Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 69 (11.1.1929)
- Date
- 1929-01-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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187 Preis fcilEII ■i nbii V. b. b. BEZUGSBEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.-—; Polen monatlich Zloty 2.—. vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monailkh Kc 6.—, vierteljährig Kc. 15 —; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—. viefteüährlg Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.- vierteljährig Lei 120.—. R E V U E HERAUSGEBER: 1|0ßpRT STRIOKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark l.— vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder mo atlich Schwerer Francs 1.50. vierteljahrig Schweizer Francs 4.50. Jahrgang 3 Freitag, den 11. Mnner 1929 Erscheint jeden Freitag Nr. 69 Bernard Shaw und am. Seite 2. Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Aus dem Inhalt: i. ■ . —-y:. Der Großfürst des Pogroms. Das Hakenkreuz auf den Bergen. Aus der Wiener Judengemeinde. Ein Bekenntnis zur Judenstaatsidee. Robert Stricker: Zum Fall Haismann. Dr. Max S o I o w e i t s c h i k, Berlin: Der letzte Schritt. Silvester, Slozak und die Ravag. Abraham Reisen: Behn Hausmeister. Die Zahl der Juden in Deutschland. Aus Palästina. . Marx* der Jude, .; ■ l , Aus der jüdischen Turn- und Sportbewegung. Öfe Tribüne: Ein antisemitischer Hetzfilin in Wien. Austritte aus dem Judentum. Schalom Asch: Die Mutter. Schalom Alechem: Komödianten. Die jüdische Minorität in Rumänien. Eine Erklärung Vajdas. Aus Bukarest, 3. Jänner, meldet die J. T. A.: In der leteten Sitzung des rumänischen Senates ergriff der Minister d>es Innern Vajda Voevod das Wort, um verschiedene Fragen der inneren Poiitfk <za beleuchten. Ziir Judenfrage erklärte der Minister: Lange gerou« lebte Rumänien unter der begründeten Angst vor einer „Jüdischen Gefahr". Die gegenwärtige Regierung teilt diese Angst ganz und gar nicht. 1 'Die jüdische Minderheit bildet keinerlei Gefahr für einen Mllliönenstaat wie Rumänien. Es ist darum selbstverständlich, daß die Regierung-ihr Verhalten zu der jüdischen Bevölkerung ganz anders einstellen wird, als es die •bisherigen Regierungen getan iha'ben. Die Regierung wird alle' Ungerechtigkeiten, die . bisher gegenüber den Juden geübt worden sind, aus der Welt schaffen. Die Regierung glauibt, daß sie, indem sie diesen Weg beschreitet, ctin Regime, der Gerechtigkeit iim Lande befestigen und dem Ansehen - Rumäniens im Ausland dienen wird.: ' f . Die, Thronrede gegen den Numerus clausus. . Aus Bukarest, 30. Dezember» wird uns berichtet:. Zum, erstenmal geschieht es in Rumänien, daß in einer Thronrede zum Numerus clausus direkt Stellung genommen wird. Die Thronrede, mit der die erste Session des neuen Parlamentes eröffnet wurde, führte hierzu" aus: Die Bedeutung Rumäniens im Bund djer zivilisierten Staaten verpflichtet uns, das kulturelle Niveau, aller Stände und sozialen Klassen zu heben. Das' gesamte Unterrichtswesen muß ausgebaut, die Universitäten müssen so ausgestattet werden, daß sie ihrem Zwecke, das wissenschaftliche Forschungswesen zu umfassen, entsprechen. Pas Rechtsgefühl des rumänischen Volkes erfordert es, daß an den Hochschulen alle naiir den und konfessionellen Minderheiten sich im Rühmen der Verfassung der vollsten Gleichheit und des gerechten Wohlwollens erfreuen. Die vom Abg. Dr. Fischer