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Die neue Welt · 1928-06-22 · Heft 40 (22.6.1928) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 40 (22.6.1928)
Date
1928-06-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Prc r»a|/u ^'«hen _ ____ _ V. b. b. Die HEUE WELT BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc. 15 —; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertellährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX*, Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übriger! Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Erscheint jeden Freitag Jahrgang 2 Freitag, den 22. Juni 1928 Nr. 40 Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Hakoah. . In jüdischen Kreisen, weit über Wien hinaus, herrschen Bestürzung und Aulregung. Leidenschaftliche Debatten, werden geführt. Warum? Was ist geschehen? Der jüdische Sportklub „Hakoah" hat in der heurigen Fußballsaison viele Spiele verloren und ist aus der Meisterklasse gestrichen worden. Und wie seinerzeit der Aufstieg dieses Klubs als ein großer jüdischer Sieg gefeiert wurde, wird heute sein Abstieg als eine jüdische Niederlage beklagt. Wie damals von allen Seiten her schier überschwengliche Lobgesänge tönten, so kommen jetzt von allen Seiten her Anklagen und Vorwürfe. Der objektive Betrachter wird beides unverständlich finden. Was ist denn schon daran, wenn ein Sportklub Punkte verliert, was hat das mit der jüdischen Sache zu tun? Davon kann doch die jüdische Sache nicht abhängig sein! Und doch haben die, welche dem Falle Wichtigkeit beimessen und ihn beklagen, recht. Die Begleitumstände machen den Fall „Hakoah" zum Anzeichen einer schweren Krise der jüdischnatiovn a 1 e n Idee, zu einer Verfall sers c h e i n u n g im zionistischen Leben. Hakoah ist als Schöpfung des zionistischen Idealismus entstanden. An der Wiege dieses Klubs standen begeisterte, kämpfende junge Menschen. Ihr Ziel war es, der nichtjüdischen Welt, vor allem aber der durch die Assimilation geschwächten jüdischen Gesellschaft zu beweisen, daß es jüdischen Stolz, jüdischen Mut, jüdische Energie, jüdische Kraft gibt. Von allen Seiten bekämpft und, was noch schwerer wiegt, von allen Seiten verlacht, haben diese jungen Juden die Achtung der Nichtjuden und die Liebe der Juden erkämpft, in des Wortes wahrster Bedeutung erkämpft. Mit glühenden Wangen wartete die jüdische Jugend der ganzen Welt, ja, der ganzen Welt, auf Nachrichten von der „Hakoah" und auch Männer und Frauen gesetzten Alters verfolgten intensiv interessiert die Tätigkeit des Klubs. Ein Besuch der „Hakoah" in irgend einem Lande galt' als jüdischer Feiertag. Die Juden fühlten sich stolz und gehoben. Und der Instinkt, welcher jung und alt leitete, war kein falscher. Das war keine verrückte Sportfexerei, es war Liebe zu einem Stück jüdischen Idealismus. Von diesem Geiste gestützt und getragen, stieg die „Hakoah" auf. Jetzt ist sie gefallen. Tief zu bedauern ist nicht der Umstand, daß sie gefallen, sondern \v i e sie gefallen ist. Der Klub „Hakoah", der jetzt aus der Meisterliste gestrichen wurde, hat außer einigen Namen mit der alten „Hakoah" nichts mehr gemein. Er war nicht mehr vom jüdischen Idealismus, sondern vom Geiste des Sportgeschäftes beseelt. Bezahlte Spieler, bezahlte Funktionäre, jedes Spiel ein Geschäft. Um Geld drehte sich alles. Ob man genug Geld haben wird, um diesen oder jenen „Star" zu erhalten oder zu kaufen. Ob diese oder jene Reise genug Profit bringen wird oder nicht. Wieviel man für Reklame ausgeben soll. Ob die neue Leitung oder ein neues Komitee genug Geld aufbringen wird, um die Schulden zu bezahlen und guten „Nachwuchs" zu kaufen. Das waren nunmehr die Botschaften, die erklangen. Erhebende Botschaften! Im Klub herrschte der entsprechende Geist. Von nationaler, zionistischer Arbeit keine Spur. Dafür tauchten in der Leitung Men- Palästina vor der Mandatskommission. Erklärungen des englischen Vertreters über die Verwaltung. Die Mandatskommission des Völkerbundes trat am 12. Juni in Genf zu ihrer Frühjahrssession zusammen, in welcher die Verwaltungsberichte der Regierungen in Palästina, Syrien und Libanon, Französisch-Kammerun und Französisch-Togo, Tanganjika und Südwestafrika sowie einige Petitionen und allgemeine Fragen behandelt werden sollen. Als Präsident und Vizepräsident der Kommission wurden für eine weitere Amtsdauer der Italiener Theo doli und der Holländer van ,J?ees wiedergewählt. Deutsches Mitglied der Kommission ist Geheimrat Kastl. Der Vorsitzende hob hervor, daß ein eingehender Fragebogen vorbereitet worden ist zur Vorlegung an die Vertreter, der Mandatsmächte über die ehemals feindlichen Güter in den Mandatsgebieten. Die Behandlung des Berichtes der britischen Regierung über die . Verwarturigstätigkelt M\ P, äjjs-tina und in T r a n s j o r d a n i e n im Jahre 1927 füllte die Sitzungen der Mandatskommission des