Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 60 (9.11.1928)
- Date
- 1928-11-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nf. 60 PELZWAREN GEBRÜDER BRAININ I. ,BnuernmarKt 2 a. Tel.ü 22-3-59 II. , Glockengasse 8. Tel. R-454-33 der frömmste — krank wird, werin gar sein Weib, sein Kind krank wird, dann ruft er den Arzt und will den besten, den gelehrtesten, den, der den menschlichen Körper in seinen letzten Fäserchen kennt, der den menschlichen Körper gründlichst studiert — also seziert hat. Kann dieser Jude noch fernerhin behaupten, daß der Weg, den sein Helfer gegangen ist, ein Weg der Entweihung und des Verbrechens ist? Darf ein frommer Mensch von den Früchten der Entweihung nehmen und leben? Die Juden, auch sehr, sehr gläubige, lassen ihre Söhne Medizin studieren und wollen, daß sie gut und gründlich studieren. Zum grundlichen Lernen gehört das Studium am menschlichen Körper und die Erfassung aller seiner Teile und Funktionen, gehört das Studieren am Seziertisch. Darf der Weg, den der junge jüdische Mensch geht, der Weg, den ihn sein jüdischer Vater heißt, über Entweihung und Verbrechen führen? Kann der Grundsatz, daß Zerlegung der Leiche zu wissenschaftlichen Zwecken eine Schändung ist, aufrecht bleiben? Oder wäre es inenschlfch, wäre es jüdisch, zu erklären, daß es ein Recht für den Körper des jüdischen Toten gibt, das für den Körper des nichtjüdischen Toten nicht gilt? Nichts wäre unjüdischer, als diese Auffassung! Da gibt es kein Vorbeireden und Vorbeideuteln. Die Tradition ist achtenswert und die jüdische Tradition der Achtung vor den Toten eine der liebenswerten. Aber Menschentum, Gerechtigkeit und Wissenschaft stehen höher. Wenn zwischen ihnen und der Tradition ein Konflikt entsteht, muß er gelöst werden. Nicht roh, nicht lieblos,' mit weitgehendster Schonung tief eingewurzelter Gefühle. ' r.st. Ein neues Kapitel deutscher Gerechtigkeit. Jadeneid wird als Meineid bezeichnet — Die Richter i schwelgen. " Vor -dem Leipziger Landesgericht hat sich ein Vorfall abgespielt, welcher für die'Denkart vieler deutscher Richter bezeichnend ist. In einem viele Tage dauernden Prozeß gegen den unlauterer Manipulation beschuldigten Leiter des „Vereines der Reichsbankgläubiger" namens Winter, wurden Zeugen vereidigt. Während der Vereidigung eines-nicht sehr germanisch aussehenden Zeugen,' eines Theaterdirektors aus Gera, protestieren Winter .und sein Verteidiger in heftigster. Weise. Sie wiesen darauf : hin, ,daß. der Zeuge wohl die 'rechte Band zum, Schwüre erhoben, .aber." die linke Hand in die Hosentasche' gesteckt habe. Das sei ein den Juden durch den Talmud e mp f oh 1 e n e r Brauch beim Schwören falscher Eide. Mit der linkensHand'werde der Schwur der rechten: entkräftet, und ein Jude, der so handelt, braucht keine Furcht vor der Sünde des Meineides zu hegen. Daraus folge, daß ein deutsches Gericht den Schwur eines jüdischen Zeugen gegen einen angeklagten Deutschen nicht gelten lassen dürfe. Der Vorsitzende und die toeisitzeriden Richter ließen den Angeklagten und Verteidiger ruhig diese: Argumente vorbringen. Sie unterließen es, die beiden zu' rügen oder gar von ihrer Disziplinargewalt Gebrauch zu inachen. Die liebliche Szene fand erst ihren Abschluß, ais der der jüdischen Schurkerei verdächtigte Theaterdirektor erklärte, daß er gar k e i n J u d e s el. Dahn nahm die Gerichtsverhandlung, in welcher so nebenher das ganze deutsche und sonstige Judentum als Verbreche r b a n d e angeprangert wurde, - ihren weitererl, würdigen Verlauf. — „Jetzt sitzen sie zusammen in Berlin," fuhr Wilhelm II. in seinem Gespräch mit Dr. Vogel fort, „und beraten, beraten und kriegen nur d>icke Köpfe; keiner weiß, was er eigentlich will. Natürlich sind auch gute Köpfe darunter. Da ist z. B. der David, ein ganz gescheiter Mann — kein Jude! Nein, nein, denkt gar nicht daran! Pastorensohn, bei einem Superintendenten erzogen, aiber voll von Menschen Verbrüderung, kosmopolitischen Ideen — aber ein guter Kopp ist er . . . Linsingen ist in Berlin mit treuen Truppen, und ebenso sind die anderen Großstädte besetzt. Wir schicken auch noch mehr hin. Und das sag' ich Ihnen: Wenn mir das Geringste passiert, dann schreib ich ihnen die Antwort mit Maschinengewehren auf das Pflaster, und wenn ich nur mein eigenes Schloß zerschieße — aber Ordnung muß bleiben .'