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Die neue Welt · 1928-06-01 · Heft 37 (1.6.1928) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 37 (1.6.1928)
Date
1928-06-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Zeitung vom Verleger versendet Journal expedie" par l'editeur. B^S. <*A *s«A */, Zeitung vom Verleger versendet u k i. PreiS SO Qft Journal exp6die par l'editeur. V. Di Da DIE HEUE WELT BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kt. 6.—, vierteljährig Kc. 15 —; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire .5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 2 Freitag, den 1. Juni 7928 Nr. 37 Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Aus dem Inhalte: Josef Lö wit, Königsberg: Vom Regen in den Wolkenbruch. Dr. E. Waschitz, Haifa: Gesetzgebung und Advokatur in Palästina. —-y: Du sollst nicht morden! Dr. Otto Abel es: Eine Krakauer Jüdin. N. R., Warschau: Tagungen im polnischen Zionismus. Die Piraten der Wohltätigkeit. Aus Palästina. Die Juden des Fernen Ostens. Aus der jüdischen Turn- und Sportbewegung: Hakoahs Kampf um die Erstklassigkeit. — Jüdischer Sport in Polen. ' ... Theater und Kunst. Scholem Alejehern: Menachem Mendel. Schalom Asch: Die Mutter. Im heutigen Rußland ... Ein Alarmartikel der „Emes". Aus Moskau, 21: Mai, meldet die JL T.'Aii Die Tageszeitung „Enies", 'das. Organ der' jüdischen Sektionen der kommunistischen Partei, fordert schärfste Maßnahmen gegen dem überhand nehmenden Antisemitismus. . Man kann die Augen nicht davor verschließen, schreibt die Zeltung, daß die antisemitische Propaganda eine Erscheinung des täglichen Lebens wird. Antisemitische Anekdoten gefallen dem breiten Publikum und machen die Runde sogar unter den Parteimitgliedern. Die jüdischen Arbeiter in den Fabriken haben unter dem Antisemitismus ihrer Arbeitskollegen sehr zu Jeiden, ebenso die.,arbeitslose', jüdische Jugend, die sich oft vergebens um die Zulassung zur Fabriksanbeit bewirbt. Die öffentliche Meinung in der Sowjetunion ist nicht genug gegen den Antisemitismus mobilisiert, gewisse Sowjetkreise geben sich noch Immer betreffs der antisemitischen Gefahr einem falschen Optimismus hin. Die Zeitung schließt: Wir fordern dringend die strengste Bestrafung nicht nur der antisemitischen Agitatoren, sondern auch jener, die den antisemitischen Redensarten zuhören und ihnen nicht entgegentreten, besonders wenn die letzteren Parteimitglieder sind. „Es ist nicht der einzige Fall . . .** Die in Charkow erscheinende jüdische kommunistische Tageszeitung „Der Stern" berichtet, daß in der * Konditorei'fabrik „Der rote Konditor", wo unter 300 Arbeitern kaum 10 Juden beschäftigt sind, die Juden unter dem Antisemitismus ihrer Kollegen furchtbar zu leiden haben. Der Arbeiter. Wassili Taboschnikow stürzte sich auf den Arbeiter A. Sc hör und schlug ihn, bis er das Bewußtsein verlor. Schor wurde von der Rettungsgesellschait nach dem Krankenhaus diberiührt. Es ist dies nicht der einzige Fall, daß jüdische Arbeiter von ihren nichtjüdischen Kollegen gepeinigt wurden. Als man Schor Wegtrug, bemerkten einige nicht jüdische Arbeiterkollegen: „Schade, daß er nicht tot ist, es wäre ein Jude w e nig e r ge w e s e n!" Als Schor das Krankenhaus verließ, wurde er in die Fabrik nicht mehr abgenommen, obwohl er; mehrere. Kinder zu ernähren hat. Die- Zeitung /.Stern", fördert