Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 38 (8.6.1928)
- Date
- 1928-06-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Steife 2 DIE NEUE WELT Mr. 38 Stirnfalten Augenfalten (Krähenfüße), Beutel unter den Augen, Mundfalten altem! Sie verschwinden In B Minuten nach Gebrauch von „DIM". (Oes. gescn.) Glänxend begut» achtet! Dir Haut vollkommen unschädlich Fl. S 3.—, Mitteltube S , Origlnaltube S 4.-. „DIM"-LABORATORIUM. WIEN _ II., Obere DonauatraBe 17 RUNDSCHAU Ein Bekenntnis. Nutzloses Ltimpensammejn. — Ewig verlorene Prozesse. Die Abwehr gegen den Antisemitismus, wie sie mm fast hundert. Jahre von den Juden betrieben wird, läuft darauf hinaus, den Antisemiten zu beweisen, daß die Juden erstens ganz anständige Menschen und zweitens eigentlich gar keine Juden, sondern Deutsche, Franzosen, Polen usw. sind, ^reiche sich lediglich durch gewisse Ansichten in religiöser Hinsicht von ihren verehrten antisemitischen Mitbürgern unterscheiden. Das Bestreben, die Hochanständigkeit der Juden zu beweisen, trägt den Charakter des Lumpensammelns. Auf jeden jüdischen Gauner werden zwanzig christliche aufgestöbert, damit die Verbrecherstatistik zugunsten der Juden aust fällt In nationaler Hinsicht wird mit hunderten Zeugen und Zeugnissen bewiesen, daß in den Adern der „Nur-Israeliten" heimisches Blut rollt. Ein ewiges Prozessieren um nationale Anerkennung. Aber die Antisemiten scheren sich um das alles nicht und das Resultat der hundertjährigen „Abwehr" ist multiplizierter Antisemitismus. Seitens der nationalgesinnten Juden ist seit jeher behauptet worden, daß das Lnmpensammeln nutzlos bleiben und der Prozeß um Aufnahme in den deutschen, französischen oder sonstigen fremden Nationalverband ewig verloren werden muß, und nationaler Zusammenschluß der Juden.die einzig vernünftige und würdige Lösung ist. Aber die anderen wollen es vielfach nicht glauben. Nun liegt ein Zeugnis vor, aus den Kreisen der Abwehrleute selbst Im Blatte des „Zentral v er eines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" schreibt Prof. Dr, Erik Nölting ((Frankfurt); „Wer eine längere Zeit Ihhidorroh im AbweJirkampf ©egen den Antisemitismus praktische' Erfahrungen sammeln konnte, wird immer mehr der Ueberzeitgurig zuneigen, daß auf nur linteMektuellem Wege -mit den Mttein . vernunftgemäßer Widerlegung und . .logischer Entkräftung eine restlose B eie*nä'giu ri,g rii etnals gelingen kann. Das 'bedeutet keine Absage an irgendeine Form der Aufklärnngsairbeit, die immer notwendig sein wird, um Zweifelnde und unsicher Gewordene von neuem zu festigen und um die Verbreiterung der Infeiktionsherde abzudämmen. iDarüber hinaus aber sind enge Grenzen gezogen, weil Vernunft nur wenigen als oberste Richtschnur gilt und weil der Brückenschlag von Vernunftserkenntnis zu Gesinnung und praktischer Lebensführung nur selten vollzogen wird. Ebensowenig wie der Antisemitiismus entstanden äst durch das Aufkommen bisher unbekannter, gegen den Juden zeugender Argumente, wird er durch Belegstücke und Nachweise von umgekehrtem Vor-, zeichnen aus der Welt zu schaffen sein. Wenn die Rassenschnüffelei einsetzt, wenn alle Nationalismen überspitzt wenn die Eigenart in abgöttischer Verehrung überbetont, das Entarten durch Ueberfremdung mit ständiger Sorge empfunden wird, bleibt der Jude notwendig auf der Strecke. Wo sein Blut als ffntinderrassig beschimpft und seine Wesensart als destranktiv geschmäht wird, müssen sich alle Pfeile auf ihn richten. Er mag sich seiner Haut wehren, mag hie und da sogar eine Freundeshand, und Unterstützung finden, immer wird er in Verteidigungsstellung gezwungen bleiben. Was ihm früher als Selbstverständlichkeit zufiel, ein gesichertes, unauffälliges Leben in geborgener Volksmitte, wird auch bei größtem Kräfteeinsatz restlos nie zu erreichen sein. Wenn das Recht auf n ati o n a l e Zugehörigkeit in einem ständigen Prozeßverfahren vom Juden gegen .die eigenen Volksgenossen durchgesetzt werden muß, w i r d d i e i e t <i t e E r f ü 11 u n g stets ausbleiben, mag man noch so oft vor dem Kadi obsiegen und vor dem Buchstaben recht behalten. Was nur in Fr ed wiMigkedt ged einen kann, erzwingt kein Richtspruch." 