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Die neue Welt · 1928-09-21 · Heft 53 (21.9.1928) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 53 (21.9.1928)
Date
1928-09-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 30 Grescher V« Da D« BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig KC 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien, monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—;. Schweix , und die übrigen Länder monatlich Schweizer, Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX», Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 2 Freitag, den 2 h September 1928 Nr. 53 Theodor Herzl und die russische izei Seite 5 Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Aus dem Inhalte: Beginn der antisemitischen Saison. —y: Die Minorität. Abg. J. Grünbaum, Warschau: Ist es schon das letzte Stadium? M. H. Cohen: Wiedersehen mit der Lemberger „Krakowska". Aus Palästina. Wann ist die Thora entstanden? Bei den Samaritanern. Das Rätsei der farbigen Juden. 'Öas :^<Me^;vSeelenheil-G6^häft^ Aus der Jüdischen Turn-, u^\^3^![tli^^twg:.. Eine jüdischje Amäteüirm Oesterreich. — Die Hakoah-Jungmannschaft.; Austritte aus dem Judentum. Scholem Alejchem: Menachem Mendel. Schalom Asch: Die Mutter. Hoover und Smith an die Juden. Neujahrsbotschaften der amerikanischen Präsidentschaftskandidaten. ,Aus Ne w. York meidet J. T. A.: Die beiden amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Hoover und Smith haben anläßlich des Neujahrstages Botschaften an die amerikanische Judenheit erlassen. .H p oy e r weist besonders auf die Hilfsarbeit und; den Paläst ina- Aufbau hin, die in« hohem - Maße imter'stützeriswert sind. Jüdische Kommunisten als Hetzer. Der Kampf der Jewsekzia gegen die jüdischen , Feiertage. Aus Moskau meldet J. T. A;i;Mit dem Herannahen der jüdischen Feiertage machte sich in der jüdisch-kommünistischen Presse Sowjetrußlands; eine Verstärkung des a n t i r e I i g i ose n Ks nvp f,e s . bemerkbar. ■ Es handelt sich um eine intensiv durchgeführte'Kampagne im „Emeß" uiid im Gharkower- „Stern". . Ueberfall auf die jüdische Fahne. Aus Warschau, 14. September, meldet die J. T. A,: An .der feierlichen Akademie zu Ehren des Delegierten der Keren :Kaierneth-Palästina-Delegation, Baun* f e'1 d,' beteiligte s\ch auch eine größere Gruppe des B'rith Trumpejdory die: bei ihrem Umzug auf den Nalewki von jüdischen Kommunisten überfallen wurde, welche versuchten,: den jungen Zipnisten die Fahnen zu entreißen. Der Trumfieldor-Grii'ppe gelang es.; die Kommunisten abzuwehren." ,Die herbeigeeilte - Polizei; verhaftete mehrere Kommunisten. *; ' ••■;>'■:■ , Alles für die lieben Juden! Am 7. Oktober soll es in Oesterreich großen Krach geben. Die Heim wehr, eine militaristische Organisation der Christlichsoz.ialen und eines Teiles der Deutschnationalen, will fürifzigtausend Mann auf die Beine bringen und in Wiener-Neustadt, einer Stadt mit großer sozialdemokratischer Majorität, eine große Parade veranstalten. Der Schutzbund, . die. militaristische Organisation der Sozialdemokraten, empfindet das als Provokation und will zu gleicher Zeit, am gleichen Orte, in ungefähr gleicher Stärke aufmarschieren. Die Vorbedingungen zu einem schweren Zusammenstoß sind also gegeben, und wenn nicht" im letzten Augenblick, was hierzulande glücklicherweise nicht seifen "einzutreten pflegt, Besinnung platzgreift, wird Oesterreich, dessen politisches und' wirtschaftliches Gleichgewicht leicht «zu stören;ist, schweren Schaden: erleiden. .Mit jHm natürlich auch,^seine judeti^-lJtfdV^ ger wiß stärker ' leiden als die anderen, weil sie yon^'iegend in Handel, Gewerbe und Industrie tätig sind, also in Berufen, welche mehr als alle anderen.. der Ruhe und Ordnung bedürfen. Ansonsten aber ist in der ganzen Angelegenheit nichts Jüdisches zu entdecken. Im Grunde handelt es sich um eine Machtprobe zwischen organisiertem Kapital und christlicher Arbeiterschaft einerseits und der sozialdemokratisch organisierten Industriearbeiterschaft andererseits. Nun ertönte plötzlich in dem allgemeinen Geschrei die jüdische Note. „Die Heim wehr geht gegen die Juden! Pogrom!" Die „Arbeiter- Zeitung" war es, welche den Warnungsschrei ausstieß, und die ihr nahestehende Presse gab ihn weiter. Ihr Chefredakteur, Herr Austerlitz, welcher sonst — obzwar oder vielleicht weil er jüdischer Abstammung ist — nichts Gutes für Jüdisches und Juden übrig hat, zeigte sich mit einem Male