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Die neue Welt · 1929-01-18 · Heft 70 (18.1.1929) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 70 (18.1.1929)
Date
1929-01-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 70 f | I n h a b e r : Ulf PU I., Adforgasse 5 | I Richard Herzog Wltfl „.^.üt^B 1 Tel. A-41-6-24 § 1 Sprechapparate I ü jeder Art, ferner =§ | Jüdische und liebrfilsche Schallplatten 1 | sowie alle modernsten Tanz-undGesangsschlager m, j§ In reichster Auswahl auf Lagerl 1 §f Auch Teilzahlungen 1 Provinzversand 1 I maammmmmmmam .er Jude ist. Seine Angelegenheit ist ein Teil der jüdischen Frage und sie wird und kann nur verschwinden, wenn sie als T e i 1 p r o b 1 e m mit .dem Ganzen behandelt wird. Erhält das jüdische Volk seine Heimat, hat es die Möglichkeit, seinen freien Staat zu bilden, so wird es auf dem Boden dieses Staates, im vollen Besitz der nationalen Macht alle Teilprobleme lösen. Die Judenfrage und alle ihre Einzelerschpinungen sind eine einzige Machtfrage. Alles philosophische RHsonnement über das Wesen des Staates und über die Korrekturbedürftigkeit aller Gesellschaftsformen bringt uns nicht weiter. Wir leben nicht außerhalb der Zeit und sie anerkennt, nur die Macht. Der Zionismus — nicht wie er geworden ist, sondern wie ihn die Welt versteht — ist der jüdische Wille zur Macht. Zu jener Macht, welche jedes staatlich organisierte Volk besitzt. Wenn man will, der Wille, einen Zustand zu schaffen, in dem auch das jüdische Volk Macht hat, die Kraft, den einzelnen, w q e r .1 e b t und als Jude leid et, in den; S c h ü tz .der ö.r g a n isiext ejri- N-a t i o n' zu, nehmön. ."Mari; stelle sich vor, daß ein jüdischer Staat,' solange anderwärts' ein jüdischer Student . nicht lernen kann, solange, anderwärts;•Ausnahmshestimmungfeii,-..--ge&gn-: .jüdische Individuen bestehen oder geliandhabt werden, mit ■politischen "Und wi/tsdiaftjidien :Maßnalifflen antwortet, und man wird- .iversteheii, .< Ayßlch e Bedeutting die Anwendung/, (Jer Macht oder .auch nur ihre tl^oretisch'e^ Mö /, Die internationale Studfcnteiikonferenz. ( Aus .Paris,- 11. Jänner, «wird .geschrieben: Das Weltstudentenwerk, die, internationale Organisation ' für sttudentische:. -Selbsthilfe,, hat. eine; Körtfereriz in B i e ny i 11 e abgehalten, die sich mit dem Problem des Judentums an den Hochschulen Europas und Amerikas beschäftigte. Die gründlichen Auseinandersetzungen gaben ein klares Bild über die gegenwärtige Lage: Während in Westeuropadie jüdische Bevölkerung kulturell nahezu völlig assimiliert ist, liegen die Verhältnisse ih den östlichen Ländern weit schwieriger.. In den durch die Friedensverträge neu entstandenen oder stark umgestalteten Staaten hat siqh einerseits das Nationalbewußtsein auf beiden Seiten weit stärker ausgebildet, als im Westen, andererseits gibt die starke Konzentration der jüdischen Bevölkerung in den Städten und die damit verbundene Hinwendung zu den akademischen und kommerziellen Berufen neue Veranlassung' zu Mißhelligkeiten. Ein amerikanischer Student machte interessante Ausfuhrungen über die Juden frage an den Hochschulen der Vereinigten Staaten. In den Studentenschaften der staatlichen Anstaletn, die jedem offenstehen, beträgt der jüdische Anteil 25 