Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 71 (25.1.1929)
- Date
- 1929-01-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 30 droschen I« Ite V.b.b. BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.-, vierteljährig Kc. 15-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120. R E V U E BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schwei« and die öbrigen Länder monatlich Schwei*« Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., UniversitätsstraßeTelephon: A25-2-82 -* Erscheint jeden Freitag Jahrgang 3 Freitag, den 2^i^bmet1929 mm\m\\mMnmmmammmmmmmmmmmmm Nr. 71 ■. \ Die antisemitische Internationale 6 Wim Neueinführung Caf£ und Restaurant „FREYÜN G" Wien, I., Renngasse 1 Fianzösische und Wienet Küche sowie. Spezialabteilung für orientalische und rumänische Küche unter Lei tun c des bewahrten Spezialfachs Grünberg >: (früher Hotel National) :•: SPEZIALITAT Speisen am Rost wie auch aru Spieß sowie Muschk, Perjoala, <► Karnatzen, Frigarul, Kalbsleber am Rost, Crcer la Capafc (Lamms« * kotelettes) BALKANKÄSE Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Aus dein Inhalt : t. st.: Förderer des Antisemitismus, —y: Michel Stich und Martin Krümm.. .... Dr. 'Fritz 1« ö w e n stein, Jerusalem: Wahltag An Tei: Aviv. M. Amilians k ys .Latifah. . Staatsrat Josef Teitel, Berlin: Als die Portugiesen ' den Juden Angola anboten. Die Lege. der Juden, in .Persien. Ein Opfer des Nikolaj Nikolajewiisch. Aus. Palästina. Aus der jüdischen Turn« und Sportbewegung. Austritte aus dem Judentum. Schalom >A s c h: Die Mutter. Schalom Mechern: Komödianten. Faschismus und Zionismus. Eine Erklärung der Vereinigung der Jüdischen »Gemeinden Italiens. In Verfolg'der Angriffe aoif den Zionismus In verseniedenen Zeitungsnotizen,, insbesondere iim Anschluß an den Aufsatz im „Popolo di Roma", veröffentlicht das Präsidium der Vereinigung der ä t a 1 i e n is c h e n j ü d i s c h e n G e m e i n d e oi eine Erklärung, die dorn Jtistiizminister, dem Kultusminister und dem Premierminister Mussolini vorgelegt worden ist. In dieser Erklärung wird gesagt, daß der Patriotismus der italienischen Juden, Zionisten und Nichtzionisten, in Krieg und Frieden so zahlreiche leuchtende Beweise gegeben habe, daß ein Bezweifeln, ausgeschlossen erscheinen muß. Die italienischen Juden, heißt es in'der'Erklärung weiter, seien von tiefer Hingäbe an das Land der Väter, Palästina, erfüllt, wo Gott den Vätern sich offenbart 'hat; in gleicher Weise' betrachten sie 'sich mit gutem Recht als einen •integrierendenBestandteil des italienischen Volkes, zai dessen Dienst sie früher wie jetzt und In aller 'Zukunft ständig bereit sind; " ' '•' ■ ' Der rumänische Pogromanstifter Eine Anklage des Ministers Vajda gegen den früheren Innenminister * Goga.; Ans Bukarest, 17. d. M., wird uns gemeldet: Im Verlauf der Debatte über die Thronrede in der Kammer führte der frühere liberale Innenminister, der antisemitische Schriftsteller Goga aus: Die Regierung hat einen Pakt mit den Zionisten geschlossen. Ich bin kein Antisemit, trotzdem verstehe ieh nidit, - wie " die Regierung einen Pakt mit einer . e xt«rritorialen Partei abschließen konnte. ' lMneniuinister; V a j d a -Voevbd erwiderte: Sie, Goga und Duca (der frühere Außenminister), sagen den Juden schöne Worte, wenn Sie ihre Stimmen belöge»» aber, ßroyoÄiereu. Sie Agitationen und Ausschreitungen. Sic fragen, wArtiih Wir. den Pakt mit den Zionisten abgeschlossen h'^ben? Darauf antworte ich Ihnen: Damit wir nidit darin nach