Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1928-09-07 · Heft 51 (7.9.1928) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 51 (7.9.1928)
Date
1928-09-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2711613-2711630-2711666--0672-2713832
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Preis 30 V« b» b« BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty. 2:-r, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monätltch Kc 6.—, vierteljährig Kc. 15 —; Jugoslawfelm monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweber Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4,50. Redaktion und Verwaltung: Wien, 1X>, Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 2 Freitag, den 7. September 1928 Nr . 51 Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Das neue Numerus clausus- Gesetz in Ungarn.;: - Die Auswirkung des novellierten Numerus elausus- Gesetzes in Ungarn hat auch .in nichtjüdischen Eltcrn- •kreisen-, stänke Empöruing hervorgerufen. Aber geradezu katastrophal ist <Mc Auswirkung in bcztig auf die j ü d V s.c.h e H ö r c r z a h l. In Budapest, zum Beispiel sind unter 1800 Bewerbern nur 320 an der juridischen Fakultät zugelassen worden, unter ihnen 14 Juden, also noch weniger ßils die VerhäJtniszahl nach dem Numerus-clausus-Gesctz ergibt. An den Provinzunwersitäten haben 1200 junge Leute um Aufnahme an den juridischen Fakultäten -nachgesucht, aber, nur 240 wurden, aufgenommen. Hier war das Verhältnis/der Aufnahme von Juden ein noch ungünstigeres als in. Budapest. Das gleiche gilt von den anderen Fakultäten. Die Eltern der jungen Leute, die; von den juridischen Fakultäten in Budapest und in der Provinz abgewiesenworden. sind, haben sich bereits organisiert und haben in Budapest heute vormittags eine Prötestversammiuüg' «ibgehaiteji.. _ '"" „^„..v"""" Maurice Bokanowsjki tödlich* Verunglückt.; ' Das Verkehrsflugzeug, das 'den Haudelsministcr Maurice ß o k a n o w sik i, der zugleich Leiter der französischen HaTideis-Luftsohiffahrt i-S't, am Sonntag, vormittags von dem Flugplatz Toni zu einer Flugveranstaltung des Aeroklubs Auvergue nach Clermont-Ferrand führen sollte, ist in Brand geraten, und abgestürzt. Sämtliche Insassen, unter ihnen M i n i s t e r B o k a n o ws k i, haben den Tod gefunden. Dem Außenminister Briand wurde die Nachricht vom Tode Bokanowskis unmittelbar' vor Abgang des Zuges, der ihn nach Genf bringen sollte, überbracht. Die politische Laufbahn des auf'.so tragische Weise umgekommenen Ministers war eine glänzende. 1879 in Le Hayre geboren, tette Bokanowski sich. als Rechtsanwalt in; Paris niedergelassen. 1914 trat er aktiv-in die Politik ein,, wurde in die Kammer gewählt und hat seitdem ununterbrochen den ■. Wa-hlkreis Asnieres vertreten. Bei Kriegsausbruch trat Bokanowski als Freiwilliger in das Heer ein,; wurde im. Laufe des Krieges .Offizier und machte den ganzen Feldzug in Frankreich und an der Salonikifront mit: Mach Kriegsende wurde Bokanowski Präsident der Zollkommission und-beeinflußte in dieser Stellung wesentlich .die französische Wirtschaftspolitik der ^Nachkriegszeit. Auf seinen Anregungen beruhen verschiedene .große. wirtschafts- und finanzpolitische Gesetze Frankreichs. Im Parlament war er ■Vorsitzender der Fi'n'a n z k om mi s s i o n. Poincare berief ihn 1924 zum ersten Male in die Regierung, und zwar als Mairineniinistcr. 1926 .trat Bokanowski in das „Ministerium der nationalen Einheit" unter, Po i n c a r e ein. Nach den letzten Wahlen ist. Bokanowski; der von L ou che u r-geleiteten Gruppe der radikalen Linken beigetreten. Bokanowski war Jude und -hat . bei verschiedenen Gelegenheiten -—.so auch vor einigen Monaten in einem Interview mit dein J. T. A.-Vertreter anläßlich seiner Reise naiph Algier — zum' Ausdruck gebracht, daß er treu dem ijÖiscijen--Glauben' anfängt und stolz; sei, von einer Gemeinschaft abzustammen und ihr anzugehören, die der Welt vsq ihohe: ethische Werte vermittelt- Ini. ' Der Minoritätenkongreß. Die Genfer Beratungen — Die Vertreter der jüdischen Minderheiten — Motzkin in der Exekutive — Die Assimilationstheorie — Die Resolution an den Völkerbund. Am 29. August wurde in Genf der vierte europäische Minderheitcnkongreß in Anwesenheit von, etwa 70 Delegierten, die 35 Minderheitengruppen aus 14 Ländern vertreten, mit einer Ansprache des slor wenischen Abgeordneten im italienischen Parlament, Dr. VV i 1 f a n, eröffnet. Von jüdischer Seite wohnen den Verhandlungen bei das Mitglied des Präsidiums des Kongresses und der Exekutive Dr. Leo Motzkin vom Komitee für die Rechte der jüdischen Minderheiten, die Abgeordneten des polnischen Sejm J. Grün bäum und Dr. Leon R e i c h, das Mitglied des le'ttländischen Sejm, Rabbiner N u r o k, Dr. Emil M a r g u I i e s (Leitmeritz, Tschechoslowakei), das Mitglied des litauischen Sejm Dr. J. Robinson und Dr. Markus Kraemer (Czernowitz). Dr. Wilfan