'Das ist deutlich. Der Herr Professor bekräftigt die nationaljüdische Behauptung, daß die Lösung der Judenfrage auf, dem Wege der rein mechanischen „Abwehr" des Antisemitismus nicht zu erreichen ist. Vielleicht wird man ihm mehr Glauben , schenken, ihm, dem eines Besseren belehrten, erfahrenen Praktiker der „Abwehr"._' Rumänische Sittlichkeit — jüdische Unsittlichkeit. Vor kurzem veröffentlichte der Völkerbund, einen Bericht der Kommission zur Bekämpfung des Mädchenhandels, welcher Studien über die Ausbreitung der Prostitution nach Ländern geordnet enthielt. Der Bericht über Rumänien fiel etwas breit aus und enthielt die Bemerkung, daß die Prostitution in Rumänien, besonders in der Hauptstadt Bukarest, stark entwickelt sei. Während die rumänische Regierung und die rumänische Publizistik diese Feststellung mit ziemlicher Fassung entgegennahmen, glaubte der rumänische Gesandte in Berlin, Herr P e t r e s cu, die Ehre seiner Nation und seines Landes gröblich angetastet und begann in edlem Eifer eine Reinwaschung. Er berief eine Anzahl von Journalisten zu sich und enthüllte ihnen, vermutlich nach Verabreichung diverser Genußmittel, eine schreckliche Verschwörung der Juden und Magyaren gegen die Ehre Rumäniens. Die Rumänen, so sagte der Herr Gesandte, sind ein keusches Volk, aber die Juden und Magyaren in Rumänien sind von Grund aus lasterhaft und verderbt. Juden und Magyaren sind die Händler mit Mädchenfleisch und die Gründer und Besitzer aller Freudenhäuser in Rumänien. Die Rumänen sind die Verführten. Diese Mitteilungen des Herrn Gesandten haben begreiflicherweise die rumänischen Juden nicht gerade angenehm berührt. Sie stellten Nachforschungen an und brachten Resultate zutage, welche die Gründlichkeit und Wahrheitsliebe des Herrn Gesandten arg beeinträchtigen. Das jüdische Blatt „C u r i e r u 1 Israelit" brachte statistisches Material aus dem Archiv des G e s u n d Ii e i t s m i n isteriums, welchem zu entnehmen ist, daß beispielsweise von 36 Freudenhäusern in Bukarest (übrigens eine ganz stattliche Ziffer)," nur zwei von Jüdinnen geführt werden. Im Jahre 1924 wurden in Bukarest 502 Prostituierte gezählt, darunter 24 Jüdinnen, im Jahre 1925 waren unter 482 Prostituierten 23 Jüdinnen. Was wird der Herr Gesandte jetzt seinen Journalisten erzählen? Uebfigens mag er sich beruhigen. Die Reinheit oder Verderbtheit einer Nation hat andere Ausdrücke, als die Zahl ihrer Freudenmädchen. Die armen Frauen, welche ihren Leib für Essen und Kleider verkaufen müssen, sind nicht der Abschaum der Gesellschaft. Der Abschaum schwimmt weiter oben. ' Amnestie iür Pogrommörder. Aus der ungarischen Rechtspflege. Aus Budapest wird wiederum einmal ein Judikat gemeldet, das wie kein anderes die geistige Verfassung; und die beispiellosen Zustände in Ungarn aufzeigt. Wie die Budapester Blätter melden, sind der Landwirt Stephau Kucsera und der Bürgerschullehrer Michael G y a 11 a y, die zu vier, beziehungsweise drei Monaten Gefängnis verurteilt worden waren, weil sie im Februar 1922 vereinbart hatten, einen jüdischen Einwohner des Dorfes Jaszkarajenö durch eine in sein Haus zu werfende Handgranate