Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 63 (30.11.1928)
- Date
- 1928-11-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIE NEUE WELT Nr. 63 Cup gegen den zweitklassigen Amateurverein Ka&ran j an. Obwohl ein Erfolg der Blau-Weißen sicher ist, darf der Gegner, bei dem Röhrenbacher (früher F. A. C.) tätig ist, nicht unterschätzt werden. Hakoah wird in gleicher Aufstellung antreten wie gegen Viktoria 21. Die Schwimm-Meisterschaften. Die Meisterschaften des heurigen Jahres sind alle ausgetragen. Wir bringen nun die Zusammenstellung der Meister. I3ci den Damen hat Hakoah vier Meisterschaften errungen. Die Schwimmseklion der Hakoah ist eine der blühendsten Abteilungen des Vereines und die hoffnungsvollste des jüdischen Sports überhaupt. Damen: KOMÖDIANTEN. Roman von Schalom Alechem. Ins Deutsche übertragen von P. Rosenhall. (7. Fortsetzung) Brust, 200 Meter: B i e n e n f c 1 d (Hakoah) 3 : 27,4. Rücken, 100 Meter: Biene nfeld 1:40,1. Freistil, 100 Meter: Löwy (Halkoah) 1 :23,5. Freistil, 400 Meter: Löwy 6 :35. Kunstspringen: Bomett (Austrla) 73.1 Funkte. Turmspringen: Bornett (Austria) 61.24 Punkte. Staffel, 3X100-Meter-Lagen-: Danubia. Staffel, 4X100-Meter-Freistil-: Danubia. Herren: Brust, 200 Meter: Schäfifer (iE. W. A. S. K.) 3 :00. Rücken, 10 Meter: Rüdiger (Graz) 1 :17. Freistiii, 100 Meter: Gol-d'berger (Hakoali) 1 :05,2. Kunstspringen: Standinger (E. W. A. S. K.) 147.2 Punkte. Turmspringen: Staudinger 83.96 Punkte. Staffel, 4X200-Meter-Freistil-: E. W. A. S. K. 10:36. Staffel, 3X100-Meter-Lagen: E. W. A. S. K. 3:40. Wasserball: Hakoah. Die Spiele der Hakoah. Hakoah Wasserballmeister. Das Entscheidungsspiel zwischen Hakoah und E. W. A. S. K. endete mit einem sicheren 3 :2-Sieg des jüdischen Vereines. Durch diesen Erfolg hat sich Hakoah den Titel WasserbaUmeister für 1928 sichergestellt. Nach dem Spiel wurden mehrere Anhänger der Blau-Weißen von Mitgliedern der Unterlegenen tätlich amgegrilfen. Die Hakoah-Reserve unterlag gegen E. W. A. S. K.¬ Reserve 1 :3. In der Pause zwischen den Spaden unternahm die Halkoah einen Rekordversuch in der 3X100- Meter-Lagenstaffel für Damen. Dieser gelang und die Hakoafo-Staffel erreichte in der Aufstellung Biencnfeld, Kohn, Löwy mit 4 : 28,2 (alter Rekord 4 :29,3) eine neue österreichische Bestleistung. Hockey. Im Cup siegte H a k o a h-R eserve gegen Amateure-Reserve 4:1. Die Damen errangen einen überraschenden 3:1- Effolg gegen die W. A. C.-Damen. Meisterschaft der jüdischen Amateurverelnc. In der zweiten Klasse Ost gelang es Hasmonea nach einem interessanten und fairen Kampf, den vorjährigen Professionalverein Akademia 3:1 (2:1) zu besiegen. Durch diesen Erfolg rückte der jüdische Verein auf den dritten Platz in der Tabelle vor. Eine vorzügliche Leistung bqten Placzck, Sternbach und Weinwurm. Die Tore erzielten Eisenmayer (2) und Sternbach. Aufstellung: Kohn; Bleichfeld. Weinwurm; Schirok, Placzek, Selzer; Sternbach, Sokal, Neumann, Rosenbaum, Efsenmayer. Kadlmah trat in der zweiten Klasse West ohne die Hauptstützen Mönzer, Selzer, Pottok und Hochwald gegen Rudolfsheim an und unterlag 0 :5 (0 : 1). Aufstellung: Low; Großmann, John; Panzer, Adlerblum, Brandstütter; Gerstl, Stercic, Kleiner, Wechtcr, Krec. Der Wiener Stockballklub suspendiert. Der Wiener Stockballklub wurde wegen der Vorfälle nach dem h ard wurde auf Lebenszeit disqualifiziert. Spiel gegen Blau-WeiQ suspendiert. Der Spieler Wilhelm Bern-' Der S. C. Kadlmah ersucht uns festzustellen, daß im Verein keine Spielerkrise besteht. So gerne wir dem jüdischen Vereine die Konsolidierung wünschen, entspricht die Mitteilung der Kadimah nicht dea Tatsachen. Ein .Beweis dafür war das Spiel