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Die neue Welt · 1928-12-14 · Heft 65 (14.12.1928) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 65 (14.12.1928)
Date
1928-12-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis 30 Groschen Va-ba Ifta Wc NEUE WELT ■ ,8< ' W Bai Ww WM UM m BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesi«.,. vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Pöteu in„.. . W/en, j# Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei tti^ monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc. 15 —; Jugoslawien monatlich Dinar 14.-—, vierteljährig Dinar 40.—; ,, ~ ~» * rr^^^rx^r^ _ _ n ^, n _ „rrniot/rn Rumänien monatlich Lei 40.-1 vierteljährig Lei 120.-. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER V U E BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Life 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 2 Freitag, den 14. Dezember 192$ Nr. 65 Die spaniolischen Juden und ihre Sprache Seite 6 Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Aus dem Inhalt : Heinrich York-St einer: Leon Kellner, der Ostjude. < Dr. Fritz Low eil st ein: Brief aus Palästina. Was wollen die demokratischen Zionisten? Die aritijüdisclie Welle in Rußland. Diö zionistisch-revisionistische Konferenz in Wien. Auls Palästina. Ins Kloster entführt. , Die Juden in China. Max Ltetjermahn-Aussteüung in Wien. Austritte aus dem tfudehtumv 1 ii^J^M^^^tn-' «hd Sp6ribi^ätb^:'L:fe;Ä! :,H[älrö^ . — Der Makkabi-Welt- <verband, c / , Schalom Asch: Die Mutter.; Schalont Alechem: Komödianten. Chaiicellors Programm. Antrittsrede des neuen Oberkommissärs, von Palästina. Aus Jerusalem, 6. d., meldet die J. T. A.: Der neue britische Oberkommissär für Palästina, Sir John Robert C Ii a n c e 11 o r, ist ■ heute in Jerusalem zum Antritt seines, Amtes eingetroffen und wurde von 4en-yertre.tern aller Schichten der Bevölkerung Palästinas begrüßt. In seiner Dahkrede entwickelte der Öberkpmmissär sein Arbeits-programm. Ich betrachte es,/erklärte er, als meine heilige Pflicht, die palästinensischeAdministration; ( ' - gemäß den Bestimmungen des Mandats im Interesse und unter Anteilnahme aller Teile der Bevölkerungizii; leiten. Nach einer Periode wirtschaftlicher. Depression in Palästina, die das Mitgefühl aller Freunde :dieses Landes weckte,.,kann man nun auf eine verheißungsvolle Gestaltung in,. Zukunft hoffen. Sir John 'Robert C h a n cell o r erklärte weiter, ,er'werde seine Aufmerksamkeit: auf die Entwick 1 üng der natu r 1 i chen 0 ueM en und S:chä:tze d e s: L a n d e s konzentrieren, die Regierung. vwerde. die Privatunternehmungen fördern und deni wirtschäftiichen Aufschwung durch besondere Aktionen' zu - diene n; versuchen. Sie wird Maßnahmen, die auf d i e Zu ri a h m e d e r B e v ö 1 kern n g des L'.an des , hinzielen, unterstützen, wodurch dem Wohlstand der alten Einwohner gedient sein wird. .p ', ZUjin. Schlüsse appellierte Sir John Robert Chancellor: an den;palästinensischen Patriotismus der gesamten Bevölkerung und sagte, er glaube an die große Zukunft :des Landes. :. . Die Wahlen in der Tschechoslowakei. Die Beteiligung der jüdischen Wähler. Nach den amtlichen. Ergebnissen der am 2. d. M. vorgenommenen Wahlen inidie Landesvertretungen wurden in Mähren und Schlesien für die gemeinsame Liste d e r j ü d i s c h e n u n d p o 1 n i s c h c n Part ei 29.250 Stimmen abgegeben (Wahlzahl zirka 40.000), während in der Slowakei .und In Karpathorußland insgesamt 77.845 jüdische Stimmen gezählt wurden. Davon entfallen auf die. „Jüdische Partei" in der Slowakei 45.239 (ein Mandat: Albert G e s t e t n e r, Bratislava), auf die „Jüdische Partei^ (zionistisch) in Karpathorußland 6830 (kein Mandat) und auf die beiden von der 'Agrarpartei unterstützten Wahlgruppen der Jüdischen Agrarpartei 11-.4S6 und 14.282 Stimmen (je ein Mandat Belä K r o o -Munkacs, Moses. G u t m a; fi n - Sevljus). Die jüdische^. Stimmen in der Slowakei sind: von: 3.4 auf 3.1 Prozent gesunken.; Bei den gleichzeitig'* durchgeführten Bezirksvertre-: tuhgswahlen -wurde ein M^udat^iii ,Q ö;d i n g für die Jüdische Partei sichergestellt^^zll^iifm Zweiten in O s t r ä: fehlen 139'. Stimmen,; Ali einigen Qrten fanden am gleichen Termin Gemeindewahlen statt. In Brünn wurden die zwei jüdischen Mandate des Vorjahres behalten, ebenso in: P r o'ß n i t z. . Die 100.000 Pfund des Lords Melchett. Die große Spende ist nicht wahr. Aus London, 6. Dezember", meidet die J. T. A.: Lorcl Melchett (Alfred Mond) teilt heute mit, daß die aus d e m B u r e a u der Zionistisch e n O r g a n isa ti o n stammende 'Mitteilung, wonach er sich, mit einem Betrag von 100.000 Pfund an dem Kapital der von amerikanischen' Nichfeionisten soeben begründeten „Jewish Co/lonisation Corporation for. Palästina" beteiligt, ungenau ist, und den Tatsachen