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Die neue Welt · 1928-11-23 · Heft 62 (23.11.1928) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 62 (23.11.1928)
Date
1928-11-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Ufr. 65? PELZWAREN GEBRÜDER BRAININ I. , Bauernmarkt 2aJel.U-2Z-3-59 II. , GkKkengaue 8. Tel. R-45-4-33 Das ist's Ja, was den Menschen ziert. Und dazu ward ihm der, Verstand. Daß er im inn'ren Herzen spürt: Der Huber-Schnaps ist Edclbrand! Bethlens Praxis. Anklagen eines ausgewiesenen Journalisten. Nach achtjähriger Tätigkeit als« Budapester Berichterstatter der „Vossischen Zeitung" wurde B r u n o Heilig aus Ungarn ausgewiesen. Den Vorwahd gab ein Bericht über die letzten antisemitischen Studentenkrawalle. Herr Heilig stellt, in der;,Vossischen Zeitung" fest, daß der offiziöse „Pester Lloyd" und andere der Regierung nahestehende Zeitungen die gleichen Berichte brachten und daß der vonder ungarischen Regierung als unwahr bezeichnete Teil seines Berichtes mit einem von der halbamtlichen ungarischen Telegraphen-Agentur nach dem Ausland telegraphierten Bericht übereinstimmte. Bruno Heilig führt dann weiter aus: . „Die ungarische Regierung war übrigens ehrlich genug, selbst einzugestehen, daß ihr meine Tätigkeit schon lange nicht paßte: die Tätigkeit eines objektiven, Einschüchterungen gegenüber unempfindlichen Beobachters. Als Korrespondent, der die erste Pflicht hat, über alles zu berichten, was in seinem Arbeitsgebiet geschieht, mußte ich in diesen acht Jahren naturgemäß wiederholt in Gegensatz geraten zu den Machthabern Ungarns. Es war eine stürmische Zeit, voll peinlicher Ereignisse, deren, publizistische Behandlung der ungarischen Regierung nicht angenehm sein konnte. Weißer Terror, Königsputsche, periodisch wiederkehrende, von Staats wegen geduldete, oft sogar geförderte blutige Ausschreitungen völkischer Studenten und anderer, gleichgesinnter Organisationen kenuzeidinen die Geschichte dieser acht Jahre. Der amtliche Presseapparat des Grafen Bethlen beruft sich darauf, daß es, seit Bethlen am Ruder ist, in Ungarn doch besser geworden sei. Es ist wahr, die Zeiten, wo man abends nicht ohne Sorge für sein Leben aus^shen konnte, sind vorüber. Doch das stürmischeste Meer beruhigt sich einmal, und die Schießereien in den Budapester Straßen, die terroristischen Streifzüge der Weißgardisten hätten auch ohne Bethlen einmal aufgehört, vielleicht sogar früher und gründlicher als mit Bethlen. Denn die Regierung des Grafen Bethlen ist sehr zart mit den Terroristen umgegangen, und im Endergebnis hat sie den weißen Terror eigentlich nur in zahmere Formen gekleidet. Früher wurden oppositionelle Wänlerversammzerschlagen und heute vertreten Lucien Wolf, die AlHance Israelite und alle anderen das Judentum. Dieser Zionismus ist nur mehr eine Partei und nicht einmal eine gewichtige. Er muß von nun ab darauf verzichten, sich direkt oder indirekt in das politische Leben außerhalb Palästinas einzumengen. Er ist seines politischen Inhalts leer geworden, eine-4 bureaukratisch, seelenlos verwaltete Apparatur, die auf Geheiß einer dem jüdischen Volke und dem Kongreß riieht verantwortlichen Körperschaft zu arbeiten hat. Das ist nicht mehr Zionismus, und Weizmanns Rede ist in gewissem Sinne einer der berühmten Marksteine in der Geschichte. Ohne Gegenwert, ohne präzise Zusagen einer ausreichenden materiellen und politischen Sicherung gibt Weizmann das Instrument des Zionismus aus der Hand, liefert er das Palästinawerk an Elemente aus, die in keiner Weise einen Befähigungsnachweis dafür erbracht haben, daß sie auch nur verstehen, was Palästina bedeutet. Wie sollten sie verstehen, was der Zionismus bedeutet, die Bewegung des jüdischen Freiheitsgedankens, der Kampf ums Recht! Die Assimilantendentinziation, daß der Zionismus aus den Juden mindere Staatsbürger macht, sanktioniert Herr Weizmann und fällt damit jenen in den Rücken, die der jüdischen Minderheit ihre Rechte erkämpfen wollen; er zerbricht die jüdische Front. Und dies, obzwar auch hier Kongreßbeschlüsse