am vergangenen Sonntag gegen Rudolfsheim, das für Kadimah 0 :5 verloren ging. Die Spieler Selzer, Pottok und Hochwald traten für die Kadimah nicht mehr an. Die Hakoah-Rlnger trainieren wegen Renovierung ihres Ringerheimes ab kommender Woche im Heim der Polizeisportvereinigung, L, Postgasse 7. Makkabl siegte in einem Freundschaftsspiel gegen W. F. C. XX 3 : 0. Alle drei Tore erzielte Lutz II. Vivo A. C. (Budapest) unterlag in der Meisterschaft gegen Elisabethstadt 0:2. Das Hakoah-Schwlmm-Meetlng findet am 2. Dezember im Dianabad statt. Da hiebei der Messepreis zur Austragung gelangt, werden die besten Schwimmer und Schwimmerinnen Wiens noch einmal vor der Winterpause ihr Können zeigen. Spiel erfreut des Kindes Herz. Das bekannte Leopoldstädter Warenhaus Brüder S c h i f f m a n n, 2. Bez., Taborstraße 48, eröffnete eine große Spielwarenabteilung. Die allerneuesten Spielwaren für Kinder aller Altersstufen sind in reichster Auswahl vor-» banden und werden zu Einführungspreisen verkauft. Wer seinem Kinde eine wirkliche große Freude machen will, benütze diese Gelegenheit. Den praktischen Bedarf an Bekleidungsgegenständen für die rauhe Jahreszeit decken Sie jetzt schon zu Okkasionspreisen bei Schiifmann. 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Dieser Apparat zeichnet sich durch erstklassige Tonwiedergabe aus und ist zufolge seines niedrigen Preises von S 100 auch für den Minderbemittelten erreichbar. Das „Olsophon" wird auch gegen beQuerne Teilzahlung abgegeben. Aber wir wollen uns im Tempo unserer Geschichte nicht aufhalten lassen. Wir werden wahrscheinlich mehr als einmr^in unserem Roman Gelegenheit haben, diesemi Kandidaten zu begegnen. In Kürze aber muß man euch sa^cn — es bleibt natürlich unter uns —, daß es vergeblich ist, diese teuren Dinge als Geschenke des PublH kums, als „Trophäen des Künstlers" auszugeben. Nein. Das hat er selbst erworben, Stück für Stück für sein| eigenes Geld eingekauft. „Ehrlich" verdient kraft der schweren Arbeit von einem Dutzend armer, ewig hungriger, aber immer fröhlicher Komödiantenseelen ... Albert Schtschuppak hat das Prinzip, daß man niemand trauert darf, nicht einmal seinem eigenen Weib, und deswegen, trägt er sein ganzes Vermögen in Steinen auf sich. Man^ ist, versteht sich, für sich sichergestellt, und es macht! sich schön für die Welt Als Israel der Chasen solch noble Gäste erblickte, sprang er von seinem Platz auf. Lea die Chasenfrau brachte zwei Stühle und bat platzzunehmen. Und Resl — lassen wir sie lieber in Ruh, eine Minute noch und sie geht in Flammen auf. „Gegrüßt in der Runde, den Teufel im Bunde — wie es bei uns heißt," warf der Direktor Albert Schtschuppak» hin, sich in eine Sackgasse verrennend. Ein Glück noch, daß Scholem Meir an seiner Seite sitzt. Aus jeder mißlichen Lage muß Scholem Meir ihm heraushelfen. Scholem Meir kam mit heiserer Stimme in seiner blumigen Sprache herausgekrochen: „Gesegnet zu Tisch! Kaut und verdaut und laßt euch nicht stören. Wir sind ganz gewöhnliche Menschen, einfache Juden wie ihr. Das ist mein Prinzipal:, den Direktor vom Jüdisch-deutschen Theater, und ich bin' hier bei ihm dero Oberstes vom Kaffee, dero Mittlerstes von der Krenwurzel und deren Unterstes beim Gesegnetsein! Dero Namen ist Albert Schtschuppak, und mich, nennt man den Scholem Meir Murawtschik. Jetzt, da wir schon miteinander näher bekannt worden sind, können wir ein Gläschen Schnaps zu uns nehmen, wenn ihr welchen bei euch im Haus habt. Und habt ihr keinen, dann laßt nur holen, ihr werdet ihn kriegen. Als Zubeiß werden, wir uns das nehmen, was ihr hier habt. Ich seh, ihr reibt rote Rüben mit Pflaumen an, diese Speise hab ich, ohne zu lügen, zumindest hundert Jahre nicht gegessen, soj soll mir Gott Glück geben und gute Verrichtung." 