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Die neue Welt · 1928-11-30 · Heft 63 (30.11.1928) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 63 (30.11.1928)
Date
1928-11-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 63 \\ Hämorrhoiden sind heilbar S < > : \ wenn Sie HälSlail-SalllB Hllll M^ltM verwenden Keine Schmerzen! Keine Blutungen I;> Rathaus-Apotheke, Wien, I., Rathausstrafte 3 <' In allen Apotheken erhältlich * Photographien, jener Polen, die in jüdischen Geschäften einkaufen. Minister SkiadUco wski: Konfiskationen werden durch den Staatsanwalt verordnet — dieser gehört zum Justizministerium. Abgeordneter Grün (bäum zitiert eine ganze Reihe von Tatsachen gegenüber den Juden: Jm Jahre 1921 starb in Pennsylvanien eine Frau K o h n, die in B y d g o s z c z (Bromberg) geboren war. Sie hinterließ 100.000 DoWar für die jüdischen Armen dieser Stadt, und .betraute den Magistrat mit der Durchführung dieser Angelegenheit. Gleichzeitig vermachte sie ihre B i 1 d e fg a 1 e r i e d e r Gemeinde. Der Magistrat beschloß in geheimer Sitzung den Nachlaß nicht anzunehmen mit der Begründung, daß in der Stadt keine armen Juden wohnen, was unwahr ist. Der Redner klaigt, daß das 'Ministerium die Interpellationen, die das Mißhandeln von jüdischen Personen seitens der Polizei wegen kleiner Verfehlungen he handeln, nicht beantwortet. Die Behörden bescMeunigen den Prozeß des Verdrängens der Juden aus den verschiedenen wirtschaftlichen Positionen; den Juden werden die Erwerbsquellen verstopft. Alls Beweis führt er vieile Fälle an, wo bei Ausschreibungen von Ste'llen die Vorlage des Taufscheines verfangt wird. Dies untergräbt die Ordnung.im Staate und schändet den guten Namen Polens. Die ganze Haitung der Regierung beweist, daß sie sehr nachgiebig ist . in ibezuig'anf antisemitische Tendenzen. Gestern z. B. 'hat der Ministerpräsident Härtel, der einmal sal'bst zugesagt hat, die Beschränkungen der Juden aus der Zarenzeit abzuschaffen, die Einführung einer netten Beschränkung gefordert. (Es geschah dies gelegentlich, der Behandlung einer Gesetzesvorlage, die jenen Pächtern, welche seinerzeitig die den Bodenerwerb nicht zulassenden Bestimmungen zu umgehen versuchten, die gepachteten Grundstücke ins Eigentum übertragen sofll. Dieses Verbot traf in der Zarenzeit oftnebst Juden auch Polen. Die Regierung wünschte durch die Darlegungen des Ministerpräsidenten nur den Polen gerecht zu werden. Es gellang dem Abgeordneten Hartglas gegen-den Standpunkt der Regierung in einer Rede den Sejm zu überzeugen. Nur urn einen ''öffentMcheri "KoöSlM mit der Regierung zu verrneideri, wurde das Gesetz zur nochmaligen Redigierung in die Kommission verwiesen. Anm.- d, -Red.) - - -; >•:. ... . ■..<.; Minister S k 1 a d k o w s k i: Der Ministerpräsident hat dies., nicht gesagt. Die Regierung ströbt nicht danach, die' Juden zu unterdrücken. Sie werden ^so gut sein und dies zur'.-Kenntnis nehmen ails off j zi ellVe Erklärung der Regierung. Hingegen schaffen Sie, «feine Herren, oft Barrieren, tdie es der Regieimnig unmöglich , machen, ihre Pläne.gegenüber den Juden zu verwirkilichcn, Sie machen ein großes Wesen aus Kleinigkeiten, die keine Bedeutung haben. Abg. Grünbaum: So pflegte einst Stolypin zu Teden. ..Einst pflegte man auch so zu .den polnischen Abgeordneten in der russischen Duma zu sprechen. Man pflegte Dmowski zu sagen: Mit Ihneu kann man noch reden, aber für düe Reibellen, für Pi/lsudslki und seine Genossen haben wir Kuigetfn und G-aligen. Minister Skladkowski: Wenn ich zu Ihnen so reden würde, wie zu euch ein Stolypin gesprochen hat, würden Sie still sitzen. Abg. Grünbanm: Wir haben bei Stolypin unsere Meinung nicht geändert und werden sie auch jetzt nicht ändern. Grümbaum fordert von der Regierung