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Die neue Welt · 1929-01-18 · Heft 70 (18.1.1929) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 70 (18.1.1929)
Date
1929-01-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 70 VERBAND DEMOKRATISCHER ZIONI ST EN iii>"iiiiiiii!itiiiiiiniiiiiiiiinitiiiiiiiiiiiiiiliiininii!iiiiiiiiiiiiii!iiiiiiiiiiiiiiiiiilir Montag, 21 Jänner 1929 um 8 Uhr abends in Ed. Bayers Gastwirtschaft „Zur schönen Sklavin ', Prater, Venedigerau. vis-a-vis Cafe" Wien (Winkler) GROSSE GEGENSTAND: Kampf gegen Antisemitismus dnd Abfall vom Judentum Was die demokratischen Zion sten wollen REDNER: Oberbaurat Robert Stricker David Ne^enzahl, Dr. Leopold Plaschkes Dr. J. Waldmann Eintritt frei I Eintritt frei i Das Hakenkreuz in den Bergen. Der Alpenverein ist ungehalten. Wie gemeldet, hat im Budgetausschuß des Nationalrates der Abgeordnete Dr. Deutsch das Vorgehen des Alpenvereins gegen jüdische Touristen kritisiert. Dieser Verein, der bekanntlich den Arierparagraphen eingeführt hat, ist von dieser Erwähnung peinlich berührt und versendet die folgende Erklärung: „Der Verwaltungsausschuß des Deutschen und Oester reich ischen Alpenvereins, derzeit in Innsbruck, legt Wert darauf, festzustellen, daß tatsächlich der Deutsche und Oesterreichische Alpenverein unpolitisch war und ist und Angehörige verschiedenster Parteirichtungen als Mitglieder besitzt. Der Verwaltungsausschuß spricht sein Bedauern darüber aus. daß im österreichischen Nationalrate ein Verein, der zum größten Teil reichsdeutsche Mitglieder umfaßt und für die Erschließung gerade der österreichischen Alpenländer allgemein die größte Bedeutung besitzt, in ganz ungerechtfertigter "Weise angegriffen wurde." Ungerechtfertigt also ist es, wenn diesem Verein, der zu einem Tummelplatz der Hakenkreuzlerei geworden ist, die Maske heruntergerissen wird. Auch Ley muß vors Gericht! Der Geschäftsordnungsaussohuß des Preußischen Landtages hat seine Genehmigung zur strafrechtlichen Verfolgung des nationalsozialistischen Abgeordneten Ley erteilt. Es handelt sich hierbei um die schweren Beleidigungen, die Ley im Anschluß an den Hußmann-Prozeß im „Westdeutschen Beobachter" gegen die jüdische Bevölkerung gerichtet hatte. Ley hatte in einer Notiz, die mit Riesenlettern die Ueberschrift tr-uig „Die Juden schachteten Daube", behauptet, Hußmann sei unschuldig, der Student Daube sei einem jüdischen R i t u a 1 m o r d zum Opfer gefallen. Sonnenschein, der Christlichsoziale. Als vor zirka zwanzig Jahren die jüdischen Bergarbeiter in Boryslaw von der Arbeit verjagt wurden, wandte sich eine zionistische Deputation an den Wiener Baron David G ü tt m a n n und bat ihn, die armen, braven jüdischen Arbeiter in seine Kohlenbergwerke einzustellen. Baron Guttmann erklärte daraufhin, die Armen täten ihm leid, er sei auch bereit, ein Almosen zur Linderung ihrer augenblicklichen Not zu leisten, . aber anstellen könne er sie nicht, weil seine Beamten Antisemiten seien und keine" Juden in seinen Betrieben dulden! Die saubere Tradition, in den Betrieben jüdischer Geldmagnaten Antisemiten frei schalten und walten zu lassen, hat den Kriegssturm überdauert. So zum Beispiel wird dieses System noch heute in den großen, Weltberühmten Witkowitzer Eisen- und Kohlenwerken, welche