. . Die ganze Sache geht überhaupt bloß von diesem Berlin aus. Das Volk denkt gar nicht daran, Revolution zu machen." Wilhelm II. und „ein paar hundert Juden". Berlin, 4. November. D&m „Ber-liiver Tageblatt" werden von Herrn Heinrich Peternieyer Aufzeichnungen des Hofpredigers Dr. Vogel Über die letzte Unterredung, die Wilhelm II. am 3. November 1918, wenige Tage vor seiner Hollandfahrt, mit dem Hofprediger, der sein besonderer Vertrauensmann war, gehabt hat, übergeben. Wilhelm II. sagte u. a.: „'Also vorgestern war Drews bei mir, um mir von der Regierung, von dieser sogenannten Regierung, nichts Geringeres als meine Abdankung nahezulegen. Na, ich ha'b' ihn erst herauskommen lassen, und dann hab' ich mir den Mann gekauft, ihn angesehen — so! — und gesagt: Was? Sie als preußischer Beamter und Untertan, Sie wagen es, Sie unterstehen sich, vor mich hinzutreten mit solch einem. Angebot? Sie hätten, fuhr Wilhelm II. fort, bloß sehen sollen,. wie der Mann zusammenfuhr. Den Schreck hätten Sic sehen sollen!'Wilhelm II. teilte dem Hofprediger Dr. Vogel mit, was er im Verlauf der weiteren Unterredung dem Minister Drews gesa«t hat: „Ich denke gar reicht daran, den Thron zu verlassen wegen ein paar hundert Juden und zweitausend Arbeitern! Das sagen Sie ihren Herren in Berlin!" Ritualtnordhetze unter dein Schutz der Immunität. Berlin. Dr. Hans Reichmann schreibt in der „G. V.¬ Zeitung": Wir leben im 20. Jahrhundert. Ritualmorde sind Märchen, über die der Mensch des 20. Jahrhunderts so ironisch lächelt wie über Hexen- und Teufclsaberglauben. Und doch gibt es noch naive Menschen, denen man es; wagen kann, Rihtalmordlügeu vorzusetzen. Das Weiß 5 auch Herr Dr. Ley, Chemiker seines Zeichens^ der heute den „Westdeutschen Beobachter", das nationalsozialistische Organ von Köln, unter dem Schutze seiner Abgeordnete-nimm-iinitä't'- herausgibt. Der Ruhm des „Stürmer" hat ihn. nicht schlafen lassen; dieses Blatt hatte im September dieses Jahres vor Beginn des. Gladbecker Schülermordprozesses ausführlich behauptet, daß die Tötung des Gymnasiasten Daube ein R it u a 1 m o r d s e i; dann allerdings . suchte man sich vor dorn Staatsanwalt durch eine kleingedruckte Sohlußbemerkung zu schützen: Seibstvers-tändliich gehe dieser Mord nicht zu Lasten der jüdischen ReiigionsgeseMschaft oder ihrer Leiter; er sei vjeilimehr von Angehörigen einer Jüdischen Geheimsekte.— die zu nennen man seiIibstver-> . stähdilich unterläßt ■.— begangen. Dieses vermeintliche Schutzmittel hat ©pfreuflicherweise nicht gewirkt. ,yDer Stürmer" ist beschlagnahmt und ein Verfahren wegen R e 1 i g i o n s.ib e s c h i m p if u dg... usw. eingeleitet worden. Anscheinend weiß aber, Herr Dr. Ley, daß eine .Beschlagnahme eine recht gute Reklame bedeuten kann. Und so wärmt er das Märchen auf und .bringt mit seiner. Üeberschrift „.Daube von Juden geschächtef", am 28. Oktober in seinem.. „Westdeutschen Beobachter" «die Behauptung, daß der getötete Gymnasiast einem RituaJmord zmni Opfer gefallen .sei* Damit aide njie»drigen.. J«st*nkte. -Nahrung erhaiten, wird, der Aufsatz, m^, ^in©niK,.piildeA. ilhistriiert: Vier Juden mit wi^/erlic h e n Fratzen halten den nackten S c h'iile r, ' üb e r e i ji e n B p t t i c h; eimer; ih&t ihm gerade 'dib Kehle :durcHg«srcin^«.t'ten; iierig fängt ein anderer'das soliön strömende Btot ab, während ein sechster berdtis' auis' einer Schale das Biiut schlürft. Und das alles in einer Syriägoe im Glanz des-Da vid-* Stern.; Kein Zufall -meint das Biatt, daß die Untersuchung gerade Beamten des Berliner Pofeeipräsiiderifen Doktor;<W e i ß überlassen wurde;* kein Zufall, daß der „R a s s e niude" Staatsanwaltschaffcsrat Ro.seubaum die Anklage. [vertritt. „AJlhida frohlockt", . daß es gelungen sei, eiinen iunschuldigen; Hüsmäuii;':zu verdächtigen, während' das ■Biiut in der „Synagoge von H . .'