Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 61 (16.11.1928)
- Date
- 1928-11-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite S DIE NEUE WELT Nr. 6! >4*4i Religiöse und religiös-nationale Wähler f Stimmet und Religiöse Liste „Misrachi"! werbet für die wammmmmmmmmmmmmmmmm^ Wie in Amerika ein jüdisches Spital entstand» Zum Schutze der jüdischen Aerzte und Kranken. Aus New York wird uns geschrieben: Vor kurzem wurde in Brooklyn ein jüdisches Spital für unheilbare Kranke eröffnet. Das Spital, ein vier Stock hohes Gebäude mit herrlicher Parkanlage und einem großen Bau grund für Zwecke der Erweiterung, iaßt heute 300 Betten für jüdische unheilbare Kranke.,Das Gebäude steht gerade gegenüber der Front des Kings H o s p i t a 1, welches gleichfalls ausschließlich der Behandhing und Pflege unheilbarer Kranker dient und eigentlich die für amerikanische Verhältnisse so charakteristische Veranlassung war, das jüdische Hospital mit gleichem Zweck ins Leben'zu rufen. Vor etwa einem Jahre hat ein antisemitischer Skandal, der in dem großen Kings Hospital aufgedeckt Wurde, das größte Aufsehen in Amerika hervorgerufen und die öffentliche Meinung lange Zeit beschäftigt. Obgleich in einer anderen Gegend von Groß-New York bereits ein 70p Betten (fassendes adlcrmoderrrst eingerichtetes jüdisches Spital für unheilbare Kranke besteht, mußten doch viele jüdische Patienten auch im Kings Hospital um Unterkunft ansuchen und es standen auch viele jüdische Patienten in diesem Hospital in Pflege. Auch eine Anzahl jüdischer Aerzte war im Kings Hospital. tätig. Und es waren gerade jüdische Aerzte, welche durch ihre praktischen und wissenschaftlichen Arbeiten den Ruf des Kings Hospitals als Heil- und Forschungsstätte begründet und erhöht haben. Da wurde es vor einem Jahre bekannt, daß die jüdischen Patienten von den nichtjüdischen Aerzten und Krankenpflegerinnen wiederholt ostentativ schlecht behandelt wurden, und eines Tages entstand eine ganz ku-kux-klan-mäßigo Boykottbewegung der christlichen Aerzte gegen die jüdischen. Die Angelegenheit wurde seinerzeit auch hr der „Wiener Morgenzeitung" ausführlich behandelt. Der Skandal kam zum . Ausbruch und drohte amf das allgemeine politische Gebiet überzugreifen. Er wurde nur .mit" großer Mühe von Politikern niedergeschlagen. Aber 4'e jüdischen Kreise gaben sich mit dieser Art der Erledigung nicht zufrieden. Sie konnten die skandalöse Haltung der christlichen Aerzte und des Pflegepersonals gegenüber den jüdischen Patienten nicht verwinden. Und da waren es gerade die jüdischen Frauen vereine von Brooklyn, welche sich' hauptsächlich mit dem Besuch und der Verköstigung der frommen jüdischen Patienten befaßten. und eigentlich die besten Beobachter der Vorgänge im Kings Hospital waren, die die Führer der jüdischen Organisationen in Broöklyn dazu bewogen, gerade gegenüber dem Kings Hospji;al eine eigene, aufs allermodcrnstc eingerichtete Krankeifanstajt 5ür 3 ü d i s c h e u n h e i 1b a r e Kranke zu errichten^ ■ '" Das verletzte jüdische Selbstbewußtsein hat das Ehrgefühl der breitesten Schichten der jüdischen Bevölkerung von Brooklyn in be-wunderungswürdiger Weise aufgestachelt, und die. Eröffnung dieser Anstalt in kürzester Frist ermöglicht. Insbesondere waren es zwei wohlhabende Juden, Max BI uinb e r g und Jafcob Paniiam a, welche buchstäblich die Führung ihrer Geschäfte in fremde Hände legten, um rasch dem Kings Hospital die gebührende jüdische Antwort zu geben. Binnen ganz kurzer prist-.waren; 3OO.