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Die neue Welt · 1928-10-05 · Heft 55 (5.10.1928) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 55 (5.10.1928)
Date
1928-10-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 30 Groschen k V. b. b, BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc. 15 —; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. E V U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatÜ$k\.ilt,. Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien mom^gt\% lieh Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; ItaHetf^.^ monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: Ä25-2-82 — Erscheint feden Freitag Jahrgang 2 Freitag, den 5. Oktober 1928 Nr. 55 Der Sturm auf die Klagemauer. sd*s. Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltfliehen Notizen sind furch ein beigefügtes E bezeichnet. Ans dem Inhalte: Professor Dr. Josef Frank: Palästina im Aufbau. Katholisches. Z. Weinper: Von Chajim Wasserträger, der.Kol Nidre verschlafen hat. Die „Fremdenkontrolle" in Rumänien. Der „Weise von Zion" feiert jom Kippur. DJe Vorfälle in Oppenheim a. Rh. Wie der Antisemitismus in Sowjetrußland bekämpft wird. Erinnerung an den Homeler Pogrom. Drl Otto A b e 1 e s: Simchas Thora in Krakau. Das Judentum in Griechenland. Kossuths kleiner Tamboifr. Aus der: jüdischen Tiirnrmd Sportbewegung: Die Meisterschaft.. — f. G. Hakoah. — Die jüdischen Fußball vereine. Die Tribüne: Zur Zwangsversteigerung des israelitischen Taubstummeninstituts, Austritte aus dem Judentum. Schalöm A s c h: Die Mutter. :M*//. ■ HBBPB3HB »MMMtiiiiMijüttrftwaafB«») grom in Wien. Aufreizung zu Mord und Brand. Die Wogen der allgemeinen Verhetzung in Oesterreich gehen hoch, die bewaffneten Bünde stehen einander in voller Kriegsbemalung gegenüber und so melden sich auch die Hitler-Leute wieder an. Aus irgend einem Propagandaschatz'„Für den Kampf um Wien", dessen Quellen nachzugehen notwendig werden wird, veranstalten sie Versammlungen. Die Einladungsplakate sind sehr auffallend. In einem von wüsten Drohungen strotzenden Text sind Worte wie „Pogrom",' „Angriff der Hakenkreuzler auf das Wiener'Ghetto" durch faustdicken Druck hervorgehoben. Mit. Rücksicht auf die Situation in Oesterreich hat sich , die Preßpolizei veranlaßt gesehen, die Sache näher zu untersuchen. Es wurde festgestellt, daß das gesetzlich vorgeschriebene Pflichtexemplar des Aufrufes der Preßpolizei nicht vorgelegt worden war. \ Darauf verfügte die Staatsanwaltschaft die Beschlagnahme des Plakates, ' das überklebt .oder sonstwie unleserlich gemacht werden mußte. Zu diesem Einschreiten der Bundesbehörden steht das Verhalten des Rathauses in auffallendem Gegensatz. D i e sozialdemokratische R a tha'usmehr heit versteht es, wie bekannt, sehr wohl, Zensur zu üben, wenn sich die Beschimpfungen gegen sie richten. Diesmal geht's gegen die Juden und so zierten die . Affichen anstandslos die dem Rathaus unterstehenden Anschlagtafeln der „Wipag". Es ist dies übrigens nicht zum erstenmal. Seit mehreren Monaten sind ■ diese Aufreizungsplakate „Alarm", „Sturm", „Revolution" usw. auf den städtischen Tafeln zu sehen. Der Tempel in Wiener-Neustadt am 7. Oktober gesperrt. Für die Stimmung in Wiener-Neustadt, das am 7. Oktober mit dem Aufmarsch der Schützer der demokratischen Freiheit beglückt werden soll, ist es charakteristisch, daß der Vorstand der dortigen Kultusgemeinde beschlossen hat, den Simchas-Thora- Gottesdienst am Sonntag ausfallen zu lassen und den Tempel gesperrt zu halten. Die „Fremdenkontrolle" in Rumänien. Tausende jüdischer Familien bedroht. Im „C z e r n o w i t z e r M.tyr/g^e n b U11" weist Dr. Mayer Ebner darauf hin, daß die von der Generaldirektion der Siguranza (politische Polizei) in Bukarest' ange: ordnete sogenannte „F r e irr d e n k o ri t r o 11 e" geeignet sei, nicht allein die. wirklicHejK^iAu^lähder, in Rumänien, sondern, auch vi ele'faus ende Juden, die auf Grund des Minoritäten-Zusatzvertrages von 1919 und des Reichsgesetzes für Rumänien optiert und ein Recht auf die rumänische Staatsbürgerschaft haben, auf das tiefste zu beunruhigen. Diesen Optanten stellte die Regierung seinerzeit Staatsbürgerzertifikate aus, was zur Folge hatte, daß sie ihre Heimatscheine an die auswärtigen Heimatgemeinden zurückgeschickt und damit ihre frühere Staatsbürgerschaft verloren haben. In der Folge aber wurden die auf Grund der Friedensverträge und des Reichsgesetzes ausgestellten Staatsbürgerzertifikate annulliert und es wurde diesen sogenannten Friedensvertragsbürgern das Staatsbürgerrecht aberkannt. Mit einem Male wurde diese Kategorie von Bürgern staatenlos. Durch die nun angeordnete Fremdenkontrolle sind Tapsende von jüdischen Familien, die seit Jahrzehnten im Lande ansässig sind und ihren Berufen nachgehen, von tiefer Sorge und Unruhe