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Die neue Welt · 1928-07-06 · Heft 42 (6.7.1928) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 42 (6.7.1928)
Date
1928-07-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1 Sotfe 4 DIE NEUE WELT Nr. 42 wohnen und speisen Sie in Wien am besten* In dem seit SO Jahren bestrenommierten m HOTEL GUTH, IL, HOLLANDSTRAHE Mr. 14 S sprechen müsse, und er . kam .zu dieser Erkenntnis, ohne das jüdische Volk überhaupt zu kennen. Aus seinem Blut heraus schrie dte frage, in einem halbwachen Zustand, visionär, phantastisch schrieb er den „Judenstaat". Nur ein Dichter konrite dies wagen, nur einer, der über den Gegenständem die Zukunft sah, der an Reinheit und Wahrheit glaubte, nur einer, der im Willen schon den Umriß der Tat erkennt. Er schrieb den „Judenstaat", und an diesem Wort entzündete sich die Jugend. Sie sah wieder ein Ziel, eine Fahne, für die es sich lohnt zu sterben. Aber Herzl kündete das Leben . '. * Er rief zum K o. n g reß auf. Er zimmerte die erste Tribüne nach zweitausend Jahren und er sprach von dieser Stätte aus das .erste Wort. Er hat den Kongreß 'begründet, das Programm vorgezeichnet, die Organisation eingerichtet und den Nationalfonds geschaffen. Es waren im einzelnen nicht seine. Pläne, aber das Volk brachte sie und er faßte sie in 'fester Form zusammen. Das war nämlich das noch größere Wander, daß aus diesem Volke Ideen, Gedanken, Pläne fast fertig herauskamen, daß wirklich ein reicher Brunnen aufgeschlossen war, und daß ein Werk entstand, dem sich die Aufmerksamkeit aller Denkenden sofort zuwenden mußte. Es war die Kraft dieser Bewegung, daß Führer und Geführte zu einer Einheit zusammenwuchsen. Zu den Nationen trat eine neue. Die Regierungen mußten sich mit ihr beschäftigen, und es war vor allem England, dassich der Frage Zuwendete. England weiß, was eine politische Idee ist und vermag, die aus der Tradition, aus historischem Bewußtsein erwächst. England kennt die Bibel und das- Volk der Bibel. England hatte bis dahin in der neueren Zeit das Judenproblem nicht gekannt, erst die nach den russischen Verfolgungen und Ausweisungen einsetzende Einwanderung zwang zur Stellungnahme. Vielleicht waren dabei auch antijüdische' Strömungen im Spiele, im großen aber trat England mit Emst und Wohlwollen an die Frage heran. Da kam der Zionismus, und England sah sofort die ungeheure Bedeutung. Ein Fünfzehnmil'honenvolk will sich regenerieren; es ist selbst von der Idee noch nicht zur Gänze erfaßt, aber die Jugend 'brennt und ein Führer ist-da. Englands Tradition ist es, kleinen Völkern zu helfen, aber es schafft sich jetzt, wenn es Freundschaft zeigt, eine über die Welt reichende geistige Kolonie, ein Volk von fünf- KAUFEN SIE Anzugstoffe Wfti'iiifsiliEfl:,iiiät»nif*l?ö Groije Auswahl! Billigte Preise! Johanna, Gattin, geb. in Pesth, 30 Jahre alt. Moritz und Walhelm, Söhne, 11 und 10 Jahre alt. Rosalie, Rosa und Anna, Töchter,. 