Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 71 (25.1.1929)
- Date
- 1929-01-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 9 DIE NEUE WELT Nf. 71 nfltrlioh. Um uns der Kenntnis Angolas noch näher zu bringen, ließ die Regierung sogar den dortigen Generalgouverneur nach Lissabon kommen. ZangwiH pflog mit ihm eingehende Unterhaltungen, an manchen von denen unsere gesamte Delegation teilnahm. Als der Generalgouverneiir wieder abreiste, geben wir alle ihm das Geleit zum Schiff. Trotz des Einflusses des englischen Botschafters kam uns indessen die portugiesische Regierung in der Hauptsache nicht entgegen. Wohl erklärte sie sich bereit, einzelnen Ansiedlern auf Grund von Empfehlungen öffentlicher Organisationen unentgeltlich Boden anzuweisen und sie samt ihren Familien und ihrer Ha.be auf Staatskosten von Lissabon nach Angola zu befördern, sie vom Militärdienst zu befreien, ihnen bei der Anschaffung des Inventars usw. behilflich zu sein, — all das aber nur unter der Bedingung, daß die betreffenden Verträge ausschließlich mit den einzelnen Ansiedlern, nicht aber mit irgend welchen Organisationen abgeschlossen werden sollten. Dennoch fuhr ZangwiH fort, die ganze Angelegenheit ziemlich optimistisch zu beurteilen, in der Uetoerzeugung, daß man mit der portugiesischen Regierung schließlich doch zu Rande kommen werde; er hielt es aber für notwendig, vorher eine Kommission von Sachverständigen nach Angola zu entsenden, um das Land in sanitärer und landwirtschaftlicher Beziehung zu untersuchen. Bensaud übernahm es, Zangwvll iüber alle die Angora-Frage betreffenden Debatten in der Presse auch weiter zu unterrichten. Nachdem Zangwill, Jochelmann und Rubinstein Lissabon verlassen hatten, reisten auch wir zu Schiff nach Le Havre, dann nach Paris ab. Diese Reise auf einem Ozeandampfer war sehr interessant. Der Dampfer war übrigens nicht sehr groß, aber er hatte die allerverschiedensten Passagiere an Bord: Brasilianer, Deutsche, Französinnen, Jesuitenpater; viel wurde auch hier über die Juden und das Anbot der portugiesischen Regierung gesprochen. Unter den Brasilianern gab es einige hohe Staatsbeamte. Sie betonten, daß es für die Juden das Beste wäre, sich in Brasilien niederzulassen, daß dort viel Boden vorhanden, das Land reich sei, und die Regierung den Juden verschiedene Vergünstigungen gewähren würde. Sie ersuchten mich, in Paris die brasilianische Gesandtschaft .aufzusuchen, wo Material über die Frage der Heranziehung der Juden nach Brasilien vorhanden sei. Nach Petersburg kehrten wir im Oktober desselben Jahres 1912 zurück. Die Eindrücke meiner Reise nach Portugal teilte ich sowohl in Moskau als in Petersburg in vielen Organisationen mit. Einen eingehenden Bericht über diese Reise erstattete ich dann im Sommer 1913 in Kissingen in einer Versammlung, die zum Zweck der Unterstützung jüdischer Studierender im Auslande veranstaltet wurde. Mit der Familie Bensaud standen wir lange Zeit in Briefwechsel. Frau Bensaud und ihre Tochter besuchten uns auch in Paris. Mit dem Ausbruch des Weltkrieges traten aber alle ähnlichen Fragen und so auch die Angola- Frage vollkommen in den Hintergrund..." Der Aufbaufonds. •Im Dezember 1928 sind beim Hauptbureau des Keren Hajessod in Jerusalem 34.100 Pfund eingegangen. Im November betrugen die Keren Hajessod-Eingänge 27.682, im Oktober 21.661, im September 31.239, im August 16.372 Pfund. In den vorangegangenen Monaten des Jahres 1928 betrug der Monatsdurchschnitt der