Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 42 (6.7.1928)
- Date
- 1928-07-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42 DIE NEUE WELT Seite 9 1000 Dollar — sind oft nicht so viel wert, als das Urteil zufriedener Gaste. Ein "zufriedener Gast ist die beste Empfehlung! OTTO KASERBR Wie sind nun die Worte, die Herzl mir in seinen Tagebüchern zuschreibt, zu erklären? Wie ich sie mir erkläre? Als ich sali, daß Herzl von allen Seiten bedrängt und gepreßt wurde, warf ich ihm ein Wort zu, das er als Ausdruck zustimmender' Sympatnie auffaßte. ' Wie können wir diesen psychologisch sonderbaren Fall deuten? Israel Zang.will, der zu jener Zeit Herzl in London kennenlernte, hat folgendes, später berühmt! gewordenes Bild entworfen: Herzl ist ein Mann von ein drucksvoller Schönheit, wie König Saul, der seine Brüder durch seine Gestalt weit überragt, mit langem schwarzen Bart und leuchtenden Augen. Seine Manieren waren voller Noblesse, in der Konversation war er faszinierend und übte einen magnetischen' Einfluß aus auf alle, mit denen en in Berührung kam. Zu gleicher Zeit gab Leon Kahn folgendes Bild von Israel Lcvy: ,Das Antlitz wird von zwei lebhaften schwarzen Augen beseelt. Der Bart ist schwarz und wohl gepflegt, das Profil regelmäßig. Er macht den Eindruck eines Missionärs ... ein ausdrucksvoller Kopf, der niemand gleichgültig läßt... in seinen Gesprächen gibt er sich vollkommen aus, die Stimme ist wuchtig trotz des unreinen Organs. Der Tisch zittert unter den wuchtigen Schlägen des Sprechenden, Welche Hingabe, welche Leidenschaft! Es scheint, daßdi ese Aehnlichkeitdas Mißverständnis hervorgerufen hat. Herzl konnte gefesselt gewesen sein von des jungen Rabbiners Physiognonye und Temperament, worin er sich selbst ein wenig zu erkennen glaubte. 1 Und da er ein Phantast, ein Genie an visionären Kraft war, hat er im besten Glauben zu seinem Anhänger einen Menschen gemacht, der bloß sein Bewunderer war." Herzl-Crabgang und Herzl-Feier. Sonntag, den 8. ds., findet der traditionelle Gang zum Grabe Theodor Herzls statt. In diesem Jahre werden Delegationen der neugegründeten Zionistischen Organisation Ungarns, aus der Tschec hoslowakei und den österreichischen Provinzorten teilnehmen. Die Aufstellung erfolgt präzise halb 10 Uhr, der Abmarsch 10 Uhr. Die H er z 1-G e d e<nkf e i er findet am gleichen Tag, präzise1 3/48 Uhr abends im Festsaal des Hotels Continental,: IL, Taborstraße 4, statt. Ansprache Rabbiner Dr. David Feuchtwang; mitwirkend die Herren Oskar Be r egi und Oberkantor Gerson M a r g u 1 i e s. Eintrittskarten sind im Zionistischen Büro, L, Kärntnerstraße 28, erhältlich. Die Gedenkfeier wird gemeinsam mit den zionistisch-akademischen Verbindungen und Vereinen Oesterreichs veranstaltet. Reihenfolge im Aufmarsch und Sammelplatz der einzelnen Gruppen. Gruppe 1: Zionistisch-akademische Verbindungen und Vereine Oesterreichs: Hochschule für Bodenkultur, Ecke Peter-Jordan-Straße und Höchschuktraße. — Gruppe 2: Die Mitglieder des Aktionskomitees, Landeskomitees, auswärtige Delegationen, Parteiratsmitglieder, Keren Hajessod und Keren Kajemeth: bei der Hochschule für Bodenkultur (Rampe). — Gruppe 3: Bezirkssektionen 1, 2,; Prater, 3, Misrachi: Peter-jordan-Straße, Ecke 'Hochschulstraße.— Gruppe 4: Frauenorganisationen: Hochschule für Bodenkultur, Ecke Feistmantelstraße und Hochschutstraße. — Gruppe 5: Bezirkssektionen 4-5,'6-7, 10-11: wie Gruppe 4. — Gruppe 6: Bezirkssektionen 8-9. 