7, 4 und 3 Jähre alt. ' Moritz, Knecht, geb. in Freystadtl, 18 Jahre alt. Rosa Finschitz, Köchii;, geb. in Neutra, 15 Jahrf alt. Rosa Abeles, Schwägerin, geb. in Pesth, 18 Jahre alt. Aus dem armen Jungen, der im Hause seines Stiefvaters Unterschlupf gefunden hatte, war ein angesehener, wohlhabender Mann geworden. Die in der Liste angeführte Dienerschaft — Knecht und Köchin —verraten den Anfang behaglicher Lebensführung. Fünf Kinder, zwei Söhne und drei Töchter, hatte ihm seine Gattin geschenkt. Eine Schwägerin, eine Schwester seiner Frau, namens Rosa Abeles, hatte er in seihe Hausgenossenschaft aufgenommen. Diese menschenfreundliche Handlungsweise setzt uns nun — überraschenderweise für manchen Leser — in die Lage, diese genealogische Studie auf eine weitere Generation zu' erstrecken. Wir wissen zwar aus der Totenmatrik der Chewrah Kadischah, daß (Johanna) Katharina Diamant —- sie starb am 9. September 1872 — mit ihrem Mädchennamen Abeles hieß, aber dieser Hinweis, allein genügte nicht zur Grundlage für weitere Nachforschungen. Da wir aber nun wissen, daß Hertmann Diamants Schwägerin Rosa Abeles hieß, in Pesth gebürtig und im Jähre 1836 achtzehn Jahre alt war, so muß sie doch wohl bereits bei der Konskription von 1820 in Pesth anwesend gewesen und in einer Familienüste. verzeichnet sein. Aber bei* Durchsicht der Listen werden wir anfangs sehr ent-. täuscht, denn fast alle im Jahre 1820 in Pesth wohnenden Familien Abeles hatten eine Tochter namens Rosa. Wenn wir aber eine enge*« Auswahl treffen zehn Millionen Freunden. Palästina war in türkischer Hand, die Türkenfrage konnte jetzt nicht, noch nicht angeschnitten werden; aber es war geboten, dem Zionismus guten Willen zu zeigen, und so kam es zum Uganda- Angebot; ein autonomisches Land für das jüdische Volk. Es war das erstemal, daß ein Volk zum jüdischen Volk sprach und ihm etwas besseres bot als Schutzbestimmung. England wußte, daß Uganda nicht Palästina war, und daß in kurzer Frist die Frage ganz anders stehen muß. Der Orient war reif. Und so signalisierte Joe Chamberlain die kommende Lösung. * Herzl hat sie nicht mehr erlebt. Sieben Jahre hatten seine Kraft verzehrt. Er starb. England löste sein Wort ein. Am Ausgang des Weltkrieges dachte England an das jüdische Palästina. Es mußte daran denken, weil die Zionistische Organisation, die einzige interstaatliche Körperschaft, die den Krieg überdauert hatte, zur Stelle war und die logische Fortsetzung des Uganda-Konzeptes forderte. Es kam das Mandat und der Beginn der Arbeit in Palästina. Was Herzl geschaffen hatte, war da: lebendig, impulsiv, tatbereit und entschlossen. Vor allem war der Kongreß da, und in neuer Hoffnung, in neuer politischer Geltung nahm er zur Kenntnis, daß seine Leitung, die Exekutive, vom Völkerbund als die legitime Vertretung des jüdischen Volkes für Palästina anerkannt wurde. Der Text des Baseler Programmes wurde ins Mandat übertragen. * Sieben Jahr' sind um. Die zionistische Leitung ist mutlos geworden. Ihr ist nicht mehr der Kongreß 4ie Quelle der Kraft, nicht mehr das Volk. Sie verzweifelt an dem Volk, das durch Kriegsnot, Verarmung und Verfolgungen geschwächt, dem Tempo des Aufbaues nicht hat folgen können. Die Leitung ■glaubt nicht an die Zukunft, und sie ruft die Reichen, die in den Jahren der Arbeit, der Mühen ferngeblieben waren. Jetzt ist der große politische Erfolg dank Herzl eingetreten, das Gerüst steht, und so hofft man auf .Geld. Aber wo die Begeisterung fehlt, gibt