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Die neue Welt · 1928-05-11 · Heft 34 (11.5.1928) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 34 (11.5.1928)
Date
1928-05-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seife 8 DIE NEUE WfiLT Nf. 34 1000 Doli Leon B Ium, der Verteidiger Schwarzbarts Henri T o r r e s, der Zionist Cor cos und der Leiter des Jüdischen Nationatfonds Hi Frankreich, Mirtil. Freigesprochene Grabschänder. Aus Köln wird gemeldet: Die beiden Landarbeiter Peter Schander und Heinrich Ecken, die im Dezember 1926 auf dem israelitischen Friedhof zu Kerken bei Düren Grabsteine umgeworfen, die Marmorverzierungen und Einfriedtingen der Grabmaler beschädigt hatten, wurden vom Kölner Schöffengericht trotz der eingestandenen Grabschändung f r e i g e s p r o c h e n, da sie nachdem Urteil der m e d i zi n i s c\h e n Sachverständigen vollkommen verblödet sind und kaum über die geistigen Fähigkeiten eines vierjährigen Kindes verfügen. Litauen ladet die amerikanischen Juden zu seinem Freiheilsfeste ein. Aus New York wird berichtet: Das litauische Konsulat in Washington erhielt von der litauischen Regierung den Auftrag, die amerikanische Judenscliaft und ganz besonders die aus Litauen stammenden amerikanischen Juden als Ehrengäste zu der Freiheitsfeier Litauens nach Kowntf einzuladen. Die Feier wird vom 15. Mai bis 2. Juli dieses Jahres in Form verschiedener Ausstellungen und Veranstaltungen abgehalten werden. Bei den amerikanischen Sabbatariern. Unter den zahlreichen christlichen Sekten, die in Amerika vorhanden sind, nehmen die Sabbatarier, edier wie sich offiziell „Seventh day Adventiisfcs" nennen, eine bedeutende Stellung ein. Diese Sekte zählt viele tausende Mitglieder, von denen die meisten in der kleinen Stadt Lancaster im Staate Massachusetts wohnen. Hier befindet sich auch das Hauptzentrum der Sekte mit Lehranstalten, Druckereien und anderen Einrichtungen. Von hier aus wird auch die große Propaganda der Sabbat weihe über die ganze Welt hin geführt. Der Mitarbeiter einer amerikanischen Zeitung besuchte vor kurzem dieses Zentrum der Sabbatarier und erzählt einige interessante Beobachtungen. Er kam an einem Freitag morgens in Lancaster an, als die Sabbatarier bereits begannen, ihre Vorbereitungen für den Empfang des Sabbat-zu treffen. In dem großen Volkshaus, wo die Schüler und Schülerinnen der Volks-, Mittel- und Hochschulen, sowie viele andere Bewohner der Stadt versammelt waren, hielt einer der Hochschuiprofessoren einen Vortrag über den Sabbat der Juden und die Bedeutung seiner Heiligung. Zum Schlüsse gab er bekannt, daß der Satobateingang mit dem Untergehen der Sonne an jenem Tag um fünf Uhr und einige Minuten nachmittags eintrete, und er mahnte die Zuhörer, rechtzeitig die Vorbereitungen für den heiligen Sa'bbat zu beenden. Der Journalist nahm dann an einer Konferenz des Lehrkörpers teil, im Verlaufe deren die Professoren mit Stolz darauf hinwiesen, das sie d d e einzige Gruppe unter den Christen seien, die die zehn Gelbote und ganz besonders das vierte Gebot über die S a ib b a t h e i 1 i g u n g genau einhalten. Sie tun das menschenmögliche, um sich an die Lehre Moses zu halten, derm sie betrachten den Sonntag als einen Ruhetag, den die Christen von den heidnischen Götzendienern übernommen haben. Vom Vorabend am Freitag bis zum Abend des Sabbats vierrichten die Sabbatarier keinerlei Arbeit. Sie