12-14-15, 13, 16-17, 18, 19: Blaasstraße, Ecke Felix-Mottl-Straße. — Gruppe 7: Bezirkssektion 20, Zwischenbrücken, 21: Cottagestraße, Ecke Felix-Mottl-Strale. — Gruppe 8: Hitachduth, Hechaluz, Brith Hamischmar und alle sozialististischen Gruppen: Felix-Mottl-Straße, von der Cottagegasse beginnend. — Gruppe 9: Jugendorganisationen, Jugendgruppen: Weimarerstraße, Ecke Felix-Mottl-Straße. — Gruppe 10: Hakoah, Turn- und Sportverband: Weimarerstraße, vom Karl Ludwig-Denkmal bis' Anastasius-Grün-Gasse. Sie sind elegant — wenn Sie Ihre Seidenstoffe für den Sommer im Spezialhaus „Tuchhaus zum Hirschen", II., Taborstraße 17 b, kaufen. Reiche Auswahl, billigste Preise. Besuch lohnend! Zu Spottpreisen — iür den Urlaub erhalten Sie die Restbestände meines aufgelassenen Detail-Lederwaren-Geschäftes, und zwar Reisekoffer, Coupe-Schrankkoffer usw., Krokodil-Necessaires und alle sonstigen Lederwaren! Erzeuger L. Storch, VIII., Lederergasse 2, Tür 2, und VIII., Albertgasse 19. E Reisen Sie behaglich im Strickkleid! Jumper-Kleld, vornehmes Modell, reine Schafwolle ... $ 39,— Bade-Anzug, ameiikan. Facon S 11.50 Jumper-Kleld, Crepe fraisse, modernste Farben.....S 45,- Sportstr Um ple, schöne Muster S 2.90 Strlckmodenhaus M. HOLZER Wien Berlin VI,, Murlahllferstr. 89 ll*s Taborstr. 19 ' Die Erinnerung eines Kollegen. Von Professor Balduin Bricht. Indem ich die Vorbereitungen der „Neuen Welt" zur Herausgabe einer Herzl-Sondcrnummer zur Kenntnis nehme, steigt das Bild meines Kollegen bei der „Wiener Allgemeinen Zeitung", vor länger als 40 Jahren, des mir wohlwollenden Freundes, mit dem mich noch später mancher beruflich und gesellschaftiliche Berührungspunkt einte, des von der Natur zu Außerordentlichem prädestinierten Dr. Theodor Herzl vor meiner Erinnerung auf und ich fühle mich innig veranlaßt, seiuem Ehrenkranze ein lebendes Blatt einzufügen. In merkwürdig jungen Jahren hatte Theodor Herzl, wie körperlich so geistig seine Umgebung überragend, dein Beobachter die bewegenden Triebkräfte seiner Persönlichkeit, seines literarischen Schaffens und seiner idealen Willensbetätigungen dargelegt. Er, der in seinem abgeschlossenen, überempfindlich scheinendem Wesen, in dem objektiv ruhenden Blick seiner durchdringenden Augen als der Komplizierte, der aus den verschiedensten feinsten Kulturextra'kten unfaßbar Destillierte erscheinen mochte, hatte sich dem Betrachter, dem er, sich geben wollte, bald ganz restlos erschlossen. Man vrsitand Herzl, den ganzen Herzl in seinem Schreiben, Denken, Sprechen, Fühlen und Tun, wenn man ihn als Idealisten erfaßte. Als Idealisten in ,dem durch und durch von Humanismus erwärmten und geklärten, sonst vieldeutigen Sinne des Wortes. Was hat, so mag der auü die modernen Anschauungen Eingelernte fragen, der Feuilletonist, der mit den Geist3 .und Witzkleinodien klirrende Schreiber unter dem Strich, mit jenen höchsten Urgütern der Menschheit zu tun? Nun aber vergleiche man ein beliebiges Feuilleton Herzls mit dem Produkt desselben Genres eines anderen Schriftstellers, selbst ein ^solches, in dem er der unausweichlichen Spottlust lachender Ueberlegenheit das Spiel läßt, und man wird mit einem Male spüren, wie da der warme Herzschlag pulst, eine Blutwelle Menschenliebe in die federführende Hand eingeschlossen ist, wie selbst die kunstvolle Grazie des Gedanken- und Wortmeisters noch das weise, milde Lächeln verrät, mit dem der Menschenfreund den Adel siner Gesinnung