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Die neue Welt · 1928-08-31 · Heft 50 (31.8.1928) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 50 (31.8.1928)
Date
1928-08-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Kr i se DIE NEUE WELT Seite S fl sind oft nicht so viel" wert als das Urteil zufriedener Gäste. Ein zufriedener Gast ist die beste Empfehlung! OTTO KÄSEREI* Kulturwelt berichtet. Diese Oeffentfh'obkeit der Verband* langen 'hat Theodor Herzl als die große Tat des Zionismus bezeichnet und das ist ja auch der Wert dieses Kongresses gewesen. Aber der Russe will das nicht vergehen und er geht sogar so weit, eine gewaltsame Beseitigung Herzte durch die „Weisen von Zion' anzudeuten. Das ist der „Arier", w>ie er leibt und lebt! Er kann es sich gar nicht anders vorstellen, als daß gemordet wird. Er glaubt — oder gibt vor, es zu glauben —, daß das jüdische Volk so militaristisch erzogen ist,, daß es dem Befehl einer geheimen Obrigkeit gehorcht, deren Existenz ihm, was ja der Professor selbst sagt, unbekannt und verborgen ist. Er .ruft erst einen toten Juden als Zeugen, dann einen abtrünnig gewordenen Rabbiner (ob der je existiert 'hat, bezweifeln wir) und zu guter Le§t den Sergius Nilus, den Mann, der als erster die „Protokolle" dem französischen Original der auf Napoleon IH. abzielenden Höllengespräche des Maurice JoMy nachempfunden 'hat. Der Kreis schließt sich und die Schlange ist dia, die der abenteuerliche Rabbiner und katholische Pfarrer gesehen hat . ,, Amnestie für Gräberschänder. . Die . Wirkungen dieser Literatur darf man nicht geringschätzen. Sic haben in früherer Zeit länger zur Entfaltung gebraucht, aber doch ist die chauvinistische Generation Deutschlands in ihrer Geistigkeit ein Produkt dieser Influenz; Heute geht es, da die Zeit raschlebiger geworden ist,, auch mit der Erziehung schneller und die Buben und Mädels, die an die Synagogenwätude das Haikenkreuz schmieren oder jüdische Grabsteine umwerfen und besudeln, sind schon unter der direkten Wirkung. Die Aelteren haben ein verzeihendes Schmunzeln. Wenn sie schon gegen erwischte Missetäter das Gesetz anzuwenden beniüssigt sind, so gibt es nachher das Verzeihen. So sind die ^Schänder des Erfurter Judenfriedhofes, zwei Hakenkrcuzjüngiinge, jetzt auf Grund des Amnestiegesetzes in Ehre, und Freiheit gesetzt worden. Sic haben jüdische Grabsteine zerstört, und das gilt in dem Deutschland von heute als p o l i t i s c h c Ta t. Es ist eben alles in Deutschland, von der Seuche angefressen und es kommen niemandem-'in den maßgebenden Schichten Bedenken ob. der Verwilderung. Aber sie wundern sich dann und sind betrübt, wenn die ganze Umwelt ihnen voll Mißtrauen ^gegenübersteht «nd: ihnen schlechterdings alles Böse zutraut. * ...... ' Ein Bulgare, der Pfarrer Wa.no w, hat sogar herausgebracht, daß Ludendorff mit den Juden gemeinsam den^Kneg gemächt hat. Der Marschall, der ja ah Tollheiten genug Meistet, mag'über die Offenbarung des bulgarischen; Forschers ehrlich erstaunt sein. Aber schließlich ist der Mahn aus Sophia genauso gescheit wie der Feld, hc'rr;, und was er schreibt, Ist nichts anderes denn Ludendorffschc Theorie... Gombiig wird Staatssekretär im ^riegsministerium Von: .unserem Budapester Korrespondenten wird uns geschrieben.: Die Nachricht, daß Julius Gömbös nun doch, in den .nächsten Tagen zum politischen Staatssekretär im Landesverteidigungsministerium ernannt werden wjrd, ist von offizieller . Seite nicht widerrufen