Taten, Erklärungen genügen nicht. Er behandelt die zwangsweise Schließung von Bäckereien unter Forderung der Mechani* sierung des Betriebes, was oft 200.000 Zloty kostet, die kein Bäcker besitzt. Es' kommt auch vor, daß ■ von den Gemeinden beschlossene Subventionen für jüdische Zwecke von der Regierung nicht bestätigt werden. Affles, was die Regierung tut — schließt Abg. Grüubaum — ist gleichbedeutend mit der. Aufrichtung von Barrieren zwischen der jüdischen und polnischen Gesellschaft, daher müssen die Juden die Regierung nicht nach deren Erklärungen, sondern nach deren Taten beurteilen. Zionismus und Staatsbürgertum. Eine Rede des Regierungspräsidenten Haußmann in Dresden. Bei einer Kundgebung des deutschen Pro-Palästina- Komitees in Dresden, die am 20. November im Beisein des Präsidenten der Zionistischen Exekutive, Sokolow, stattfand, hielt der Regierungspräsident von Stralsund, Dr. Haußmann eine Rede, in der er u. a. sagte: „Als die Balfour-Deklaration gegeben wurde und der Aufbau Palästinas in großem Maßstab begann, wurde von mancher Seite, insnesondere auch von jüdischer Seite, der Befürchtung Ausdruck gegeben, das Entstehen einer nationalen., jüdischen.. Heimstätte in Palästina könnte unerwünschte Rückwirkungen auf den Status der Juden in den übrigen Ländern haben. Aber heute hat sich wohl überall und bei allen Völkern die Erkenntnis durchgesetzt, daß wer seiner Herkunft die Treue wahrt, sie auch dem Staate bewahrt, dem er angehört, und daß der Dienst am eigenen Volk weder zu der getreulichen Erfüllung der staatsbürgerlichen Pflichten, noch auch zu der inneren Verbundenheit mit dem zur Heimat gewordenen Vaterland in irgend welchem Widerspruch steht. Die Juden haben in ihrer historischen Vergangenheit durch die Kraft ihres Geistes der ganzen abendländischen Welt einen Teil der Grundlage ihrer Religion und damit ihrer Kultur gegeben. In der ganzen Zeit der Emanzipation und im ganzen 19. Jahrhundert trat die Wechselwirkung ein, indem abendländischer Geist in das jüdische Volk eindrang und sich mit jüdischer Kultur vermählte. Wenn die Juden heute in friedlicher Arbeit Palästina erobern, dann ist das der Beginn für die zweite welthistorische Aufgabe des Judentums, ihre abgeschlossene abendländische Sendung in einer morgenländischen Mission fortzusetzen, eine Brücke zu bilden zwischen Ost und West, zwischen Asien vimd Europa. Wer heute mit offenen Augen durch Palästina reist, muß zu der Ueberzeugung kommen, auch wenn er gewohnt ist, die Dinge nüchtern zu sehen, daß die Juden berufen sind, diese Aufgabe zu erfüllen! Wer in Palästina mit offenen Augen gereist ist, weiß aber auch weiter, daß dieses Land wirklich neue Menschen auf alter Erde geschaffen hat. Wer die gewaltigen Fortschritte der Siedlung in TUCHHAUS WIEN, E. Ertlgasse 4 und Kramergasse 11 Telephon ü 25-2-57 Import Original englischer und schottischer Herrena. Damen- Stoffe sowie irischer Donegals and Thornproofs Detailverkauf zu Engros-Preisen! Palästina in den letzten Jahren beobachtet hat, der weiß, daß hier Kräfte am Werke sind, die nicht nur die Bestimmung haben, ein wirtschaftliches Rechenexempel zu lösen, sondern daß hier eine heilige Begeisterung glüht, deren Ausstrahlungen hineinwirken in die Gestaltung der Welt, eben des Verhältnisses von Asien zu Europa, und die schließlich das Wesen des künftigen'Europäers und Asiaten in gleicher Weis« mitbestimmen werden. Die jüdische Studentenschaft über die Republikfeier an der Wiener Universität. Die Wiener jüdisctinationale Studentenschaft nahm am 26. d. M. in einer großen Versammlung Stellung zu den Vorgängen, die sich am 10/ November bei der akademischen Rcpti'blikfeier in der Universität ereignet hatten. Die *01ympia-SäiLe waren von Studenten und Studentinnen überfüllt. Der Präsident.' des jüdischen Hoohsohulausschusses, Herr Dr. Eduard Pacht mann, leitete die Versammlung., Der Vizepräsident!des Hochschulausschusses, Herr juf.