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Die neue Welt · 1928-05-18 · Heft 35 (18.5.1928) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 35 (18.5.1928)
Date
1928-05-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 30 Groschen V. b. b. Dl« NEUE WELT BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig 0 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc. 15 —; Jugoslawien monatli ch Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweiler Francs 1.50, vierteljahrig Schweizer Francs 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 2 Freitag, den 18. Mai 1928 Nr, 35 Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Aus dem Inhalte: Wie Rumänien seine Juden in den Tod schickte. Heinrich York-Steiner: Die,Kunst, als Jude zu leben. Josef Lowit, Königsberg: Als die Freiheit in die Ukraine kam. Zum Erscheinen der Encyclopaedia Judaica. —y: Die Hatyany-Tragödie. Wladimir J a b o t i n s k y, Paris: Jucunda Juventus. Der zionistische Konflikt in Amerika. Dr. Otto AH © l e s: Schnitzlers Bekenntnisbuch. Die jüdischen Höhlenbewohner in Tunesien. Aus der jüdischen Turn- und Sportbewegung: Sportantisemitismus in Graz. — Eia Achtungserfolg der Hakoah. — Die Amateurmetsterschaft derv jüdischen Vereine. — Jüdischer Sport in Polen. Ssholem Ale jenem: Menachem Mendel. Schalom Asch: Die Mutter. Sir Alfred Mond in Italien. Ein Gespräch mit Mussolini. Alna-lS.^Mai-.ist-'Sir Alfred Mond in Rom eingetroffen. Aän folgenden Tag w;urde er von Mussolini enipfangen. ' \mi Verlauf der UnterhaltiHig schilderte Sir Alfred. Mond eingehend die Erfahrungen, die er auf seinen: ' verschiedenen Palästinaroisen gemacht hat und berichtete über die Fortschritte der zionistische4i;Kol'orii'satiön in-P a 1 ästina. Ministerpräsident Mussolini Gefragte seinen Gast über die einzelnen Phasen der jüdischen Kolonisation, und die jüdische'; kulturelle Tätigkeit und bekundete ein besonderes Interesse für die auf eine industrielle En t w ic k.'l u n g Palästinas hinzielenden Pläne. Sif Alfred Mond teilte dem J. T. A.-Ver treter über;den Verlaufseines Gespräches mit dem Ministerpräsidenten : Mussolini folgendes mit: ■ / .Die Frage einer ita 1 i-en4isehen Teilgax-an.tie für die geplante, internationale zionistische-Anleihe wurde im Verlauf der Audienz nicht berührt. Er, Alfred Mond, halte den Plan einer Palästina-Anleihe für durchaus realisierbar, vorausgesetzt, daß entsprechende Sicherheiten i ü r d i e Amortisation geschaffen werden. ■■ . ■ Palästina, fuhr Sir Alfred Mond fort, hat eine große -wirtschaftliche Zukunft. Die Führung der Petroleumröhren vom Irak nach Haifa wird viel zur Hebung der Wirtschaft des Landes beitragen. Besondere. Förderung sollte man der Landwirtschaft in Palästina angedeihen lassen. Beste Möglichkeiten für Kapitalsanlagen bieten Bananen- und Orangen-. Plantagen. Ministerpräsident Mus s o 1 i n i, berichtete Sir Alfred Mond zurni Schluß, hat starkes Interesse für die . jüdischen Kolonisati.onsbestrebungen gezeigt. Der Haupträdelsführer im Pogrom ton Proskurow verhaftet. Aus, O d e s s a wird mitgeteilit, daß dort der Haupträdelsführer des grauenvollen Pogroms von Pro9kiir'ow, Doppak, .verhaftet worden ist. Er wurde auf der Straße durch einen Juden N u d e 1-;man\n,< der selber bei dem Pogrom verstümmelt worden;, ist* erkannt und der Miliz übergeben. Die Untersuöhutig gegen Doppak wurde eingeleitet. Verschenkte Milliarden. Die Wiener Kultusgemeinde gerät immer tiefer ins Defizit — und der Vorstand verschenkt Milliarden an den Staat und die Gemeinde Wien. Der Rechnungsabschluß und der Voranschlag der Wiener Kultusgemeinde weisen große Fehlbeträge auf und alle Anzeichen sprechen dafür, daß das Defizit ständig wachsen wird. Die .Sparwirtschaft auf den wichtigen Gebieten der Jugenderziehung, der allgemeinen "Fürsorge, der Versorgung kranker und alter Menschen und die U n t"e r 1 a ss u n g jeder Tätigkeit auf dem Gebiete. K r e d i thi'Ife und Arbeitsvermittlung haben es wohl dahin gebracht, daß die jüdische Bevölkerung mehr leidet als notwendig wäre und die Abfallbewegung wächst. Aber das Defizit will trotzdem nicht schwindend Weil bei d e r M a j o r i t ä t der eh r liehe Wille z u r. S a h i e r u n g fehlt. Eine der vielen Unterlassungssünden der Vorstandsrnajori- ,tät, welche zur Sparwirtschaft auf Kosten der Aermsten und der ge n d, welche zum Defizit geführt habe^i, bestehtv<Jarin, daß sich der Vorstand der passiven Wiener Kultusgemeinde bisher starrsinnig und verantwortungslos geweigert hat, das ihm zustehende Recht auf große Beiträge, welche der Staat und die Gemeinde Wien zum Haushalte der Kultusgemeinde zu leisten haben, geltend zu machen. Der Friedensvertrag von