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Die neue Welt · 1928-11-02 · Heft 59 (2.11.1928) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 59 (2.11.1928)
Date
1928-11-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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<r Preis 30 Groschen -■M} |^ W« D« Da BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc. 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. REVUE BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Balgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweix und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4*0. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A2S-2-82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 2 Freitag, den 2. November 7928 Nr.59 Unter der Knute des Bolschewismus Fortsetzung Seite 4 Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Aus dem Inhalte : —y: Zum 2. November. Der Kampf um die Wiener Judengemeinde. r. st.: Die Schlemihle von Massena. Abraham Goldfaden. (Zum 20. Todestag des Begründers des jüdischen Theaters.) Dr. Nahum Zamonsky: Judenstaat und .Parlamentarismus. ■ ' # Die Bilanz der ungarischen Pogromweile. Die Klägemauer. Aus Palästina. N. R., Warschau: Brief aus Polen, o. r.: Die große Mode. Das .Staatsjubiläum der tschechoslowakischen Re- Aus der Jüdischen Turn- und Sportbewegung: Erfölge der jüdischen Amateur vereine in der Meisterschaft. — Zwei Meisterschaftsspiele des F. C. Hakoah. — Die Grazer Hakoah führt. Die Tribüne. Austritte aus dem Judentum. Schalom Asch: Die Mutter. Sctmlom Alechem: Komödianten. Deutschland und der Zionismus. Mitteilungen des Grafen Bernstorff. . . . In einer am 23. Oktober in München abgehaltenen jMischen ' Versammlung sprach Colone! Wedgwood über die jüdische'Palästina-Arbeit und .ihre politischen Bedingungen. Er wiederholte mit Nachdruck die Forderung na eh der j ü d i s c h e n Mehr Ii e i t 1 >m La n d e.* 'Nach Verlesung des Begrüßungsschreibens von Prof. Albert E, i n s t e i .n hielt Graf B e r n s t o r Ii f ' eine Ansprache: „Ich war", führte er aus, „im letzten Jahre des Krieges Botschafter in Konstantinopel und habe dort für die deutsche Regierung die Verhandlungen geführt über die Gründung einer nationalen Heimstätte für die Juden in Palästina. Wir' wollten nämlich, wenn der Krieg anders ausgegangen wäre* da s gleiche tun, was heute von der anderen Seite: geschieht. Sie liaiben vielleicht das Gef äihl,' d as ik ö nn e m an je tat leicht sagen; ich kann Ihnen aber sehr viele Zeugen aus den zionistischen Kreisen' anführen, die damals täglich bei mir ein- und ausgingen.-r Alls : ich damals monatelang mit dem Großwesir verhandelte, schloß er die Unterredungen jedesmal mit 'den Worten: „Ja, wir würden es z-war Ihnen zuliebe gern fü'n, aber ich sage Ihnen, wenn wir es versuchen, ■werden die Juden alle von den Arabern totgeschlagen werden. Ich betrachte es als ein erfreuliches Zeichen für den Fortschritt der Beziehungen der Völker untereinander, daß es ohne solche 'Kämpfe abgegangen ist. Wenn wir heute ebenso wie unsere englischen Freunde für die -Durchführung der Palästina-Koionisaition eintreten, so tun wir es, weil wir wissen, daß mit dieser. Arbeit kein neuer Chauvinismus (begründet wird. Wir sehen es als ein Werk der Versöhnung der Völker an, an dem alle Nationen mitarbeiten können, und wir sehen es als ein großes soziales Werk an, durch das Tausenden von Menschen Hilfe gebracht wird." Dr. Bernstorfif cnklärte zum Schluß, er habe sich der Arbeit in Genf als ein Vertreter Deutschlands im Völkerbünde ganz und gar gewidmet, und er beteilige sich an dem Palästina-Wenk als einem Teil des Gesamt) werk es >dcs Völkerbundes triit seiner gauizen Kraft solange er dazu fähig ist. Die Jewish Agency. Die Konferenz der amerikanischen Nichtzionisten, Die J. T. A. meldet: Die in-^ew York abgehaltene Konferenz der Nichtzionisten zur Erweiterung der Jewish Agency nahm einstimmig einen Beschluß an, laut dem Herr Louis Mars hall beauftragt, wird, ein siebe n gl iedr ig es O r g a n i s a|i o n s k o mi t e e zu er--' nennen, welches die Aufgabt'fWtif&enA soll; die",amerikanischen Persönlichkeiten für den .hichtziönistischen Teil -•'des Rates und der Exekutive der Jewish Agency auf Grund des Abkommens zwischen Dr. Weizmann und Louis' Marshalt namhaft zu machen. In der Resolution wird ferner, bestimmt, daß das amerikanische Organisationskomitce auch hinsichtlich der nichtzionistischen Agency-Mitglicder aus den anderen Landern befragt werden solle, in Uebereinstimmung mit dem Grundsatz, daß die Hälfte aller Jewish Agency-Mitglieder aus Nichtzionisten bestehen und daß 40 Prozent dieser Nichtzionisten von den Vereinigten- Staaten gestellt werden sollen. Das Organisationskomitec hat ferner die Aufgabe, unverzüglich eine Organisation zujr Durchführung der in der Hauptresolution skizzierten Ziele und zur Führung der Verhandlungen einerseits1 mit der Zionistischen Organisation, andererseits mit den verschiedenen