bis 40 Prozent, während die Privathochschulen, u. a. Yale und Harvard, zwar nicht prinzipiell, wohl aber praktisch einen Numerus clausus von 10 Prozent für jüdische Hochschüler eingeführt haben. Die studentischen Klubs verweigern deu jüdischen Kommilitonen die Aufnahme. Beschlüsse wurden in Bienville nicht gefaßt, da di% Frage in der nächsten Session der Völkerbundkommission für geistige Zusammenarbeit erörtert werden wird. Antijüdische Exzesse in Buzeu. Plünderungen und Räubereien. — Zahlreiche Juden verletzt, ein Rumäne erschossen. Aus Bukarest wird gemeldet: In Buzcn kam es am Donnerstag, den 3. Jänner, zu sehr ernsten antisemitischen i Ausschreitungen. Eine starke Bande Cuzisten zog durch die Straßen und schlu« in vielen jüdischen Wohnungen und Geschäftsläden die Scheiben ein. 'Später stürmten Cuzisten Wohnungen und Laden, demolierten die Inneneinrichtungen und raubten Einrichtungsgegenstände und Waren. Mehrere der jüdischen Einwohner und Geschäftsinhaber wurden mißhandelt und verletzt. Eine Hände Cuzisten drang in die Wohnung des Kaufmannes fyloische* H o f finann in der strada Cureanului ein und zerstörte die gesamt« Inneneinrichtung. Die Mitglieder der Familie Hoff? mann wurden schwer mißhandelt. Auf ihre Hilferufe eilten Nachbarn herbei. Zwischen diesen und den Ctnzisten entstand eine Schlägerei, in deren Verlauf die Cuzisten einige Revolverschüsse abgaben, die den Schuhmacher Damian Potache töteten, den Handelsangestellten Postalescu und einen zweiten Mann schwer verletzten. Einem am Tatort erschienenen Polizeiaufgebot gelang es, als Mittäter den Beamten Mihail NevSulescu, den Eisenba hnkassler Dragomirescu, den EisenbahnbeamtenBalanescu und den Lyzeumsbeamten Tim ach e zu verhaften. Bei den Verhafteten wurden mehrere Revolver und Dolche sowie antisemitische Manifeste gefunden. In Buzeu ist die Erregung unbeschreiblich. Die l*ii'karestcr Presse tadelt scharf das energielose Verhalten der Polizei von Eu.zeu. Der Innenminister verfügte die A m t se n t h e b u n g des Polizeichefs der Stadt. Ausschreitungen in der Provinz Posen. In der Stadt Wengrowiec in der Provinz Posen kam es zu schweren Ausschreitungen gegen den jüdischen B&völikeruhgsteil, jüdische Geschäftsläden wurden von dem Pöbe! demoliert. Die Polizei bleibt untätig, keiner der Ex Zedenten wurde verhaftet. Zum bevorstehenden amerikanisch-jüdischen Kongreß. Ende März. Nach einer Mitteilung des Aktionsikoinitees des amerikanisch-jüdischen Kongresses wurde die Abhaltung der nächsten' Tagung für Ende März festgesetzt. Für die Beratungen sind zwei Tage bestimmt. Der Ort des Kongresses wurde noch nicht endgültig bestimmt.- Die Wahl der Delegierten wird in der Zeit vorn 15. Februar bis 15. März durchgeführt werden.' ■ Der Kongreß zählt. 400 gewählte Delogierte, von denen 300 durch die Kehllloth in Amerika und 100 von den. verschiedenen jüdischen.Organisationen gestellt werden. Zu den letzeren gehören insbesondere die unabhängigen Orden' Brith Abraham, Brith Schalom, die zionistische: Organisation in: Amerika, der Orden Bnei Zion, ferner der unabnängige Orden „Söhne Israels", Ppale Zion, Misrachi, Hadassa- und Zcire Zion. .. . . Auf der Tagesordnung des Kongresses steht der Bericht über die Tätigkeit in den aihgelaufenen zwei