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Die neue Welt · 1928-11-02 · Heft 59 (2.11.1928) · page 10

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 59 (2.11.1928)
Date
1928-11-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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SMto'JÖ DfE NEUE WELT Ife. W Die Tribüne. B4n Sprechsaal für unsere Leser Roter Antisemitismus. Wir erhalten aus Graz folgende Zuschrift: „Sehr geehrte Redaktion! Der sozialdemokratische Grazer Gemeinderat schreibt die Stelle eines Schularztes; aus. Wie Sie sich aus dem beiliegenden Zeitungsausschnitt überzeugen können, wird von den Bewerbern Nachweis der deutschen Stammeszugehörigkeit gefordert. Damit scheiden natürlich alle Juden als Bewerber aus. Dabei heißt der sozialdemokratische Herr Bürgermeister Muchitsch! Ein Muchitsch verlangt Nachweis der deutschen Stamme:: Zugehörigkeit! .Wie hat er seinen Nachweis erbracht? Es wäre allen Juden von Graz zu empfehlen, sich bei dem nächsten Wahlen lieber der Abstimmung zu enthalten, als diese verkappten Hakenkreuzler zu wählen. Hochachtungsvoll A. N." Antwort der Redaktion. Diese Form einer Stellenausschreibung ist nicht nur antisemitisch, sondern auch gesetzwidrig. Es handelt sich um eine öffentliche Stelle. Nach den österreichischen Gesetzen muß die Bewerbung um solche Stellen allen sonst qualifizierten Staatsbürgern möglich gemacht werden. Es wäre vielleicht angebracht, wenn die Grazer Judengemeinde den Versuch unternehmen würde, als berufene Vertreterin der Grazer Judenschaft diesen Fall auf gesetzlichem IWege zu verfolgen. . ': *; 4 Der Taufjude als antisemitischer Clown. Zu dem Falle des getauften Juden und Nationalratesj Dr. Arnold E i s 1 e r, welcher sich in seiner letzten Parla-i mentsrede antisemitische Ausfälle leistete,' was in unserem Blatte unter obiger Spitzmarke gebührend gewürdigt wurde, erhalten wir folgende Zuschrift: Geehrte Redaktton! Ich kann Ihnen mit einigen Details zum Falle Dr. Eis ler dienen. Dieser stramme Sozialdemokrat und getaufte Antisemit war durch zehn Semester Mitglied der Boskowitzer zionistischen Verbindurig .„Lätitia" und zionistischer Agitator. Dann kam er, in die Advokaturskanzlei des Brünner Sozialistenführersl Dr. Czech. Als die damals junge Grazer sozialdemon kratische Organisation einen Parteianwalt suchte, empfahl ihnen Dr. Czech seinen strebsamen Konzipienten Doktor Eisler. Die Grazer Genossen aber antworteten, daß sie einen Juden nicht brauchen können. Darauf beeilte sich Dr. Eis'ler, seinen störenden Geburtsfehler radikal zu beseitigen und ließ sich taufen, samt; seiner Frau Gemahlin, einer Brünner Jüdin namensl T.eller. Dann war er den Grazer Genossen willkommen, machte Karriere und wird noch jetzt von den Grazef Juden gewählt. Hochachtend D. F. Bemerkung der Redaktion. Der rjall Eis ler. reiht sich würdig an den Fall Muchitsch.' Die . Grazer Juden täten wirklich gut daran, bei der Auswahl ihrer, parlamentarischen Vertreter etwas vorsichtiger! zu sein. Theater und Kunst. Grabbe im Carl-Theater. „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Beden tu ng." Der Ernst und kainsitöerische Wille, mit dem das bisher, von allen guten Geistern verfassen gewesene Carl- Theater, sich der ein Jahrhundert alten Komödie Grabbes angenommen hat, ist ein Lichtblick im Wiener Theater- Ieben, dessen Hofönungdosiiffkeit kaum mehr geholfen wexden kann. :Dem Ungeist der beginnenden Heribstsaison hat das