nichtzionistischen Körperschaften ins Leben zii rufen. Das Organisationskomitee hat schließlich den Auftrag, mit autorisierten Vertretern der Zionistischen Weltorganisation zu verhandeln, um die 'hinsichtlich der Inter-' pretation und Ausführung der Vorschläge und Empfehlungen der Expertenkommission bestehenden verschiedenen Auffassungen, und zwar solche, die sich bereits ergeben, haben oder solche, die sich noch ergeben könnten, zum1 Ausgleich zu bringen. Ebenso ist das Organisationskomitee ermächtigt, einen Ausgleich der Differenzen zwischen dem Bericht der Kommission und den Vorbehalten des Aktionskomitees der Zionistischen Organisation her: . beizufiihren. * Der (Beschluß zeigt, daß die Erweiterung der Jewisli- Agency, die-doch schon in diesem Jahre 'hätte Tatsache sein sollen, noch zumindest ein Jahr auü sich wird warten lassen. Es ist eine sehr umständliche Prozedur beschlossen worden. Das Siebenerkomitee wird die -Mitglieder aus Amerika vorschlagen und auch, auf die Ernennungen aus anderen Staaten Einfluß nehmen-. Dies alles führt es aber, wie sich ergibt, nicht selbst durch, sondern bildet erst eine ad hoc-Organisation und verhandelt gleichzeitig über die Vorbehalte des zionistischen Aktionskomitees, die also nicht bereinigt sind, sondern noch weiter bestehen. Bei einer sehr optimistischen Schätzung der für alle diese Pour-par'lers notwendigen Fristen gelaugt man zur Berechnung eines Zeitraumes von etwa einem Jahre, der sich aber auch noch weiter ausdehnen kann. Innerhalb dieser Frist liegen die Lasten des Atribauwerkes auf den Ztonisten. Nichts In de<m Beschlüsse deutet auf eine .materielle Stützung hin und es fehlt auch jeder Hinweis darauf, wie es sich in Zukunft damit verhalten wird. Jn der Konferenz erklärten die Herren Frankel und Lipmann, daß es möglich sei, 'innerhalb von 20 Jahren ein e h-srlfo-e Mffrf i<Hi Juden neu m Palästina anzusiedeln. Das klingt, wenn man die Beschlüsse ansieht, wie ein Scherz. Die Herren haben nichts darüber erklärt, wie man die Kosten für eine solche Siedlung deckt. Und sohin ergfbt sich, die Situation, daß alles beim alten bleibt. Die Vorfälle an der Klagemauer. Die Petitionen an den Völkerbund. - Aus Jerusalem, 28. Oktober meldet die ITA'.: Die zionistische Exekutive Palästinas und der Waad LetKrri haben ihre Petitionen an den Völkerbund in der AngeJeigenheit der Klagemauer bereits nach Genf übersändt. Äüch das. palästinensische Oberrabbinat hat eime Pejitic^^der Mandätsikornimisision des Völkerbundes überreichen, fassen. ' Das Organ des Obersten Rates der Moslems'- Jamea" Öffnete dorn früheren Vertreter des Waad^£eö*ni bei der Zion.Exekutive, Herrn K ailvar-isiky^ die Spalten zu einem Appell an die Moslerniten, an welchera;1^0- T '.t-; vi (T/^pfc^ V; .■ * \: varisky für Frieden zwischen Arabern und Juden plaidiert und zur Einigxiug in der Frage der Klagemaneri'äufförd«i''t. Die Konferenz des Obersten Rates der Moslems. wurde aus taktischen Gründen auf den 1. November' <re-rs c h ob em.;'..■' •' 'Die Regierung traf Anstalten tzur Wahrung von^Rühe und. Ordnung im Laude. Die arabischen Ueberfälle. Aus J e rusa 1 e m, 21. Oktober, meldet die JUTV A.: Als sich gestern (Samstag) morgens die ersten jüdischen Andächtigen vor der Klagemauer zum Gottesdienst; ehvi fanden/ erschien eine Gruppe Araber und forderte die Juden auf, Stühle und andere an der Mauer befmdliche1 Gegenstände zu entfernen. Als die Juden sich weigerten^ der Aufforderung Folge zu leisten, fielen die Araber über sie her und verprügelten sie. Ein Jude namens Isaacj •M ist ach i wurde so schwer mit ein e r Eis en sta n.g«! geschlagen, daß er schwere Kopfwunden davontrug. Zwei der Araber wurden verhaftet und vom Gericht sofort zii je 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Sie legten gegen das Urteil Berufung ein. (Weitere, Nachrichten siehe im Innern des ölat-tetsO . Der Gladbecker Mord war ein Ritualmord! Die völkische, nationalsozialistische und zum; Teil auch, die deutschnationale Presse waren in ihrer Berichterstattung über den Prozeß gegen den Abiturienten Hu ßmann, der vor dem Essener Schwurgericht angeklagt war, seinen Abifurientenkollegen Daube durch Halsschnirß getötet und dann die Leiche in grauenvoller Weise geschändet zu haben, mit ihren Sympathien deutlich auf der Seite des angeklagten Hußmann, der dem Stahlhelm angehört. Nunmehr will die antisemitische Presse den Mordfall zu einer R i t u a 1 m o r d h e t z e ausnützen. Wie aus Köln telegraphiert wird, ist der von nattonalsozialistjächehi Abgeordneten Dr. L e y redigierte „Westdeutsche Beobachter" polizeilich beschlagnahmt worden, weil er einen Leitartikel mit der Ueberschrift: „Daube vron Juden geschächtet", sowie auf der Titelseite eine Zeichnung „ein Ritualmord" gebracht hat. Beide Darstellungen gaben Grund zum Verbot des eine Pogromstimmung vorbereitenden Blattes. Das WFRy Jeder Küche M.XM-JM.%MJ fej. odci bCSUClKIl SiC ferGeS ^TlSto^ SS»

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