Jahren, ein Referat über die Lage der J tide n in der g a n z >c n W el t, zusammengestellt vom Komitee zu m Sc hu t z e d e.r. M i n o r i t ä t s r e c h t e der Juden in Gen f. Die- Eiiskussion wird sich über den gesamten Fragenkomplex zur a<ge des JuderrtiMns in unserer Zeit erstrecken. Den Ab-; schluß der meritorisehen Beratungen des Kongresses wird! die-'Festlegung eines Arbeitsplanes für die nächsten zwei' Jähre bilden. Landgerichtsrat Gellin ans denl Dienst entlassen. ' Eine Groteske aus dem Leben eines Renegaten. Aus Berlin wird uns gesehrieben: Vor dem Großen Disziplinarscnat beim. Kam ine rgeri cht ia'nd am 9. d. M. die Beruiungsverliiidlung gegen'; den. Bresiauer Landgerichtsrat Josef G e l 1 i n statt. Der Landgerichtsrat, selbst j ii d i s c he r A,b s t a rn in n u g,. hat am 23. September 1927 in einem Brcslaucr Weinrestaurant seinem antisemitischen Herzen Luit, gemacht. Wegen dieses unwürdigen Verhaltens-• wurde' -;et. vom Diszip-Mnarsenat beim Breslauer Landgericht zur S t r a i v e r s c t zu n g mit Verlust der Umzngskosten und m einer Geldstrafe von 300 Mark verurteilt. Gegen dieses Urteil hatte der Gene r a 1 s t a a t s -ä n_ w l t, dessc n Antrag auf E n t- I a s s u n g a u s d e m A m t'c-;ging, Berufung eingelegt. Gellin hatte am 23. Sept'cmlx.'r 1927 in den Schrödersclien Weinstuben in Breslau,"nachdem er schon vorher in einem anderen Lokal mehrere Flaschen Wein getrunken hatte, sich sehr abfällig über eine demokratische Zeitung, die er als „Schuridblalt" bezeichnete, geäußert. alle Juden seien Betrüger, und über den preußischen Justizminisier machte er wegwerfende Bemerkungen. Iii diesem Tone ging es weiter, bis sieh von einem der Tische ein Herr erhob, auf den schimpfenden Gast zutrat, seinen Namen nannte. Es war Direktor H e r ni a h 'n, der .Herrn Gellin erklärte, sich 'mit ihm zum Austausch der .N^rrjeii. ins Vestibül zu begeben. Der. Gast dachte aber gar nisht daran. Er. zog gegen Ddrektor Hermann' los, . nannte aueihdiesen einen Juden . und- , ... ..;, als dieser sich als Christ vorstellte, zu ihm sagte: „Sie . seheii aber wie eilt Jude aus! ' „. Ich 4>i ri Landgerichtsrat' und lasse mir hier Ii i e Ii t s s a g -cji," An den TisciJien herrschte hel'le Bmpörüijg. Rufe wurden laut: „So 'beträgt sich ein deutscher, Richter!". „Das ist das typisqhe Betragen eines deutschen Richters!" Mau erwähnte auch den Justlzminixter, worauf der Landgerichtsrat meinte: „Ich kümmere mich , liier iiicbt den Jiistizmiiiister/-* . ,, Als er auf seine jüdische Abstammung aufmerksam gemacht wurde» erklärte Herr Gellin, er lege keinen Wert anf seine jüdischen Vorfahren, er kenne das Pack und hasse die luden. CAFE ) PRODUKTENBÖRSE Wien, II., Taborstraße 10 Monumentalstes Kaffeehaus Wiens Behaglich durchwärmt I Rauch- und dunstfrei. Ausgezeichnet, ventiliert. Am Abend: Treffpunkt der jüdischen Intelligenz und der Zionisien aller Richtungen sowie der jüdischakademischen Korporationen und Vereine flpMlinrtV Zwei Prozent der gesamten Abendlosung werden Hllllllllsl allmonatlich dem Keren-Kajemeth zugeführt. Erst 'einem herbeigeholten PoM-zisten gelang die Fesfc Stellung des Namens des Landgerichtsrates. Die Folge dieses Vorfalls war, daß sowohl die jüdischen wie, auch die cihristliohen