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Die neue Welt · 1928-06-08 · Heft 38 (8.6.1928) · page 10

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 38 (8.6.1928)
Date
1928-06-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 DIE NEUE WELT Nr. 38 Verband der jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden!., Elisabethstraße 9, I. Stock, 10, Telephon 45-8-34 und B 30-3-49, stellt einwandfreie, gewerbeberechtigte, sprachen- und branchenkundige Handeisvertreter, reisende Kaufleute und Kommissionäre kostenlos sofort zur Disposition. — Partcienverkehr: Jeden Dienstag, 6 bis 7 Uhr abends Im Sekretariat. I.. Elisabctlistraße 9. I. Stock, 10. — Verbandsdfskussloncn jeden Montag um halb 8 Uhr abends im Cafe Exzelsior (!., Rotenturmstrnße 24). Auskünfte für Mitglieder kostenlos gegen Beischluß des Portos, für Nichtmitglieder gegen Porto und S 2 in Briefmarken für gemeinnützige Zwecke. Angebote und Nachtragen. 2449 Firma in Wien benötigt Rechen- und Buchlialtungsschrcibmaschinen. 2450 Firma in Breslau benötigt Strickwaren. 2451 Oesterreichisches Generalkonsulat in Deutschland sucht Erzeuger von Trikotkleidern.; 2452 Firma in Neapel benötigt Klaviere. 2453 Firma in Paris benötigt Ledergalanteriewaren. 2454 Firma in S u s a k benötigt Kühlanlagen. 2455 Firma in Wien benötigt Sportartikel für die Sukzessionsstaaten. 2456 Firma in Nizza sucht Vertreter in Olivenöl. 2457 Firma in Wien benötigt für Buenos Aires Spielwaren und Werkzeuge. 2458 Finna in Venedig benötigt Gobelins. 2459 Firma in Amsterdam benötigt Textilwaren. 2460 Firma in Buenos Aires benötigt Schuhwaren. 2461 Firma in Lausanne sucht Vertreter in spanischen Orangen. 2462 Firrha in Mailand benötigt Kashmir-Shawls. 2463 Firma in S a n g h a i benötigt chirurgische Instrumente und pharmazeutische Präparate. 2464 Firma in Barcelona benötigt Similisteine mit Fassung. 2465 Firma in Bremen benötigt Damenschuhabsätze. 2466 Firma in Lissabon benötigt Möbclsamt und Gummikissen. 9467 Ausländische Gesandtschaft in Wien sucht Vertreter in künstlich gezüchteten Perlen. WtM Firma in W e s t z y d e (Holland) benötigt Bonbons und Konfitüren. 5469 Firma in M e r a n sucht Vertreter in Garnen. 2470 Firma irr München benötigt buntkarrierte Loden. 2471 ■ Firma in G a b 1 o n z benötigt Taschenbügel. 2472 Firma in Paris benötigt Schraubenstilt Eversharp, Marke „Peweba". 2473 Firma in Bristol benötigt Neuheiten und Phantasieartikel. 2474 Firma In Wien benötigt Leinenzwirn und Leinenfäden. 2475 Firma in Warschau sucht Vertreter in Schweineborsten. 2476 Firma in Paris benötigt Lein- und Papierhülsen für die Spinnerei. 2477 Firma irf Innsbruck benötigt Toiletteseifen. 2478 Firma.in Graz benötigt Holzasphalt. Der Verband teilt mit, daß es der Leitung der Kredit- und Handelskassa „Metropole" gelungen ist, einen Geldbetrag für Kredite an jüdische Kaufleute und Gewerbetreibende des Verbandes für spekulative geschäftsgewerbliche Zwecke zu erlangen. Auskünfte werden jede n Montag, 8 Uhr abends, bei den Verbandsdiskussionen im Cafe Excelsior, I., Rotenturmstraße 24, oder beim Parteienverkehr an jedem Dienstag von 6 bis 7 Uhr abends im Sekretariat, I., Elisabethstraße 9, 1-10, erteilt. «0 £in Sprechsaal für unsere Leser Ein Zwischenfall in den Jüdischen Künstlerspielen. In Ihrer gesch. Ruvue vom 1. Juni veröffentlichen Sie unter 'dem Titel „Ein Zwischenfall in den Jüdischen Künstlerspielen" eine mit Th. G. gezeichnete Einsendung mit einem redaktionellen Zusatz. Die darin angeführten