Carfl-Theater Geist entgegengesetzt, die Blitze eines fanatisch wahren und tiefen Dichters, dessen dramatische Formen alle Formeln aind Thesen und Bütroenrechnungen sprengen. Schade, daß die Mutlosigkeit, die das Carl- Theater nach fehlgeschlagenen Wochen übersahen hatte, zum,Teil, auch in dieser Gra^be-Auifführung zu spüren war: Der Regisseur KarJ Behr hatte weder die literarische Strenge, Graibbe originalgetreu zu spielen, noch die Verwegenheit, ihm von unten 'bis dben, von innen und außen durch radikalste Aktualisierung „Zeitetil" zu geben. «»So blieb bei allem Schielen zwischen OriginaJ und Bearbeitung nur St'ückwerik übrig, aber selbst als solches noch stark genug, den Atem eines Stürmers und Dramgers spüren zu lassen. Dem szenischen Rahmen fehlte es nicht an Scherz und Satire, auch die Musfküfoerlertoin'gen, von Neckamm ausgezeichnet exekutiert, waren imstande, den Zauber Grahheschen Tiefsinnes geiäWig au verschönern. Wenn auch nicht mitder Dämonie der Grafabescfaen Figuren ausgestattet/fanden sich doch die Darsteller im ganzen und großen, vom Regisseur gut beraten, in den Höhen und TMen der Dichtung zurecht: Lorre, WHtmanu, Streitmarin, Berisch boten durchaus charakteristische Figuren und lassen deutlich einen Aufstieg erkennen. Bndlich ein Abend, der die Umwandlung des Carl-Theaters hi eine Sprechbuhne rechtfertigt. \ . Das Publikum war leider eistofbl, eine Welt lag zwischen Bühne und Parkett. Vielleicht, daß die Wiener Kritik, die den großen deutschen -Dichter Ch. D. Grabbe verstaubt, aber ödesten Operetten- und Jangonkitsch modern iindet, diese Trennung vertieft hat. Es'ist doch ein Unterschied zwischen einem Redakteur der .yArfoeiter-Zeitung"", der Revolutionsreportage betreibt, und einem großen, wenn auch toten Dichter, der sich ao Propaigandaizwecken nicht exploitieren läßt! — Oder soll am Bnde im Carl-Theater eine Operettenkonfektismümeieaisbe*?: , o. r. Das Jüdische Akademische Theater und die Sowjetregierung. Die Berliner Zeitung „Montag Morgen" behauptet, von unterrichteter Seite erfahren <m< haben, daß der Direktor und Regisseur des Moskauer Jüdischen Akademischen Theaters, Alexis Granowsiky, sich dauernd in Berlin niederlassen will. Granowsky sei vor einigen Wochen aufgefordert worden, sein Gastspiel abzubrechen und nach Moskau zurückzukehren. , Nachdem Granawis'ky sich aien Wünschen der Sowjetregierung unterworfen hatte und sogar unter schweren materiellen Opfern, die sein Unterneihmen in Berlin in ernste Verlegenheit brachten, auf ein Gastspiel in New York, das bereits vertraglich vereinbart war, verzichtet .hatte, wurde ihm jetzt durch einen besonderen Beauftragten, Herrn Paladni, die Mitteilung gemacht, daß die Sowjetrißg i e ru ng beschlossen hab e, idti e staatlich e Subvention für die G r a n o wslky-Buhn e einzustellen. Da die Erhaltung eines Theaters ohne Subventionen in Sowjetrußland gegenwärtig unmöglich ist, hätte Grauowsky beschlossen, nicht mehr nach Rußland zurückzukehren. Auf eine Anfrage des ITA-'Vertrctcrs erklärte Herr Direktor Alexis Granowsfky, daß die Mitteilungen über seinen Bruch mit Moskau den. Tatsachen nicht entsprechen. Wahr ist, daß bezüglich des Amerika-Oas'tepielles Di ff erenizen zwischen ihm und dem Vol|ksbiildungskommissariat der Sowjet-Regierung bestanden haben, die aber gerade durch Herrn Paladni, den Bevollmächtigten des Volkskommissars Lunatscharski, bereinigt worden sind, so daß die Truppe das Amerika-Gastepiel durchführen