erfüllt; sie sind vollständig rechtlos und schutzlos. Dr. Ebner teilt mit, daß er sich im Namen des Jüdischen Nationalverbandes für die Bukowina mit einem Memorandum an den Minister des Innern gewendet und auf die Grausamkeit wie Nutzlosigkeit der Verordnung der Siguranza hingewiesen habe. Die Ausweisung dieser unglücklichen Familien aus dem Lande würde auf das .Hindernis stoßen, daß keiner der benachbarten Staaten die Ausgewiesenen über die Grenzen lassen wird. Der ganze Effekt der Verordnung wird sein, daß tausendö unschuldige Familien monatelang in Angst und Sorge werden gelebt haben. Klebeisberg verspricht schon wieder. Die Milderung des Numerus clausus. Aus Budapest wird gemeldet: Unterrichtsminister Graf Klebelsberg empfing den ,Abg. P a k o t s, der ihm die Resolution des Budapester Stadtrates mit der Forderung nach uneingeschränkter Aufnahme der Söhne Budapester Familien an der Universität überreichte. Bei dieser Gelegenheit erklärte Graf Klebelsberg, die Regierung werde eine liberale Unterrichtspolitik einleiten, die in absehbarer Zeit die Abschaffung des Numerus clausus zur Folge haben wird. Die Beschwerden betreffend die Benachteiligung jüdischer Studenten seitens der Universitätsbehörden werden gründlich geprüft werden. Ein „besserer66 Jude. Herr Jakob Wassermann und seine fränkischen Ahnen. In einer Gemeinschaft, die jahrhundertelang roher Herrschaft unterworfen ist, muß es Knechtseelen geben. Unterdem steten Drucke werden die Schwächeren zu wirklichen inneren Knechten. Eine bezeichnende Eigenschaft dieser Kneohtseligen ist, daß sie durch Herabsetzung und Verleumdung ihrer Genossen die Gunst des Herrn zu erringen trachten, daß sie die Genossen schlecht machen, um selbst als besser zu gelten. Auch die jüdische Gemeinschaft hat in, allen Zeiten der Bedrängnis solch minderwertige Produkte hervorgebracht. Neben den Starken, welche den Leiden trotzten und für die Erhaltung des Volkes jedes Opfer auf sich nahmen, gab es immer schwache, verkommene Kreaturen, welche auf Kosten der Brüder ihr kleines, armseliges Ich in Sicherheit zu bringen trachteten. Als im Jahre 1492 die Juden aus Spanien vertrieben wurden, da n^toen die Juden des Mittelmeerbe'ökens die 'Leidenden-' liebreich auf und opferten ihnen ihr Letztes. Die r ö rn i s c h e n J u d en aber wandten sich an den Papst Alexander VI. und baten j;lm,;d^ bis;-an' die Grenzen des Kirchenstaates gehetzten 'spanischen Juden d e n E i n t r i 11 in d en Kirch e n s t a a t ■ z u verbiete n, Sie unterstützten ihre'1 Bitte mit der Behauptung, daß sich unter den jüdischen Flüchtlingen v i e 1 e z ü g e H o s e E1 emente befinden und dem Anerbieten, t a u send Goldgulden bei der päpstlichen Kassa zu erlegen, wenn ein Einreiseverbot gegen die spanischen Juden erlassen würde. Als im Jahre 1789 in der französischen National Versammlung darüber gestritten wurde, ob auch den Juden volles Bürgerrecht zu gewähren sei, als geistliche und adelige Abgeordnete die Juden als verdorbenes und 'kulturloses Element bezeichneten, welches die Gleichberechtigung nicht verdiene, da meldeten sich auch die J u d e n d e r S t a d t Bordeaux zu Wort. In einem an die Nationalversammlung gerichteten Memorandum verwahrten sie sich dagegen, den' Juden Nordfrankreichs und. Elsaß- Lothringens gleichgestellt zu werden. Diese Juden seien tatsächlich ein minderwertiges und verwahrlostes, un'franzö'Si'sohes Element. Ein Vergleich mit diesen Juden sei beleidigend. Sie selbst a'ber, die Juden von Bordeaux, seien, „wahre u n d v o 11 e Franzosen" und ihnen möge die Gleichberechtigung gnädigst gewährt werden. Zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts erschien in Budapest ein von einem Rabbiner verfaßtes Buch über die Abstammung der ungaris c h e n J u d e n. Darin wurde nachgewiesen, daß die Juden Ungarns mit den Juden der übrigen Welt, also auch mit den nach Ungarn zugewanderten Juden Polens und Rumäniens in Stamm und Blut nichts gemein haben. Nur die Konfession sei zufällig gleich. Die Juden, Ungarns stammten nicht von Juden, sondern von dem den Magyaren blutsverwandten, seinerzeit zum jüdischen Glauben übergetretenen ritterlichen Volke der Chazaren ab. Die Juden Ungarns sind also v o 11 e u n d e c h t e Magyaren, welche mit den übrigen Juden nichts zu tun haben wollen. Zu diesen Praohtgestalten aus vergangenen Zeiten gesellte sich in jüngster Gegenwart das Musterstück eines neuen „besseren" Juden, Herr Jakob Wassermann, seines Zeichens Romanschreiber mit größeren Auflagen. Die ,»Deutsche Vereinigung Das jeder Küche ist ein W-Kühlschrank der General Motors Verlangen Sie Prospekt hOf IIPhOll tlO das Ausstellungslokal oder IJvdllMlvIi «11« der Generalrepräsentanz Warchalowt ki, Fin$ terle & C9 Wien, «., Am Hoff 3 T«teßJwn Nf. ö^hli

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