worden. Keine Partei, selbst; die, Gesellschaft der Erwachenden Ungarn, ist mit dieser Ernennung zufrieden, denn Gömbös hat, ehe er ministrabel wurde, erst sich und seinen Anhang in die Regierungspartei; gegen die er in den letzten Jahren mit Vehemenz losgegangen war, hinübergelotst. Am meisten beunruhigt sind-jedoch die Juden. Gömbös ist der Be; gründer und Führer der ungarischen Faschjstcnorgan i,s,.a t i o n-} tuicj propagiert den unerbittlichen Antisemit tisnjus, den er durch seine Emissionärc auch im Mutterlanae des Faschismus, in Italien zu verbreiten trachtet. . . . Man, bpmüht sich, den in Unruhe versetzten Kreisen einzureden; daß B c t h 1 c n mit der Berufung Gömbös ins.., Kriegsministerium einen seiner beliebten Coups ausführe,, und daß . er durch die agitatorische Unschädlichmachung.. Goinbös einen Schritt weiter auf dem Wege zur Kon s o 1 i d i e r H n g des Landes zurücklege. Die Juden trauen jedoch diesem Kommentar nicht und beruhigen sich auch nicht, wenn in der le zten Ze t :'as v ei'ere Gerücht kolportiert wird, daß gleichzeitig mit der Ernennung Gömfc/.ös auch die Ernennung des einzigen jüdischen Mitgliedes der Einheitspartei der Regierung, Abgeordneten Geza Pesi, zum Staatssekretär im Justizministerium erfolgen werde. Graf Bethlen wolle damit, so erklären die Kolporteure, nach außen hin dokumentieren, daß die Ernejiriü.ng. Gömbös keine Spitze gegen die Juden habe, und-daß eine etwaige Berufung Desis wieder die Antisemiten nicht zu beunruhigen brauche. Selbst .wenn wirklich beide Ernennungen erfolgen sollten, so hat die Erfahrung gelehrt, daß Gömbös sich imnisr sicherer; durchsetzen konnte, als Desi. Die Ausweis u n g e n aus Ungarn gehen ungehindert weiter, dje .Verdrängung der Juden vom Bod enbesitz richtet wahre Verheerungen an, die A uss c h a 11 u n g d e r J ud c n a y s; cj e/n k, o.n z e s s i o n i c r t e n Gewerben wird immer mehr und mehr zur Tatsache. Die Landbevölkerung: wir.4;. durqh a n t i s e m i t i s c Ii c F a c h b 1 ä 11 c r, Broschüren und Flugblätter verhetzt. Es ist auf diesem angeblichen Weg zur Konsolidierung in Ungarn auch} keine einzige in den letzten zehn Jahren gegen die Juden erlassene gesetzliche Verfügung oder Verordnung' rückgängig gemacht worden. Selbst in den kleinen Provinzstädtet» hat sich noch nichts wesentlich gebessert^ Wenn nr Gömbös in die Regierung berufen wird, so bedeuJct das nicht nur eine Kampfansage gegen die Habsbt-rglegiti misten, deren geschworener Feind Gömbös ist, sondern ein Bekenntnis der Bethlcn- Regirrung zu den bisherigen jugendfein dliehen Kurs in der Verwaltung. Darüber kann keinerlei Pflästerchen, das vielleicht den politisch und wirtschaftlich so schwer verwundeten Juden in Ungarn zugedacht sein sollte, hinwegtäuschen. Horthy Sohn — Direktor bei Simon Kraus. Der christliche Kurs, dessen sich Ungarn seit den Siegen bei Orgovany und Siofok erfreut, erstreckt sich auf alle Gebiete des öffentlichen Lebens, also auch auf das Geschäftsleben, und da hat mit der Zeit der angewandte Antisemitismus einen merkwürdigen Inhalt (bekommen. Alle Führer des Reinigungsprozcsscs haben fest und dick verdient. Es gab Bankgründungen, Panamageschäfte, Lieferungen für den Staat und die so sorgfältig versteckte Armee; die Lieblinge Horthys 'bekamen den Heldentitcl und dazu eine fette Pfründe. Nun will diese Gesellschaft auch in die Hautefinance eindringen und da braucht sie die Unterstützung" der reichen Juden, also jener Kategorie, der ein Pogrom gegen