wird. Der Dybuk am Nationaltheater in Sofia. Das bulgarische Nationalttheater in Sofia bereitet das bekannte Stück von An—ski — „Zwischen zwei Welten" (Der Dybuk), übersetzt von W. Spetter, Vorsitzenden des Kulturellen Vereins „Schalom Mechern", vor. Mit der Regie-dieses Stückes ist der junge talentvolle Regisseur Ohrissan ZanWoff beauftragt, der sich die größte Mühe gibt, die judischen Typen und Ri'toiaibräuchc richtig darzustellen. Jüdisches Theater. (Das Jüdische Theater, das früher im Hotel Stefanie spieüte, hat vor einem Monat in der Rolandbühne endlich einen entsprechenden Saal gefunden. Innerhalb dieser Zeit wiesen die 31 Vorstellungen 18.532 Besucher auf, ein Zeichen, daß bei 'guten (künstlerischen Leistungen sich ein großes ständiges jüdisches Theater in Wien erhalten 'kann. Im November beginnen bereits Gastspiele namhafter jüdischer Künstler. Wocfienspielplan Im Jüdischen Künstlcrkäbareü. Im Jüdischen Künstlerkabarett (II., Praterstraße CO) gelangt heute „Die B r i 11 a ntendame", Lebensbild in drei Akten von J. Zalatarewsky. Musik von Sch. Sekunde, zur Erstaufführung. Samstag, Sonntag und Montag wird die Novität wiederholt. Dienstag „Theater im Theater". Lebensbild mit Gesang in drei Akten von N. Raköw. Mittwoch und Donnerstag „Sträfling 1305", Lebensbild in drei Akten von Max Gebel. Jüdisches Theater (Rolandbühne), II., PraterstraOc. Wochenprogramm: 2. bis 4. November: Erstaufführung „A Tug nuch der Chasene", Komödie in drei Akten von Kanapof. 5. November: „Die Weibe r", Komödie in vier Akten von Schorr mit L. G 1 ü c k s m a n n. 6. November: „S c h i r Haschirim", Komödie in vier Akten von Schorr. 7. November: „ATugnuchder Chasen e". 8. November: „Die Mime von Lember g", Komödie in drei Akten von Leresco. Beginn täglich S Uhr. Volkstümliche Preise von S 1 bis 4. Predigten. Heute werden bei dem um 4 Uhr 30 Minuten beginnenden Abendgottesdienst in nachbenannten Gcmeindetempeln Predigten ab* gehalten, und zwar: II., Tcmpelgasse 5 (Rabbiner Dr. M. Gnmwald; XVIH., Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. D. Feuchtwang). Morgen findet bei dem um 8 Uhr 30 Minuten beginnenden Morgengottesdienst im Gemeindetempel XXI., Holzmeistergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Rosenniann) ein exegetischer Vortrag statt. Morgen, 3 Uhr nachmittags, Jugendgottcsdienst in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen. Vereimnachrichien. Jüdisches Zentrum der Sozialen Hllisgeinclnscliait, II., Untere Äugartenstraße 35. Anmeldungen für den Kindergarten täglich von 2 bis 3 Uhr im Sekretariat, II., Untere Augartenstraße 35. Kurs für schulpflichtige Kinder täglich von halb 3 bis 6 Uhr nachmittags. Schulnachhilfe für Volks- und Hauptschule, Handfertigkeitsunterricht, rhythmische Gymnastik, individuelle Behandlung (Heilpädagogik). Leitung Berta Blankstein. Anmeldungen täglich von 2 bis 3 Uhr nachmittags im Sekre-; tariat, IL, Untere Augartenstraße 35. Hebräisch für Anfänger Montag und I Mittwoch von 7 bis 8 Uhr. Für Vorgeschrittene Montag und Mittwoch j von 8 bis 9 Uhr. Anmeldungen für diese Kurse werden noch entgegen- ] genommen. Jugendgottesdienst Samstag, 3 Uhr nachmittags. Gäste herzj liehst willkommen. I „Moadon Iwri", Wien, II., Kleine Mohrcngasso 3 (Volksbibliothek j „Zion"). Samstag, halb 8 Uhr abends, Eröffnungsvortrag. Referentin: j Frau Dr. Waldmann. Thema: Rabbi Eliezer ben Hyrkanas. Hebräisch j sprechende Gäste willkommen. Gleichzeitig wird