Eingänge rund 40.000 Pfund. Die nette Chaluz-Einwanderung. Im Verlauf der Monate Jänner und Februar sollen 500 Chaluzim aus Rußland, Polen, Rumänien, Litauen, Bulgarien, Oesterreich, Tschechoslowakei und Deutschland in Palästina eintreffen, um zunächst in den Orangen- Plantagen von Judäa und Samaria . untergebracht zu werden. Mein geliebter Bruder Inhaber des Wäschesalons D. Rosenfeld Wien, I. Kohlmarkt S ist nach einem A beit und schönstem Menschentum teieben Leben Donneislag den IV. Jänner in Schw.irzach (bei (iasieinj ve»sch eden und wurde Ml twochdtn23 d in Wien zur ewigen Ruhe bestattet. Dr Oskar Rosenfeld Bei der Israel. Kultusgemeinde Klagenfurt gelangt die btelle eines Kantors der zugleich Schochet-Ubodek (und Mohel sem muß, zur baldige ■ Besetzung Derselbe muß von orth. Nabhinern Autorisatio» besitzen Oferie mit Angaoe des Alters, üehaltsanspuche und Zeugnisabschiiiicn sind zu richten an Max Stössl Prlstts der Kultusgemoinde iMimfmmtmmfmmmmtmittmiiHitMini II " Ii MiimmimirmtHmimmmflmiiUfiimti Ü SIEGM. KORNMEHL,, II GROSSFLEISCHHAUEREI Ii jl Zentral« a IX.. Bergy«««* 19. Te'ftpW 17-3-99 u. 16-9-3* fj ]| Lieferant für Heilanstalten ff Ii ■iM^isSiisssSiMi nJlfiir^-'^fif^ji1]!«! I' fi unter Aursicht des Etmvürd'gvn Rabbmats der lsr. Kul- |f |l tusgemet'nde Wien §| ii Autozusleitung kostenlos 1| II IX. Berggasse 1$ , XVII8., WährfitgersCr. 97 j| F » " m riiimlmmmmNtiiiiim Zionistischer Kultuswahlsieg in Groß-Enzersdorf. Bei der am 20. Jänner abgehaltenen Kultuswahl gelang es der zionistischen Ortsgruppe, einen gewaltigen Sieg zu erringen. Wahrend im früheren Kultusausschuß unter sieben Ausschußmitgliedern nur ein Zionist war, errangen die Zionisten nach heftigem Wahlkampf vier Sitze, so daß sie jetzt die absolute Majorität bilden. Die vier gewählten Zionisten Dr. Sternschuß, Dr. K a t z, Dr. Glücker und Rudolf Mandl vereinigten auf sich die meisten Stimmen. Die Wahlbeteiligung war außerordentlich groß, zirka 80 Prozent der jüdischen Bevölkerung schritt zur Wahlurne. MIWIHliiiaWMUMIlUSlJIMIW Ein Weltverband jüdischer Handwerker. Eine Anregung des Zentralverbandes jüdischer Handwerker Deutschlands. Der Zentralverbaud jüdischer Handwerker Deutschlands sendet uns den folgenden Vorschlag zur Gründung eines Weltverbandes jüdischer Handwerker: Die wirtscnaftiHche Lage der Juden ist im letzten Jahrzehnt in allen Ländern einer starken Wandlung der beruflichen Struktur unterworfen. Die Juden werden durch die wirtschaftliche Entwicklung, durch die Entstehung von Genossenschaften lind Konsumvereinen, durch das Anwachsen der wirtschaftlichen Bedeutung der „öffentlichen Hand" in fast allen Ländern in immer stärkerem Umfange aus den Wirtsahaftspositionen, die sie früher im Bankwesen, im Handel und Verkehr hatten, verdrängt. Breite Schichten des jüdischen Mittelstandes kämpfen schwer um ihre Existenz und sind in Gefallr, in immer stärkerem Umfange der P r o d e t .a r i s i e r *i n g zu verfallen. So bedauerlich auch diese Erscheinungen sind, so ist doch nicht zu verkennen, daß sie In sich Keime wirtschaftlicher Gesundung tragen. Im Bewußtsein der aus der Wirtschaft verdrängten und deklassierten Juden wächst immer stärker die Erkenntnis, daß eine Rettung vom wirtschaftlichen Untergang nur auf dem Wege zu produktiver Arbeit mög ich ist. Stärker und bedeutsamer als der Uebcrgang der Juden zur Landwirtschaft ist namentlichin Mittel- und Westeuropa die Tatsache, daß die jüdische Jugend in immer größerem Umfange