bezeichnete in seiner Eröffnungsansprache als den fclauptgegenstand der Tagung die Erörterung des Themas '„Minderheiten und Völker bund". - .... | ^^■^*$&i<r Der Völkerbund müsse angesichts der nationalen Unduldsamkeit ernsthaft an die Behandlung des Minderheitenproblems herantreten, ein ständiger Ausschuß für Minderheitenfragen beim Völkerbund müsse geschaffen werden. Nach Ansprachen des Deutschen Scliiemaiin aus Lettland und des Vertreters Kataloniens ergriff Herr Leo M o t z k i n das Wort und führte aus, es sei unhaltbar, daß eine Minderheit zum Einbringen einer Beschwerde sich erst eine Ratsmacht als Protektor suchen müsse. So komme es, daß Minderheitenfragen nicht behandelt werden, weil ihr Befürworter im Rat eine kleine Macht ist, die bei der nächsten Ratswahl ihren Sitz nicht wieder erringt, und so komme es, daß die deutschen Minderheiten in Wirklichkeit nicht durch den Völkerbund, sondern durch die Ratsniitgliedschaft Deutschlands beschützt würden. Dr. Emil M a r g u 1 i e s erinnerte daran, daß C1 em e n c e a u von der Pariser Friedenskonferenz aus dem damaligen polnischen Ministerpräsidenten Paderewski in einem Brief die Minderheitenrechte als Grundsätze der menschlichen Gesittung bezeichnet hat; die Assimilationstheorie, von Mello- F r a n c o und P o 1 i t i s vertreten, der auch die Minderheitsabteilung des Völkerbundes offensichtlich anhängt, sei im Jahrhundert der religiösen Freiheiten und der Koalitionsfreiheit eine Unmöglichkeit. Schließlich bekannte sich Dr. Margulies trotz allem als Anhänger des Völkerbundes, wenn an diesem auch allerlei Kritik berechtigt erscheine. Am zweiten Verhandlungstag hielt der jüdische Vertreter Dr. J. Robinson, Deputierter des litauischen Sejm, sein Referat über die kulturelle Arbeit der Nationalitäten und ihre kulturellen Beziehungen zu den Stammvölkern. Seine Ausführungen machten starken Eindruck auf die Delegierten und gaben zu tieferen wissenschaftlichen Auseinandersetzungen Anlaß. Es wurde hierauf die folgende Resolution gefaßt: „Der Kongreß stellt fest, daß ohne wechselseitige kulturelle 13 e Ziehungen der gleichnationalen Gruppen untereinander bzw. mit dem Stammvolke eine gedeihliche kulturelle Entwicklung u n m ö g 1 i c h ist. Der Kongreß erachtet es somit in der Natur des nationalen Wesens begründet, daß die einzelnen Volksteile untereinander und mit der gesamten Nation bew: dem Stammvolkc kulturelle Beziehungen unterhalten und pflegen. Der Staat darf diese wechselseitigen'kulturellen Beziehungen und ihre praktische Betätigung durch keine Maßnahme irgend welcher Art behindern. Leo M o t z k In < wurde auch diesmal in das Präsidium des Kongresses gewählt. In seiner Rede in der Eröffnungssitzung führte Motzkin u. a; aus: Der Völkerbund muß es verstehen, daß, wenn er den .Minderheiten gegenüber seine Pf Höht nicht tut, er die Minderheiten *zwingt, bei jenen Staaten Schütz zu suchen, in denen ihre Volksgenossen die Staatsnarion sind: Wenn sich ein Zustand herausbildet, wo die deutschen MinderTfeiferi. in den verschiedenen Ländern nicht in Genf, sondern in Berlin Schutz suchen, die polnischen Minderheiten das gleiche in Warschau, die ungarischen Minderheiten dies iu Budapest tun, so werde eine unerquickliche politische Situation entstehen, die dem Frieden abträglich sein wird. Wir Juden ständen in einem solchen Falle ebenso vor der Notwendigkeit, irgend einen Staat zu ersuchen, sich unser anzunehmen, wo man uns Unrecht zufügt. Die Juden haben den Völkerbund bei seiner Grün- . düng mit Freude begrüßt. Motzkin schloß mit dem Appell an den Völkerbund, seiner Pflicht gegen die Minderheiten eingedenk zu sein. Der Kongreß faßte schließlich in seiner Si'teung vom 30. August die folgende Resolution: „Der vierte europäische Nationalitätenkongreß erkennt an, daß der Völkerbund bei Beginn seiner Tätigkeit als erste Verkörperung einer obersten internationalen Autorität in bahnbrechender Weise ein iMündestmaß von Mi»;clerheitenrechten unter seinen Schutz genojnmen hat. Der Kongreß sieht in den vom Völkerbünde übernommenen Garantien keinen Abschluß, sondern einen ersten Ansatz für internationale Maßnahmen, die den Ausgileich aller Nationalitäten in, den einzelnen Staaten nach deren konkreten Verhältnissen und Bedürfnissen erleichtern und eine Atmosphäre 'des Vertrauens und der staatspölitischen Zusammenarbeit zwischen Mehrlveits- und Minderheitsnationalitäten im Interesse des Weltfriedens anbahnen sollen. Demgegenüber bemerkt der Kongreß in RücKfoiick auf die mehr als achtjährige Tätigkeit des Völkerbundes nicht" nur eine durchaus unzureichende Gestaltung des Besch wer de- Das jeder Küche ist ein -Kühlschrank Fabrikat der General Motors Verlangen Sic Prospekt DesucfienSie ^ÄreÄ Fintterle Zur Wiener Herbst-Messe: Rotunde, Stand 6*06-6*06 und 6617-6619 Wi©«, 8., Am Mof 3 Telephon Nr. 66-W7

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.