Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 31 (20.4.1928)
- Date
- 1928-04-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 7 Groschen V. b. b, BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc 15 —; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R V U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schwelier Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag \wmmmmmmmmmmmmmmmmaammaammKmmmammB^^ Freitag, den 20. April 1928 Nr. 37 n im für in Die Aus dem Inhalte : —y:Kischinew. Rafael Ben Sussan, Haifa: Politische Offensive Orient;* N. R„ Warschau: Brief aus Polen. Dr. Otto A b e 1 e s : Der Meschumed aus Prag. Dr. I. Sc hechtmann, Paris: Jüdisches Geld die Kolonisation von Tataren. Lewit-Königsberg: Die Haidamaken-Pogrome in der Ukraine. Jakob Krausz : Rettung «verschollener jüdischer Stämme. - Die Einstellung der Arbeitslosenunterstützung Palästina. Aus Palästina. Jüdische Pioniere im Dschungel. J. L. Perez: Die Witwe und ihre Töchter. Aus der jüdischen Turn- und Sportbewegung; Hakoahs Kampf um die Meisterschaft — Meisterschaft der jüdischen Amateurvereine. Schölem A1 e jchem : Mehachem Mendel. Schalom A s c h pi%:$u#er.•/;.; Zu. Eine sensationelle Erklärung der amerikanischen Regierurig wegen der antisemitischen Vorfälle in Rumänien. .'. Alis Washington wird uns gemeldet: Im Kongreß hatte der Abgeordnete K eil e r die Regierung aufgefordert, gegen die rumänische Regierung Schritte zu unternehmen und insbesondere die Erteilung einer Anleihe an Rumänien zu .verhindern, weil die Juden und die anderen Minoritäten in Rumänien den ärgsten Verfolgungen .ausgesetzt sind. In-Beantwortung dieses Antrages erklärte Staatssekretär Kellogg, die Regierurig könne dieser Aufforderung nicht entsprechen. Dieser Beschluß hat in der jüdischen Oeffentlichkeit Amerikas große E r r e;gu ri g hervorgerufen, weshalb a u s. R e g i e r u n g skreisen, der J.-A. Tv zufolge, ein Kommentar gegeben wird, der zunächst das Bedauern über die triste Lage der Juden und der anderen Minoritäten in Rumänieu und anderen Ländern ausspricht. Sodann wird festgestellt, daß, eine amtliche Einmengung in rein innere Angelegenheiten anderer Staaten durch den i n fr-e rn,at;i o, n a;le n B r a u ah>e i n g e s ch r ä n.k t wird. Die Haysche Note vom Jahre 1902 gegen die Unterdrückung der rumänischen Juden konnte erlassen werden, weil die Juden zu dieser Zeit keine rumänischen Staatsbürger waren, Der- Abbruch der H a n d e 1 s b e z i e nun gen z u Rußland mi Jahre 1911 als Protest gegen die antisemitische Haltung der russischen Regierung konnte erfolgen, Veil durch die zaristischen Beschränkungen auch amerikanische jüdische Staatsbürger getroffen wurden. V U\., *.-' ' .' onniipMPH^ . Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen .^otizen sind durch ein beigefügtes E bezeich»e$ : '•" ■'•/ ' "•! Aufstände betrieben. Gewitterwolken über Rußland. im Gebiet der Judenkoloiiisation. — Antisemitismus in den Staats-;— Judenhetze im Großen Moskauer Staatstheater. —• Selbstmord des jüdischen Geigers Krain. '. Die Stimmung in Sowjetrußland wird immer rollender. Die Regierung ist vor die entsetzliche Wahl, gestellt, die städtische A r b e i t.e r b e y ö 1 k er u n g h u u g e r n und frieren zu lassen oder aber an den Bauern Erpressungen auszuüben. Einmal tut sie das eine, dann das andere. Sie nennt dieses fürchterliche Gaukelspiel „Stfstemweohser. Dieser ständige Systemwechsel hat verzweifelte Erbitterung erzeugt, die sich immer häufiger in Aufständen zu entladen sucht/Derzeit gärt es besonders stark im judenreichsten Landesteil, in der Ukraina. Große, organisierte Bauernbanden, gut bewaffnet, durchstreifen das Land, überfallen die staatlichen Getreidemagazine und Bahnstationen. Viele Regierimgsbeainte. sind bereits von den Aufständischen getötet •worden', und ständig ^werden i?egierungstruppen in die Ukraina. entsendet. Die -Parole der Aufständischen richtet; sich, selbstverständlich,: aiich .gegen;die JvUd e.Aif welche-füt y^r.&nt--:;.^r,tjic^;.gemaclit wer^epv^i^;]pa^; de);.