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Die neue Welt · 1928-09-21 · Heft 53 (21.9.1928) · page 11

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 53 (21.9.1928)
Date
1928-09-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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"Kl 53 DIE NEUE WELT Seite II €*ö weißes Tischtuch da, eine Semmel, Schnaps und em Imbiß, Nicht lange nachher ist der mit dem Auge hereingekommen; nach ihm hat sich ein Wesen hereingewälzt, das zwei Zentner wiegen mochte, mit großer, blauer Nase, fietten, beharrten Händen und mit zwei sonderbaren Füßen,, die unten ordentlich dick waren, aber nach der Höhe dünner und dünner wurde»; es muß ihnen bei dieser Bauart schwer gefallen sein, einen so großen, schweren fceib zu tragen. (Fortsetzung folgt.) E MUTTER ROMAN VON S C KALO M ASCH. Qopyfight by Dr. Präger-Pressedienst, Wien- (21. Fortsetzung.) Jojne Gedalje arbeitete noch immer nicht, aber er lernte auch noch nicht. Der Vater sollte sich noch immer um eine Jeschiwa in New York erkundigen, wo man „auf amerikanischen Rabbiner", mit Talmud und Englisch studierte. Doch der Vater hatte noch immer keine Zeit dafür gefunden. Indessen hatte Jojne Gedalje von irgendwoher Bücher gebracht und lernte selbst Englisch. Die Mutter fürchtete, dem Vater zu sagen, daß Jojne Gedalje ganze Tage lang ausblieb und, wenn er heimkam, einen S.toß englischer Bücher mitbrachte, aber kein jüdisches Buch in die Hand nahm. Dafür aber betete Jojne Gedalje jeden Tag sozusagen für alle anderen Familienmitglieder und bewahrte das jüdische Wesen des Hauses. Am Sab'bat war er der einzige in der ganzen Familie, welcher dem Vater half, »den alten heimatlichen Salbbat in den fremden, lärmenden Keller zu bringen. Noch jemand war am Freitagabend zu Hause mkl half den Sabbat in den Keller bringen: das war Dwojrele, die von Kindheit an gewohnt* war, am Freitagabend ihr Haar zu waschen. Diese Gewohnheit behielt sie auch hier in Amerika bei. Da sie aber spät von der Arbeit heimgekommen ist, sitzt sie jetzt beim Herd und trocknet ihr feuchtes, gelöstes Haar, wie sie es in der alten Heimat jeden Freitagabend zu tun pflegte. Die Lichter brennen rein und sabbatlich auf <iem Tische; sie stecken in dem von der alten Heimat mitgebrachten Messingleuchtern. Die blitzen freilich nicht so, wie sie es am Freitagabend in der alten Heimat getan? doch Sure Rifke Hat immerhin Zeit gehabt, mit einem feuchten Tuch über die Leuchter zu fahren, und auch die kleine rote Karaffe, die sie mitgebracht hat, hilft mit ihrem Glanz die Erinnerung an den Sabbat in der. alten Heimat heraufbeschwören. Die ganze lange Woche,, da Anschel bei der Arbeit saß und die Maschinen in seinen Ohren rauschten, fühlte er sich von dem früheren Leben, abgeschnitten; doch jedesmal, wenn die Sabbatkerzen in den Leuchtern von daheim auf dem Tische brennen und die alte kleine Karaffe mit dem roten Likör im Lichte funkelt, dann verbindet sich das Leben in der Kellerstube mit jenem früheren Leben in\ der alten Heimat und eine Welt entsteht — das Meer verschwindet, das zwischen den beiden Welten liegt, und es gibt wieder ein emheitriches Leben einer einheitlichen Familie . „ . ... » . Mag sich Anschel auch" noch so müde und schläfrig: fühlen von dem täglichen Beugen des Rückens ffber das Hemd und die Maschine, so spürt er doch den Säbbat. Der Lärm der Gasse verschwindet, das jagende Hämmern der Hochbahn .ist nicht