verklärt. Herzl, in dem sich Idealismus und Humanismus in wunderbarer Wahlverwandtschaft trafen, ist von seiner Mission als Retter der Aermsten seiner Stammesgenossen wie von einem Elementarereignis ereilt worden, gleichsam willenlos preisgegeben. Was an Kultur- und Reehtsbewußtsein in ihm lebte, was er an Weltbetrachtung und Ethos in sich aufgebaut, was er an Menschenliebe, an teilnehmendem Empfinden für Menschenleid in sich erschlossen hatte, das klau'g in einen leidenschaftlichen Akkord zusammen, das jagte alle erbarmenden Triebe in ihm auf, das schoß zu aus'bündigen Plänen auf, das riß ihn zu einem jedes Gegenargument schroff abweichenden Fanatismus hin. Nie zuvor nie nachher habe ich einen Hcrzenshelden gesehen, den der Weheruf: „Der Menschheit ganzer Jammer faßt mich an" mit so phantastischer Kraft des Helfenwollens, des Helfenmüssens ausgestattet hätte. Ein Missionär und so ein Märtyrer der Menschheit. Eine staatsbildende Idee von höchster Eigenart und Kühnheit, ohnegleichen in den Hochflug ihrer Konzeption, war in ihm aufgesprungen, und wie er nun Pläne entwarf, Entschlüsse ergriff, seine Wanderungen an die europäischen Höfe antrat, seiner Propaganda durch seine persönliche Beredsamkeit unwiderstehlichen Nachdruck verlieh, alleinstehend, endlich, der Riese unter den staunenden Pygmäen, den Erfolg an sich riß und als ein Unerhörtes in die Welt der Tatsache setzte, das alles ist weitesten Kreisen als Phänomen der Zeitgeschichte bekannt genug, winkt sich auch noch fortgesetzt in zeitgeschichtlichen Erscheinungen von ausgreifender Bedeutung aus. Als Herzl damals seine verschlungenen und doch nach, bestimmten Ziele gerichteten Bahnen zog, hat er mich von Zeit zu' Zeit mit Mitteilungen erfreut und geehrt.! Anschaulich 'lebt in mir noch der Eindruck, den sein damaliges aus Ekstasen und starkgeistigen Erwägungen merkwürdig geschlungenes Wesen auf mich machte. Ein Feuerbrand mit scharfsinniger Dialektik, ein Menschheitsaipostel mit' zweckbewußter Erwägung, ein Unbedingter besonnenen Unterscheidungsvermögens, ein Spinoza der Wende des neunzehnten Jahrhunderts, ein Mann, von dem der Zauber ungeheurer Begabungen und Kräfte, zu erhabener Einheit, verbundener Gegensätzlichkeiten ausging. Auf seinem Krankenlager, das sein Totenbett werden sollte, habe ich Herzl noch einmal gesehen. Mancher Schatten des Unmuts wölkte um ihn, manche Enttäuschung verbitterte ihm das körperliche Uebel. Der mangelnde Gemeinsinn seiner Schutzbefohlenen schuf ihm Pein. Aber das Zeichen des Todesengels schwand von; seinen bleichen Wangen, als er Kopf und Stimme er'hob, um im Tone des Sehers, den Blick auf den ragenden Berg vor seinem Fenster gerichtet, zu sagen: „Aus drei heiligen Dingen ist . meine Idee geboren. Aus der Not, aus dem Mitleid und aus der Gerechtigkeit. In diesen drei Dingen ist die Menschheit begründet. Darum durfte und mußte ich meiner Idee dienen mit meinem ganzen Herzen und mit allen meinen Kräften. Vielleicht dari auch ich sagen: „Non omnis moriar," Vorzeitiges Altern durch Mutterschaft! „Jedes Kind kostet der Mutter einen Zahn", sagt der Volksmund. Das Im Mutterlei'be entstehende Kind „nimmt sich, was es braucht" (Dr. Geyer). Dadurch wird der Körper der Mutter sehr geschwächt. Die Knochen werden dünner und geben nach, dadurch entstehen oft'Plattfüße, Haare und Zähne fallen aus. Leib und Brüste .werden . , schlaff und das junge, blühende Mädchen von einst ist oft nach einem Jahr