vorliegen, die unbedingt zu respektieren sind. Ist Herr Weizmann gegen die nationalpolitische Tätigkeit inrGolüs, dann sage er das vor den Zionisten auf einem Zionistenkongreß. Spricht er dies vor Nichtzionisten aus,, dann wird seine Rede zu einem nichtziönistischen Akt, dann sieht er die Einigung äüf dem Friedhof jüdischen Lebens. Man darf sich durch den Beifall der offiziellen zionistischen Presse riieht beirren lassen, die Wahrheit zu erkennen. Der Zionismus wird unter dieser Leitung ein Messer ohne Heft, dem die Klinge fehlt. hingen von Terroristendeta chements gesprengt, heute werden sie von den Polizisten Bethlens aufgelöst: früher wurden Druckereien demokratischer Zeitungen von Erwachenden Magyaren demoliert, ItVu.'e werden sie, wenn die Zeitung der Regierung unar genehm wird, durch polizeilichen Machtsprudi stillgelegt: früher haben Weißgardisten „unerwünschten", „staatsgefährlichen", „national bedenklichen" Leuten ihr Eigentum offen geraubt, während der Aera Bethlen wurden diesen bedenklichen Leuten ihre Geschäftskonzessionen im Verordhungswege konfisziert. Frühev sicherten sich völkische Verbrecher selbstherrlich ihre Straflosigkeit, seither werden sie von den Gerichten Bethlens freigesprochen." Der Regierungswechsel in Rumänien. Die „Union" beruft einen Kongreß ein. » :Aus Bukarest berichtet die J. T. A.: Im allge. meinen ist die Uebernahme der Regierung durch den Führer der National-Zaranisten Maniu, von dem man ein demokratisches Regime und die Garantie freier Wahlen erwartet, auch von den Juden mit Genugtuung aufgenonif men worden. Man glaubt, daß Maniu die antisemitische Praxis in der Landesverwaltung nach Möglichkeit eindämmen wird. Der neue Minister für Handel und Industrie M agde a ru gilt als ein Freund der Juden. Der neue Kultusminister Professor Mironescu war jederzeit gegen den Universitätsantisemitismus energisch aufgetreten. Der neue Außenminister Vaida-Voevod unterhält gute Beziehungen zu den jüdischen Auslandsorganisationen. Man glaubt, daß die Regierungspartei die Juden für ein Bündnis aus Anlaß, der bevorstehenden Parlamentswahlen zu gewinnen versuchen wird. Der Führer ■der Uniön der rumänischen Juden, Dr. Fildermann, verhält sich gegenüber einem solchen Bündnis ablehnend. Es ist vorläufig nicht bestimmt, ob die Juden allein oder in Verbindung mit anderen Parteien in den Wahlkampf treten werden. Die Frage der Schaffung einer jüdischen Einheitsfront ist jetzt wieder aktuell. Das Exekutivkomitee der Union rumänischer Juden beschloß, einen Kongreß einzuberufen, um sich über die Haltung angesichts der veränderten Lage schlüssig zu werden. Goga droht „Adeverul" schreibt: Gewisse Kreise behaupten, daß nach der Bildung einer Regierung Maniu, eine neue Propaganda mit Rassen Charakter einsetzen wird, das Signal werde in Klausen bürg gegeben werden. Der frühere Innenminister im Kabinett Averescu, Octavian Goga, ein bekannter Antisemit, erklärte einem Mitarbeiter von „Uj Kelet",, falls ,eine Regierung Maniu .in Erscheinung tritt, werde' eine Massenbewegung 'einsetzen, die auch dem jüdischen Problem Aktualität verleihen wird, dies könne für die Juden eine fatale Wendung nehmen. Ein neues Regime in der Gzernowitzer Kultusgemeinde. Aus Czernowitz, 16. November, meldet die J. T. Ä.:. Die neue; iRegiemng; löste die von Dr. Straucher versehene Gerentschaft der jüdischen Kwltusgenieinde von Czeraowdtz auf und''ernannte zu Gereuten Dr. Salonion Kinsbru n n eV und Dr. Lazarowicz. Die neuen Gerenten werden schon in kürzester. Zeit Neu wählen für die Repräsentanz der ..Kutasgeineinde ausschreiben, so daß die lange entbehrte Autonomie dieser Gemeinde wiederhergestellt sein wird. Der Beirat, der schon. jetzt eingesetzt werden muß, wird allen Schiebten der jüdischen Bevölkerumg entnommen werden. Die Tragikomödie der „Roten Moschkos". Bauer und Adler in polnischer Beleuchtung. Die in polnischer Sprache in Warschau erscheinende Monatsschrift „Narod" (Nation) behandelt die Vorkommnisse während des letzten Brüsseler Kongresses der TUCHHAUS MÜNZ WIEN,!. Ertlgasse 4 