einzuschüchtern und eventuell zu töten, amnestiert worden. In der Begründung des Gerichtsbeschlusses heißt es, daß die strafbare Handlung aus „politischen Motiven?' verübt worden sei und daß die Verurteilten aus „ErbhV terung wegen ihrer Einkerkerung während der Proletarier;- Diktatur. sowie wegen der Zerstückelung des Landes" ger handelt hätten. Der Gerichtshof „berücksichtigte" auch den.' Unistand, daß seit der Verübung der strafbaren Hand» lung „ein längerer Zeitraum verflossen" sei, während dessen sich die Gemüter wieder beruhigt hätten. Das ist das Ungarn, für das der Lord Rothermere kämpft und das durch die Bethlen-Rabbiner dem Wohl« wollen der Juden in Amerika empfohlen wird! Auch nach Maß S. MEHLg K, W.j BieumühtiggassG Nr. 2 Eingang Margarethenstraße Antisemitismus bei der Fremdenlegion. Die französische Liga für Menschenrechte hat beim Kriegsministerium eine Demarche unternommen, um gegen den Antisemitismus bei einzelnen franz ös i s c h e n Truppenkörpern in Algerien zu protestieren. Palästinastatistik des Völkerbundes. Das Völkerbundsekretariat veröffentlicht eine statistische Arbeit über die Mandatsgebiete, die sowohl von den Regierungen der Mandatsmächte, wie vom Völkerbundsrat in seiner Geheimsitzung vom 5. März genehmigt worden ist. Die Zusammenstellungen sind nach einem einheitlichen Schema nach dem Vorschlag der Mandatskommission erfolgt. Die Angaben über Palästina (ohne Transjordanien) lauten: Größe: 23.336 Quadratkilometer. Einwohnerzahl 1926: 8S7.000, die Beduinen inbegriffen (1920: 673.193). Einfuhr 1926: 6,429.245 ägyptische Pfund (ein ägyptisches Pfund gleich 1.0157 englische Pfund, 1920: 5,409.987). Ausfuhr 1926: 1,275.625 ägyptische Pfund (1920: 1,318.620). Britische Subventionen: 198.024 ägyptische Pfund,. eigene Staatseinnahmen 1925/26: 2,541.067 ägyptische Pfund (1921: 2 Millionen ägyptische Pfund)). Ausgaben: Erziehung: 101.393 (1920 : 48.827), Landwirtschaft: 63.775 (1920: 30.270), öffentliche Gesundheit: 83.276 (118.240), öffentliche Arbeiten: 211.647 ägyptische Pfund (1920: 153.660). Taufjuden und Antisemitismus. —y. In der Kampfzeit der deutschen Reichstagswahlen spielte die Gretchenfrage nach der Religion die gewohnte Rolle, Die Kandidaten wurden auf die Eehtfärbigkeit ihres deutschen Blutes geprüft und dies führte öfters zur Verlegenheit. "Die Mischung geht ihre eigenen Wege, die sich oft nicht um die PoHtfk und ihre Erfordernisse kümmern und Sanatorium J^tr,5 Hinterbrühl «i- Herrlicher Aufenthalt für KurbedUrfftlge und Rekonvaleszenta« es gab auch in arisch - völkischen Versammlungen heitere Augenblicke, wenn man an so einem Siegfried das semitische Lindenblatt entdeckte. Und da man in Deutschland für alles eine Organisation schafft, für den Vertrieb von Hühneraugenmitteln, Gedichten un;d politischen Weltbeglückungsthesen, so war auch 'die Stammibaumforschun'g in ein System gebracht, dem sich viele Denker mit wissenschaftlicher Gewissenhaftigkeit widmeten. Die Resultate sind, vom Standpunkt der germanischen Kaninchenzucht aus betrachtet, recht betrüblich. Wenn man den ^Forschem glauben darf, so haben die ruchlosen Semiten in «ehr weit zurückliegenden Zeiten in deutschen Durgen und Bürgerhäusern gewildert und was ein rechter Deutscher ist, muß bekümmerten Gemütes in die Zukunft starren. Grau wie der Himmel steht vor ihm die Welt. Ein jüdisches Interesse käme dabei nur sehr wenig in Frage, wenn nicht diese Sache auch einige sehr ernste Seiten hätte. Da der Antisemitismus als aktiver Teil der Politik Deutschlands immer wieder sich vordrängt und von, einigen großen Parteien offen, von anderen verdeckt bekannt wird, so treten auch J u d e n s t