zu hören, auch nicht das Summen aus dem rumänischen Restaurant. Still wird es im Keller, still m Anschel selbst, und er führt wieder den Sabbat. Gewaltsam vertreibt erden Schlaf a«s seinen 'Angen, lauter tönt sein Gesang und seine zornigen Blicke muntern die gelangweilten Kinder auf. Wenn dann Sure Rifke die heiße Suppe auf den Tisch setzt, dann bleibt Anschel, den Kopf in die Hände gestützt, sitzen und versinkt in langes Nachdenken.. „Worüber denkst du nach, Ansehet?" — weckt nwi Sure Rrfke ans seinen Gedanken, indem sie ihm den Teller mit der dampfenden Nudelsuppe vorsetzt. „Morgen wird der Wochena'bschmtt gelesen" — sagt , Ansehe] halb zu sich. Sure Rifke versinkt auch ha Gedanken. Irgend etwas würgt m ihrer Kehle, irgend etwa« samniett' sich in ihren arten Augen, und sie Werden votn Gkume der Tränen belebt. „Willst du vfeftefoht deshalb fieimfehren?** —■ sagt sie mit stillem Vorwurf, den sie sich selbst zu machen scheinst. „Iß Keber die Sappe, ehe sie katt wird.** önd 'Ansehe* alefit rttit einem Se«foer den Teller Suppe näher, „Hier ist eben eine verkehrte Wett, was kannst cht dafür? Die Unwissenden haben die Macht" — sagt Sure Rifke leise, als entschuldigte sie sich. Anschel sagt nichts mehr; doch nachdem das Fleisch verzehrt ist, nimmt er vor dem Benschen die kleine Bibel zur Hand und blättert anscheinend unabsichtlich darin. Dann beginnt et, zuerst vor sich hinsummend, dann immer lauter,, melodiöser, liebevoller den Wochenabschnitt vorzutragen. Sure Rifke sitzt, den Kopf in die Hände gestützt, befrn Tisch und hott ztr; däe Trjfcnen rollen aus ihren Attgen . . . Iii der KeferWohtMing sab es noch eine Seele, i£te''$E&Bttndb& k&siP* Vier Monate sind nun vorüber, seit Dwojre in der fremden großen Stadt wohnt, umgeben von Millionen Menschen, wie eine Pflanze, die aus dem Boden gerissen und in eine Wüste verpflanzt wurde. Niemand kannte sie und sie kannte niemanden. Mitten unter den Millionen war' sie einsam und allein. Am Morgen stand sie auf und ging zur Arbeit. Dort saß sie einen Tag lang' mit fremden Leuten. Am Abend fuhr sie heim. Im Anfang war der Heimweg für sie interessant, das Neue weckte die Neugier. Dann wurde es ihr langweilig und jetzt ist es leer, erscheint ihr zwecklos, ziellos. Alles ist ihr fremd. Dwojre hatte Sehnsucht nach ihrer Heimatstadt, doch wonach sehnte sie sich? Nach den Abenden im Freien. Henoch? Auch Henoch bedeutete ihr nichts mehr. Doch sie sehnte sich nach etwas, was um Henoch war und mit Henoch, nach jenen Abenden im Freien und im Wald, nach dem Sabbat im Garten. All .das hatte irgend einen Wert gehabt: das ganze Leben hatte ein „wozu" in sich und nach diesem „wozu" sehnte sich Dwojre. Sie nannte es mit dem Namen, den Henoch ihm gegeben hatte: die „heilige Sache.". Durch die „heilige Sache" hatte das Leben Wert und Reiz gehabt, war die Welt anders gewesen, hatte sie selbst sich mit etwas verbunden gefühlt, hatte sie selbst jemandem gehört. Hier ist sie allein, ganz allein in der großen Stadt. Gibt es hier in den großen stählernen Häusern mit den vielen Fenstern, die auf sie niederschauen, eine heilige Sache, der zuliebe es wert ist zu leben, die dem Leben Inhalt gibt?. Henoch hatte ihr gesagt, die heilige Sache werde sie verbinden, wenn sie auch einander noch so fern seien. Doch wo ist die heilige Sache? In welchem der großen stählernen piuser in der Riesenstadt wohnt sie? In dem Kästchen, das sie von daheim mitgebracht hatte, fanden