ängstlich und zärtlich besorgt um das Schicksal der Juden, aber, er hatte die Rechnung ohne den Herrn Doktor Steidle gemacht. Herr Dr. Steidle, der 'Obergeneral der Heimwehren, ging hin und tat desgleichen. Auch er zog ein von Judenliebe triefendes Herz aus der felddienstmäßig gepanzerten Brust und legte es auf alle Redaktionstische hin. Er erklärte, daß die Heimwehren nichts, aber schon gar nichts mit Antisemitismus zu tun haben und seine frumben Landsknechte sich eher vierteilen ließen, als daß sie ein Härchen auf den ihnen heiligen Häuptern der innig geliebten israelitischen Mitbürger krümmen würden. Von außen besehen, scheint also die Lage der österreichischen Juden mehr als gesichert, förmlich ideal. Die eine Hälfte der Bevölkerung schwört, daß sie die Juden schützen, und die andere Hälfte schwört, daß sie sie niemals angreifen wird. Höher geht's nimmer! Von innen beschaut, zeigt sich alles als windiger Trick. Die Judenliebe des Herrn Austerlitz ist genau so viel wert wie die des Herrn Doktor'< Steidle. Als es in Wien wirklich scharf und heiß und gegen die Juden herging,: als. faktisch Pogromsturm wehte, da überließ es Herr Austerlitz Seelen-, ruhig den Zionismen, die Ehre and Sicherheit des jüdischen Volkes zra schützen, da schrieb er das klebrige Witzwart von dem Kampfe zwischen H a kl e n k r e vü z1 e r n und Hakennäslern, in welchen sich die organisierten Genossen nicht einmengen dürfen! Damals, als antisemitische Horden ernstlich zum Pogrom rüsteten! Und dann der Herr Dr. Steidle, der von der Jtidenliebe seiner in Instruktionsstunden antisemitisch gedrillten Getreuen spricht! Sie haben sich im Judenpunkt gefunden.- Der Schutzbund will der Heimwehr im Ausland eins anhängen, indem er sie als barbarische Pogromtruppe schildert, um so die Presse zu nötigen,- trotz grundsätzlicher Haltung gegen die Sozialdemokraten, in diesem Falle gegen die Heimwehr Stellung zu nehmen. Herr Dr. Steidle pariert den Hieb und spielt den Judenliebhaber. Wenn Herr Austerlitz und Herr Dr. Steidle einige Wochen später einander begegnen, dann dürften sie sich in lustiger Erinnerung an die Zeit ihrer brünstigen Judenliebe verschmitzt .anlächeln. Wie seinerzeit die, nationalen Parteien, den Juden in: ihre Kämpfe; zerrten und gegeneinander ausspielten und den Juden schließlich die Zeche befahlen ließen,' so. handeln jetzt die Klassenkämpfparteien. Als Kanonenfutter ist der Jude allezeit erwünscht. Und wie vernünftige und ehrliche jüdische Politik dahin gerichtet sein muß, die Juden aus dem Kampfe der Nationen herauszuführen, so muß sie auch dahin gerichtet sein, die Juden vom Klassenkampfe fernzuhalten. Das heißt nicht selbstsüchtig und teilnahmslos dastehen, wenn die Bedrückten um volle soziale Gerechtigkeit und menschenwürdiges Dasein kämpfen. Im Gegenteil! Das heißt, über die künstliche Schranke der Klasse hinweg zum. Menschen gehen. Gerechtigkeit für eine Klasse führt zur Bedrückung der anderen. Gerechtigkeit für jeden Menschen muß die Losung sein. In sozialer Hinsicht muß ehrliche und vernünftige jüdische Politik den Weg gehen, den der größte Menschenfreund und Denker unserer Zeit, - den der- Jude Popper- Lyn k e >u s > gewiesen hat, der rMann, der an die Stelle des Rechtes der Klasse das Recht jedes einzelnen Menschen gesetzt hat, der Mann, der den Satz aussprach: „Solange die Gesamtheit nicht jedem einzelnen ihrer Mitglieder die Lebenshaltung sichert, ist der Gesell s c h a f t s z iü s t a n d e i n b a r b a r i s c h e r." Bei ihm ist der Platz für Juden, nicht an der Seite dieses oder jenes uniformierten bewaffneten Haufens. Beginn der antisemitischen Saison. Im Frühling kriechen sie. — Im Herbst, wenn sie das Geld in der Tasche haben, werden sie frech. Im Frühling: versenden die österreichischen Badever Wallungen Jie'benswürdiige Prospekte und bitten demütig mm Besucher, vor allen um jüdische. Wenn im Frühling eine Zeitung über An'tiseiiniti'Snui'S in irgend einer Bäderstadt schreibt, wird sie sofort von der Stadtverwaltung mit Berichtiguiigen und Ableusnungen überschüttet. 'Die Herren Bürgermefeter schwören,,daß sie.Judenfreunde sind. Im Sommer werden dann die lieben Juden geschröpft und im Herbst und Winter freeih bescibinipft.' Beispiele für Das jeder Ktfche ist ein verlangen Sie Prospekt hfHHirhOn CiO das Ausstellungstag oder 1JB jUlllvll tJIC der Generalrepräsentanz Warchalowski, Finsterle & C9 w£&«. X

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