Vorgänge entsprechen nicht den Tatsachen. Bei meinen Liedeinlagen hat niemand gepfiffen oder sonst seinem Unwillen Ausdruck gegeben. Nach jedem Liede wurde anhaltend geklatscht und eine Reihe von Zugaben verlangt. Hiefbei riefen Personen aus dem Publikum in allgemein üblicher Weise Titel von Liedern, die sie zu hören wünschten, mir auf die Bühne zu, bis ich einem besonders stimmkräftigen Zuruf er scherzhaft entgegnete: „Der Herr schreit so laut, wahrscheinlich hat er kein Entree bezahlt." All dies hatte mit dem Inhalt meiner Lieder gar keinen Zusammenhang. Für das Publikum ebenso wie für alle Personen, die meine Bemühungen um die Wiedererweckungdes künstlerisch reinen jiddischen Liedes kennen, ist es klar, daß ich meine Liederprogramme nie aus po 1 itischeu, sondern nur aus künstlerischen Erwägungen zusammenstelle. Dies bezeugen die zahlreichen jüdischen Veranstaltungen, bei denen außer meinen eigenen Abenden Vereine und Organisationen jeder jüdischen Richtung, zionistischer wie nicht zionistischer, meine Mitwirkung in den meisten Fällen ohne jedes Entgelt erhielten und erhalten, darunter auch meine jüngst erfolgte Mitwirkung bei der Festvorstellung zu Ehren Nahum Sokolows' in den „Jüdischen Künstlerspielen", zu der ich mich mit besonderer Genugtuung zur Verfügung gestellt habe. Mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung I s a k D e u t s c h. * In der Nr. 37 Ihrer gesch. Revue veröffentlichten Sie unter dem Titel „Ein Zwischenfall in den Jüdischen Künstlerspielen" die Zuschrift des Herrn Th. G., der sich bemüßigt gefühlt hat, „Ihre Aufmerksamkeit auf einen Vorfall zu richten, dessen Zeuge er war". Die Vorstellung verlief völlig ohne Störung, es sei denn, daß der Herr Einsender den Beifall, der Herrn Deutsch für seine Leistungen entgegengebracht wurde, als Zwischenfall empfunden hat. Wir brauchen nicht erst zu betonen, daß in unserem Theater für irgend welche außerjüdische Zwecke kein Platz ist, und daß im besonderen Herr Isak Deutsch, dessen Wirken im jüdischen Wien ein offenes Buch ist, sich nach wie vor nur von rein künstlerischen Tendenzen leiten läßt. Diese in allen jüdischen Kreisen bekannten Tatsachen widerlegen die Darstellung des Herrn Einsenders. Wir bitten Sie, unserer Erklärung Raum zu geben, und zeichnen * Hochachtungsvoll „Jüdische Künstlerspiele" Wien, Ii; Praterstraße 34. * Anmerkung der Redaktion. Wir stellen gerne fest, daß der Zwischenfall durch diese Erklärungen befriedigend erledigt erscheint, und tun dies um so lieber, als wir in Herrn Isak Deutsch den großen Künstler und in allen jüdischen Angelegenheiten aufopferungsvollen Menschen seit vielen Jahren schätzen. Wenn durch den Titel eines von ihm gebrachten Liedes bei einigen Zuhörern Mißr Verständnisse hervorgerufen wurden, können wir nach der uns gegebenen Darstellung bestätigen, daß Herrn Deutsch und die Leitung des Theaters keinerlei Vorwurf trifft. Brltli Hanoar Hamlsrachl, Wien, II., Praterstraße 43. Jeden Montau von 8 bis 9 Uhr und jeden Donnerstas von halb 9 bis halb 10 Uhr Hchräischkurs für Anfänger und Fortgeschrittene unter Leitung bewährter Pädagogen. Zelre W'Heclialuz Hamlsrachl, Wien, II., Gr. Schiffgassc 3, Donnerstag, den 7. d. M., um 8 Uhr abends, Mitgliederversammlung, anschließend Referat des Herrn Herbert Stein aus Hamburg. Thema: Die Tätigkeit der Zeire Misrachi in Deutschland. — Samstag, den 9. d. M., 3 bis 4 Uhr nachmittags, „Pirke-Awoth": 4 bis halb 5 Uhr Rambam „Hilchoth Deoth"; halb 5 Uhr Vortrag. Sonntag