den Familien Rothschild und Guttmann gehören, geübt. Schutzherr des antisemitischen Systems ist — natürlich — der Generaldirektor Sonnenschein, ein getaufter Jude. Ueber diesen Herrn, der jetzt gar der antisemitischen christlichsozialen Partei in der Tschechoslowakei beigetreten ist, schreibt die Wiener „Arbeiter-Zeitung": „Das wird sich der alte Sonnenschein nicht erträumt haben, wenn er die Gäste in seinem Prager Koscherrestaurant bediente, daß sein Sohn einmal als — christlichsozialer Fachmann in die Landesvertretung von Mähren einziehen werde, obwohl eigentlich in dem Mähren des Erzbischofs Kohn derartige Wendungen durch Gottes Fügung nichts Neues sind. Das Possierlichste aber ist, daß Herr Sonnenschein, der unter der christlichen Weltanschauung sein jüdisches Herz noch nicht ganz verloren hat, als einer der Protektoren des Festballes des Prager jüdischen Sportvereines Hagibor fungiert, welche hohe christliche Auszeichnung er wiederum mit dem Herrn Bürgermeister Baxa teilt, dessen Philosemitismus ja schon seit den Zeiten des Jlilsner- Prozesses sprichwörtlich geworden ist... Man weiß wahrhaftig nicht, wessen Charakter man du mehr bewundern soll: den der Christlich sozialen, die in ihren Reihen einen Erzkapitalisten jüdischer Herkunft und jüdischer Betätigung haben, den Herrn Sonnenschein, der so einheitlich geschäfts-, gesi/mungs- und sporttüchtig ist, den Herrn ßaxu, der auf einmal den j ü d i s e h e n Nationalisten Ehren antut, oder gar den edlen Sportverein Hagibor, der sich mit Hilfe eines duistlichsozialen Kohlenmagnaten in Szene setzt...!" Die „Arbeiter-Zeitung" hat recht. Der christlich» sozial tuende Täufling, der Bürgermeister und der „j ü d i s c h n a t i o n a 1 e Sportverein Hagibor" der sich unter das Ehrenprotektorat eines Tauf juden stellt (wobei wir allerdings die Verantwortung für die Richtigkeit der Angabe der „Arbeiter-Zeitung überlassen), sind sonderbare. Blüten unserer Zeit. Aber es könnte der „Arbeiter-Zeitung" wahrlich nicht scha den, wenn sie bei sich und ihrer Partei Umschau hielte nach getauften Juden, welche antisemitisch tun. Sie würde einige Dutzend solcher Prachtexemplare hei sich zu Hause finden und brauchte sich« wenn ihr. an der Demaskierung solcher Spitzbuben gelegen ist, nicht bis nadi Witkowitz in Mähren zu bemühen. Die Tragödie der jüdischen Soldaten im Weltkrieg, Von Schalom Schwarzbart. In der letzten Versammlung der jüdischen Kriegsfreiwilligen' Frankreichs, die in Paris stattgefunden hat, behandelte Schalom Schwarzbart in einer Rede die Tragödie der jüdischen Soldaten im Weltkriege. Wir wollen den Krieg vergessen, uns befreien von den schweren Gedanken, die geboren wurden auf dem Felde des Kampfes, aus dem Gedächtnis ausmerzen die Bilder der Vernichtung; aber das Fatum des Krieges bleibt bestehen und dauert fort. Die größte Ungerechtigkeit wurde den früheren Kämpfern zuteil oder — wenn ihr wollt - den früheren Opfern, eigentlich den früheren Mär tyrern, den einfachen, grauen Soldaten, „die gestorben sind für das Vaterland oder den Kaiser". Man vernichtete sie, oder sie kehrten als Krüppel zurück. Der Krieg ist vorbei, man vergißt sie, es umgibt sie eine Stille. Während des Krieges waren sie „Helden" — heute interessiert sich niemand für sie. Aber eine hundertmal; größere Ungerechtigkeit wird den früheren jü d \ s c hVn S o 1 d ä't'e n zugefügt. Ueber C0D 000 J?;d-n nahmenr an ,cjen Kärnpfen (e'l. Diese Juden spieleneinertsa^isebe. und: traurige Rolle. S c kämpf enB rü d e r. gg&g ö n }B;r?