Ö0O Dollar von Juden des Mittelstandes und der Arbeiterschaft nicht nur gezeichnet, sondern auch eingezahlt. Viel wichtiges Bau- und Einrichtungsmateria! wurde überdies unentgeltlich beigestellt. Der Verein zur Erhaltung und zum weiteren Ausbau dieses neuen Wahrzeichens jüdischer Wohlfahrtsflbcstrebnngen und jüdischen Selbstbewußtseins ist bereits gebildet und sichert die Zukunft und? allmähliche Vergrößerung . der Anstalt. Die wm *vDrT?; , Do Ich in letzter Zeit in Erfahrung gebracht habe, daß diverse Bäcker auch Tierfett verwenden, habe ich mich verpflichtet ge- •>'•' . sehen, dafür Sorge zu tragen, daß "hjo- Geoäck erzeugt werde, und vorläufig den einzigen Bäckermeister JOHANN HEGER II. Haldgasse 13 / Tel. A-4 7-6-84 unter streng« n.n 3 W H zu stellen. Ein von mir hiezu bestimmter Vertrauens» Würdiger PPJWÖ beaufsichtigt Storni«« Itent die Erzeugung und kann daher auch der frömmste Jude ^pn DW ^3 dieses Gebäck genießen. Rabb. N. Hoyersohn. Grölten und Reichen — und auch das muß hier vermerkt werden — haben sich aus Lcisetrctcrci und poli tischen Rücksichten an dieser herrlichen Revancheaktion der beleidigten Juden bisher nicht beteiligt. Es waren, wie gesagt, mittlere und kleine Leute, die die Errichtung des Krankenhauses möglich gemacht hatten. Aber der Erfolg beginnt auch den anderen Kreisen zu imponieren und sie werden sich nunmehr beeilen, an diesem Werk mitbeteiligt zu sein. So steht jetzt im freien Amerika in Brooklyn gegenüber dem großen berühmten Kings Hospital die junge jüdische Anstalt, welche zufolge der inhumanen Haltung antisemitischer Aerzte entstanden ist und — so unfrei es auch klingt — entstehen mußte. Ein erfreuliches Zeichen jüdischen Selbstbewußtseins in der jüdischen Gailuth. Magd und Herrin. Geschichte von einem Wochenabschnitt bei den Chaluzlm in Palästina. Von Rachel Feigenberg. „Was ist sie gewesen, unsere Mutter Sarah? Eine stolze Herrin einst im Lande Kanaan oder eine strenge Oebietcrin über ihre Mägde?" Dies fragte das schwarzlockige Mädchen, das in ihren Shawl gehüllt, beim Buch der Bibel saß und rings um sie die übrige Gesellschaft des Arbeiterkreises inj Schomron, in Wintermäntel gehüllt, als säße sie in einer ungeheizten Stube der Heimat dort in den polnischen. Randgebieten. In der geschlossenen Baracke war es nicht kalt, aber es roch nach Feuchtigkeit. An die Holzlatten1 klatschte der Frühregen mit Ungestüm und das lockere Bretterhäuschen kam sich unter dem bös heulenden Wind so schwach und unbeholfen vor;d:e k'eiuen Fensterscheiben ließen in den Rahmen nach und das Wasser rann über die Wände ins Innere. Selbst der getreue Wächter Samach, der seinen Hundeposten bei der Tür einnahm, verkroch sich ganz in sein braunhaariges Fell, um der feucht nagenden Unhcimlichkeit der Stube zu entgehen. Nur die . Referentin der sabbatlichen Bibelcliskussion machte alle mit ihrer Heiterkeit munter. „Chawerim, die Frühregen sind gekommen und ihr sftzt da" wie die' Toten. Nach dem Regen wird bei uns! Das Rasieren mit B&rb&SOl Verjüngt jeden Heirn ohne Operation. ÜBERALL ERHÄLTLICH. über Nacht alles grün werden und das bißchen Wassen in der Stube werden wir mit der Hand wegschöpfen. Dann werden wir einen kleinen Ofen kaufend und esi werden sich die großen Karfiolrosen zeigen und Geld wird da sein." Die Gesellschaft lacht auf. Sie verschwendet: schon den Erlös aus dem