arme Juden noch immer lieber ist wie eine Schmälernng ihres Profits. Diese Sorte bildet eine Art von patriotischer Kaste, hält die Repräsentation der Judenschaft in ihrer Hand und ist stets bereit, ihre jüdischen Glaubensgenossen auf dem Altar des Vaterlandes zu opfern. Es sind die Assimilanten und Pro-Palästina- Juden, und ihr persönliches Wohlergeheu nennen sie gerne die Konsolidierung des Staates und die Aussöhnung mit der magyarischen Gesellschaft. Herr Simon Kraus ist einer der prominentesten dieser Richtung. Er ist Präsident der Anglo-Ungarischen Bank und er macht als solcher seinen Frieden mit den Verantwortlichen und den Unverantwortlichen. Um dies zu dokumentieren, ist Nikolaus Horthy, der junge, bisher nur als Schnellfahrer ausm XTafoÖrsftraße 8 s: tel.'£2-3»41 ™ UrsuffffUhrung: ' Fritz Längs Meisterwerk ® n den Hauptrollen: Willy Fritsch und Gerda Maurus Beginn: 5, 7 und 9 Uhr i gebildete Sohn des großen Vaters, von Kraus zum stellvertretenden Direktor der Bank gemacht worden. Auf diese Weise fängt Kraus 'ein Dutzend Fliegen auf einem Schlag. Er zeigt sich dem Vater gefällig und bindet mit (lern Sohn dessen Kreis an sich. So dessen Schwiegervater, den Grafen Eminerich K a r o 1 y i, ferner Bethlens Gattin Gräfin Margit Bethlen und fast sämtliche miteinander durch Heirat oder Geschäftsinteresse verbandelten Mitglieder der „Gesellschaft". Und so schlingt sich ein festes Band um jüdische Börsenkönige und Horthys Helden, und die Weihe gibt der Heijas, der Gömbös und alle sonstigen Persönlichkeiten dieser Art. Jüdische Ehen und Mischehen in Budapest. - . Wie der jüngst erschienenen Juni-Nummer der Budapester Statistischen Monatshefte zu entnehmen ist, wurden im' zweiten Viertel 1928 915 Ehen zwischen' jüdischen Parteien üri'd 353 Ehen zwischen Juden und Christen geschlossen. VEREINIGTE VERSICHERUNGS¬ AKTIENGESELLSCHAFT IN WIEN Feuer-, Einbruch-, Transportversicherungen aller Art, Hagel- und Tierversicherung, Kautions-VeruntreuungsVersicherung, Maschincnbruchversicherung, Unfall- und Haftpflichtversicherung zu vorteilhaftesten Bedingungen WIEN, IX. KOUNGASsVnUMMER 6 Generalrepräsentanz: WIEN, I. DOMINIKAHERBASTEI 21 m 33 If. Es nützt nichts. Frieders und Meyer. — Unsolide Taufgesohäfte. Die Angelegenheit des von antisemitischen Richter» zu einer schweren Gefängnisstrafe verurteilten thüringischen Oberstaatsanwaltes F ra e d e r s ist im thüringisch«! Landtage wieder zur Sprache gekommen. Der {Bekannte nationalsozialistische Führer Dr. D i n t e r hat die Gelegenheit benützt, um Frieders als einen E x p o n e nt e n des m a c h t g i c r d g e n Weltjudentums, zu brandmarken. Die Sache ist tragikomisch, denn, Frieders hat wirklich alles Menschenmögliche getan, um aus den Jüdischen hinauszukommen. Zuerst legte er den anrüchigen Namen Friedländer ab und nannte sich Frieders Dann ließ er sich protestantisch taufen. Nun gibt e« aber in Deutschland, ganz besonders in Süddeutschland auch mächtige katholische Faktoren, deren Gunst man auch manchmal brauchen kann. Um auch in dieser Richtung gesichert zu sein, ließ der strebsame, ehemalige Friedender und derzeitige Frieders seine Kinder!k a t h o 1 i s c h taufen. Mehr 'kann man von einem Menschen wirklich nicht ver-langen. Es nützt aber nichts. Der protestantisclMkathcflische Frieders ist und bleibt ein Exponent des Judentums. * Ein Leidensgenosse des Herrn Frieders aus Weimar ist Herr Oskar Meyer aus Berlin. Auch er vertraute eines Tages seine schäbige jüdische