sich einige Bücher. Eines davon war jenes, das Henoch ihr gegeben hatte, als sie Abschied nahmen. Zu diesen Büchern nahm Dwojre in der Zeit der Trauer und Sehnsucht häufig Zuflucht. Sie hatte sie schon oft gelesen und kannte ihren Inhalt genau, doch immer nahm sie sie zur Hand, auch diesmal, an dem sehnsüchtigen Freitagabend. Sie holte eines der Bücher hervor und vertiefte sich darin beim Schein der Sabbatlichter. Obwohl sie es schon viele Male gelesen hatte, vertiefte sie sich doch ganz und gar darein, als wollte sie zwischen seinen zerlesenen Blättern die „heilige Sache" finden, die sie in der neuen, fremden, großen Stadt verloren hatte. V. Die erste Enttäuschung. Der Shop, in dem Dwojre arbeitete, war nicht, organisiert. Zu jener Zeit war die Nadelindustrie, überhaupt noch nicht organisiert, und der Bruderhatte Dwojre . dort Arbeit verschafft, wo sie am. leichtesten zu finden war. Der Shop war nicht groß- Er hatte viel Aehnlichkeit mit einer Schneiderwerkstätte in der alten Heimat. Einige Mädchen arbeiteten dort, älter als Dwojre, verlebt und verhärmt. Sie schienen in ihrer eigenen Not und ihrer eigenen' Pflicht aufzugehen und hatten keine Zeit, sich mit-' einander zu beschäftigen. Eine kannte die andere' kaum. Es gab Jüdinnen und Christinnen unter ihnen.' Äbch einige Juden mittleren Alters arbeiteten mit.' Der Besitzer, der einen kurzen blonden Bart trug, hatte vor nicht langer Zeit geheiratet und wollte schnell reich werden. Er war Besitzer, Vorarbeiter,. Zurichter und „finisher" in einer Person. Nicht nur. er selbst arbeitete mit, sondern auch seine Frau kam mitten am Tage in die Werkstätte und half ihrem Mann an der Maschine. Der Besitzer trieb seine Arbeiter nicht mit Worten zur Arbeit an, sondern mit Arbeit. Er und seine Frau waren flinke Arbeiter, und so arbeiteten sie und bereiteten zugleich Arbeit für die „hands" vor. Der Besitzer blieb bis gegen .Mitternacht in der Werkstätte und richtete die Arbeit für die „handsK für den nächsten Tag zu. So ging es bei der Arbeit still zu, alles hastete und war immer beschäftigt. Niemand sprach ein Wort. Jeder saß bei seinem „Stück", in die Arbeit und in seine Gedanken vertieft. Dwojre kannte keinen von den Arbeitern und von den Mädchen; keiner sprach ein Wort zu ihr und sie zu keinem. Sie kam allein und fuhr allein heim. Erst hatte sie sich nicht vorstellen können, daß ifies das Leben in der großen Stadt sein sollte, nichts anderes als die stille, unaufhörliche Arbeit. Sie dachte, das komme daher, da sie noch niemanden kannte und dafaw bstQB i£f loijynhflit twttft, ■rtfflt bfton&tt luBfaxt Erste Speziai- ÄääääI .MMiTiC#lt A wetksiätte für 965561 UIM> ■ I5lll16 Salongarnituren und Einielmöbelstllcke ADLER, VII. Apollos. 18K...«^Be 12 der Arbeiter kennen zu lernen. Mehr als einmal wollte sie ihre Arbeitsgenossinnen um die Zusammenkunftsorte der Arbeiter fragen, doch sie war zu schüchtern und zurückhaltend, um Bekanntschaften zu machen. Endlich aber hielt sie es nicht mehr aus; das Leben im Shop war ihr zum Ekel geworden, ein Leben zu Hause hatte sie nicht, und sie suchte etwas, das ihrem Leben Inhalt geben könnte. Ihre Wahl fiel auf eines der Mädchen, die mit ihr mitarbeiteten, da das Aeußere dieses Mädchens ihr mehr gefiel als das der anderen. Das Mädchen war älter als Dwojrele, doch nicht so alt, daß Dwojrele vor ihr hätte Scheu haben müssen. Obwohl sie fast drei Monate in derselben Werkstätte saßen, hatten sie