-'M e^4e.r,/;-gab'.5.e1n;e; Darstellung'.:der Vorfälle. Am Tage vor der Feier ^.wiirdep die jüdischen Studenten zum Rektor geladen, •••^er^lMen *erofmetb;,; ''er befürchte Ruhestörungen von kdmmuniistischer Seite und ersuche daher alle süidentischen Verbände um ihr Versprechen,' daß sie die Ruhe umd Ordnumg auf akademischem Boden wahren werden. Diese Zusage wurde gegeben. Als dann am folgenden Tag die Vertreter der jüdischen Studentenschaft wieder über Einladung des Rektors sich einfanden, um ihm die Wünsche zur Feier zu überbringen, wurden sie, die geladenen Gäste, angefallen. Einige Mitglieder des Lehrkörpers bemühten sich um die Ordnung, damit d er Bundespräsident nicht sieht, wie in der demokratischen Republik die Feier des zehnten Geburtstages begangen wird. Einige Professoren beruhigten, andere, wie der Prodekan Ab ei, meinten, bei der Feier hätten Fremdnationale nichts zu suchen. Der Dekan Dr. Arzt antwortete'auf eine Besehwerde jüdischer Studenten: „Mit Ezes bin ich versehen!" (Stürmische Pfuirufe.) Wir wissen, was es bedeutet, wenn die Herren zu jüdeln anfangen. Dazwischen wurde der Sinn der Schlägereien - offenbar durch die Rufe: Nieder mit der Republik! Nieder mit der Judenrepublik! Im Festsaal wurde der Bundeshymne der Respekt verweigert. Die akademische Legion der Sozialisten, die Deutschdemokraten und Liberalen waren nicht zu sehen. Wenn an der Universität etwas los ist, dann ist dort niemals jemand anderer als die jüdischnationalen Studenten. Nach den Vorfällen hat der Hochschulaussehuß dem akademischen Senat ein, Memorandum .übergeben, in welchem Genugtuung verlangt wird. Auf Grund dieses Memorandums hat der Rektor ein Bummel- und Farbenverbot erlassen, es aber wieder «»rückgezogen. Heute waren wir wieder vorgeladen und der Rektor, dessen Objektivität ausdrücklich anerkannt sei, verwies auf die von ihm eingeleitete Untersucht! ng, die noch nicht abgeschlossen ist. Man wird aber die Schuldigen nicht eruieren, man sucht sie nicht dort, wo sie zu finden sind. Verhaftet wurde ein jüdischer Student, weil er sich'gewehrt hat. Die Angreifer wurden aber nicht verhaftet. Diese Vorfälle müssen der. jüdischen Oeffentlichkeit vorgeführt werden. Sie hat vergessen, daß es jüdische Studenten gibt, die Hunger, und Not , leiden, so daß es wenigstens Pflicht der jüdischen 0cffentiichkeit wäre,- sie vor dem Terror zu schützen. Man vergißt, daß vor zwei' Jahreir in Ozernowitz ein jüdischer Student ermordet wurde, man vergißt, was in Budapest geschehen ist. Das ist alles auch im Wien möglich. In Graz lebt die jüdische Studentenschaft unter einem Terror, der sich nicht schildern läßt, ebenso an der. Bergakademie in Leobeu. Jetzt ist es Zeit, zu sprechen und zu Mmpieu. Das muß der jüdischen Oeffentlichkeit gesagt werden! (Stürmischer Beifall.) Der nächste Redner, Herr Leo Sendrowicz, führte aus: Die Vorfälle an der Universität sind zu einer AHtagserscheinung geworden. Das dürfen wir nicht dulden, Wir können uns nur auf uns selbst verlassen umd wir erkennen jetzt den unverzeihlichen Fehler, daß wir auf alle Organe Verzicht leisteten, die früher für uns in die Bresche getreten sind. Früher hatten wir eine Tageszeitung, in der unsere Rechte verteidigt wurden, früher hatten wir a n so und so vielen wichtigen Stellen Personen, die mit aller Energie für die jüdischen Forderungen kämpften. Heute haben wir das alles nicht. Ziel und Aufgabe dieser Versammlung soll es sein, die Erkenntnis zu verbreiten, daß dieser Fehler sich nicht wiederholen darf. Die jüdische Studentenschaft muß damit rechnen können, daß die Ge*

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