Seele einem christlichen Gottesdiener an und verließ nach den vorgeschrie«. benen Zeremonien die TaufkapeMc als evangelischer Christ. Die wohltätigen Folgen dieser Seelenwaschung traten alsbald ein. Herr Dr. Osfcar Meyer wurde preußischer Staatsrat und dann Syndikus der Berliner Handelskammer. Da erschien ein Antisemit, ein gewisser. Georg Liebhaber auf dem Plan und machte Herrn <Dr. Meyer den Vorwurf, daß er, Herr Meyer, die Berliner Handelskammei systematisch verjude. Er treibe bei Anstellungen Protektionswirtschaft zugunsten der Juden. 99 Prozent der von ihm ernannten Bücherrevisoren seien Juden. In seinem neuen und ehrlich bezahlten Christentum aufs tiefste getroffen, eilte Herr Meyer zum Richter und forderte Sühne äiir die ihm angetane Schmach, als F ö rderer von Juden hingestellt zu werden. Er, der keine Kosten und keine..Mühe gescheut hatte, um die jüdische Gesellschaft los zu werden. Er bewies auch, daß er keine Juden zu Bücherrevisoren bestellt hatte. Um die arnlüsante Geschichte recht breit behandeln au können, fällte der Richter kein Urteil, sondern verfügte die Untersuchung des Geisteszustndes des Angeklagten Georg Liebhaber. Es ist doch wirklich ein Wahnsinn, den von einem der hervorragendsten Taufspezialisten präparierten Herrn Meyer jüdisch zu verdächtigen. * Die 'Protes tan tischen und katholischen Geistlichen sollten sich rechtzeitig und ernstlich um diese Dinge bekümmern. Es wird nicht gründlich getauft. 'Die Juden werden streiken, werden keine Taufgesohäfte 'mehr besuchen, wenn ihnen statt waschechten Ohristentumes ein Schund geliefert wird, der im Lichte der Oeifentlächkeit schießt und iherunterrinnt, wenn ein Antisemit darawf*. spuckt.__ I . Brief aus Polen* Von unserem Warschauer N.-R.-Berichterstartter. Die jüdischen Gemeindewahlen. — Die Kukttsgemeindewahl In Lemberg. Seit vielen Wochen werden im ehemaligen Galizien und sonst fast in ganz Polen, mit Aujphahme desf früheren Kongreßpokn, Wahlen in die Kultusgemewdein. durchgeführt. Sie finden auf Grund des allgemeinen, gleichen, direkten, geheimen und proportion eilen Wahlrechtes statt. Jeder Jude, ohne Rücksicht darauf, ob er Steuerzahler ist, erlangt durch Anmeldung in der jüdischen Gemeinde seines Wohnortes bei entsprechendem Alter das Wahlrecht. Diese Kulrusgemeinde« wählen sollten nach Jahrzehnten nationaler Arbeit endlich auch in der jüdischen Gemeindestube die dort seit Jahren eihgenisteten Regierercliquen und den sonstigen Assimilationspack entfernen. Die von Zionisten erzogenen Generationen hätten in die jüdischen Gemeindehäuser ihren Einzug halten und somit die interne Ordnung der Kultur und soziale Fürsorgeangelegenheiten und die religiöse Verwaltung in ihre Hände nehmen sollen. Es hieß, den Endstrich unter den schon zu Herzls Zeiten begonnenen, Kampf um die Eroberung der Kultusgemeinde; zu ziehen. In gewissen Orten, insbesondere in WH na, D roll obicz, auch in Przemysl und in Str,ij sowie in mehreren kleinen Ortschaften erlangte das nationale Judentum die Mehrheit und kann somit die Geschicke dieser Kultusgemeinden bestimmen. Im großen und ganzen gelang dies jedoch in den meisten Gemeinden nicht, wenn sie auch dort Vertretungen erlangten. Die nichtnationalen Ortscliquen, die erbgesessenen Regierer brachten es zustande, weiter am Ruder zu bleiben. Gewiß zogen sie Nutzen aus persönlichen Ambitionen, von einer durch Vorkehrung, von Standes- und Wirtschaftsinteressen sehr weit

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