am 28. Dezember in der Kämmer abgegebene Erklärung des Jüdischen Klubs wurde im Senat von Dr. Mayer Ebner abge- #el>e% Der Kisclienewer Peputierte Dr. Landau vertrat in der Sitzung der Budgetkommission die Forderungen des Jüdischen Klubs: m a. forderte er, daß 6 Prozent des allgemeinen Kultusbudgets den jüdischen Gemeinden zugewendet werden, und daß die Ministerien für Bildung und soziale Fürsorge einen entsprechenden Teil ihres Budgets jüdischen Zwecken zuwenden. (Siehe auch an anderer Stelle.) DieParlamentsfrage iq Palästina. Chnncellor an ,$ie Araber. :Aus jeru sal e m, 3. Jänner, meldet die J. T. A.: Öer Qberkomm John. Robert G h a n ce 1 lox, empfing-heuteeine arabische Delegation, die ihm die; Förderahg .-^nachv''$i nf ü%i u ng eines;y.,o,-U££:r>a^'l;a m^n^^^a)^;%l[gn^ns.^ miisä'r-'setzte. ^r :;Abp^nu^ ' .= ■ . ' "'.1' i- . . •. welche Schwierigkeiten im. Hinblick &ff> die religiöse und nationale Verschiedenheit der Bevölkerung Palästinas der Einführung einer parlamentarischen Ordnung entgegenstehen. Br versprach aibcr:-d©r Abordnmig',' ihr in Icurzcr Zeit eine definitwe Antwort zu geben. Bei dem Empfang der: Vertreter de^ W äad Leu mi am 31. Dozember, über den schon berichtet wurde, hatte Ghanoel'lor u. a. noch gesagt: Die judenheit in Palästina m u ß g e e i n t sein^ damit., die Angelegenheiten der Einwanderung in Palästina z^^friedensteillehcl, geregelt vverden können. Scliutzzplltarife in Palästina. Die PalästinaTRegierunig hat i soeben eine Verordnung •lierausgege'ben, laut welcher die E i n f u <h r z öiie auf Zement, Schokolade, Seife «nd andere Gebrauolisärti/kel, die in Palästina prc<Uiziert werden, eingeführt werden. Bekanntlich ist die Forderung nach Einführung von Soimtozoil-Tarifen mit dem Zwecke der Förderung der jungen palästinensisciiien Industrie eines der Postulatc der Zionistischen Organisation. Eine neue Verfolguiigsparole in Rußland* Der Kampf der Kommunisten gegen die jüdische Nation. Die J. T. A. meldet; atfs . Moskau: Unter der Ueberschrift „U n s er e L o s ü n'g f ü rje;d e n Ta g" veröffentlicht die jüdisch-kommunistische Tageszeitung „Emeß" einen Leitartikel^ in welchem zu schärfstem Kampf gegen den „abermals auflebenden jüdischen Nationalismus" aufgefordert wird* Indem wir, schreibt ..Emeß", einen verschärften Kariipf gegen den Antisemitismus führen, müssen wir in 'der jüdischen Sphäre das ganze Feuer auf den jüdischen Nationalismus in allen seinen Formen konzentrieren, da Antisemitismus und jüdischer Nationalismus in gleicher Weise Klassenfeinde sind. Indem man dem Antisemitismus die Larve vom Gesicht reißt, soll auf der anderen Seite die Einigkeit zwischen dem Poperi und de rn Ra fabln e r offen dargelegt werden. Man werde in der nächsten Zeit abermals die Ilauptpositionen des jüdischen Nationalismus zerschlagen müssen, wie dies schon in den ersten Tagen des N. E. P. geschehen istwobei gleichzeitig die Einfügung der jüdischen Arbeiterschaft in den sozialen Aufbau vor sich zu gehen hatt Auch die Kiewer „Proletarska Prawda", eine der einflußreichsten ukrainischen Zeitungen, gibt die Losung aus: „Kampf gegen Zionismus!". Der kommunistische Publizist Kolko schreibt: Wir sind Zeugen des Wiedererwachens nationaler Gefühle unter den jüdischen Arbeitern; wir müssen dagegen ebenso kämpfen, wie wir gegen den Antisemitismus kämpfen. Der Zionismus, von dem wir annahmen, daß er längst begraben ist, hat