12. a^p, It e 1. Israel der Chasen läßt die Gurgel spielen. Die ganze Zeit über,; da Scholem Meirs Redeschwall floß und Chasen, Chasenfrau: und Tochter ihm zuhörten, saß der Direktor des Jüdisch-deutschen Theaters Alberb .Schtschuppak am Tisch des Chasen mit geschlossenen, Lippen, spielte mit dem Medaillon, ließ alle Brillanten, und Diamanten an seinen; Fingern blitzen und wandte! keinen Augenblick seine kleinen, geröteten, brauenloscn. Augen von dem Chasenmädel. Nach dem Essen, als Scholem-Meir sich mit seinen Reden vollgetrommelt hatte, die Chasenfrau den Tisch abräumte und der Chasen den Segensspruch beendete, fand der Direktor Albert Schtschuppak, daß er nun auch ein Wort reden muß und es Zeit ist, an die Sache selbst heranzugehen, derentwegen sie hierhergekommen waren. Also lüftete er den Zylinder vom Kopf, ließ eine Riesen glatze sehen, die von glattem, dick pomadisiertem Haar eingerahmt war, wischte den Schweiß von der Stirn und begann herauszurücken. Von Natur ist dieser Patron ein Schweiger. Legt ef aber einmal los, fällt es ihm schwer innezuhalten. Anfangs verschlängelt sich die Zunge ihm, — bis sie ihmaüfi einmal durchgeht und er öfters dasteht und nicht das sagt^ was er sagen will.'Scholem Meir Murawtschik, seine rechte Hand und Flügeladjutant, kennt schon dessen schwache Seite, fällt ihm von allem Anfang ins Wort und spricht schon in seiner eigenen Sprache das Uebrige für ihn. „Versteht Ihr mich, mein lieber Chasen," begann. Schtschuppak sein Gespräch, „so ist die Sache. Hört zu! Ich selbst war auch einmal alles in allem heißts einer, vom Chor beim Chasen, hab selbst das schmutzige Wasser mit dem Kübel herausgetragen, ein Organ eine Stimmei heißts, eine Sopransümme wie's im Büchel steht, hab Ohrfeigen abgekriegt — ich mein' — bei der Kanzel* mitgetan, bis ich ein — dingsda — mein eigener Herr geworden bin... hab' mir selbst den Chor gemacht bei Hochzeiten, auf Briss*), auf Pidjenhaben**), nun hört so* ein Kol-mikdasch ***) — meine eigene Abfassung, was ich selbst abgefaßt hab; ihr müßt euch das ansehn, ein ganzes Buch, was meine Lieder enthält und vorne ein. Porträt von mir, dort hab ich ein Kol-mikdasch***), was? ich so anheb (— singt und läßt seine Stimme hüpfen —)r Kol-mikdasch***) — Zipkele mein Weib Schewüh***) — der Schlag soll dich treffen Kerui lo***) — die heutige Nacht...! Albert Schtschuppak kam scheints in sein Element. Er setzte sich in Positur, um sein Kol-mikd*asch noch auf *) Beschneidung. **) Feierlichkeit für den Neugeborenen. ***) Anfangsworte eines Gebets. eine ganz andere Art zu singen, als ihm mit dem Fuß! unter dem Tisch Scholemt Meir rechtzeitig Signal gab,! lieber abzubrechen zu seinem Vorteil, und dem Chasenj durch seinen gebenedeiten Mund verkündete, weshalb sie hierhergekommen seien: da sie von Israel dem Chasen, noch bevor sie! daran dachten, nach Bessarabien zu kommen, gehört hatten, daß er ein ganz großer Sänger sei, und da Musik ja ihr! Beruf ist, — das heißft: ihr Beruf ist eigentlich Theater« und Theater und Musik sind doch wie Bruder und Schwester oder wie Mann und Weib, so wäre es vielleicht ratsam und gerecht, wenn der Chasen ihnen etwas! vortrüge... „So etwas wirklich richtiges Echtes, Jüdisches, Gesalzenes," fügte Albert Schtschuppak hinzu, knipste mit den Fingern, ein Lächeln auf den zusammengezogenem Lippen. Und das unsinnig gefaltete Gesicht faltete sich! noch mehr. Israel der Chasen wußte sofort, was man von ihm' wolle. Tat er anfangs so, als wollte er nicht, ließ sieht bitten, „weißichwas, es ist nicht so weit her, die Welt hat es gern zu übertreiben", so