bekanntgegeben, daß j ein hebräischer Chor unter der fachmännischen Leitung des Dirigenten Herrn Kühn, eröffnet wurde. Anmeldungen werden vor und nach dem Vortrag entgegengenommen. Zionistische Sektion XX. Heute Talmudvortrag Isak Scbönfeld. Sonntag Teeabend. Vorlesungen von Herrn Dr. F. Feder und anderen Kräften. Dienstag Vortrag Dr. Chaim Tartakower über „Der Weg der zionistischen Jugend" mit Debatte. Alle Veranstaltungen im Heime, XX., Jägerstraße 30, halb 8 Uhr abends, bei freiem Eintritt auch für Nichtmitglieder. Zionistische Frauengruppc IX. Die Generalversammlung findet Dienstag, den 5. November 1928 um halb 5 Uhr nachmittags im Klubzimmer des Cafe Bauernfeld, IX., Liechtensteinstraße 42, statt. Zionistisch-Akademischer Verein „Bar Kochba". Die Konvente finden von nun an jeden Samstag um halb 9 Uhr im Klubzimmer des Caf6 Schaller, XIX., Döblinger Gürtel 2. statt. Das nächste Referat lautet: „Der Völkerbund und das Palästinamandat." J. V. „Erez Israel", Wien, IL, Zirkusgasse 33. Samstag, den 3. November d. J., um 4 Uhr nachmittags, Vortrag mit anschließender Diskussion. Gäste herzlich willkommen. Für die hebräischen Anfänger-, Mittel- und Fortgeschrittenenkurse, welche bereits begonnen haben, werden noch einige Anmeldungen entgegengenommen. Zionistische Sektion Prater. Heute, halb 8 Uhr abends, Chumasch- Vortrag, auch für Nichtmitglieder zugänglich. Hebräische Schule der zionistischen Sektion, VIII., Bennoplatz 1. Das fünfte Schuljahr wurde am 15. Oktober eröffnet. Die Kurse finden täglich statt, gesondert nach Kenntnissen und Altersstufen. Neuanmeldungen täglich von 6 bis 8 Uhr abends im Heime, auch telephonisch (Nr. A 26-2-69). Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler, Wien, IX., Türkenstraße 9. Im Rahmen unseres Konvents spricht Samstag, den 3. November, um 8 Uhr abends, A. H. Dr. Oskar K a r b a c h über „Die Wirtschaft in der jüdischen Bewegung". Verband der Zlonlsten-Rovlsloiilslen. Donnerstag, den I. November, um halb 9 Uhr abends, im „Arkaden-Cafe", I., Universitätsstraße, wichtige Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Die dritte Weltkonferenz der Zionisten-Revisionisten in Wien. In der Volksblbliothck „Zion", IL, Kl. Mohrcngassc 3, werden Seminare für Tanach und Talmud eröffnet. Hebräischsprechende Teilnehmer mögen sieb im Sekretariat täglich zwischen halb 7 bis halb 9 Uhr abends melden. Der erste Seminarabend findet in der ersten Novemberwoche statt._________________ Urteil! Friedrich Schreyvogd schreibt . . . Qinodont ist das Ideal für die Mundpflege und benütze es täglich und erWäre, nie etwas Besseres Runden zu haben. E DIE MUTTER Roman von Schalom Asch. Copswfght by Dr. Präger-Pressedienst, Wien. (27. Fortsetzwitg.) Dwojre schämte sich einzugestehen, -daß sie Przyibyszewski nicht gelesen hatte und sab daher eine ausweichende Antwort: „Ich halbe eine Menge jiddischer Bücher gelesen, ach weiß nicht, ofb Przybyszewski auch darunter war." »Oh, Sie (müssen mit 'Freier bekafunt werden, es gibt kein Buch, das er meint gelesen "hätte" — sagt die ältere Schwester. Ihre Wege trennten sich, sie nahtnen Abschied und versprachen, oimnäter (bei der nächsten EmgBsoh- Lektion zu treffen. Als am nächsten Tage Dwojre!n die Schule kam, wurde sie von Rosa wie eine afte -gute iBrewndm 'begrüßt. „Haibett Sie 'schon eine Stelle?