es auch kein Geld. Die Reichen sollen in die Begeiste-, runggetrieben werden, sie sollen in die jüdische Ver-. tretung auf genommen werden, unter Voraussetzungen, die den"'töei^&e^'XSrMüng/'maßgebenden Tendenzen zuwiderlaufen. Und nun ist die psychologische Folge die, daß in der Zionistischen Organisation sich das Mißtrauen festgesetzt hat. Die politischen Folgen; sind einstweilen noch nicht erkennbar, aber, die unausweichliche Aehderung des Mandatstextes birgt große Gefahren in sich. < , ' $ In diesen letzten sieben Jahren ist Schaden geschehen, der -kaum gutzumachen sein wird. Die ganze Kraft-der Organisation; wird aufgeboten werden; müssen, um Herzls Erbe zu wahren und den Weg zum Judenstaat nicht verrammeln zu lassen. Herzls. vornehmste Schöpfung, der Kongreß, wird eingreifen müssen. und eine Familie Abeles suchen, die eine Tochter Rosa und eine weite Tochter des Namens Anna oder Johanna haben, so kömmt für uns nur folgende Liste in Betracht: 1820. Familie Nr. 414. Fol. 408. Wohnt in der Theresienstadt im Farkaschischen Hause Nr. 1015. Theresia Abeles, nichttoleriert, 30 Jahre alt, gelb, in Ni-kölsburg, Witwe, Hausiererin. Anna, 12 Jahre alt, geb. in Pesth, ledig. Juliane, 9 Jahre alt, geb. in Pesth, ledig. Rosina, 3 (oder 5) Jahre alt, geb. in Pesth, ledig. Die Anna dieser Liste wäre also Theodor Herzls mütterliche Großmutter. Wer diese Identifikation nicht für ganz überzeugend hält, der halte sich'vor Augen, daß diese Familie Abeles im Jahre 1820 „im Farkaschischen Hans Nr. 1015" wohnt, also in nächster Nähe von Charlotte Diamant, der Mutter von Herrmann Diamant. Wie naheliegend ist es doch, anzunehmen, daß die Nachbarkinder von 1820 die Eheleute von 1836 sjnd. (Auffallend ist übrigens die Tatsache, daß in der Konskription von 1836 als Nachbarin der Charlotte Diamant wiederiMn eine aus Nikolsburg gebürtige Frau namens Rosalie Abeles mit ihren Töchtern Rosalie, Cathia, Maria und Anna erscheint.) Als — dürftiges — Ergebnis unserer bisherigen Forschungen kann also festgestellt werden: Theodor Herzls mütterliche Urgroßeltern waren. Wolf und Charlotte Diamant, ein aus Nikolsburg stammender Mann namens Abeles sowie dessen Frau Rosalie. In Nikolsburg sind nun weitere Nachforschungen sehr erschwert, weil in dieser Stadt die wichtigten Denkmäler genealogischer Erinnerung, die Grabsteine, von unverständigen Händen herausgerissen, und zu einer Stützmauer des Friedhofes verwendet wurden, obwohl es verlockend genug wäre, die Abkunft dieser Mauschel. Von Theodor Herzl. Mauschel ist Antizionist. Wir kennen ihn schon lange, und es hat uns auch immer der Ekel gehoben, wenn wir ihn ansahen, wenn uns das Leben in seine Nähe oder gar in Berührung mit ihm brachte. Aber zu dem Ekel, den wir empfanden, gesellte sich bisher immer Mitleid; Wir suchten nach milden, historischen Erklärungen dafür, daß er ein so verkrümmter, verrückter und schäbiger Geselle sei. Und dann: er ist doch unser Volksgenosse — werm auch nicht die mindeste Veranlassung vorliegt, uns etwas auf seine Genossenschaft einzubilden. Wir sagten uns, daß wir ihn ertragen müßten, ja daß es unsere hohe Aufgabe sei, ihn zu veredeln, daß wir alle an dieser Aufgabe wachsen würden, und mit einer