Halbtagsausflug, Austritte aus dem Judentum. Sonnenfeld Margit, geb. 19. X. 1900, Wien, ledig, IV. , Wiiedner Hauptstraße 73. — Braun Emil, geb. 30. X. 1894, Wien, verh., XVII., Pczzlgasse 26. — Apfelbauer Toni, geb. 15. X. 1901, Podwoloczyska, ledig, IL, Thugutstraße 3. — Wechsler Marie, geb. 14. II. 1901, Ober-Hollabrunn, ledig, II., Taborstraße 11 a. — Glatterner Ernst, geb. 5. V. 1900, Wien, gier, gesch., II., Ennsgasse 13. — Dr. Felix Frankl, geb. 11. HI. 1900, Wien, ledig, XHX., Döblinger Hauptstraße 42. — Erben Heinz Roland Georg, geb. 15. VIII. 1911, Wien, ledig, Graz. — Honig Erich, geb. 11. XII. 1906, Cassel, ledig, II., Ennsgasse 13. ■— Farchy Nesso Benjamin, geb. 14. XII. 1880, Philipoppel, verh., VII., Halbgasse 27; dessen Frau Juliane, geb. Matzek, geb. 3. VI.1888, Ramingdorf. — FührJng Eva, geb. 8. V. 1923, Wien, ledig, XV., Mariahilferstraße 147. — Mandl Wilhelm, geb. 20. VI. 1886, Wien, ledig, IX., Althanstraße 29. — Ellenbogen Erna, geb. 5. III. 1903, Wien, ledig, X., Hardtauithgasse 62. — Blumenfeld Johann, geb. 30. VII. 1901, Wien, ledig, Prag. — Lindner Franz, geb. 27. VI. 1905, Wien, ledig, IX., Liechtensteinstraße 111. — Karwill Gertrude, geb. 25. IX. 1904, Wien, ledig, Prag. — Plechner Oskar, gelb. 27. XM. 1888 Wien, ger. gesch., II., Hochstettergasse 4. — Auer Valerie, geb. Röhn, geb. 2. IX. 1899 Wien, verh., XX., Heinzelmanngasse 18. — Bergmann Hildegarde, 10. XII. 1895, IV., Wiedner Hauptstraße 111. — Feiner Klara Berta, geb. 14. IX. 1912 Wien, led., XM., Aichholzgasse 9. — Weiß Maximilian, 26. IV. 1902 Wien, led., XIV., Storchengasse 12. — Cerwenka Emilie, geb. Breyberger, geb. 23. XI. 1869 Ledec, verw., XlIL, Nympfengasse 3. — Schwarz Leopold, geb. 21. HI. 1896 .Wien, verh., V. , Ramperstorfterstraße 8. — Hörstens Hans, geb. 5. Vi. 1896 Wien, led., XII., Töpfelgasse 2. — Krafft Margarete, geb. Rosenberg, geb. 24. IX. 1894 Wien, verh., XVIII., Winarskygasse 3. Keller Fritz, früher Kohn, geb. 18. II. 1910 Wien, led., XVIII., Köhlergasse 20. — Ellenbogen Lola, geb. 18. II. 1905, Wien, led., X., HaTdtmuthgasse 62. — Handovsky Fritz, geb. 23. IV. 1891, Wien, verheiratet, IX., Bleichergasse 14. — Federer Zdenko, geb. 6. XII. 1900, Rican, (ledig, XVII., Hauptstraße 102. — Kaufmann Margit, geb. 6. X. 1899, Budapest, ledig, IX., Rosauerlände 29. — Roth Hilbert, geb. 28. XII. 1883, Klampstadt, ledig, IX., Müllnergasse 3. — Biro Eugen ädent. von Jenö Klein, geb. 2. XII. 1902, N.-Kanizsa, IX., Hebragasse 7. — Frank Kar!, geb. 20. II. 1892, Ung.-Ostrau, verheiratet, IX., Dreihackengasse 1. — Handovsky Cornelia, geb. Eisler, geb. 7. II. 1907, veriheira'tet, Nyiregyhaiza, IX., Bleichergasse 14. — Serkln Martha, geb. 5. II. 1901, Eger, ledig, XIX., Döbl. Hauptstraße 2. — Kreuzer Maximilian, 6. VIII. 1872, Wien, VIII., Albertgasse 50. — Csecher Leopold, geb. 23. VII. 1898, Wien, verlheiratet, VIII., Buchfeldgasse 10, dessen Frau Margarethe geb. Oehlberg, geb. 27. VI.. 1900, Wien, verheiratet und Kind Heinz Markus, geb. 13. VIII. 1927, Wien. Man Jiat's nicht leicht Wenn man als moderner Geschäftsmann, der im eigen!