* „Nein," — antwortete Dwojre — „es äst sehr schwer Arbeit zu bekommen," „Wissen Sie was, kommen Sie zu uns arbeiten! Ich habe mit der Mutter gesprochen. Wir arbeiten selbständig, für Privatkunden, wir könnten Ihnen Arbeit geben." Dwojre sah sie damikibar an. Sie konnte nicht gileich begreifen, und bißckte Rosa mit ihren großen, fragenden Augen an,: „Meinen t Sie das ernstl?" — fragte sie tmglätubrg. „Natürlich, ich" werde doch nicht scherzen! Wir brauchen noch eine ,Band'; kommen Sie zm nns, da werden Sie sehen, ob es Ihnen zusagt." „Das ist gut." „Gewiß ist's gut, Sie werden ja sehen, ob" es Ihnen bei uns gefällt." „Selbstverständlich' wird es mar gefadlen, ich t»n Ihnen winklich daniWbar." „Wir wohnen* nicht weit von hier, ©ieich bei der E-Aveirue, notieren Sie sich 'die Adresse." Mit glühenden Wangen und gMirzenden Augen kam Dwojre heim. Ihre Locken hüpften über das giai&ze Gesicht vor Stote. „Mutter," — rief sie — „ich habe eine Stelle. 'Morgen fange ich an." „Gott geb's für lange Jahre!" — gab die Mti-tter, die gerade 'das Geschirr wiusoh, ihren Segen. Am nächsten Morgen ging Dwojre zw ihrem neuen Anbeitsplatz. Er war so, wie ihn die M'ädchien geschildert hatten. Sie •bewohnten mit ihrer Miutter eine Wohnung aus einigen Zimimern im dritten Stockwerk. Im „parloor" standen einige Nähmaschinen, an denen die Mädchen arbeiteten. Dwojre wurde von einer gutmütig breiten fäten begrüßt, der Rosa sie vorstellte. „Siehst du, Miutter, das ist unsere neue GeMftn. Sie heißt Dwog're und ist: laus Polen." „So? Amis weicher Stadt bist du, inein KM" — fragte die Mutter, die aille Leute duzte. „Aus Gostynin." „Dort hat eimmal eine Tante von imfir gewohnt. Sie war eine sehr fromme Frau. Sie leibt schon gewiß nicht mehr, dias härranlissche Paradies soW ihr leicht sein." „Frag* nur, Mutter, fragf nur, wir werden b'ald verwandt werden." ,yAber geh', sie wikd sie «fehlt kennen, das ist nicht ihre Generation." In diesem „Shop" 'ging es ganz anders zu wie im früheren, in dem Dworje gearbeitet hatte. Es war kein amerikanischer Shop, sondern eine Werkstätte wie in der alten Heimat. Die Mädchen arbeiteten Kleider für Privatkunden, vorwiegend Warschauer Landsleute, die sie noch von der Heimat her kannten. Man, arbeitete und. wurde nicht gehetzt. Bei der Arbeit wurde gesungen, und die Mutter, die 'Stets etwas zu kochen hatte, brachte von Zeit m Zeit in die Wenkstätte einige gute Bissen, „um das Herz m erquicken". Bald (brachte sie Obst, bald Bäckerei, baid ein Stückchen Lebkuchen heim und sagte in aMvertrau-tem Ton: „Kinder, hab' ich Aepifel -gekauft, wie daheim, es ist ein Vergnügen, sie anzusehen; da, versuchet!" Manchmal reichte sie auch türtten am Tage einen TeMer Suppe. „So söllit ihr leiben und gesund sein,, Kinder, wie ihr die Suppe versuchen müßt. Ich koche da eine Suppe, die kann ein König essen." Dabei 'machte die Mutter kernen Unterschied zwischen ihren Kindern und den fremden Mädchen. Am Nachmittag kam ein junger Mann herauf, beleibt, mit kurzen Beinen, in einem zu kurzen und zu engen Anzug, der 'stets zu platzen drohte. Die Mädchen stellten ihn Dwojre als ihren Landsmann vor. Der junge Mann nahm neben den Mädchen Platz und zog eine Schachtel Schokolade aus der Tasche; die teilte er unter der Bedingung auf, daß er sie den Mädchen, selbst in den Mwnd legen dürfe... Nachdem diese Prozedur beendet war, begann er den Seidenstoff, an dem die jüngere Schwester arbeitete, von ihrem Schoß zu ziehen und spielte mit ihren Händen, <bj§ <üe Hingere .sagte, m ibäbe Koirfscßmer-

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