und Kramergasse 11 Telephon U 25-2-57 Import Original englischer und schottischer Herren' a. Damen- Stoffe sowie irischer Donegals und Thornproofs Detailverkauf zu Engros-Preisen-1 | llllllllllHiliflllM sozialistischen Internationale, gelegentlich der Bemühungen ein Palästina-Komitee der Internationale zu schaffen, unc setzt sich mit Otto Bauer und Friedrich Adler auseinander. In dem Artikel wird unter anderem ausgeführt* „Otto Bauer ist Sohn eines jüdischen Fabrikanten, ein bekannter Führer des Austro-Marxismus, ein gebildeter Mensch, der jedoch hauptsächlich in der abstrakten Weh der Theorie und Revolution lebt. Das jüdische Lebe« kennt er überhaupt nicht, es interessierte ihn nie, er wollte es nie kennenlernen — ein typischer Assimilant alten Datums, für den das Judentum nur eine von den Väterr, geerbte Last, eine Verstümmelung und nichts mehr ist Im Sozialismus wollte er diesen fatalen Geburtsballast vergessen, und da kommen die Lockers, die Kaplanskys (Führer der Poale Zion) und erinnern ihn selbst im Sanktissimus des Marxismus, am Kongreß der Internationale, an das Judentum, an diese fatale Last, an die Geburtsverstümmelung. Daher der revolutionäre Schmer? und der rote Zorn der edlen Moschkoseele. Friedrich Adle r, der Sohn Viktors, des berühmten Führers' der österreichischen Sozialisten. Schon der Vater Viktors war getauft und Todfeind des Wortes „Jude". Sein Sohn Friedrich, ist die zweite Generation der Getauften. Er will seine jüdische Abstammung ganz vergessen, er will für immer vom Schatten seiner-Vergangenheit weglaufen, und da gestatten ihm diese „jüdischen Chauvinisten" nicht, ruhig im" Schöße der Internationale zu leben. (Das ist doch Chuzpe!) . Friedrich Adler das ist der typische Kosmopolit ohne , Vaterland, ohne Nation, ohne Tradition, ohne lebendige Wurzel in irgend einer Erde. Heute in Wien, morgen in der Schweiz, übermorgen in London — überall zu Hause; in Wirklichkeit ist er nirgends zu Hause, bei sich. Er lebt ein künstliches Leben auf dem schmalen Daseinsrand zwischen — Nationen, er ist einer der wenigen wirklichen Internationalen, die keine eigene Natior, haben. Tragische, unglückliche Gestalt!" . \ In der Tschechoslowakei ist kein Boden für Numerus clausus. Aus Prag, 12. November, meldet die j. T. A.: Bei einer Kundgebung des tschechoslowakischen Studentenverbandes aus Anlaß des Staatsjubiläums erklärte der. Verbandsvorsitzende, die tschechische Studentenschaft lehne mit aller Entschiedenheit jede Art Numerus clausus ab, mag dieser soziale, religiöse oder politische Beweggründe haben. In seiner Erwiderung auf diese Ansprache erklärte Minister Hodza, als Unterrichtsminister lehne er a priori jedes Ansinnen, einen Numerus clausus einzuführen, ab, der mit den Ideen im Widerspruch steht, von denen die Vergangenheit des tschechischen Voltkes getragen sei. Tausende Juden in Moskau aus ihren Wohnungen vertrieben. In Dan zig sind in den letzten Tagen jüdische Familien als Moskau eingetroffen, denen als sogenannten „nicht arbeitenden Elementen" das Recht, eine der Zwangswirtschaft unterliegende Wohnung zu benutzen, entzogen worden ist. In einem Gespräch mit dem Danziger J. T. A.¬ Vertreter erklärten sie, daß die Anfang des Winters erschienene Verordnung, wonach „nicht arbeitende Elemente" ihre zwangsbewirtschafteten Wohnungen verlassen müssen, tausende jüdische Familien in eine unsagbar verzweifelte Lage gebracht hat. Die Wegnahme einer Wohnung kommt einem Todesurteil gleich. Juden im Schweizer Parlament, Bei den letzten Wahlen zum Schweizer, Nationalrai wurde der jüdische Advokat Dr. David Farbstein im Kanton Zürich zum Nationalratsmitglied wiedergewählt, Im Kanton Genf wurde der jüdische Advokat Dicket zum Mitglied des Naiionalrates neugewählt. Beide kan« didierten auf der sozialdemokratischen Liste. Reines-, Perez- und Ansky-Gasse. Der Stadtrat von L i d a hat beschlossen, drei Straßen der Stadt nach dem Namen von Rabbiner Reines (Be* gründer des Mferachi), J. L. Perez und S. Ansky zo benennen-

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