Kultusgemeinde gründeten, sich als Rabbiner den großen Frankfurter Gelehrten Rabbi Simeon, den Verfasser des bekannten Werkes „J a 1 k Ii t Simeon!'4 mitbrachten. Eine andere Berühmtheit dieser bayrisch-jüdischen Kehillah war der Verfass6r des *Scharwit Hasabaw", Scbelomo ben Eliahu. Wie die Chronisten bezeugen, lebten zSii dieser Zeit zahlreiche Aerzte, Kaufleute, Gewerbetreibende, hauptsächlich Goldschmiede und Eisenarbeiter, Schriftsteller und Dolmetscher in Saloniki, wo das geistige Leben damals in seiner Blüte stand. Sabbätai ben Malkiel Hakohen und der aschkenasische Rabbi Mordechai führten gegeneinander heftige philosophische Disputationen und die Kodifizierung der Gesetze und der Traditionen Ist gleichfalls dem Kulturleben dieser Stadt entsprossen. Rabbi Ephraim Karo und sein Sohn, der Verfasser des Schulchan Aruch, Josef haben hier" gelebt und gewirkt. Schelomo Mitarani, Joset ben Jochai, Berachia Hakohen und sein Sohn Daniel, Abraham Ghasan, und Don Samuel sind Namen von bleibendem Wert. In ihren Werken spiegeln sich die Verhältnisse und die Sitten Jener Zeit wieder. Wa« das innere Leben der Judengeiiieinden betrifft, so ist festzustellen, daß der Rat,der Paroassim die Administration der Gemeinde kontrollierte, für die Versorgung der Walsen u nd Witwen aufkam, und für die Auslösung der Geiseln zu sorgen hatte. Zu Zelten von Massenzuzügen intervenierte der Rat, beton WaÜ und regelte im Einvernehmen mit diesem die Unterbringung der FamHietl. Uetor die Kontinuität und Entwicklung da kuÜureUea Aus der Wiener Judengemeinde. i Einigung auf Kosten des allgemeinen Wahlrechtes. Wie bereits gemeldet, ist es bei Konstituierung des neuen Vorstandes den 18 Üniönisten dank der Uneinigkeit der ebenfalls lögliedrigen Opposition (ifi Zionisten, 5 sozialdemokratische „Werktätige" und 1 Unpolitischer) gelungen, alle Präsidenten- und Vertfeterposten für sich zu gewinnen. Um diese verlorenen Posten begann nun ein heißes Ringen. Die „Union" erklärte, nur dann der Opposition die ihr gebührenden Sitae in der' engerert Geschäftsführung einzuräumen, wenn sich die Opposition verpflichtet, den Kampf für das allgemeine Wahlrecht im Vorstände aufzugeben. Für den ^all der Verweigerung erklärte die „Union", keinen Sitz preiszugeben und die Auflösung des Vorstandes und Neu wählen zu vieranlassen. Es muß festgestellt werden. ' daß die „Union" folgerichtig gehandelt hat. Sie ist für ihr Programm, dessen Hauptpunkt der Kampf gegen das allgemeine Wahlrecht ist, unter Anwendung aller parlamentarischen Mittel eingetreten. Und hat einen Erfolg errungen. Die Opposition hat den Kampf fürs allgemeine Wahlrecht, der den Hauptpunkt ihres Wahlprogrammes bildete, aufgegeben und dafür die begehrten Posten erhalten. Die Preisgabe erfolgte in der Form, daß die Wahlrechtsfräge im Plenum nicht aufgerollt werden darf. f+ M. tSftSf CAFE PRODUKTENBÖRSE Wien, II.. TabO'Straße 10 Monumentalstes Kaffeehaus Wiens Behag ich <iurchwatmt! Kauch-und dunstlrei. Ausgezeichnet \ren iltcrt Am Abend: Treffpunkt det jüdischen Tnteiligenz und der Zionisten aller Wichrungen sowie der jüdischakademischen Korporationen und Vereine AfhflinAf 2wei Prozent der gesamten Abendlosung werden HllllUlIsi allmonatlich dem Keren-ta|emeth zugeführt. ff I0TEL CONTINENTAL WIEN, IB., PRATERSTRASSE 7 'neben Schwederibrücke Erstklassige