ä m m 1 i n g e in der antisemitischen Toga des Erlösers der deutschen Seele auf. Es mag ein heiterer Anblick für einen echten Deutschen sein, wenn so einem Schaf der Wolfspelz heraibgerissen wird. Für einen Juden ist es ein unsäglich trauriges Bild. Noch trauriger ist es, wenn die bewußte Zentralvereins-Assimilation auf das Demaskieren ausgeht, das heißt, wenn ein Jude auf den anderen zeigt. Wenn das „Berliner Tageblatt", dem Taufe und Eindeutschen programmatische Herzenssache ist, dem Herrn Jakob Haßlacher beim Andenken an den Glauben der Väter die Zugehörigkeit zum Kreis des Grafen Westarp vorhält, so ist das für jeden Juden von tiefer Tragik. Es sind freilich die Liberalen damit nicht allein, die Juden für sich zu reklamieren. Auch die Sozialdemokraten, die ansonsten in Deutschland zu jüdischen Fragen in einem gesünderen Verhältnis stehen, besinnen sich im Wuhlkampr auf das Recht der Seliutzhoheit. So weiß der „Vorwärts" aus Potsdam' zu er-, zählen, 'daß der Genosse Ph M"i p p s b o r n, dem in einer Versammlung sein ' Judentum' angekreidet wurde, dem GebeimTat : Q n a at z die jüdische Mutter an den Kopf warf. Wie sehr sich diese Juden selbst herabsetzen, dafür haben sie wohl kein Verständnis. Aber ihr politischer Blick sollte doch geschärft genug sein, sie erkennen zu lassen, wie sehr das Judentum als Ganzes geschädigt wird. Haust du meinen Juden, hau ich deinen! Wenn schon Juden das tun, und sogar öffentlich tun, so legen sie damit den gelben Fleck an. Noch mehr: sie stellen sich zu einem jüdischen Antisemitismus, der Abfall und Taufe sanktioniert, wenn sie nur der eigenen Partei zugute kommen. Völkisch darf der Reneigat 'nicht werden, wohil aber d e u tf s c h 1 i b e r a 1 oder s o z i a Id e in o k r a t i s eh. Das ist eine Logik, deren Ausgangspunkt immer die Assimilation ist, und die schließlich zur Charakterlosigkeit und zur Feindschaft igegen das verlassene Stammvolk ausartet. Es ist die Unwahrhaftigkeit einer Ideologie, die den Boden unter den Füßen verloren hat. j/v ' Die andere ernste Seite der Sache ist die, daß sie - dem. militanten, stets sprungbereiten Pogromantisemitismus geistiges Futter liefert. Er sieht Erscheinungen und preßt sie in sein Weltbild. Was ist das für ein Volk, dessen Söhne in allen Parteien erscheinen, in den nach 'Sozialer und wirtschaftlicher Richtung differentesten? Was ist das für ein Volk, dem die Söhne davonlaufen und dann noch gegeneinander auf die Jagd gehen, die es im Antisemitein mit jedem Hitler-Jünger aufnehmen? Kann dieses Volk nicht den politischen Trieb seiner Jugend •befriedigen, dann ist es wert, zugrunde zu gehen. Wird diese bösartige, nur an Aeußerlichkeaten haftende Argumentation nicht durch das hysterische Treiben der Assimilation unterstützt? Gerade in Mitteleuropa wird uns dies sehr empfindlich klar, wo in den radikalen Parteien, jüdische Renegaten oft in führender Stellung stehen -und den 'Haß der Gegner ins Antisemitische 'umlenken. Wir verstehen es durchaus, daß der Jude einen Oeffentlicbkeitstrieb hat, daß er gegen die Erstarrung der politischen Formen, gegen Autokratie und Macht- Wahnsinn rebelliert,- unter denen das jüdische Volk am schwersten gelitten hat und noch leidet. Aber der Joide, der der. Gemeinschaft dienen will, soll dies als Jude und für das Judentum tun. Seit dreißig Jahren gibt es wieder ein politisches Leben, im Judentum und es\ist heute für jeden möglich, innerhalb des Judentums un.d der auf nationale Geltung gerichteten Bestrebungen sogar weltanschauungsgeniäß mitzuarbeiten. Der Zionismus ist die jüdische Politik, und in ihm ist Raum für den Konservativen wie für den Fwifnker 'und R-aditkalea.