Völkerbundes am 14. Juni nachmittags und am 15. Juni während des ganzen Tages aus. Colonel S y m e s, der zusammen mit Herrn Lloyd aus London die britische Regierung vor der Mandatskommission vertrat, ergänzte den schriftlichen Bericht seiner Regierung durch einige mündliche Bemerkungen. Colonel Symes, der frühere Chefsekretär der Palästina-Regierung, stellte fest, daß die britische Regierung nach wie vor bestrebt sei, die Prinzipien der „Selbstregierung** (Seif-Government) in allen von ihr verwalteten.. Mandatsländern zur Geltung kommen zu lassen. Die Regierung war auch in Palästina, ungeachtet der dort bestehenden besonderen Schwierigkeiten, nach der gleichen Richtung bemüht. Ein gewisser Fortschritt ist bereits zu verzeichnen. Unter der Bevölkerung Palästinas entwickelt sich immer mehr ein, Geist det Bürgerlichkeit; das Interesse für die öffentlich e Verwaltung wächst von Tag zu Tag. Die Regierung ist bestrebt, jn Palästina die Reformen einzuführen, die sie im Interesse des öffentlichen Wohlstarides iür nötig erachtet. Bevor .aber, solche Reformen Platz greifen, müssen sie gründlich durchstudiert werden. .Diese Vorbereitungsarbeit vollzieht sich "' . .'' in einer ÄfnToIpnäre der Ruhe. Colonel Sy'm e s . bemerkte weiter, daß viele — wenn nicht alle — der in, Palästina den Prinzipien der Selbstregierung entgegenstehenden, Schwierigkeiten durch das gewählte .Mandatssystem selbst bedingt sind. Die Administration hat die Aufgabe übernommen, ein kleines, armes und wenig entwickeltes Land sehen auf, die alles, nur kein jüdisches Interesse hatten. Bei keiner jüdischnationalen Aktion war mit der „Hakoah", welche früher die besten Helfer geliefert hatte, zu rechnen. Wenn die Zionisten kämpften, blieb die Mehrzahl der Menschen von der „Hakoah" zu Hause, nicht wenige gingen mit den Gegnern. Zionismus, nationale Begeisterung und geschäftlicher Sportbetrieb sind nun einmal unverträglich. Und abgestiegen ist die „Hakoah" nicht etwa darum, weil ihre Leute Unglück hatten, krank oder untüchtig wurden. Nein. Es kamen eben Leute und Spielgesellschaften, welche mehr Geld auf den Tisch legten und gerade Hakoahspieler, jüdische Spieler aufkauften, weil dadurch mehr jüdisches Eintrittsgeld zu ergattern ist. So kam es zum Abstieg, den seine Gründe so jämmerlich machen. Es hat keinen Zweck, nach falschem Trost und Ausreden zu fahnden. Es wäre unklug, zu behaupten, daß die jüdischnationale Bewegung, daß der Zionismus durch den Niederbruch dieses Vereines nicht tangiert sind. Die „Hakoah" war in kostbares Gut des Zionismus und für die zionistische Propaganda von größtem Wert. Sie war ein Anziehungspunkt für die jüdische Jugend und durch sie ist ehedem ein Großteil der Jugend zum Judentum und. zum Zionismus gekommen. Man möge auch nicht versuchen, Schuldige zu suchen, den oder jenen Funktionär, diese oder jene Leitung des Vereines oder gar die Mitglieder, die jungen Menschen der „Hakoah" für den Niederbruch verantwortlich zu machen. Die Gründe liegen leider viel tiefer und weitab von der Veremspolitik. Das Gedeihen alier zionistischen, jüdischnationalen Gründungen und Einrichtungen ~ und die „Hakoah" ist eine solche .—ist'vom Geiste, der in der Gesamtbewegung herrscht, unbedingt abhängig. Der idealistische, kämpfende, um die Herrschaft über die jüdischen Menschen ringende Zionismus konnte idealistische Kampf Organisationen, konnte die alte „Hakoah" schaffen,, beleben und zum Aufstieg führen. Ohne dieses kraftspendende Zentrum müssen die nationalen Institutionen verkümmern. Seitdem in der zionistischen Weltorganisation der Geist der bürokratischen Sammler.ei herrschend geworden ist, seitdem die idealistische, kämpferische Idee der Geld und Geld und wieder Geld heischenden Kompromißlern weichen mußte, hat sie aufgehört, dieses Zentrum zu sein. Und wie viele andere zionistische Institutionen, ist auch die „Hakoah" führerlos geworden, hat den nationalen Boden unter den Füßen verloren, ist in die Leere, in die öde Geschäftsmacherei hineingetaumelt und dort zusammengebrochen. Nur durch zähe, von radikalem, nationalem Willen beseelte Arbeit kann die zionistische Organisation wieder aufgerichtet werden. Und nur im gleichen Geiste kann die alte „Hakoah" wieder erstehen. Die Idee vom Geschäft muß gründlich ausgetilgt werden und in der Leitung dürfen nur ehrlich jüdischnational gesinnte Menschen sitzen. Die „Hakoah" muß wieder jüdischnarional werden. Wenn nicht, dann ist es besser, sie verschwinden zu lassen. Unter hebräischem Firmenschild einen „neutralen", geschäftlichen Sportbetrieb weiterzuführen, hat keinen Sinn. Da müssen sich die Interessenten bald verlaufen. Der jüdischen Sache wäre nur-geschadet und niemandem genützt r. st. □äs HERZjederKüche ist ©in -Kühlschrank Fabrikat der General Motor9 Unsen Sie Prosp^ w,an »-----,Am M«f 3 Telephon Nr. 66.M7

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