New York und London Entsdmldigungstelegrammö schicken müssen, wie Sic es tun mußten. Und wenn Repräsentanten der Juden Amerikas oder Englands zu uns kommen, miissen wir sie nicht um Entsdiuldigung bitten, wie Sie es taten. Wir glauben, daß diese Politik der Aufrichtigkeit dier Ihren vorzuziehen sei. Mit erhobener Stimme fuhr Minister Vajda fort: Goga hat die Studenten als Manövriermasse mißbraucht. Er hat die Unruhen in Oradea Marc (Groß - wardein) verschuldet. Die Nationalzaranisten aber wollen nicht die einzelne« Nationen gegeneinander ausspielen. Lassen Sie uns dir. zwei Zionistenfifund wir geben 1 hnen den Dr. Fi 1 d e rmann. .Goga ergriff noch einmaf das Wort, um gegen das allgemeine Wah 1 recht zu sprechen, das seiner Ansicht nadx den Feinden des f&umänentums Nutzen bringt. In diesem Zusammenli$g :macHt er wiedernm •antisemitische Ausfälle. 11 -r ' v . : , '. JJer Zionist Dr. Thj#d^|?i)^ Goga und sagt,' OctaVian p'^ki^j^ß>- l^fK^n^a)))' kartell mit den Judeü "'^^fe&ä&nr 0', Ä^r, ej-. läutert clann' die Ziele cles Ziönisrims iikd sagt, der Zionismus sei eine Weltbewegung. 'Im Verlauf cles weiteren Redegefechtes schreit Goga: „Ich bin kein Antisemit!" Mehrere Abgeordnete rufen ihm zu, er möge 'doch' mehr Mut in der Vertretung seiner Meinung haben. General Slastschow erschossen. Von einem seiner Opfer. Aus Moskau, 17. d.M., wird gemeldet: General Slastschow, ein früherer Unterführer der Generale Denikin und Wr an gel, der zuletzt einen hohen technischen Posten in der So w. j e t a r mec bekleidet hat, ist am vergangenen Samstag in seinem Zimmer erschossen aufgefunden worden. Nach einigen Tagen wurde ein Jude namens Kolenberg als der mutmaßliche Mörder verhaftet, der auch; gleich die Tat eingestand und angab, er habe Slastschow ermordet, weil er als Generat der Denikin-Armee im Jahre 1920 mehrere Pogrome veranstaltet hat und zahlreiche jüdische junge Leute in der Ukraine und in der Krim hinrichten ließ. Unter den Hingerichteten befand sich sein, Koleubergs, Bruder, für den sowie für die zahlreidien andern Opfer des Henkers Slastschow. er nun Rache genommen hat. Felix Warburg spendet 50.000 Dollar für Palästina. Aus New York meldet die J. T. A.: Herr Felix Wa rlbur g, der Präsident des Joint Distribution Ccwimittce und Vorsitzender der Stebe-ner-KcHrimisision für die Ernennung des nichtzlonisfcischen Teiles , der Jewfch Agency, hat für den soeben eröffneten United Palestlne Appeal einen Botrag von 50.000 Dollar gespendet. Im April 1928 hat Warburg Herrn Dr. Weiainami bei dessen Eintreffen in New York einen Scheck über 50.000 Dollar überreicht, ah Beitrag au-r öO.OOO^Pfoiind-Ouc^e, die für die Behebung der Ursachen der ArbeitsVosigkeit in Palästina bestimmt war. Weiters hat Herr Wärters fihr das ftatfa^r Techttikiwn 10.000 Dollar .gespendet. Die Ostjuden in Deutschland. Ein zahmer Protest gegen Jakob Wassermann, Aus•Berlinmeldet di« J. T. A.: In d?©r R^cihskoutermz des Verbandes ostjüdischer Or®ainiSfaticwi«n in Deutschland wurde einstimmig die 'folgende von H«rm ß«*ac^ .wr«escWa«eo^ EmoMiosi &q&mmmm „Die osöücfecihö Kekib^conleret» ■ iiimmi ift*4 scJimeTzlic?ie m Bedamern von der Aeußenwi« Jakob Wassormanna, iüber die ostfödtechen Eln<wahdercr än Dcutscfflaind während der Kriegsiaihr« und der Infiatiöns* aoit Kenntnis. Bei ater Hoohsdhätzun.g für den, groBen Däcihter und-m goitawer Kenntnis der tatsächlichen;y«iw hältmissc. »teilt die Konferenz fest, daß die ostjüdfeefoe1, Immigration i-n der ikritischen Zeit viete wertvolte Eleniente