Karfiol, der erst wachsen wird, ( Nur der kleinen, lustigen Ziparoh gefiel das ausnehmend und sie sagte in großer Begeisterung: „Er wird Schon wachse», der Karfiol, soll nur Regen kommen, und wir werden hier einen kleinen Ofen aufstellen und es wird wundervoll sein. Wir werden hier Mittag bereiten, Tee aufkochen und es wird warm in der Stube sein." , „Und vorläufig zur Ordnung," ruft die aus 'Grodnö* wie auf;einem Meeting. Sie schlägt den Abschnitt ^Lech" Lecha'*' »auf und wirft einen Blick auf ihren steten Gegner,: den Chemiker aus Galizieu.? „Wir werden heute nur das Thema von Sarah und Hagar behandeln, oder will vielleicht jemand über diel Auswanderung Awrahams aus Ur-Kasdim eine Meinung äußern? Ob er gut daran tat, das Land seiner Geburt; 2u verlassen, um in einem fremden Land eine neue Heimat zu finden?" „Wahrscheinlich war es zu eng im Lande seiner Geburt. Solche Dinge kommen bei Juden vor." So?tieß der Galizianer in seiner kalt lächelnden Art seine Meinung1 hervor, aber gleich parierte Zwi in seinem Ernst:; „Unser Erzvater Awraham mußte auswandern, weil seinem Hausgesinde die götzendienerische Assimilation an die umgebende Mehrheit drohte. Er mußte auch jnl die Welt hinaus, um seine Idee vom einzigen Weltsch.öpfe.r zu., verbreiten, weil er bei sich in der Stadt ein zu Heimischer? war, als daß die Menschen seiner göttlichen Sern* dung hätten glauben können." ,jDas heißt also, daß es so wichtige Ziele für. dem Menschen gibt, derentwegen er berechtigt ist, seinen Geburtsort zu verlassen und in die Fremde zu gehn!^. Das fragte die rothaarige Tobah, die das satte, warnte* Heim, in Polen für die hungrigen Tage und Wochfä in der iiasgeii Bretterbude von Schomron eingetauscht hatte. „Aber, teures Mädclchen," fuhr auf sarkastischem:» mütige Weise der Chemiker in seiner Bemerkung fort, „der Mjdrasch sagt, daß der Weltenherr deswegen Awraham mit Reichtum gesegnet hat, weil niemand ihm in einem fremden Lande als Armen Gehör schenken würde. Ja, itniiiim''i,iiiiiimiiimiiiHiwi«itiu»miii»i«Himinii»muiMln SIEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale IX., Bergga«se 19, Telephon 17-3-99 n. 16-9 34 Lieferant für Heilanstalten Abtönungen für «^-Fleisch unter Autsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr Kai* tusgemeinae Wien IX. Borgg. 15 / XVIII., Währlngerstr. 91 _ 'iHrnitHttwwiinnimHnmimHHtmtwiwiiiimHm^ rmwnmttnmtmtmnt:mimittmtrtmtniimmmnnm Mädchen, tu der Fremde braucht man ein klein wenig': Vermögen, beherzige das, Tobah." Mit dieser Ansicht waren alle einverstanden und an Ort und Stelle wurde sofort beschlossen, Mittel zu suchen, wie in die feuchte Baracke des Erzvaters Awraham Segen zu bringen sei, auf daß sich ein bißchen Vermögen an** sammle. Aber wieder ruft die Referentin zur Ordnung. Siö interessiert sich durchaus für die Persönlichkeit Sarahs! und die Familienverhältnisse im Hause Awrahams. Sie kommentiert die Abschnitte der Fünf Bücher Mosis nach ihrer eigenen Auffassung: „Sarah war natürlich eine echt jüdische Tochter Und während der Hungerwanderungen nach Aegypten! hat sie ihren Mann nicht verleugnet, obwohl der König; von Aegypten sie heiraten und zur Königin krönen wollte. Aber unser Vater Awraham, hatte er wirklich kein anderes Mittel, sein Weib zu schützen, als das zu sagen» sie sei seine Schwester? Wer wird sich zu dieser Frage äußern^ vielleicht du, Chananja?" Das schwarzlockige Mädchen lächelt den schwerfällig breitschultrigen