." Jaufibew/ahrt wird. JDr. Reicbmann stellt die präge, oh der preußische .Lamditag.. den Abgeordneten Dr. L e y attsMeffe-rai ' wird. ' Sicher ist das'raciht. ... Das Borkum-Lied wird weiter gesungen . Berlin, i 2. November. Dem Geineindeausschuß des Nordseebades Borkum lag ein Antrag des Vorsitzenden des Gemeindeausschusses vor, von der nächsten Saison ab das Spielen des Borkum-Liedes, des bekannten antisemitischen Hetzliedes,, zu verbieten. Die Badedjrektiorr hatte die Annahme des Antrages dringend empfohlen. Der Antrag wurde mit 9 gegen \.6 Stimmen abgelehnt^; worauf die sechs überstimmten Gemeindevertreter ihre Aeinter niederlegten und d,en Saal verließen mit der Erklärung, daß sie die aus dieser Ablehnung sich ergebenden, Konsequenzen nicht zu trägen vermog'en. TUCHHAUS 0 I WIEN,!. I i Ertlsasse 4 und j 1 Kramergasse 11 1 | Telephon ü 25-2-57 | | Import Original englischer und | 1 schottischer Herren' u. 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Dieser General, ein Katholik, habe es wohl als mit seinem katholischen Gewissen für vereinbar erklärt, einer Partei anzugehören, welche die Ausrottung der Juden fordert, könne es aber nicht dulden, daß die jüdischen .Grundlagen der päpstlichen Kirche erschüttert werden. Als Hitler, der gerne mit einem General paradiert, Epp aufgefordert hatte, seinen Namen auf die hakenkreuzlerische Kandidatenliste zu setzen, habe dieser als Preis, die Opferung des papstfeindlichen Dinter gefordert. Die Lünebürger Synagoge abermals geschändet und , ausgeplündert. Berlin. (J. T. A,) Die Lüneburger Synagoge, die voi einiger Zeit von Hakenkreuzlern in der rohesten Weise geschändet und beschmutzt wurde, ist nun neuerdings das Opfer von Vandalen geworden. In der Nacht von Dienstag zu Mittwoch drangen, wie aus Lüneburg telegraphiert Wird, unbekannte Täter durch ein Fenster in die Synagoge ein, brachen die Schränke auf, rissen die Vorhänge vot den heiligen Laden.herunter und beschmutzten das Innere der Synagoge iri geradezu unglaublicher Weise; Es ist der Polizei'bis jetzt , noch .'nicht gelurtgeti., der Täter,habhaft zu» werden. Der amerikanische Herausgeber der „Protokolle" und Schützling von Ford stiehlt eine halbe Million Dollar. Aus New York wird uns geschrieben:' In Boston wurde dieser Tage der seinerzeit, vielgenannte Herausgeber der englischen .Ausgabe der berüchtigten. Sammlung von Fälschungen und Verleumdungen gegen, das Judentum, der „Protokolle, der Weisen von Zjon", Norman H. W h i t e, wegen überwiesenen Diebstahls, von rund einer halben Million Dollar zu mehrmonatigem Kerker verurteilt. Die Tatsache, daß White seinerzeit die Heraus1gäbe der Protokolle übernommen hatte, war für die amerikanischen Juden um so beunruhigender, als White damals auch in der Politik eine große Rolle spielte und von der republikanischen Partei als Kandidat für den Gouyerneurs!- posten des Staates Massachusetts nominiert worden war. Mehrere Wahlperioden hindurch war White Mitglied des amerikanischen Kongresses. Außer White hatte sich in ganz Amerika kein zweiter Verleger für« dieses verleumderische Schandwerk gefunden. White hatte Sich auch sonst als gefährlicher Verleumder und Scharfmacher bewährt. Während des Weltkrieges erschien dieser saubere Ehrenmann vor dem Kriegsausschuß des Senats mit der Anklage, daß in New York allein 32.000 niehtregistrierte Fremde leben und der Republik großen Schaden zufügen. Man mußte formell auf seine Beschuldigung eingehen, doch schon wenige Tage später erklärte der Generalprokurator des Staates New .York,' Gregory, daß White entweder ein Narr oder ein bewußter Lügner und Verleumder sei. White war zur Zeit, als er die antisemitischen Protokolle veröffentlichte, ein Freund Henry Fords, der ihm für seine antisemitische Propaganda große Summen zur Verfügung stellte. . Verband radikaler ZSonistew Wegen technischer Hindernisse entfällt dkl nächste MiUwQcbversammbjBg