nicht wiederzuerkennen. Das kann verhütet werden! Jeder Arzt kann es, der eine „Künstliche Höhensonne" — Original Hanau — besitzt, die übrigens auch in jedem Krankenhaus vorhanden ist. Es ist neuerdings wissenschaftlich erwiesen, daß, wenn schon während der Schwangerschaft mit den Bestrahlungen begonnen wird, nicht nur das vorzeitige Altern der Mütter verhütet, sondern daß auch die Geburt sehr erleichtert, die Stillfähigkeit sehr-erhöht und das Gedeihen des Kindes gefördert wird. Die gefürchteten Kinderkrankheiten Rachitis und Skrofulöse, die vielfach lebenslänglich ihre Spuren hinterlassen, bleiben aus, und auch fürandere Krankheiten ist das Kind viel weniger empfänglich. Das alles sind wissenschaftlich erwiesene Tatsachen. Erst neuerdings wieder bringt die Nr. 7 der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift" 1928 einen Bericht von Professor Karl Stolte und Dr. C-arl' Wiesner aus der Universitäts-Kinderklini'k zu Breslau über ganz überraschende Erfolge bei stillenden Müttern, und sonstige gute Resultate kann jeder Arzt aus der eigenen Praxis und aius der medizinischen Literatur bestätigen. .; Jede werdende Mtifter sollte zu ihrem eigenen.und zu des Kindes Besten mit ihrem Arzte über diese Dinge sprechen. Die Bestrahlung ist nicht teuer, weit billiger, als das Vortäuschen der Jugend durch Schönheitsmittel und als die Behandlung eines skrofulösen oder rachitischen Kindes. s Neuerdings gibt es auch eine kleine Heim-Höhensonne zur vorbeugenden Selfost- - bestrahlung bei Gesunden. Die Intensität dieser „kleinen Höhensonne"' ist natürlich geringer, doch für den Hausgebrauch ger nügend.; . Verlangen" Sie kostenlose Aufklärungsschriften von der . Quarzlampen-Besellsdiaft m. Ii. H., Hanau a. M. Zweigfatarik Linz a. Postfach ZOO Vertretung In Wien, III., Kundmanngasse 12 (Karl Herz) — Telephon 91-2-27 Erinnerungen an Theodor Herzl Von Oskar Rosenfeld. Jüdische Kunst. Der Sturm des zionistischen Gedankens — vor fünfundzwanzig Jahren — riß mich zu den Fragen jüdischen Geistes, jüdischer schöpferischer Gestaltung. Ich war jung. Ich schrieb einen Aufsatz, der also begann: „Wer Bilder jüdischen Inhalts "malt, ist noch lange kein jüdischer Künstler", einen ungebärdigen, unreifen Aufsatz. Für ihn sprach das Temperament, die Keckheit, das Neue. Damals erschien „Die W e 1t"; wie ich glaube, mit denselben Merkmalen ausgestattet. Darin sollte mein Aufsatz erscheinen. Ich ging zu Theodor Herzl in die Fichtegasse 11. Dort sah ich ihn die Treppen herabkommen, wandte mich und schritt hinter ihm her, die Stadt durch, bis in die T ü r k e n s t r a ß e 9, wo sich damals das zionistische Bureau befand, lieber den Hof ging's, durch einen schmalen, armselig ausgestatteten Vorraum in ein nicht besser bedachtes Zim<mcr und weiter zu einer Tür, 'hinter der er verschwand. Ich befand mich einem kleinen, älteren, bebrillten Menschengegenüber, dessen rätselhaft aus herabgezogenem Mund'winlkel; lächelndes Gesicht über eiu aufgeschlagenes Buch gebeugt war," auf dessen Seiten eine zarte, zitternde Hand Zahlen, nichts als Zahlen schrieb. Es war der N a t i o n al f o nd s-T e i t e l b a u m. Und es fügte sich, daß noch ein zweiter Mensch erschien, nicht minder grotesk und unwirklich, ein kleines Männchen mit einem Pergamentgesicht und erloschenen Augen, mehr [ Hotel Silier I., Schwedenplatz Modernste! Komfort. Mäßige Preise. Fließendes Wasser. 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