Jungen an, mit dem sie während der ganzen Woche beim Steineklopfen und beim Arbeitslohn konkurriert hat. „Ich bin zu faul," antwortet er mit langgezogenem Gähnen und hüllt sich noch fester in seinen Mantel, deni er um die Schultern geworfen hat. Der junge zarte Dof zupft ihn an der Mütze und gibt ihm den Rat, zu schlafen. Seine Stelle übernimmt der verbissene Frauenfeind aus Galizien. Der Mutter Sarah aber ist er ob! ihrer großen Vorzüge gut gesinnt. Sic ist sehr schön gewesen. Der Midrasch erzählt, daß die Augen des pharao* nischen Hofes von der Schönheit Sarahs geblendet wurden, als sie die Truhe öffneten, die Awraham mit der darini verborgenen Sarah nach Aegypten gebracht hatte. „Und hoch eine Lobpreisung verdient Mutter Sarah. Sie ließ sich nicht von der götzendienerischen Assimilation verführen mit all den LttxusfreRvfen der reichen Aegypter und Kanaaniter. Sic wandelte ia den göttlichen, Wegen des Mannes, Er bekehrte Männer, sie bekehrte Frauen. Und er, der alte Vater Awraham,. war unten den alteingesessenen Einwohnern von Aegypten . und Kanaan schon ein ganzer Jude mit allen seinen SinnenJ Er trug sein schweres Leben in Aegypten ganz nachj jüdischer Art. Er stand der Gefahr des Lebens gegenüber. Hätte er gesagt, daß die Kostbarkeit, die in der Truhe: verborgen war, sein Weib sei, so wäre er von den; Leuten des Pharao erschlagen worden, auf daß sie frei werde, und er hatte keinen anderen t Ausweg als jenes letzte jüdische Mittel der Seelenrettung. Ueberdies hatte er Vertrauen zu dem anerkannten Weltschopfer." „Aber Sarah ist auch interessant durch ihre Fehle«," bemerkte Zwi. „Charakteristisch ist ihr Verhältnis zu Hagar. In ihr kämpft die Frau und die Mutter. Der Wille der semitischen Frau, ein Kind zu haben, ist §q stark, daß1 sie demzuhebe ihr eigenes Herz zu bekämpfen sucht;.? Untertänig vor Gott, beugt Sarah ihr Haupt auch vor den Sklavin, der sie gebietet. Aber sie hat dafür gebüßte denn die Magd hat dieselbe Frauenseele wie die Herrin. Sie war solang Sarahs Magd und Sklavin wie Awrahamj Herr und Gebieter über sie war. Aber jet?t, da sie diesem ihren Herrn einen Sohn geboren hat, erhebt sie1, ihr Haupt und will Mitherrin sein." Bei diesen letzten Worten lächelt der Chemiker] breit: „Eine alte Wahrheit. Alt wie dieses unser Buch. Bis auf den heutigen Tag ist das der leichteste Weg füq die Frau, Karriere zu machen." i Die andern jungen Männer schwiegen taktvoll und auch die Mädchen blieben nachdenklich, und schweigsam siltzen. Der rothaarigen Tobah begann die rechte Wange zu glühen und die dunkle, anmutige Referentin mit der offenen .Bibel in der Hand biß sich in ihre dünnen roten; Lippen. Zuletzt zeigte die junge lustige Ziporah dem} frechen Galizianer die Zunge und alle lachten hell auf. Die aus, Grodno streicht ihre schwarzen Locken] aus der Stirn und beendet die sabbatliche Diskussion. „Es heißt also, Hagare Karriere bei Awraham im} Hause gilt für die Frau bis auf den heutigen Tag*t Weil sie eine starke und stolze Persönlichkeit war, ließi sie sich nicht von ihrer Herrin beleidigen und, mit ihrem] Kind auf den Armen, von ihren Brotgebern vertrieben,' ist sie auch in der Wüste nicht verloren gegangen. Ismael wuchs bei ihr zu einem ganz tüchtigen Jungen heratn! STRENG TO Täglich frisch ges Machtet** Rind- und Kalbfleisch wie auch MastcjaVIttgel zu billigsten Tagespreisen Nur bei Roth, XX. Karl Melsstf tras«* Nr. 3 Auf Wunsch Zustellung ins Haus