* Jsten Interesse stets bestrebt ist, seinen Kunden besondere Attraktionen zu bieten, von seiner eigenen Leistungsfähigkeit, von den besonderen Vorteilen, die man dem Käufer bietet, sprechen muß. Das kaufende Publikum, durch marktschreierische und ungaubhafte Uebertreibungen man" eher Reklameanzeigen mißtrauisch gemacht, nimmt auch reellen Angeboten gegenüber eine vorsichtige Haltung ein} und ist nur schwer davon zu überzeugen, daß man auch» für wenig Geld wirklich gute und verläßliche Qualitätsware bekommen kann. Wenn wir Sie trotzdem bitten, uns) anläßlich unserer „Sensationellen Seidenwoche" mit Ihrem Besuche zu beehren, so tun wir das in der Erwartung, daß Ihnen unsere außerordentliche Leistungsfähigkeit und unser Renommee als „verläßliche und billigste Einkaufsquelle"' Gewähr dafür bieten, daß Sie bei uns sehr gut bedient werden. Im übrigen wird Sie schon ein Blick in unsene» Schaufenster, ein Vergleich des Preises und der Qualität der dort ausgestellten Seidenwaren von der Ungewöhn,- lichkeit unserer Angebote überzeugen. Unser Verkaufspersonal wird Ihnen gerne unsere reichhaltige Auswahl in allen Seidenwaren, die herrlichsten Mode-Dessins, zeigen und Sie können frei und unbeeinflußt wählen. Wir bringen unter anderem: Diagonal-Seide, für Kleider, per Meter S 1.98, Satin de Chine, alle Farben, zu S 2.50, Seidert- Brokate, für Futterzwecke, 85 breit, zu S 2.50, Waschseide» herrliche Dessiins, zu S 2.90, ReJane, reine Kleiderseide, 90 breit, zu S 2.90, Crepe Marocailfie, reine Seide, alle Farben, 100 breit, zu S 3.90, Mantelseide, schwarz und färbig, 95 breit, zu S 4.90, Crepe de Chine.-Imprime, 100 breit, zu 7.90, usw. In unserer Resten-Schwemme (im Tiefparterre) kaufen Sie: Modernste Kleiderröe laine, per Meter 89 Groschen, K.-Seide, per Meter 98 Groschen, Original Schweizer Voll-Etamine, fabelhafte Dessins, 110 Zentimeter breit, zu S 1.98, D»rudlstoffe, Crepe, Frenche, per Meten S 1.25, Regenmäntel, prima, per §tück mir S 10.— u.a.m. Vor Deckung Ihres Bedarfes an Badeartikeln sehen Ste sich in unserem großen Schaufenster (Taborstraße 46) unsere reiche Auswahl m Bademänteln, Capes, Badetrikots, Bad*- hauben usw. an. Warenhaus Brüder Schiffmana II. Taborstraße 48 SCHOLEM ALEJCHEMi MENACHEM MENDEL. ' (Aus dem Jüdischen übertragen von Siegfried Schmitz.) Copyright 1921 by R, Low». Wien und Leipzig:. (22. Fortsetzung.) 18. Brief. Scheine-Scheindel aus Kasriliwke an ihren Gatten Menachem Mendel in Jehupez. Dem hochgeehrten, edlen und mächtigen Herrn, dem weisen Kenner der Thora, dem hochgelehrten Reb Menachem Mendel, ehrfürchtigen Gruß! Erstens vermelde ich Dir, daß wir alle, Gott sei Dank, beim besten Wohlsein sind; gebe Gott uns, das gleiche von Dir izu hören fürderhin und nie schlimmeres. Zweitens teile ich Dir mit, daß meine Gitel Witwe geworden ist mit sieben Waisenkindern, enes kleiner als das andere1! Mein Schwager ist gestorben (mag es meinen Jahren zugezählt werden und den Deinen), lange vor der Zeit. Das heißt, eigentlich, wenn man es so nimmt, war er nie recht gesund; er hat (nicht mir sei's beschieden) ziemlich 'häufig Blut gespuät; aber wir alle haben geglaubt, er werde sich doch noch fortfretten. Da läßt er sieh einen Zahn reißen beim Feldscher Schmelke, legt sich hin und stirbt; wie sagt die Mutter (Gott verlängere ihre Jahre): „Keiner weiß, wen er morgen trifft" . . . >Und indes weint die arme Gitel, die Welt aus den Fugen; ihre Tränen sind nicht zu beschreiben! Wäre es (Gott behüte) umgekehrt gewesen, meine Schwester (Gott verlängere ihre Jahre) wäre — bewahre! — gestorben und Meir-Salmen wäre als Witwer zurückgeblieben; er hätte gewiß nicht so viel Tränen vergossen, sondern hätte bald nach den Trauertagen aus Berdiezew eine Stiefmutter für seine Kinder gebracht. Ich sage es ja immer auf alle Männer: das Sühnopfer möget Ihr sein für Eure Frauen; denn wo hat man das gehört, daß sich ein Vater von Kindern eine Narrheit