strenge Maßnahmen gegen solche Aeußerungen des Antisemitismus. Der Kommunist G a r b.u n o w aus Dnepro-Petrowsk wurde wegen antisemitischer Agitation aus der kommunistischen Partei ausgeschlossen. Mein Geld ist mein Geld. Haust du meine Krim, hau' ich dein Palästina. — Zehnprozentiger Ausgleich mit dem Himmel. — Palästina vor dem Kassenschalter. Der politische Führer der reichen amerikanischen Juden, Herr Louis M a r s ih a 1, hat in einer Versammlung in New York , einen bemerkenswerten Satz ausgesprochen. Er sagte: Palästdna wird nicht vergessen werden, aber wir hätten seiner z e h n m a 1 mehr gedacht, als dies jetzt der Fall ist, wenn nicht gewisse jüdische Politiker versuchen würden, unsere persönliche Ueberzeugung zu vergewaltigen und uns vorzuschreiben, was wir mit unserem Gelde tun sollen! Zur Erklärung sei bemerkt, daß die Rede gegen jene Juden und Zionisten gerichtet war, welche Kritik daran üben, daß Herr Marshai und seine Freunde ungezählte Millionen jüdisch^amerikanischen Geldes für die bankrotte und gefährliche russische Judenkqjpnisation in der Krim und Ukraine sammeln und spenden, für den Aufbau des jüdischen Palästina aber verschwindend wenig oder nichts tun. Diesen predigt Herr Marshai das Evangelium von der absoluten^ Selbstherrlichkeit des jüdischen GeldSeutelsvmnen droht-er mit — d e r B e s t r a f u n g P a 1 ä s t i n a s. Unter allen schweren Drohungen ist die Drohung, nichts •zu geben, die schwerste, denn sie. ist immer ernst gemeint und wird immer ausgeführt. Auch im Falle Marshai ist nicht gewillt, irgend jemandem ein lOOprolung, in welcher er seine bedeutsamen Worte sprach, bewilligte in aller Eile noch drei -Millionen für die Krim, für Palästina nichts. * Herr Marshal und seine Freunde leugnen den Bestand einer jüdischen Nation und bekennen sich daher nicht zu ihr. Die Juden sind für sie nur Glaubensgenossen, nicht Volksgenossen. Sie anerkennen nur die jüdische Religion. Aber auch die jüdische Religion nur bis zu' einer bestimmten Grenze, wie das freien, reichen Amerikanern ziemt. Die jüdische Religion beruht auf Glaubenssätzen, auf unverrückbaren Pflichten. Eine dieser Pflichten ergibt , sich aus dem Gebote, immer und mit voller Inbrunst an Palästina zu denken. „Lechzen.d klebe meine Zunge an dem Gaumen und es dorre meine Rechte, vergaß* ich dein, Jerusalem!..." Da wird volle Hingabe verlangt. lOOproizentige. Aber der jüdisch-religiöse Herr Marshai ist nicht gewillt, irgend jemandem ein 100prozentiges Verfügungsrecht über seinen und seiner Freunde Gedächtnis- und Geldvorrat einzuräumen, auch nicht dem lieben Gott. Augenblicklich fin.det es Herr Marshai für gut, wie das aus seiner Rede hervorgeht, nur zu 10 Prozent an Palästina zu denken und zu 90 Prozent an die Krim, er wird vielleicht ein anderes Mal, aber nur wenn es ihm so paßt, noch 2,5 oder 6 Prozent Gedächtnis und Valuta an Palästina abgeben, er wird aber, wenn die zionistischen Kritiker frech bleiben, oder aus einem anderen Grunde auch die derzeitigen 10 Prozent streichen. Weil er sich nicht „vergewaltigen" und sich von niemandem vorschreiben läßt, was er mit seinem Geld, mit seinem Geld, tun soll. * Das ist eine ganz schmutzige Sache. Hut ab vor den offenen Gegnern des Zionismus und jüdischen Feinden des werdenden Judenstaates. Sie erklären offen, daß sie im Juden Staat ein gefährliches Ding