besuchen weder ein Theater, noch ein Kino. Den Studenten und Studentinnen von Lancaster ist übrigens auch an Wochentagen der Besuch von Theatern, Tanzsälen und Unterhaltungen verboten. Ueberhaupt führen die Sabbatarier ein durch strenge Gesetze und Verordnungen geregeltes Leben der „Reinheit und Enthaltsamkeit". Am Sabbat halten sie sich streng an die biblische Vorschrift, daß keiner seinen Ortverlasse. An diesem Tage werden nur religiöse Bücher gelesen. Sie sind auch durchwegs V e'g e t a.r i e r und genießen nichts von einem Lebewesen. In Lancaster gibt es — so erklärt der Journalist — kein einziges Restaurant oder Hotel, in dem Fleischspeisen zu bekommen wären. Sehr interessant ist, was einer der Führer der Sabbatarier über die Haltung der Juden zum Gesetz der Sab- 'batwefiäie s^gte. „Es tut uns Sabbatariern besonders weh, wenn war seheil, wie die Juden am Sabbat in ihren Geschälten und Werkstätten arbeiten. Die Juden hatten uns als Beispiel nehmen müssen für die Sabbatheiligung, in ULM AP X E R G AS S E 30-37 r t? I c o >\ o n;o-Vö7- und. ,0 5 -.«Ja1» 8, ■ . f- . t i a i <? ■ ■ ■■ . VI.MARIAHILFEPSTR;A9 r •? L,e .p. h -O' n:-.:;:-H/l« 2,1 „ ':{ . vfi-r v.n "i q p t\!.; e. T r/o :s'":pv.e: k't V! sind oft nicht so viel wert, als das Urteil zufriedener Gäste. Ein zufriedener Gast ist die beste Empfehlung! ER M OTTO KASERER Wirklichkeit aber betrachten sie uns. als absonderliche Menschen, die um ihren Verstand gekommen sind." Die Sabbatarier unterhalten in der ganzen Welt eine sehr ausgedehnte Propaganda ihrer Ideen. Sie haben in Amerika fünf eigene Hochschulen mit über 5000 Hörern und Hörerinnen, einige medizinische Fakultäten, Spitäler und Sanatorien und auch eine Missionsorganisation. Viele hunderte junger Missionäre wurden nach Asien und Afrika geschickt, um dort die Lehre zu verkünden. Jahrzeit in einer Bauernkollektive. Als Beweis dafür, wie das wirkliche jüdische Leben den Verfolgungssadismus der Jewsekzie ad absurdum führt, erzählt ein jüdisches Blatt die folgende, angeblich wahre Geschichte: In einem jüdischen Städtchen schlössen sich einige Juden zu einer landwirtschaftlichen Kollektive zusammen, die gute Erfolge erzielte. Aber die kleine Kolonie zählt nur neun erwachsene Männer, sie hat kein „Minjan". Eines Tages nun hatte einer der Kolonisten J a h r z e i t nach seinem verstorbenen Vater, und „es war kein Minjan" da. An diesem Tage nun geschah es, daß ein jüdischer kommunistischer Beamter aus der Stadt in die Kolonie kam. Es war einer von den wildesten Fanatikern. Als er in den gemeinsamen Kollektivraum trat, fand er dort neun Erwachsene traurig um einen Tisch herumsitzen. Sie blickten einander verstohlen an, keiner sprach ein Wort, doch sie hatten sich verstanden. Einer von ihnen schlich zur Tür, verspefrte sie, nahm den Schlüssel an sich, worauf der Mann, der die Jahrzeit hatte, rasch den Tisch mit einem Tuch bedeckte und laut begann, das Abendgebet vorzubeten: Wehu Rachum... Der gefangene „Zehnte" war so überrascht, daß er gar nicht zu einem Protest kam. Das Abendgebet wurde mit einiger Beschleunigung zu Ende geführt, der Jährzeitmann sagte seinen „Kaddisch", und erst dann wurde der wilde Mann der Jewsekzie in Freiheit gesetzt. Ob die neun jüdischen Kollektivisten diese Einschränkung der persönlichen Freiheit des religionsfeindlichen Kommunistenführers nicht zu teuer bezahlt haben, wird nicht berichtet. Die Pessachrede des Pastors^- Folgende Geschichte aus der amerikanisch-jüdischen Assimilation wird uns von einem Wiener geschrieben, der in einer Stadt des Mittelwest am Missouri lebt: Unsere Gemeinde ist nicht sehr groß, aber genügend wohlhabend, um eine nette Synagoge zu erbauen, für die ein junger Rabbiner engagiert wurde. Da, es in der Stadt kein koscheres Rindfileisch' 'gifot,'^ ernährte : er sich durch' Fische, Eier und' selbstg&schla^htetes Geflügel.