Art von romantischer Zärtlichkeit oder Schwäche nahmen wir uns seiner an, weil er ein Lump war. Wenn Mauschel eine Gemeinheit beging, trachteten wir sie zu vertuschen. Wenn Mauschel recht niedrig war, erinnerten wir die Welt an die Großen unseres Volkes. Wenn Mauschel uns alle kompromittierte, schämten wir uns oder schäumten insgeheim — jedoch wir schwiegen. Da hat Mauschel endlich etwas getan, was Lob verdient, was uns zur Ehre gereicht und wodurch er uns für manches entschädigt, das wir seinetwegen erdulden mußten. Er hat sich von uns losgesagt. Mauschel, das ist ein schöner Zug! ' Aber wir sprechen von Mauschel, ohne ihn noch gebührend vorgestellt zu haben. Wer ist denn dieser Mauschel? Ein Typus, meine lieben Freunde, eine Gestalt, die in den Zeiten immer wiederkehrt, der fürchterliche Begleiter des Juden, und vom Juden so unzertrennlich, daß man beide miteinander stets verwechselt hat. Der Jude ist ein Mensch wie andere, nicht besser; nicht schlechter, höchstens verschüchtert und verbittert durch die Verfolgungen, und von einer großen Standhaftigkeit im Leiden. Mansche! hingegen ist die Verzerrung des menschlichen' Charakters, etwas unsagbar Niedriges und Widerwärtiges. Wo der Jude Schmerz oder Stolz. empfin- Ein kleinif Wundirl Die billige FROLIO-Schreibmaschine für jedermann Preis S 95-— Teilzahlungen Gewicht 2*5 kg l Garantie! Telephon 71-5-55 Typ enrader In allen ' *S prachenrlagernd! * Auch hebräisch Gen.-Vertr.: Rudolf Wacht, Wien, I., Akademiestr. 3 Nikolsburger Abeles um Jahrhunderte zurück, vielleicht auf jene Prager Familie Abeles zurückzuführen, der es in einer grausigen Schicksalstragödie beschieden war, vermeintliche und echte Märtyrer hervorzubringen. Herrma-nn Diamants Söhne hießen, wie wir aus der Konskription von 1836 wissen, Moritz und Wilhelm. Letzterer hatte den, ungarischen Freiheitskampf von 1848-1849 mitgemacht und die Oberleutnantscharge erlangt, worüber ihm im Jahre 1867 eine Bestätigung erteilt wurde. (Vgl. Abbildung.) Zahlreich sind die Nachkommen der drei Töchter Herrmann Diamants; zu ihnen zählen Familien des Namens Auernheimer, Bolgar, Büchler, Hafschek, Schwarz, Stern-Sebestyen ü; a. Theodor Herzls mütterlicher Großvater sowie Vater waren Mitglieder der angesehensten jüdischen Organisation Budapests, der Chewrah Kadischah. Als Quelle für die folgenden Nachrichten konnten wir die musterhaft geführten un.d sorgfältig aufbewahrten Archivalien dieser Organisation benützen, vorwiegend eines, das folgenden Titel trägt: Auf nahms-'ProtokoU. Sämtlicher Mitglieder der Ohevnah Kadischah,. begründet zu Pesth im Jahre 1790 ... ve-rvollkommt ... im Jahre 1851. Dieses Buch nun meldet unter Nr. 137, daß Herrmann Diamant im Tebet 1841 der Chewrah Kadischah als wirkliches, also Seniorenmitglied, beigetreten ist; er durfte also den niederen Grad eines Juniorenmitgliedes, eines „Melodsches" (vom slawischen mlody abgeleitet) überspringen. Es wird auch sein voller hebräischer Name gabriel hersch ben wolf diamant, sowie der Mutternarne Scheindl angeführt, die Stämmesbezeichnung c(ohen) «s*! 2?(edek) ist mit'Bleistift hinzugefügt. Im Jahre '1859 ist, wie das »AHrfnahms^oto-

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