traf er doch Anstalten, seine- Maschine in Ordnung zu bringen — wo habt ihr es je gesehn, daß ein Sänger oder sonst ein Künstler ablehnt, wenn man ihn gar sehr bittet —! Dann stand er vom Tisch auf, wischte sich die Lippen ab, hustete sich aus* befeuchtete die Gurgel und fragte so hin, damit gefragt sei: „Und was soll ich zum Beispiel vortragen?" Antwort gar nicht abwartend, beginnt er vorzutragen, wie bei ihm natürlich, etwas aus den Hohen Feiertagen, läßt die Gurgel spielen, klettert hinauf in die höchste Oktav, kriecht hinunter in die tiefste und wieder hinauf und] wieder hinunter und klettert und kriecht und schlängelt sich auf und nieder. Die Gäste sahen einer den andern ohne Wort an* blinzelten mit den Augen, bewegten die Lippen, schmatzten; wie nach einem schma:khaften Gericht oder wie nach einem! guten Gläschen Wein und trieben ihn damit mehr an als würden sie ihn mit den schmeichelhaftesten Lobsprüchen überschütten. Dem Chasen schwindelte es fast. Wenn das schon wirkt, dann heißts erst recht ihnen zeigen, was er vermag. Und er sang ein Stück und noch ein Stück und zuletzt wollte er eine ganz neue Sache, seine eigene „Komposition" vortragen, als Scholem Meir ihn; am Aermel faßte. ^Nichts für ungut, mein lieber Chasen, ihr singt so süß, daß man alle Chorkantoren der ganzen Welt mit ihren Chorsängern und ihrem Anhängsel zum Teufel jagen sollte für euren letzten Fingernagel. Glaubt mir^ hätten wir nicht auf uns ein Theater und Proben und; Schauspieler und all das Zeug drum und dran, so würden, wir das Zimmer hier nicht verlassen bis zum letzten Hohen, Feiertag. Es würde uns niemals genug sein dazusitzen! und eure Werke zu hören, so soll mir Gott Glück und; gute Verrichtung geben. Aber es hapert da: unser Beruf! Keine Zeit, ihr versteht, wir führen morgen eine funkelnagelneue Pijese auf „Kuni Lämmi", vielleicht wäre es daran, uns vor dem Weggehn mit einem Zubeiß aufzuwarten.»."1 Der Chasen war wie aus den Wolken gefallen: „Zubeiß? Mit was für Zubeiß wollt ihr zum Beispiel aufgewartet werden?" „Mit dem Zubeiß hier!" Und Scholem Meir Murawtschik zeigte mit dem Finger auf des Chasen Tochter, die die ganze Zeit über kein Aug von ihm abgewendet hatte, Diese Worte hörend, blieb Resl die arme halbtot stehn und der Chasen und die Chasenfrau machten Mund und Ohren auf. Da wollte der Direktor mit seiner Sprache heraus, und schon gab ihm Scholem Meir Mura.wtschik unter dem Tisch das Zeichen und ging selbst daran verständlich zu machen, was hier gemeint war. „Wir meinen, versteht ihr, daß sie, euer Töchterchen nämlich, uns etwas vortrage. Sie hat, sagt man, ein Stimmchen und singt, sagt man, Liedlein, dreizehn Pattis, mit siebzehn Carusos sind Hunde dagegen..." „Woher wißt ihr, daß meine Tochter Liedchen singt," konnte die Chasenfrau sich nicht enthalten zu sagen. Und der armen Resl griffs ans Herz. Sie erwartete^ jetzt werde er die Geschichfe erzählen, wie er gestern unter dem Fenster mit ihr gesprochen habe. Davon hatte sie doch der Mutter nichts erzählt. Sie wird von der Mutter ihren Teil schon abkriegen. Scholem Meir aber sah1 mit seinen schelmischen Augen Resls Verlegenheit und führte einen Eiertanz auf. „Einje schöne Geschichte, aber ganz einfach. Woher weiß alle Welt, daß euer Mann bis 120 Jahre einen; Hals hat und eine Klavjatur, zu der man von weit her! sollt gelaufen kommen? Fünfzehn Jahre sind es, seit wir durch die ganze Welt mit einem jüdisch-deutschen Theater fahren und nicht wußten, es gibt eine Stadfy die Holeneschti heißt und doch bei allem, ihr seht doch, — Israel der Holeneschter, die ganze Welt kennt ihn doch, na, was sagt ihr jetzt, meine liebe Chasenfrau?" t (Fortsetzung folgt.)