- Als nun Pessach herankam und er diaf absolute Unmöglichkeit einsah, sich rituell zu verköstigen, Cbaimez jedoch nicht essen wollte, fuhr er heim zu seiner Mutter nach' New York.' Damit jedoch die Gemeinde, zum Osterfeste nicht der Seelsorge entbehre, ersuchte er>ein.en-protestantisch e n Kollegen, der Judenheit die Pess-ach-iFestreds zu halten. Und so geschah es. Der Irak als Einwanderungsland. In letzter Zeit hat die Aus-Wanderung aus-4e-m L i b a n o n g e b i e t sehr stark zugenommen. Der größte Teil der Auswanderer wendet sich nach Amerika. Um nun zu verhüten, daß diese Auswanderer dem Orient verloren gehen, sandte die Libanonregieung eine Studienkommissioh nach dem Irak, um dort die Möglichkeiten einer größeren Einwanderung zu studieren und-eventuell die Vorbedingungen für die Ansiedlung von Libanesen im Irak in größeren Massen zu schaffen. Zionistisches Landeskomitee fUr Oesterreich (Zio? nistische Bezirkssektion Leopoldstadt). Dienstag, den 15. Mai um halb 8 Uhr abends im Hotel C o n t i n e n t a.4 Massenmeeting. Redner: Dr. Leo Goldha^mmer, Dr. Josef Löwen herz, Prof. Moses Rat h. Thema; Unser Kultusgemeindeprogramm. m H Tüchtige ü jüdische KÖCHIN wird für das israelitische Hospital in Gleichenberg für die Monate iuni, Juli, August gesucht. Reftek tanlinnen, die bereits in rituell getührten Heimen oder Ans» aiten tätig waren, werden bevorzugt. Vor« Stellung mit Ausnahme Samstag täglich von 9 bis 12 Uhr vormittags I., Seiiensieitengasse 2 Tür 10. £RGOLDUNG/SSSg Reparaturen aller Gold-, Stf6er-u* Alpahawaren Auch Silber-Handtaschen » Billigste Preise aVI>A IX. aRUNETOR0AS$E19a Mf MA GASSENLOKAL KARTON NAG EN FABRIK GELB AN O 6 C9, WIEN, IX. GRUNOLSTR. 3 M Telephon 19-0.69 *M ♦ beliefert alle führenden jüdischen Firmen mit «■ < ALLEN ARTEN KARTON! Theater und Kunst« «Burgtheater. Reichlich verspätet kam das Burgtheater mit seiner Ibsen-Ehrung, mit einer Neueinstudierung der „Gesperrster", heraus. Die Wirkung dieser erschütternd realistischen Tragödie ist unverblaßt, obzwar manches der modernen Denkungsweise, vor allem den Fortschritten der Medizin, nicht mehr angepaßt erscheint. Für die Darstelh lung hat der Regisseur Hans Brahms die prächtigste» Garde des Burgtheaters aufgeboten. Da ist vor allem! Hedwig B1 e i b t r e u als Frau Alwing. Es ist jedesmal ein neues herrliches Erlebnis, die edle reine Kunst dieser Frans zu genießen, ausgezeichnet und unaufdringlich Herr Harth mann als Oswald, gesundheitsstrotzend (wie es der Dich)« ter verlangt) Frau Pünkösdy als Regine, pfiffigschlau und verschlagen — nur ein wenig zu sehr ins Wienerische! transponiert — Herr Maierhofer als Engstrand. Das Publikum dankte tief ergriffen. Deutsches Volkstheater. Erstaufführung: „Zwölftausend" von Bruno Frank; Der Autor hat eine kleine Anleihe bei Schillers! »Kabale und_Liebe" gemacht und läßt so wie dort auch1 hier einen kleinen Fürsten Landeskinder an eine fremde Macht verkaufen, um mit dem Geld der Verschwendungs!