dennoch keine fünf Worte miteinander gesprochen, die sich auf etwas anderes als auf die Arbeit bezogen. Dwojrele gab sich selbst die Schuld und ihrer Zurückhaltung. Eines Abends bei Arbeitsschluß richtete sie es so ein, daß sie mit der anderen die Treppe hinunterging. Obwohl die andere eilte, holte sie Dwojrele doch ein und ging auf sie zu. „Entschuldigen Sie, ich bin noch grün," — begann Dwojrele mit schuldbewußtem Lächeln — „ich wollte Sie etwas fragen." „Bitte" — sagt die andere, Dwojre erstaunt anblickend. „Zu Hause habe ich der .heiligen Sache' angehört, ich möchte das äuch hier. Gibt es hier unter den Arbeitern eine Möglichkeit, etwas für die .heilige Sache' zu tun?" „Was ist das?" — das Mädchen sieht Dvvojre erstaunt an. „Nun, Sie wissen schon, was ich meine." „Nein, ich weiß es nicht" — sagt die andere ungeduldig. „Ich meine, wo die Arbeiter und die Arbeiterinnen zusammenkommen; kommen hier die Arbeiter nicht zusammen, wie daheim?" „Ach, das meinen Sie? Ja, man kommt hier zusammen, in den ,)ia!ls\ wenn Streik ist." „In welchen Halls?" — fragt- Dwojrele und versteht selbst ihre Frage nicht. „Ich möchte Ihnen raten, davon nicht zu sprechen. Unser Boß mag derlei Dinge nicht. Sie können Ihre Stelle verlieren." Dwojre stand beschämt da und wurde rot. ' „Mit mir können Sie darüber sprechen, ich werde Sie nicht denunzieren, aber vor den anderen ist es besser vorsichtig zu sein. Wenn der Boß erfährt, um was Sie sich erkundigen, fliegen Sie." „Entschuldigen Sie" — sagte Dwojrele verlegen, (Fortsetzung folgt.) v^=v ykSfy* ( Jl^ sind ttlann, den ich suche! „Ieh brauche einen Menschen mit guten Sprachkenntnissen, denn mein Auslandsgeschält wächst von Tag zu Tag. Ich bin überzeugt, Sie werden mich zufriedenstellen, denn IhrDiplora zeigt mir, daß Sie gründliche Sprachkenntnisse besitzen/ Wie würden Sie in einer solchen Situation abschneiden? WürdelhrBesuchdengleichen Erfolg haben? Bedenken Sie: von Monat zu Monat wächst in Handel und Industrie der Bedarf an sprachkundigenMitarbeitern und Sie werden in den kommenden Jahren öfter denn je nach Sprachkennt- Methode Toussaint zum Lehrmeister wählen. Sie lehrt in leichtfaQL Weise Jede fremde Sprache, ao gründlich,, daß Sie sie wie der A usländer sprechen, lesen und schreiben; sie ist unterhaltend und interessant, denn der Lehrstoff ist der frtundeu Literatur entnommen, er schildert Handel und Wandel im fremden Land. AmSchluö deaUnterrichtesküanen Siesich einer Prüfung unterziehen. Das Diplom der MethodeToussaiut- Langenscheidt erleichtert Ihnen den Nachweiß Ihrer Kenntnisse. nissen gefragt werd en. Schon heute bieten sich günstige Aussichten, gute Stellungen, besseres Einkommen durch Sprachkenntnisse zu erlangen. Lernen Sie daher jetzt eine fremde Sprache — es lohnt sich! Selbst bei einfacher Schulbildung wird es Ihnen leicht fallen, wenn Sie die -Langenscheidt / Überzeugen Sie sich selbst .♦* Ich von der Güte dieser MeergUChe thode: Sie erhalten „•* „ kostenl.u.iwverbindl. / um *u" eine Probelektion, / Sendung der wenn Sie d. neben- ,♦* jn der .Neuen 8teh.Abschn.au8- ... „, „_K„,„ eet h\h Drucks. / We,t a"8ebote- / »sn Probelektion d. and. Verlag .»*......................., schicken. «•* ■**"*................. Tun Sie Spwbo, ko.tealos, porto. es aber •** 'w'UI*^•nvor'>*,*<"*0',• beute ," noch!/ (IM. 6. Iwjratdieifl) 0.rs.t.V., fcrfa-Wifartwj / Bor*.... Ort u. Str. 880 ./

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