handwerklichen Berufen zustrebt. Es ist keine Uebertreibung, wenn heute bereits festgestellt wird, daß das Handwerk unter den Juden in den kommenden Jahren eine bedeutsame Entwicklung zeitigen wird. Die Lage der jüdischen Handwerker selbst ist heute noch nicht genügend gefestigt: Sie sind in dem Kampf um ihre Existenz sehr häufig in einer viel schlechteren Position als ihre nichtjüdischen Fachgenossen, und zwar deshalb, weil sie ungemein stark unter den Verdrängungserscheinungen, denen die Juden in der Wirtschaft überall ausgesetzt sind, zu leiden haben. Nichtjüdische Unternehmer "'erteilen ihnen selten Aufträge, bei den Lieferungen für Staat und Kommune sind sie sehr oft im Nachteil Die jüdischen Handwerker haben längst erkannt, daß auch sie nur auf dem Wege der Organisation, des Zusammenschlusses aller Kräfte für die Sicherung ihrer Ekistenz und den wohl verdienten wirtschaftlichen Aufstieg kämpfen können. Die .gemeinsame Not und die gemeinsamen Sorgen der jüdischen Handwerker in den verschiedenen Ländern lassen den Zusammenschluß der verschiedenen jüdischen Handwerkerorganisationen zu einem Weltverband des jüdischen Handwerks notwendig erscheinen. Als Aufgaben eines solchen Verbandes kämen In Betracht: Zusammenfassung aller jüdischen Handwerkerorganisationen zu einem Wöltverband der jüdischen Handwerker; Gesamtvertretung der jiWischen Handwerker bei allen jüdischen Organisationen und allgemeinen Beruf«Vereinigungen, insbesondere bei jenen, die für die Prodaiktivieruiig der Juden tatig sind; Schaifung und Ausbau von K r e d i t e i n r i c h t u n g e n und Genossenschaften für die jüdischen Handwerker: durch Errichtung von Kreditgenossenschaften, durch Zusammenschluß der verschiedenen genossenschaftlichen ICrediteinrichtungen des jüdischen Handwerks zu einer großen Zentralbank, mit der Aufgabe der zentralen Regelung der Kredit Versorgung der einzelnen Genossenschaftsbanken; gemeinsamer und dadurch verbilligter Einkauf von Maschinen und Material eventuell Uebernähme des Exports bestimmter im Handwerk verfertigter Wgren; Schaffung von Berufs*Arbeitsgemeinschaften zwecks Austausches der beruflichen Erfahrungen ■und Verbesserung der Produktion und Arbeitsmethoden; Schaffung einer Beratungsstelle für Wirtschaft und Technik im Handwerk; Förderung der Lehr.lingsausbilduii'g, Studium der Wirtschaftslage der verschiedenen Berufe zwecks Zuführung der jüdischen Ju g en d zu jene n Berufen, die handwerklich heute noch als aussichtsreich angesehen werden; Veranstaltung von Tagungen zwecks Austausches von Meinungen und Erfahrungen, sowie Ausbau der Organisationen und Anbahnung freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Handwerkern der verschiedenen Länder. STRENG 103 SELCHWAREN-FABRIK Wien, XX., Klosterneuburgerstralle 60 unter besonderer Aufsicht des Oberhauptes der polnischen Gemeinde Wiens. Sr. Ehrwürden des Rabbiners M. Mayersohn iV^aKBvy^Kiir^r T.*nD aoToon p«on wt\ "w nw nrwn nnn •3W r.o pt>id mjn tsk .«»-rtw fiktvkd ynö Täglicn frische und e stklassige :>pezia!