vorauseilt. Die Schaffung der neuen Corporation ist^wie schon mitgeteilt wurde, eines der Ergebnisse der vor kurzem tinter dem Vorsitz von Loiiiis Marshall In New York abgehaiLtenen Konferenz der Nichtzionisten zur Beschlußfassung über die Erweiterung der Jcwisch Aigency für Palästina. Gegründet wurde die Corporation gemäß einer Empfehl'ung im Berichte der Joiint Palästine Survey Commission, die die Gründung einer großen Anleihe- und Handelsgesellschaft betraf, . welche eventuell „die bereits bestellenden ähnlichen Institutionen aufsaugen oder sie konsolidieren sollte. Die Gesellschaft solltein engem Kontakt mit der Jewish Agency arbeiten, neue industrielle Unternchmuiiigen fördern, den Touristenverkehr beleben und den. Prozeß'der Wäreiwerteiluug durch Errichtung von Warenhäusern au wichtigen Verkehrsplätzen leiten. Die Corporation seilte , auch Orangenzüchtern und - anderen Exporteuren palästinensischen Produkte Vorschüsse geben, damit sie in die Lage versetzt werden, die internationalen Märkte zur Erziehung besserer Preise auszunutzen." In der von Lord Melchett dementierten Mitteilung war gesagt worden, daß er den Betrag von 100.000 Pfund für die Zwecke der. Corporation gezeichnet habe. Die zionistische Presse hatte die Zeichnung bereits als Erfolg der; Jewish-Agency-Erweiterung gefeiert.. Die Verödung. Zum Ableben Leon Kellners. —y. 72 Jahre alt, ist Leon Kellner dieser Tage in Wien gestorben, ein Mann, dessen Namen die wissenschaftliche Welt mit hoher Achtung nannte und dessen jüdisch-politische Tätigkeit der zionistischen Generation von heute fast unbekannt war. Er war Bürger einer Zeit, die schon vergangen ist, Miterl e b e r der großen T a t H e r z 1 s, die unserer Jugend verdunkelt wird. Sie weiß es gar nicht, daß . es einmal eine Zeit gegeben hat, in der es wie ein Feuerstrom durcli das jüdische Volk ging und. in der die reine Idee zu den Herzen der Besten,, der , geistigen Menschen sprach, sie zur Revolte .gegen das Helotentum der Gallith aufrief. Die Zeiten sind vorbei. Der Zionismus ist praktisch, kühl, nüchtern geworden. Er hat den berauschenden Schwung abgetan, die Phantasie, die das Judentum vom Grund aus umzuformen und es als Volk in die Reihe der Völker zu stellen sich unterfangen, hatte, ist „revolutionäre r Schutt" geworden. Was der Zionismus wollte, was seine faszinierende Kraft ' war, wird heute mit tausend Entschuldigungen umkleidet und nivelliert. Trotzdem aber hat es einen politischen Zionismus gegeben und einer seiner Verkünder ist Leon Kellner gewesen. Er stammte äüs - denr Ostjudentum» aus'Tarftöw, und. er war in den Bahhkreis westlicher Bildung gekommen. Der Zionismus, den Herzl predigte, sprach zu seiner Seele und gab dem Mann, der in den engen Kreis seines philologischen Wirkens sich einspinnen wollte, ein ungeheures Gebiet '.neuer fruchtbarer Arbeit frei. Sollte das Judentum den Weg gehen, den ihm Herzl wies, so mußte es vor allem die politische Tragweite des Gedankens erfassen; sollte es dies anstreben, so mußte es vor allem sein eigenes Wesen, seine Lage, seine verschütteten geistigen- Schätze erkennen und sich zum neuen Besitz machen. Es mußte wissen. Und dieses Wissen konnte ihm nur von Menschen vermittelt werden, die nicht nur Gelehrte waren, sondern jüdisches Herz und jüdisches Empfinden, be-- saßen, denen das jüdische Volk kein Gegenstand kalten Forsclierinteresses war, sondern ein atmender, lebender Organismus voll ungenützter Energien. Kellner schuf die Toynbeehallen, in denen Wissen und Belehrung gegeben wurde, immer im Zusammenhang mit der jüdischen Geschichte, die so plötzlich neues Leben erhielt und zu neuem Verständnis führte. Solche Menschen und solche Gedanken haben den Zionismus zu der g r o ß e n weltpolitischen und kulturellen Bewegung gemacht, die sich die jüdische Jugend eroberte und die das Leben und Streben des Volkes verschönte. Es war eine Freiheitsbewegung, die die besten Energien auslöste und die Besten anzog. Im Zionismus fanden sie, was sie begeisterte und, wofür es sich lohnte, Opfer zu bringen: Idealismus, Sehnsucht, Arbeitsfreude, Enthusiasmus. Mit der akademischen Jugend kamen auch ihre Lehrer; nicht alle, aber die, die nach innerer Befreiung dürsteten und die ihr Volk aus der seelischen Oede reißen wollten. Sie waren nicht alle Kämpfernaturen, aber alle vom Geist des Neuen, von der Sehnsucht der Renaissance erfaßt, die sie auf allen Gebieten suchten. Auch Leon Kellner ging diesem Ziele zu. Der Zionismus hat sich gewandelt und er hat .heute . nicht m ehr d ie . K r alt.- der •.An- Ziehung. Er verwirft,; was . er gelehrt hat: . den Kampf um die-jüdische Seele. Er ist — wenigstens D.HERZ R4didair6'KühlsdiraMk der General Motor» OeMen Sie Prospekt besuchen Sie ä?ää^ Warchalowtki, f in*terle & C9 W^"'M

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