erblicken,' welches den von ihnen erwünschten Assimilationsprozeß in seiner Entwicklung hemmt, dessen Existenz das Judentum in der Diaspora bedroht Und dann bringen sie noch andere Argumente, Einwände, die man als falsch bezeichnen und bekämpfen kann, die aber ehrlich gemeint sind. Sie wollen diesen ganzen Zionismus nicht," sie .befehden ihn, aber sie entehren ihn nicht. Was aber tun Herr Märshal und seine Freunde, wie soll man sich zu ihnen stellen? Sie klimpern mit dem Geld im Sack, bald freundlich un,d bald, drohend, sie machen den Beutel auf und machen den Beutel zu, wie es ihnen gerade paßt. Ihre Freundschaft ist keine Freundschaft und ihre Feindschaft ist keine Feindschaft. Sie behandeln das jüdische Palästina — dieses grandiose Wunder, das man lieben oder fürchten muß — wie einen der gedrückt-schäbigen Schnorrer, die in langer Reihe vor ihrem, Kassenschalter warten. Bald vorn, bald hinten, bald vor einem Spital, bald hinter einem Kindergarten.'Wenn Palästina murrt und aufbegehrt, weil Ihm die breite Krim. die.-Aussicht. und-, .den. Aitern :Hnnmt,' reißt' Herr Marshai das Schallerfenster hoch», und schreit: „Marsch nach hinten, Palästina:!" Weil er sich eben nicht vorschreiben läßt, was er mit. seinem Geld; mit s e inera Geld, zu tun hat. Aber wenn er schreit und schilt, ist's noch hundertmal ehrender und appetitlicher, als wenn er gnädig tut. Dann wird Palästina mit dem Schleim augenblicklichen Wohlwollens überzogen und mit dem Zucker gönnerischer Phrasen bestreut. Aber immer mit Vorbehalt. Das ist eine ganz klebrige, schmutzige Sache. # Herr Marshai und seine Freunde sind eben nach London gefahren, von der zionistischen Leitung höflich eingeladen. Sie wollen dort den Bericht einer Kommission, welche das, jüdische Palästina bereist und ausgeforscht hat, entgegennehmen und dann erklären, ob sie bereit sind, mit gleichen vollen Rechten in die Leitung des nationalen Aufbauwerkes, in die Leitung der zionistischen Arbeit einzutreten. Nacht etwa nur als geldgebende Förderer und wirtschaftliche Mitberater. Nein. Als politisch gleichberechtigte Führer. Nichtzionisten sollen zionistische Politik bestimmen, antinationale Juden sollen nationaljüdische Postulate vertreten. Eine Groteske, mit der Rede' Marshals als trefflich passender Begleitmusik. Eine traurige Groteske, welche der Ratlosigkeit und der Verzagtheit der zionistischen Leitung entsprungen ist. Hoffentlich sehen Präsident Weizmann und Herr Marshai im letzten Moment ein, daß da nichts Gutes; herauskommen kann und vor allem, nichts Würdiges. Ein Pakt, der auf ausgesprochenen Zweideutigkeiten und unausgesprochenen Lügen gegründet wird, muß unglücklich enden. Man verläßt den Boden ehrlichen Kampfes, der hart aber fest ist, omd tritt in den Sumpf unehrlichen Ausgleiches. Zionismus ist keine Ware, die man in mundgerechte Portionen zerteilen und kleinweise an den Mann bringen kann. Man muß ühn nehmen oder ablehnen, als Ganzes. _. r, st. Das zionistische Aktionskomitee Aus London wird uns berichtet: Die nächste Sitzung des zionistischen Aktionskomitees wird in, Berlin stattfinden. Die Beratungen beginnen am 17. Juli und sollen acht Tage andaeurn. Das HERZ jeder Küche ist ein BultS - Kühlschrank der General Motors «erlangen Sie Prospekt besuchen Sie SÄ» Warchalowski, Fimterie & €9 'Ks* 3? 8«

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