rra'Oh Deutschliand gebracht Uxt. Es äst ungerecht, Ä gentehte Ersoliehitiiitgen efeer tMinormialein sozialen SitU;atioh amf oiite bcsfcintmte Voteschio'h't zu exenwxl.iifizieren, was seitens des Dichters wohl .nur'auf Gnmd nrangefhafrer hiformatjcmen sesdrehen konnte." König Salomos Lieblingsfrau. Ein Weltaufsitzer. . y':_; .. Durch die Presse ist diöser .Tage .die Nachrlchti ^ori' der Airidecbniiig des Grabes der LieWingsfrau des/ Königs Salomo gegangen. In der prachtvoll^\aiusgeibHatteten nGr^J* kammer sei ein h c b r ä & s c h c r . P a p y.r«i..3 ' gefttn.üeli worden, auf welchem der König^ selbst #e ,Liebor.uÄd; Aufopfer«rrg seiner Gattin prefet Die Erfindung der Nachrleht •war «o plump, daß sie der Berliner „Vorwärts,".sofort,:eE# kannte und'darauf hhiwtes, .daü!.cs 'kej'nc.n^Ii'^.rä^ scheil Papyrus gibt,' da zur Zeit der Kö^e;..''^.}^: dischen Reich bereits auf Pergament geschriei?en rwiirde^ Die gliche:; MstteHurtg rtsadhtc. dter Wic»er; jüdische Gelehrte Professor K ra, u s in einer Tages^eituiig^ Trotzdemi'Mftd fiele: Blätter', kritiklos'''^F;,''d«ii-r:' s^atfönetlen Kinoroman hierelngofalle«,: v v;;. .*.; •, :• .;, , In den jElaueii der Besorgnis um das Schicksal Urisons. : "•; Vor Monaten wurde, wie. seinerzeit .gemeldet, M o s k a it der v hervorragende Jwrisj: U r i s o ji, der afe Syndikus und Leiter der peitschen Gemeinde .Mokkan fungierte, von der^G. P. U. verhaftet... ';J In der jüdisohen OeffcntMeb-keit herrscht große 'Besorgnis über das Schicksal dieser angesehenen jüdisclwii Persönlichkeit, um so mehr, als nichts . darüber, bekannt geworden ist, was tfotean vorgeworfen -wird -u-nd. ..er^ln einer selbst für einen Untcrsiichu-rLgsgefangenen in. Rtiß* land u n g e w ö h n I i c h strengen H a i t gehalten wird; Aufklärung! Die Brünner „Jüdische Volksstimme" berichtet: „Im „Narodni osvobozeni" stellt ein tschechischer Palästinareisender, Herr Vlad. Hyl, fest, daß die älteste .jüoni* siische Kolonie die: ,;Alliance israelitc" ist. In Brünn hielt vorige Woche im „Bund der prol. Freidenker" Herr Köpecky einen Vortrag über „Jüdischen Aberglaü-* ben'S der von Kuriositäten strotzte und den Zuhörern (meist arischen) eine sonderliche Meinung von Juden und Judentum geben müßte. Wir erfuhren da, daß zum "Beispiel fromme Juden ihre eigen en Töchter zu Lust zwecken verkaufen, daß man das Verbot des samstägigen Fajirens auf der Eisenbahn umgehen, könne, wenn man sich im Wagen auf einen Topf Wasser setzt, da das Fahren auf dem Wasser er* laubt sei u. a. m."-— Wie man sieht, bemühen sich-die roten Pfaffen redlich, es den schwarzen gleich zu tum; Um das Judentum herabzusetzen, gilt auch ihnen kein Märchen zu dumm. Lndendorif, der Alchimist. Das Bild Ludendorffs, des großen Judenvertilgers^ hat eine interessante Beleuchtung erhalten. Es ist be« kannt^ geworden, daß er einem Schwindler, der vorgab, Gold machen zu können, aufgesessen ist. Der . Mann heißt Tausend und ist Spengler. Er ist auf seinem Schloß,1 in Tirol, das er ergaunert hatte, verhaftet worden. Luden« dorff hat für ihn Geld gesammelt, gegen das Versprechen* einen Prozentsatz des Reinertrages f ü r di e Hetzpr'opaganda L ud endprf f s zu spenden. Der General glaubte, sich den Pogrom auf chemischem Wege erzeugt««: zu können. Wer seine Aufsätze über die Juden und ihre •Teufelskünste liest, der ist nicht verwundert. Bedenken; mag man aber, daß diesem Narren die Macht über Tod und leben gegeben war und daß es heute noch viele gibt, die ibm dkfK Math* wiet&i anvertrauen walte»*