Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 29 (4.4.1928)
- Date
- 1928-04-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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2 WS NEUE WELT 120 QürJie Osterspei. eisen kann jeder Strenggläubige ohne Bedenken Kunerol verwenden. Die KunerokErzeugung steht bis zur Verpackung des gebrauchsfertigen Naturfettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. 100% REINES KOKOSNUSSFETT Außenminister hat kürzlich vor der Pro-Palästina- Idee seine Verbeugung gemacht, pie Regierung schritt also ein und sie untersagte den Abdruck der genannten Geheimnisse. Als der Abdruck nämlich schon fertig war. Zugleich wurde, um die amtliche Objektivität zu beweisen, auch die Fortsetzung der Gegenäiißerungen von jüdischer Seite untersagt. Jetzt ist der Gerechtigkeit Genüge getan und das Gesicht gewahrt. Freilich dauert das Gemurmel wider die unpatriotisclien Juden fort, die mit den Türken, dem Feind von morgen kokettieren. Weshalb sie das tun sollten, ist nicht leicht einzusehen. Denn die Verfolgung der Juden in der Türkei setzt gleichfalls nicht aus. Die Freizügigkeit für sie ist aufgehoben und jeder jüdische . Kaufmann, der eine Reise antreten will, mu/3 hiezu die Erlaubnis der Zentralr'egierung in Angora nachsuchen. Denn die Juden sind-unpatriotisch und "kokettieren mit den Griechen. Der .Außenminister Tew fi k R u s c h.d i Be-jr hat in Genf Herrn Äberson. dem Vertreter •des jüdischen Minoritätenkomitees erklärt, daß er die Intelligenz und .Loyalität der Juden loben.. müsse. Die Regierung w&rd<^^e;fe<$^ -oder hab^ ^es 'bereife^'geiith. ■ISs /ist •nlib. .wie man sieht, in 'Griechenland" und"in der' Türkei '-alles in schönster Ordnung.; Nadossy und Windjschgrätz erhalten ihre Amnestie. Die Kerkerstrafe für;' die .'Frankenfälschungen -haben sie gut ertragen. Der eine war im. Sanatorium,; der andere auf Capri. Trotzdem konnten sie sicliMiicht mit allen Kräften und Fähigkeiten der Wie*derauferstehung und Läuterung der magyarischen Nation widmen. Im Nurherusc.lausus-Kampf g e g e n d i e jüdischen In teile k t u e 1:1 e n fehlten sie, Das wird nun gutgemacht •Und die beiden Häupter rücken / wieder in vollen .Ehren an ihren Platz in der Front. Die Juden Ungarns werden dies bald verspüren. In Arabien sind die Kämpfe abgeflaut und es ist Raum für Verhandlungen zwischen England und Ibn Saud geschaffen worden. Es . scheint, daß der Wahabiten^ führer sich gegen Feindschaften < im eigenen Lager wehren muß, daß also der Heilige Krieg, den die antienglischen und antijüdischen Romantiker schon am Horizont aufbrennen sahen, gar nicht den Giaurs gegolten hat. Der König von Irak, F a i s a 1, erklärte einem Interviewer: „Ich wünsche herzlich, daß Ibn Saud imstande sei, seine Macht inne r.h a 1 b des Hedschas zu. reorganisieren. Er muß verstehen, . daß die Bedrohung des britisch e n Korridors vom. Irak nach Palästina für uns Li n e r t r ä g 1 ich ist. Die Existenz dieses Korridors ist für uns eine Lebensfrage, denn eine Unterbindung des Weges vom Irak zum Mittelmeer durch fremde Beduinenstämme wäre der Todesstoß für die Zukunft des Irak, welche vollständig von der Möglichkeit des schnellen Exports seiner Agrarprodukte nach Europa abhängt. Heute ist die Produktion allerdings noch gering, weil die Unsicherheit in der M o s s u 1 f r a g e die