Küche ' ' Maßige Preise sondern einem Ausschüsse übergeben wird, welcher frühestens naöh einem Jahre (!) Bericht zu erstatten hat. Nach einem Jahre kommt wieder die Wahl der Vizepräsidenten und Vertreter! Das Spiel und der Handel können also neuerlich beginnen. Wie wir erfahren, führen die zionistischen Mandatare vornehmlich zwei Argumente für ihr Vorgehen an: Die sozialdemokratischen „Werktätigen" wären in der Opposition nicht zuverlässig und es drohte ihr Umfall. Eine AuflbWngyundrvNeuwah^len. bedeuteten eine Katastrophe für die Gemeinde, Beamte, Witwen, Waisen, Greise etc müßten. hungern. Was das erste Argument betrifft, so ist, falls es zutreffend sein sollte, zu bemerken, daß die Zionisten doch nicht gewählt, wurden, um umzufallen und das Programm, preiszugeben, wenn die „Werktätigen" es tun. Das ist doch Angelegenheit der „Werktätigen", welche die Verantwortung für die Preisgabe des Wahlrechtes vor ihren sozialdemokratischen Wählern zu tragen: haben. Die Zionisten hätten es ruhig darauf ankommen lassen können, daß Sozialdemokraten zusammen mit den reaktionären Großbourgeois von der „Union" gegen die zionistische Forderung, nach dem allgemeinen Wahlrechte Stellung nehmen. Was "das'Argument von den im Falle einer Neuwahl zum Darben verursachten Beamten,, Kranken, Witwen etc. betrifft, so ist es so billig und hinfällig, daß es sich nicht lohnt, ndchmaJs Worte darüber zu verlieren. Um' aber zu zeigen, wie grotesk es ist, sei für den Augenblick angenommen — nicht zugegeben — es wäre zutreffend, die Zionisten waren entschlössen, nicht nachzugeben, wenn sie den Vizeprästdentenposten und drei Vertretermandate nicht bekommen. Wenn also ein Zionist nicht Vizepräsident sein kann und drei Zionisten nicht, ins Vertreterkollegium kommen, dann dürfen Witwen, Waisen, Greise, Kranke etc. hungern. Die Logik ist bezwingend. Zusammenfassend ist zu sagen, daß diese Art von Politik den zionistischen Anforderungen nach Klarheit und Offenheit nicht entspricht. Man kann unter gewissen Umständen Kompromisse schließen , und es offen zugeben. Aber das, was jetzt geschehen ist, muß sich rächen.' So erwirbt and behält man nicht das Vertrauen der jüdischen Wählerschaft. Die Fortsetzung einer solchen Politik bedeutet die Stärkung des Gegners. Vielleicht wird es jetzt die zionistische Allgemeinheit ganz verstehen, daß der Verband der demokratischen Zionisten seine fCultusräte, Stricker und Plaschkes, zurückziehen und die Verantwortung für diese Politik ablehnen mußte. Der zionistische Parteitag In Polen.' In einer Sitzung des Präsidiums des Oberrates der zionistischen Organisationen Polens wurde beschlössen, diie alltpb'ItTi'SC'he zionistische Konferenz für d-on 31. März und 1. Aprül d. J. nach Warsch a u einzuberufen. Um erwartet die teiilti'ährne von ungefähr 300 Delegierten. Die tage der Juden Im Irak. In Jerusalem sind zwei angesehene' Juden aus dem Irak, der Leibarzt des König Feisul, Dr. Mako w,s k y, und der Direktor der königliehen Baumwollfelder, Ingenieur B e s c h M n, elmretröffert., Beide, stammen aus Rußland. In einem Gespräch mit Vertretern der palästinensischen Presse mächten sie Mitteilungen über die Lage der Juden im Königreich Irak, die sie als eine gute bezeichneten. 