ü.4$i\ J u d ^.n S e? J u d e n. . Ein; jcd.cn ,|segeifcne# anderen Ja* hlutigeq. WIEN, Ii., PßATSRSTftÄSSE * fneben Schwedenbrücke 200 Zimmer modernst eingerichtet BMIii MB^lMBBillMM^ Erstklassige Küche Mäßige Preise Gemetzel. Was ' haben . sie im Kriege-(erkämpft? Elf Jahre vergingen seit de|iii:.;iK%eg.ei'i. der :r.'Schmerz. dauert und wird immer empfindlicher". 400.000 Juden kämpf* len in'der russischen Armee. Für wen kämpften sie? Für den Zaren, für das" Land der Pogrome? Man schickte, ja die Juden Jn das, erst? Feuer, auf die vi rg^c: o ensfen Po ten. Gleich ei (ig kamen Nachrichten über Verschickungen, Pogrome, Raub in den Heimatsorten. Man mußte kämpfen jn den ersten Reihen, und gteichzeiiig hörte man die ^eri'setzlichen Befehle des Nikolai Nikolaj?witsch, 'i. ■ ' " . , von den schrecklichen Leiden der verlassenen. Frauen und Kinder, die,aus dem Geburtshäuse verjagt .wurden in ei.ie weite, unbekannte Welt., . ,.s^ Es. war dies dje Zeit(. ajs der; Schmerz das Herz nicht zur Ruhe kommen - ließ.-Das Heimatshaus wurde verbrannt, die* Angehörigen nach Sibirien verschickt, und dazu mußte; njan .noch auf das Herz des nahen, unbekannten ßmders, zielen." Die Entkräftung' <3[eä polnischen Judentums. Von unserem Warschauer. N,-iR.-Berjchterstarter. ijv. Die wirtschaftliche,; Lage der Juden in Polen wird immer trauriger.. Zu neuen: Arbeitsstätten findet der Jude fast gar keinen Zutritt, aus den bisherigen wird er verdrängt. Im Handel verliert der Jude seinen Platz unter, der Losung des überflüssigen Vermittlers. Die staatlichen Unternehmungen, deren Zahl noch immer im Steigen begriffen ist, sind für die Juden, gesperrt. Daneben vollzieht sich auch auf dem Lande der Prozeß der Verdrängung der Juden.;fv. Während, der Etatbehandlung in der Budgetkommission hat der Sprecher der Ukrainer hervorgehoben, daß es bis jetzt gelungen ist, , ' aus 3 000 von den Ukrainern bewohnten Dörfern die Vermittler, also die Jud^n, zu. verdrängen. KOSTENLOS erhalten sie Das elektrisch« Rad owund er auf 2 ,age zui Probe AKKUMULATOR ANODENBATTERIE ANTENNE MIT EINGEBAUTEM, KLANGRUNEM LAUTSPRECHER Sic brauchon nns nur Ihre Stromart wnd Volteahl. (ltO oder 830) bekanntgeben. J. Wien, Vf., Mar ah Ifarttr. 13. Telephon 8-14-204 Er stellte in Aussicht, daß weiter systematisch an der Ueberflüssigmachung des Kaufmannes am Lande gearbeitet werden wird*. Die bisherige Tätigkeit des Kaufmannes besorgen nunmehr die bäuerlichen landwirtschaftlichen Kooperativen. 3000 Dörfer! Nimmt man in jedem Dorfe nur ein oder zwei Familien an, so ergibt sich die Zahl von 20.000 erwerbslos gemachten jüdischen Einwohnern, die das Dorf verlassen mußten, um in die Stadt zu ziehen und dort die Zahl der Existenzlosen zu vergrößern. Der jetzige Ministerpräsident Bartel hat im Juli 1926 im Sejm erklärt, daß der wirtschaftliche Antisemitismus für den Staat schädlich ist und versichert, daß die Regierung sich auch in diesen Fragen von der Unparteilichkeit und Gerechtigkeit wird leiten lassen, insbesondere auch im Bereiche der Steuern und Kredite» Die Kreditpolitik