im Zusammenhang mit den bei uns bestehenden Schwierigkeiten abermals das Haupt erhoben und bemüht sich, aus der jüdischen Armut politisches Kapital zu schlagen. Dies erfordert unsere ganze Aufmerksamkeit; mit allen Kräften messen wir diesen Feind bekämpfen. Diese publizistische Hetze der jüdischen Renegaten soll nur dazu dienen, die Aufmerksamkeit von der fortschreitenden antisemitischen Bewegung abzulenken. Die Erregung in den jüdischen Kreisen wächst, da die amtlichen Stellen nicht das geringste gegen die Pogromgefahr unternehmen, lieber die Erscheinungen, des antijüdischen Prozesses meldet die J. T.; A. aus der Fülle der Vorfälle: Der Chef der Rayon-Miliz "von Gliisk, Kjorpskihi:.hielt in einer Arbeiterversammlurig eine •l'^fcolt'^t^de. Obwohl die.,,übergeordnete B'e* hofde davon Kenntnis erhielt; unternahm sie' möhfs,'. um ihn zur Ordnung' «acuten; im Gegenteil, er: wurde, kurz darauf auf einen höheren Posten gesetzt.. „Robotschaja Gazetta" fordert eine strenge Untersuchung dieses Falles. Der Inspektor für soziale Fürsorge in Hömel, Krilow, verweigert den jüdischen Invaliden die Ausfolgung von ArbcitRscheinen. Die Zuckerfabrik Kam e n oborot zu Daschew^ Kreis Winiza, steht unter regelrechtem Terror der Antiseten. Den jüdischen Arbeitern dieser Fabrik, die sich beschweren wollten, wurde gedroht: „Falls ihr Juden etwas ausplaudert, wird bald keine Spur von euch hier zu finden sein!" Das sind: nur einige Fälle. Es ist kein Zweifel, daß die antisemitsche Praxis des Zarismus in verschärftem Maße wieder auflebt, um für die inneren Schwierigkeiten eine Ableitung zu schaffen. Jabotinsky in Warschau. Die Weltkonferenz des „Brüh Trumpeldor". Am 1. Jänner wurde in Warschau die Weltkonfereha des jungzionistischen, der revisionistischen Bewegung angeschlossenen Verbandes „Brith Trumpeldor" (benannt! nach dem bei der Abwehr der Araberangriffe auf Tel- Chai gefallenen Chaluzführer Trumpeldor) bei Anwesen" heit von 260 Delegierten aus Polen, Deutschland, Frankreich, England, Oesterreich, Tschechoslowakei, Ungarn, Litauen, Lettland, Palästina und anderen Ländern feierlich eröffnet. Dem Eröffnungsakt ging am Morgen ein Gottesdienst im grpßen Warschauer Tempel voraus, wobei Oberrabbiner Prof. S c h o r r die Predigt hielt. Gegen Mittag wurde von einer Delegation der Konferenz ein Kranz auf das Grab des unbekannten Soldaten niedergelegt. Am Abend fand die feierliche Eröffnungssitzung im Kaminski-Theater statt. Der Saal war überfüllt, es wurden die polnische Volkshymne und die zionistische Hymne „Hatikwah" gesungen. Die Hauptrede des Abends hielt der Führer der Zionjsten-Revisionisten, Wladimir Jabotinsky, dem bei seinem Erscheinen auf der Tribüne eine minutenlange stürmische Ovation bereitet wurde. Jabotinsky überbrachte dem polnischen Judentum die Grüße aus Palästina und sagte, Palästina sei zur Aufnahme einer .fünften A1 i j a h fähig und bereit. Das Streben des Brith Trumpeldor sei die Vorbereitung eine» national disziplinierten Jugend für Palästina. Er dient dem großen Ideal desi Aufbaues des jüdischen Staates. Während dieser Staatsaufbau vor sich geht, müssen alle anderen Ideale in den Hintergrund treten, Am Tage der Eröffnung der Trumpeldor-Weltkon* fe.renz kam es in , den Warschauer Straßen zweimal zu» Zusammenstößen zwischen Angehörigen des Brith] Trumpeldor und linksgerichteten Poale Zion. Die Pc ifcei intervenierte ujul nahm Verhafluagea. v<v.