St. Germain, dessen Bestimmungen in die österreichische Verfassung übernommen wurden, spricht im Artikel 68, welcher vom Schutze, der Minoritäten handelt, allen Minderheiten nach Rasse, Religion oder Sprache — also anc;h den J.u den — einen angemessenen Anteil von allen Ausgaben für kulturelle und wohltätige Zwecke zu, welche im Budget von Staat und Gemeinde erscheinen. Dieser der Kultusgemeinde Wien gebührende Anteil macht jährlich viele Milliarden aus. Die zionistischen Vertreter im Vorstande haben s.eit Jähren gefordert und dafür gekämpft, daß der Vorstand diese der notleidenden jüdischen Bevölkerung Wiens rechtmäßig gebührenden Milliarden fordern möge. Aber vergebens! Unter den unsinnigsten Vorwänden haben sich die der österreichischen isr. „Union" angehörenden Herren von der Majorität geweigert. Sie wollen keine „Minderheit" Sein, weil sie Min de rheitsr echt mit gemindertem Recht verwechseln.^ Sie erklärten, aus dem „Schandver.trag" von Saint Germain keinen Vorteil ziehen zu wollen. Dabei ist der „Schandvertrag" identisch mit der österreichischen Verfassung! Sie müßten also logischerweise die östserreichiche Verfassung auch ablehnen. In Wirklichkeit ist es die Scheu des Ghettojuden, offen für jüdisches Recht zu kämpfen. Die Herren wollen um keinen Pnreis die jüdische Gemeinschaft als selbständiges, . mit Rechten begabtes Gemeinwesen erscheinen lassen," Infolge dieser unsinnigen Weigerung sind den notleidenden Judengemeinden und der notleidenden österreichischen Jüdischen Bevölkerung in den letzten acht Jahren zumindest 40 bis SO Milliarden verlorengegangen. Wieviel Gutes hätte da gestiftet werden können: Die Jugend, die Armen, die Kranken, die schwer kämpfenden jüdischen Menschen, welche vergebens nach Arbeit und Kredit rufen und von' der Judengemeinde mit Recht Beistand fordern, haben sdie Zeche bezahlt. Verelendung und Taufseuche haben um sich gegriffen. Die Majorität isj dafür verantwortlich! '' ,. Vor einigen Tagen erschien nun in; einem großen Wiener Blatte die. Meldung, der Vorstend der Judengemeinde hätte endlich dem Drängen der &ionisten nachgegeben^, sejae . Ansicht geändert, und geschlossen, auf .Grund des, Friedensvertrages vom Staate und,der G em-einde Wieh die .entsprechenden großen Beiträge zu fordern. Die Freude war kurz, denn die Nachricht erwies sich als. unzutreffend. Wenige Tage später wurde der Wortlaut des fraglichen Beschlusses bekannt. Er lautet: „Im Sinne des Antrages des Herrn Vizepräsidenten. Dr. Jakob 0 r n s t e i n, als Referenten, wird beschlössen» ■ zunächst bei der: Bundesregierung um eine Beltragsleistung für die Kodtusbedürfnisse der Kultusgem.eÄhde aus Staatsmitteln einzuschreiten und in der Begründung dieses Ansuchens in erster Reihe auf die staatsgrundgesetzlich gewährleistete Gleichberechtigung der Konfessionen und dann, auch auf die gesetzlichen und sonstigen Bestimmungen In der Tschechoslowakei und in Deutschland hinzuweisen. Herr Baurat Kempler regt bei diesem Anlaß an, ' daß auch die Frage „studiert" werde, ob es nicht möglich wäre, daß zu den Leistungen der Kultusgemeindc auf dem Gebiete der Fürsorge, namentlich aber zu den Ausgaben für das Spital, eine Beitragsleistung des Staates, eventuell <les Landes, beziehungsweise der .Gemeinde erlangt werde, wie dies ebenfalls in Deutschland der Fall ist. Dieser. Anregung wird zugestimmt." Dieser Beschluß bedeutet wenig oder gar nichts. Er nimmt keinen Bezug auf das einzige Recht, aus welchem den Juden der gebührende Teil aus ihren allgemeinen, hohen Steuerleistungen zukommen kann. Vom Staate wird man einen ßettel oder nichts, von der reichen Gemeinde Wien b es,t i m m t nichts erhalten. Das wirkliche Retht wird nicht genannt, dafür soll man etwas „studieren", was seit Jahr und Tag, klar vorliegt. Ehrliche Absicht, die Gemeinde zu retten und der Judenscftaft zu helfen, kommt in diesem S c h e i n b e s c h 1 ü ß,. er ist nichts anderes, nicht zum Austrucke. Im kommenden Herbst gibt es Neuwahlen. Der Beschluß ist ein Manöver, um sich vor der Verantwortung für das überflüssige Defizit und die mangelhafte Tätigkeit aüf den wichtigsten Gebieten und vor dem Vorwurf der Verschleuderung von jüdischem Volksgelde äußerlich zu schützen. Wieder wird die Jugend, werden'die Armen, Kranken und die schwer kämpfenden jüdischen Erwerbsschichien um ihr Recht gebracht. Der Kampf gegen dieses System und seine Träger ist unerläßlich. Das HERZ jeder Küche ist ein llfttl?H - Kühlschrank FäbnTcat der General Motor* Verlören Sie Prospekt hOf llf hon tfO das Ausstellungslokal oder!Jt3*HUI«|I vi« der Generaüepräsentaoz Warchalowtki9 Finiterle & C9 n, Am Hof 3 " "l-lrl7

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