|i;krahii§chen j. J.tidens'öh'ält/inmitten, dieser^ Kämpfe ist eiile. icatä- ' strophale und die Gefahr von Jaidenmetzeleien wird immer drohender. Besonders bedroht sind aber die in den letzten Jahren von der' Regierung und den amerikanischen Juden gegründeten J u d e n k o 1 on ien.. Zu dem allgemeinen Schlagwort von der tyrannischen Judenregierung gesellt sich, hier die Parole vom Bo den raub, welcher zugunsten, der fremden Judenan der bodenständigen Bauernschaft verübt wurde. * Aber nicht nur unter den Gegnern des Regierungssystems nimmt der Antisemitismus bedrohliche Formen an; in Kreisen der herrschenden Partei selbst gewinnen die Judenfeinde täglich an Boden und werden immer aggressiver. Die judenifeindliche Be-; wegung innerhalb dieser Kreise hat Dimensionen angenommen, die die bisher geübte Taktik des Verschweigens unmöglich machen. So bringt . das Regjerungsorgan „Prawd a" in einer seiner letzten Nummern an leitender Stelle einen großen Artikel über das Problem des w a c Ii s enden A n t i s e m itiS'inus unter den russischen Kommunisten. Sie findet es besorgniserregend, daß den Juden die Arbeit in den' Fabrikenseitens der G e.n o s s e n systematisch verleidet wird. Den jüdischen Arbeitern wird das in Rußland verbotene Wort „Zsid* (verächtliche Bezeichnung für Juden) ständig zugerufen und die alte Parole der Schwarzen Hundert: „Schlagt die J u d e n u n d r e 11 e t R u ß 1 a n d" lebt in kommunistischen Reden und Schriften wieder auf. So haben in Cha r ko w die Führer der lokalen komim'Uni'stisohen Kooperative antisemitische, direkt auf Verdrängung der Juden von allen Arbeitsiplätzen hinzielende Proklamationen . erlassen. Anläßlich . eines Streites in einem staatlichen Bureau rief der kommunistische Regierungsbeamte K o 4 h a s i n seinem Kollegen: Rpsenbäum, zu: „Juden, denket an die alten Pogrome, und hütet euch* daß wir nicht wieder eure fetten aufschlitzen- und" die Federn fliegen lassen!" (Ein. beliebter „Scherz", der Pogromisten im ■ zaristischen- Rußland wa^ Juden de,n Bauch, qktrmscfäitzfn ^un^. mj t.Bett;f£4ern\ volfeustopfen.).Solche Dinge weiß 'die. ,;Prawda" zu berichten- und. m^int, das' Steigen des Antisemitismus^ sei .auf die wirtaohäftliche- Not, auf die jüdische, Konkurrenz im Privathandel, auf die Wohnungsnot und auch darauf zurückzuführen, daß die Juden viele Plätze in den Bureaus einnehmen. Trotzdem, meint, das Regierungsblatt, müsse, der Antisemitismus bekämpft werden, weil er dem P r es t i g.e d e s S o w j e t r e g i m e s, ' abträglich sei. Magere Weisheit, welche gegen ' Vo'Jiksleidensohafjjen . mit Prestigegründen kämpft. Magerer, Trost für die i Juden. ' ■■■'■■'' ' •* '!,;'- . ., . ' " ' Der Antisemitismus macht Sich überall breit, auch auf dem Gebiete' der k o m mu n i s t i 'S c h e n K u n s t. Die Moskauer Zeitungen berichten jetzt über den änti'semiti'Sbheri Kurs' im Großen Mqslcauer Staatstheater. Der Leiter und Hauptregisseur CTa l awanow hat es darauf angelegt, alle Juden aus dem Ensemble und dem Orchester zu vertreiben. Er verfolgte, den ersten Geiger Krain, einen Juden, so hartnäckig, daß der Künstler Sel'bstmord' verübte. Mehrere jüdische Mitglieder des Orchesters, welche den antisemitischen - Beschimpfungen , und RUNDSCHAU. Freunde Israels. t Wir haben bereits mitgeteilt, daß der Vatikan die Vereinigung der-Freunde Israels auf g e I ö st hat. Die Gründe für die Maßregel sind unbekannt, doch scheint es, daß die Vereinigung, die aus namhaften kirchlichen. Würdenträgern bestanden hat, zu energisch auf ihre Forderung nach Erlassung einer Enzyklika gegen den Antisemitismus bestand. Der:Papst Pius soll im Vorjahr ein dahin gehendes Versprechen, gegeben haben, doch/wurde diese Mitteilung damals dementiert. Daß die Vereinigung ei n.e scharfe antisemitische Tätigkeit entfaltete (wie sich unter anderem die „Neue Freie Presse" aus'.Rom berichten'läßt), ist nicht recht, glaublich. Das Auflösungsedi'kt ist von der - Congre-. gätio saneti pfficii erlassen worden und'enthält unter anderem die folgende Aeußerung; „Efcie ' katholische Kirche war dem jüdischen Volke immer günstig gesinnt. Die katholische Kirche war stets bereit, für das jüdische Volk, dem Gott * die Versicherung gegeben hat,-daß Jesus Christus auf .Erden erscheinen werde, zu beten, trotz und' gerade wegen der Verblendung Israels; Im Geiste dieser Liebe für Israel hat' der .Apostolische Stuhl das jüdische Votk immer gegen ungerechte Bedrückungen geschützt. Ebensosehr wie er jeden Haß und jede Feindschaft tmter den Völkern . verwirrt, so verwirft der Heilige Stuhl aufs schärfste den Haß gegen das erkorene Volk Gottes, jenen Haß, der im. Antisemitismuis in Erscheinung tritt." Mit den historischen Tatsachen ist diese Erklärung kaum zu vereinbaren und wie es in der Gegenwart damit steht, lehrt ein Blick in die katholische Presse. Weiters heißt ,es in dem Entschluß; die-Vereinigung •„Freunde Israels", der früher nioht; allem eine^Änzahl von Gläubigen* und Priestern . angehörte, sondern, mit der auch ziemliQh viele Bischöfe und Kardinäle -sympathisierten,: in ihrem Han#ejri und Denken von jeder Küche ist ein vetian$M^