-Erzeugnisse feinster Wutstu. Selchwaren. — Provinzversand WILHELM PETYAN. SELCHWAREN-FABRIK Wien, XX., KlosterneuburgerstraBe 63 Telephon A-43-1-59 Die Koalitionsfreiheit in Palästina. Ein Schritt des Internationalen Transportarbeiterverbandes. „Daily Herald", das Organ der britischen Arbeiterschaft, teilt mit, daß die Internationale Föderation der Transportarbeiter der britischen Regierung als der M-andatarmacht Palästinas ein Memorandum xvnt er breitet hat, in welchem darüber Klage geführt wird, daß den Eisenbannern in Palästina die Koalitionsfreiheit vorenthalten wird, daß ihre Gewerkschaft gesetzlich nicht anerkannt wird und daß sie bei Festsetzung der Löhne und der Arbeitsbedingungen, die einfach skandalös sind, nicht gehört werden. Die Festsetzung der Arbeitsbedingungen ist ausschließlich Sache der Eisenbahnverwaltu.ng, es bestehen keine 'Bestimmungen über Anstellung und Ent-? lassung von Arbeitern, für die geringfügigsten Verfehlungen werden Geldbußen auferlegt, für durch Betriebsunfall arbeitsunfähig Gewordene besteht keinerlei Fürsorgebe- Stimmung, die sanitären Verhältnisse sind unter jeden. K.r! t'i k. Die Föderation fordert die. ger setzlicihe Anerkennung der Union der palästinensischen Eisenibahnarbeiter und setzt die Minimaldienstbedingnngen fest _____ Die französischen Zionisten, Sitzung des Rates der Föderation Frankreichs. Dieser Tage wurde in Paris bei Anwendung von 30 Vertretern der zionistischen Ortsgruppe in Frankreich eine Sitzung des Rates der Förderation der französischen Zionisten abgehalten. Dr. Victor Jacobson leitete die Sitzung. Dr. S e g a 1 berichtete über die Tätigkeit der Föderation und führte Klage gegen den britischen Konsul in Paris, der konsequent Einreisevisa für Palästina sogar geborenen Palästinensern verweigert. Es wurde beschlossen, der Zionistischen Exekutive das Material zur weiteren Behandhing zu übersenden. Hermann erstattete den Finanzbericht, Advokat T. V alency den Bericht über die Sohekelaiktion. Es entwickelte sich eine lebhafte Aussprache. Die Redner forderten eine intensivere und planvollere Tätigkeit als bisber. Man wies darauf hin, daß die französischen Juden allmählich die zionistische Bewegung verlassen und daß der frühere Präsident der zionistischen Föderation. Advokat Corcqsi sein Amt niedergelegt und dies damit begründet hat, daß die Mentalität der französischen Juden noch nicht genügend für zionistische Ueberzeugungen vorbereitet sei. Leo M o t z k i n sagte, der Grand des Abfalls von der Bewegung liege in den inneren P a r t e i z w i s t i g- 'k e i t e n, die endlich .aufhören müssen, damit eine werbende Front entsteht. Erste Palästinareise 5689, 13. März bis 9. April 1929. Nur wenige Wochen trennen uns noch von der Ab-, fahrt der Teilnehmer dieser Reise nach Erez Israel. Die ^Reiseleitung hat ihre Vorbereitungen beendet und den Teilnehmern die Kabinen auf dem Dampfer „Ausonia*' in der Reihenfolge der Anmeldungen bereits zugewiesen. Außer diesen Kabinen hat die Reiseleitung noch eine Anzahl guter Kabinen reserviert, und es ist desbalb empfehlenswert, daß die weiteren Anmeldungen ehestens erfolgen, damit die reservierten Kabinen an die Reiseteilnehmer vergeben werden können. Der Preis, welcher auch in Teilbeträgen entrichtet werden kann, beträgt für die ganze Reise von Wien bis Wien: bei Benützung der II. Schiffsklasse engl. Pf. 58 (S 2000), bei Benützung der III. Schiffsklasse spezial engl. Pf. 41 (S 1400). bei Benützung der III. Schiffsklasse einfach engl. Pf. 35 (S 1200). Prospekte werden vom Sekretariate der Reiseleitung (Frau Berta Taubes, Wien. IL Böcklinstraße 92) gratis zugesendet. — Die Einzahlungen erfolgen auf das Postsparkassenkonto der „Neuen Welt", und erhalten' die Reflektanten die nötige Anzahl Posterlagscheine. — Auskünfte werden auch auf telephonischem Wege durch Fraai Paula Stricker. Tel.-Nr. R-45-6-89, und Frau Berta Taubes, Tel.-Nr. R-43-9-19. erteilt.