in den Kopf setzt — Millionen! Jetzt hat der Mann sein Glück gemacht: er steht an Brodzkis Tür! Ich habe nur Angst, daß Du nicht weiter kommen wirst als bis an die Tür. Schade um die Schuhe, so wahr ich lebe! Oder glaubst du, daß Brodzki schon sofort die Millionen auspacken und damit nach Sibirien reisen wird? Warum? Nun, Menachem Mendel hat es doch selbst gehört, daß dort irgendwo, wo die Füchse einander gute Nacht sagen, Gold und Quecksilber auf der Straße liegt! Wie sagit meine Mutter: „Ein Tauber hat gehört, wie ein Stummer erzählt hat, daß ein Blinder gekehen hat. wie ein Krummer gelaufen ist . . Doch ich weiß es im voraus, daß Du im nächsten Brief mir sicher schreiben wirst, daß aus dem Geschäft nichts geworden ist. Es wird sich aber ein Unmensch finden mit einer neuen Narrheit, der wird Dir erzählen, daß eine Kuh aufs Dach geflogen ist und ein Ei gelegt hat. Und Du wirst Deinen Rock schürzen und wieder laufen wie ein Verrückter. Wenn Du Dir aber endlich einmal zu Herzen nehmen wolltest, daß Du zu Hause eine Frau hast (bis hundertzwanzig Jahre) und kleine Kinder, die nach Dir schauen, wie nach dem Messias, so hättest Du kein Verlangen, Dich in fremden Häusern herumzuschleppen und Dich mit Narrheiten abizugeben, die einem die Galle steigen lassen, wenn man davon hört! Noch hast Du nicht genug Lehrgeld gezahlt in dem Jehupez, das in Flammen aufgehen möge! Shwünscht Dir viel Gutes und dauerndes Glück Deine wahrhaft treue Frau S c h e i n e - S c h e ä n d e 1. Eine schöne, kurze Geschichte: Erinnerst Du Dich an Meir-Sobulem? Er hat eine Tochter namens Sprinze. Das war immer ein gesundes, festes Mädel; schon ein wenig ältlich, aber ein wohlgeratenes Geschöpf! Da hat sie sich in einen Buchhändler vernarrt, der in d enHäusern mit Geschichtenbüchern und gedruckten Romanen herumhausiert. Und die arme Sprinze hat die Gesdhichtenibücher und Romane in die Hand gekriegt und hat sie alle durchgelesen; es sind, so sagt man, beinahe hundert Stück gewesen. Und sie ist (nicht möge mich das treffen) seither nicht ganz richtig im Kopf; sie führt ganz sonderbare Reden, die kein Mensch versteht; sie sagt, daß sie nicht Sprinze heißt, sondern „Berta" und schaut jede Minute, jede Weile hinaus und wartet auf einen, der kommen soll, er heißt „Lord", ihr „Beschützer", und soll sie durch das Fenster stehlen und sie, weiß der Teufel, wohin führen, nach London und von London nach Stambul . . . Soll nicht das Hirn eintrocknen dn den elenden Köpfen, welche solche verrückte Sachen erdenken, diie nicht Hand und Fuß haben? ,,, 19. Brief. Menachem Mendel aus Jehupez an seine Frau Scheine- Scheindel in Kasriliwke. Der teuren, edlen, tugendhaften und klugen Ehefrau Schedne-Scheindel meinen Gruß! Zum ersten sei Dir kundgetan, daß ich — Dank Seinem lieben Namen! — gesund bin und mein Leben das des Friedens; der Herr, gelobt sei er, möge helfen, daß eines vom anderen nur Gutes höre in guter Botschaft zum Trost und Heil — Amen. Zum zweiten wüsse*. Wir haben einen großen Gort. Höre folgende Geschichte: Wie ich begonnen habe, einständiger Besucher bei Brodzki m werden, da wurde ich eine geachtete Persönlichkeit an der Börse, und zu mir sind die Makler von aller Welt gekommen ml ttausenderlei Geschäften: Häusern und Gütern und Wäldern und Eisenbahnen und Dampfschiffen und Fabriken um Millionen, das alles Brodzkis wegen! Unter diesen Maiklern sind auch zwei Kompagnons, nicht von hier; einer trägt einen Zylinder

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