Wird den jüdischen Bedürfnissen nicht gerecht. Das ist vor allem bei den großen Staatsbanken der Fall. Bei einer Wojwodschaftskonferenz der Vertreter der städtischen Sparkassen hat der Leiter der Bankabteilung einer Staatsbank den Repräsentanten dar städtischen Kassen den Vorwurf gemacht, daß diese Kassen verjudet sind. Wenn das öffentlich geschieht, kann man sich vorstellen, welche Instruktionen die vertraulichen Kreditertei-r lungsweisungen erteilen. Umso größere Bedeutung kommt den jüdischen Koppe ra.tivgenossen scha ften zu (über die. wir unten berichten..^— Red.). Ihre Entwicklung beweist, daß, der Gedanke der Selbsthilfe ■ , .V.-*HfV' ...... ..;. immer-mehr Platz-\im,polnischen Judentum findet Leider macht die Zentralbank.des Verbandes der Genossenschaft ten iSejt längererjZeit-eine Krisis,, durch. ,Es. ist jlü(, hoffen^, daßvdas ..vorn Verband, naph langwierigen VernandlungeH Und Debatten ' mit großen ■ Vollmachten ausgestattete R bo r g a n i, $ a t j Q n s k o m i t e e, den richtigen Weg finden wird. Nur die wirtschaftliche Selbsthilfe und Berufsumschichtung kann die Juden Polens wenigstens zu einem Teile aus ihrer jetzigen traurigen Lage herausführen. Die jüdischen Kreditgenossenschaften in Polen, 180.000 Mitglieder, 6 Millionen Dollar Kapitalbesitz. In Warschau tagt gegenwärtig die siebente Konferenz der jüdischen Kreditgenossenschaften Polens bei Anwesenheit von über 450 Delegierten, die 550 Institute vertreten. Der eigentlichen Konferenz gingen Beratungen voraus, die eine Einigung gewisser divergierender Gruppen bezweckten. Der frühere Senator' Dr. Rotenstreich, Sambor, wurde zum Präsidenten der Konferenz gewählt. In seiner Ansprache stellte er fest, daß die Juden in. Polen das wirtschaftlich am meisten bedrohte Element seien. Der Präsident des jüdischen Parlamentsklubs J. Grünbaum, stürmisch begrüßt, wies auf die Zusammenhänge zwischen dem Kampf um politische und um wirtschaftliche Rechte hin und erklärte, die Regierung ziele mit ihren sogenannten wirtschaftlichen Reformen auf die Schwächung der jüdischen wirtschaftliehen Positionen hin; Im Namen der „Foundation'* begrüßte Herr Dr. Werner Senator, Berlin, die Konferenz und wies auf das riesige Anwachsen der kooperativen Bewegung in Polen hin, die zum stärksten wirtschaftlichen Faktor im jüdischen Leben geworden ist. Die Foundation" hat eine Million Dollar in die kooperative Bewegung investiert, gegenwärtig besitzen die Berufsgenossenschaften insgesamt 6 Millionen Dollar eigenes Kapital. Direktor Birkenheim referierte n der zweiten Sitzung über den gegenwärtigen Stand der Genossenschaftsbewegung und wies auf den Kapitalsmangel in den jüdischen Berufszweigen hin. In der dritten Sitzung kennzeichnete Dr. Werner Senator in einer längeren Rede die Lage und die Organisationsform des Genossenschaftswesens und gab entsprechende Direktiven. Es wurde beschlossen, für das Jahr 1929 eine neue Emission für die Bank der Kooperativen in Höhe , von 1,500.000 Zloty auszugeben. Dn man sich über die Wahl des neuen Verwaltungsrates nicht einig werden konnte, wurde beschlossen, die endgültige Wahl der im Mai einzuberufenden außerordentlichen Tagung zu überlassen und inzwischen eine Exekutive einzusetzen, der< t

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