« sucht seiner Geliebten zu genügen. Von da ab geht der Dichter eigene Wege. Auch dieser Fürst hat einen Geheiraisekretär, der aber gar nicht mit der Verschacherung dieiser „Zwölftausend", für die er brüderlich fühlt, einverstanden ist, seinen Herrn verrät und die Hilfe des preußischen Königs anruft, der die „Zwölftausend" vor dem Geopfertwerden, aber auch den Geheimsekretär vor der Strafe für seinen Verrat bewahrt. Das Stück ist wohlMoissi zuliebe angenommen worden, der den Geheimsekretär, den Demokraten, gibt und sich auch wohl politisch in seiner, Rolle wohlfühlt. Ganz fehl am Platze Edthofer, der liebe Junge als Fürst, i h m mutet man soviel Schlechtigkeit bestimmt nicht zu, nicht einmal für eine so schöne Frau, wie sie Frau Stu ckerin g(als seine Geliebte ist. Sehr gilt Herr Lessen als „fleischkaufender" Engländer und der wuchtige. Herr Brandt als Preuße. Der Erfolg des Stückes war ganz nett, wird aber dem „Hokuspokus", dem Zugstück des Deutschen Volkstheaters, kein Ende machen können. e. k. Leon Kobrins „Der Dorfsjüng" im Carl-Theater. Sonntag den 2 7. Mai findet um 3 Uhr nachmittags im Carl-Theater eine einmalige Aufführung von L. Kobrins Lebensbild „Der Dorfsjüng" statt. Der gesamte Reinertrag fließt dem Verein „Mathilde" (zur Bekleidung armer jüdischer Waisenkinder) zu. Kartenverkauf ab Samstag' den 12. Mai an der Tageskassa des Carl- Theaters; im Basar, Rotenturmstraße; im Cafe" Buc-hsbaum, Iii., Große Sperlgasse 41 und Cafe" Astor, II., Praterstraße 60. „Die Tochter von Jerusalem", die bekannte historische Operette von Wolfsthal wird Mittwoch den 16. Mai in der Jüdischen Bühne, II., Taborstraße 12, zum hundertsten Male aufgeführt. Jüdische Böhne, II., Taborstraße 12. Wochenprogramm: Freitag, den 11. bis Montag, den 14. Mai: „Judke und Cipojr e", Operette in 4 Akten von Feinmann1. Sonntag, 3 Uhr: „D u s Pintale J ü d". Pienstag, den 15. Mai: „Der Onkel von P i 11 s b u r g", Komödie mit Gesang in 4 Akten von Freimann. Mittwoch, den 16. Mai: „Die Tochter jerusalems" (100. Aufführung). Donnerstag, den 17. Mai: „Die zwei Schwieger s", Komödie mit Gesang in 4 Akten von Richter. Beginn 8 Uhr, Ende 11 Uhr. Mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage freier Eintritt. „Jüdische Künstlerspiele" im Theater Reklame^ Wochenspielplan: Freitag, den 11. „Be'rele B 0 s J a k". Operette in 3 Akten. Samstag, den 12. bis Montag, den 14. „D i e welberische M e I u c h e", Komödie in 3 Akten. Dienstag, den 15. B u n t e r A b e n d. Mittwoch, den 16. Vorstellung als Ehrenabend der Frau Klara M e I s e 1 s. Mitwirkend 11 Ja Trilitng aus Moskau. — llia T r i l II n g, der bekannte Moskauer Schauspieler, wurde von den Jüdischen Künstlerspielen für ein kurze» Gastspiel verpflichtet. _ Klub junger Zlonisten. Samstag den 12. Mai 1928. 8 Uhr abends, findet ära Klublokal, III., Löwengasse 36 (Cafe Lovraua), die k 0 n-. stituiererade Generalversammlung statt. Nach der geschäftsmäßigen Tagesordnung findet ein Vortrag über „J u g e n d i m Zionismus" statt. * Der neugegründete Klu'b Junger Zlonisten bat es sich zum Ziele gesetzt, junge Menschen, die sich zum Zionismus bekennen, die nirgends organisiert sind, zusammenzufassen und sie zionistisch zu aktivieren. Junge Zlonisten, die ihr noch nirgends or* g^anisiert seid, meldet euren Beitritt an! DER HHKER «ig. Versldierungs a.o.

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