20 Prozent der Regierungsbeamten im Irak sind Juden. Auch im Handel nehmen die Juden eine führende Stellung ein. Die Beziehungen zwischen der arabischen und der jüdischen Bevölkerung sind gute. Fast alle Juden des Irak haben sich jüdisches Wissen angeeignet und beherrschen die hebräische Sprache. Sie hegen starke Sympathie für den jüdischen Aufbau in Palästina. Vorläufig aber besteht bei ihnen keine Neigung, in größerer Zähl nach Palästina auszuwandern,' da sie im Irak materiell wicht schlecht gestellt sind und sie die heutige materielle Position in Palästina als noch unsicher ansehen. Ingenieur Beschkin teilte mit, daß er im Irak Oel-, Seifen*.' und chemische Fabriken mit, Hilfe deutschen und heimischen Kapitals erbaut. Lebens der Juden wachte der Rabbi, def den besonderen Titel „Marbiz TÜioraih", Verbreiter der Lehre, führte. Eine dreifache Kröne schmückte den Rabbi nach alter Tradition: Die Krone der Thora, die Krone der Macht und die Prlesterkrone. Das bed<eutete, daß ohne Entsend dwng des Rabbi weder der Leiter der Jeschiwah, der Rosch Jesohiwaih, noeth der Rektor der jüdischen Hochschule, d<er wird man leicht von Erkaltung befatlen. Man. muß daher rechtzeitig borge dafür tiagen, daß int Hause nie fehle der in seiner schmerzlindernden Wirkung einzige Franzbranntwein mit Menthol we'cher für Massage, Einreibung. Umseitige und als Gurgelwasser gle ch unentbehrlich ist Nehmen Sie nur Diana! Wartlosa Nachahmung«» walsaa IIa ■. ., antschladen »urU<k| , Ueberau «rhftltlkli* Vorsitzende des jüdischen Gerichtes (des Betfh Dim), noch der Prediger, der nieffct nur ein hervorragender Redner, sondern auch ein überragender Gelehrter und makelloser Charakter sein mußte, . in das Anit eingesetzt werden konnten. Die Funktionäre wurden von der Gemeinde unter Berücksichtigung der Faimi'lienverlhältni'sse des Funktionärs honoriert, 01>letoh die Ohewra Kadisoha als besondere Institution «ait, wurde, sie von der Gemeinde erhalten. Laut den vorhandenen Protokollen und Gemeindeakten haben sich um den Ausbau der Gemeludeorganisation am meisten verdient geihacht der aus Aragonien stammende Rabbi Jizcbak, ferner Rabbi Eleasar Hassimeoni aus Katalonien, der aus Portugal eingewanderte GedaHjaih ben Gtoajjon und Mose ban Baruch Almoslino. Die innere Organisation der Gemeinde war damals wicht so kompliziert wie heute. Die Gemeinde wählte sieben Parnassim, welche die jüdischen Massen repräsentierten. Damals wurde nur nach einem einzigen Gesichtspunkt gewählt,: Wer dieses Ehrenamtes wirklich würdig ist, das war das Entscheidende. Jemand, yon dem auch nur im entferntesten angenommen werden konnte, daß er das Ehrenamt rur Anknüpfung oder Befestigung von Verbindungen, die Mun vom Nutzen wären, benützen konnte, wurde und mochte, er über noch so hohe .geistige und repräsentative Eignungen verfügen — ans diesem Vertretunigskörper ferngehalten. Stellte es stob aber nachträglich heraus, daß einer der Parnasstrn irgendwie seine Vertrauensstellung mit seinen eigenen, materiellen Vorteilen \n, Verbindung brachte, oder mjt Hilfe sefcner Stellung Verwandten ein Geschäft oder eine Stellung verschaffte, so wurd« er aus der Vertretungskörpersohaft wie ein Aussätziger hinausgejagt Auch ein unbemittelter Mann konnte Parneß werden, wenn er sonst einer solchen Öetraomng wüfdfcg .war, aber er wußte tto Charakter von vorbiidüober Festigkeit sein,

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