Rechtsanwälte in Breslau sich weigerten\ aufzutreten, wenn Landgerichtsrat Gellinamtierte. Gegen das Urteil des Brestaier Disziplinargerichts amf Strafversetzung hatte die. Ankiagebehörde Berufung ein> gelegt, die sich auf das Strafausmaß beschränkte. Generali ®taaitsa'U)W.ailit Roihde beantragte vor dem Großen Senat erneut die Dienstentlassung des Angeschuldigten unter Belassung der lialben Pension auf die Dauer von zehn Jahren. Landgerichtsrat Gellin habe sich durch sein unglaubliches Verhalten des Ansehens und Vertrauens, das sein Amt er« fordert, imiwürdig gezeigt. Der Zwischenfall in der Schröderschen Weinstube sei geradezu eine Groteske: Gellin, der selbst als Jude geboren seh habe den Landtagsabgeordneten Hermann, der Christ Ist, als „Jude" beschimpft! Das Verhallten des Angescihnldigten müsse als zuchtlos bezeichnet werden. Der Große Strafsenat verwarf die Berufung deä Angeklagten, 'hob das erstinstanzliche Urteil amf wnd er4 kannte auf Entlassung aus denf Dienste unter Gewährung einer Unterstützning in der Höhe von drei Vierteln der gesetzmäßtiig vorgesehenen Pension. Statt besonderer Einladung! Alle Freunde, Bekannten und Gesinnungsgenossen werden zu der am Sonntag, den 20. Jänner 1929 um 3/tl 1 Uhr vormittags im Neudeggertempel stattfindenden . : . Trmtung des Hetrn : ■ SalÖlrtfi©^ 6®ltffB©P mit": ^Frf-^^aGeiifner'■;:".;;:.' .v>. 1 'i ' höfi. eingeladen. ' .Telecrammadreös'e/':; Geitner,' VII;, "Neubäugasse,/26.,: : / •. . ' ' 1 / ',''*'-",■'-•.••;.'';•''-'' "-J - ... .- .- ' . ...m..:*.'.'. In derÜrtdjsb^ fi^rte der Vorsi^ende ms,. .mit einer* Vöt^Äni'^äre der . Gefahr^ die solche Richtet;.- dnrstelien, nicht entgegenigetreten. . . Könne den StaatshüVgefri jiidlschen Glaubens nicht zugemutet wefderi, sich von ||em Ärigekragteh aburteilen :.zu.lassen,. . so habe er auch in den An gen 'anderer 'Bürger das Ansehen' verloren, dessen ein Richter bedürfe. ' Ein verurteilter Ritualmordschwindler. Aus Breslau wird uns berichtet: Der verantwott-: liehe Redakteur Hans Kurth von der „Schlesischen- Votksstimme", einer völkischen Wochenschrift, der bereits.- weigen Vergehens gegen das Repxiblikschutzgesetz verurteilt., ist. hatte sich heute wegen öffentlicher B e 1 e i d i-, g u n g des J u d c n t u m s vor dem Schöffengericht zu: verantworten. In einem Artikel hatte Kurth behauptet, daß die meisten Kindesmorde v'or dem Pessachfeste stattfinden und daß diese auf das Konto der Juden : kämen, die Christenblut benötigten. Als der Staatsauwalt die Beleidigung als bestehend er* achtete und drei Monate Gefängnis beantragte, wurde er von dem Angeklagten der Unverfrorenheit bezichtigt. Das Urteil lautete auf zwei Monate Gefängnis wegen Beleidigung und 15 Mark Geldstrafe wegen Ungebühr vor Gericht oder fünf Tage Haft. Der gratuliert seinem geschätzten Vorstandsmitgliede Herrn Sal. GELTNER aus Anlaß seiner Vermählung mit Frl. Mina GELTNER aufs herzlichste. HWHHBIHra pilllllllllllllllM Ü Verband demokratischer Zionisfen J H---;-sä H Mittwoch, den 23. Jänner .1929 um % 9 Uhr 3 abends im jjj§" 1 Cafe Produktenbörse (Stlubsaal) i II., Taborstraße 10 2)r. Oskar Rosenfeld: | Gibt es eine jüdische Kunst? I Eintritt frei , : Gäste willkommen 3

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