Kapitalisten abschreckte; aber seit zwei Jahren begännen hier Investitionen fortschrittlicher Kreise, und ich bin sehr optimistisch betreffs der Agrarzukunft des Irak, speziell für Kornfrucht und Baumwolle." — Inzwischen ist aber die Stimmung der Araber wieder verschlimmert worden, und zwar durch die irf Jerusalem stattgehabte Konferenz der protestantischen Mission (über die wir bereits berichtet haben). Unter den Arabern geht das Gerücht, daß diese Tagung einen antisemitischen Charakter trage, und es ist in Tnmsjordanien zu Ausschreitungen gekommen, wobei in Es Salt (dem bekannten Phospha Hager) zwei Missionäre von Beduinen ermordet mi<m*.. . Das Defizit der Wiener jüdischen Kultusgemeinde. 228.000 Schilling im Jahre 1927. — Die Teilnahmslosigkeit der Gemeindemitglieder. In der Plenarsitzung des Vorstandes 'legte der Fdnanizreferent Regie rungsrat Dr. Oppenheim den Rechnungsabschluß für das Jahr 1927 vor. Die Einzelheiten dieses Abschlusses sind der Oefientlichkeit bereits aus den Budgetdebatten bekannt. Es sei 'hier nur wiederholt, daß die Einnahme n des Jahres 1927 sich mit 5,426.234 S, die Ausgaben mit 5,633.301 S 'bezifferten. Es ergab sich daher ein Zuschuß von 207.067 S.- Gegenüber dem Jahre 1926, welches mit einem Ueberschuß von 20.939 S abschloß, stellt sich der Rechnungs-abschliuß um 228.007 S ungünstiger. Im Jahre 1927 sind die Einnahmen um 653.063 S, die Ausgaben um 620.572 S .gestiegen. Wir haben die Ziffern des Voranschlages, der bereits vom Plenuni genehmigt worden ist, besprochen und darauf hingewiesen, daß die Mehrheit des Vorstände« der großen Aufgabe einer jüdischen Gemeinde nicht entspricht. Diesem Umstand ist es zuzuschreiben, daß der Abfall immer stärker wird und daß im Leben der Wiener Gemeinde eine 'bedrohliche Rüokehtwicklung eingetreten ist, der die rein mechanisch funiktionierende Verwaltung nicht mehr gewachsen ist. Eine Abhilfe kann n u r d a s i ü d i s c h e V o 1 k W i e n s seil4>st scharfen, indem es die Gemeinde zur Vol'ksgemekide. twngestajtet, in der jeder'einzelne mit der Gemeinschaft und ihrem Zentrum verbunden ist und dies auch fühlt. Nur die Gewährung des a'11 ge m e\ n e n u ud gleichen Wahlrechtes kann die Voraussetzungen biefür schaffen und die Judenschaft Wiens mit dem stärksten Interesse für ihre Gemeinde erfüllen. Unter den heutigen Umständen ist dies nicht zu erreichen, und zwischen der jüdischen Bevölkerung und ihrer Repräsentanz 'besteht eine tiefe Kluft. Der Referent mußte selbst mitteilen, daß e i n e i n zi«e s G eym e i n d e m i t gi i ed sich für den zur öffentlichen Einsichtnahme aufgelegten Rechnungsabschluß j interessiert hat. Das ist wohl ein sehr trauriges Zeichen. Der Vorstand genehmigte ■ den Rechnutigsabschkiß ob(n e ü-eba 11 e. . * ' Aus den sonstigen Punkten der Tagesordnung, sei das Folgende mitgeteilt: Für die jüdischen Häftlinge der Straifaustalt Stein wurde Herr Professor Dr. Kaiman ■BWIf^'WWAlÄni K u >p i e r als Seelsorger dem Justizministerium nominiert. Er wurde auch mit der Betreuung der jüdischen Insassen in den Heilanstallten der Gemeinde Wien in .Ybbs a. <L D., Mauer-Oehlin« usw. betraut. Das Zeremoniengebäude autf dem alten ausgelassenen Wäiiringer israelitischen Friedhof sowie die Umtfriedungsmauer des Friedhofes mußten infolge ihres schiechten Zustandes instandgesetzt werden. Die Kosten für diese Herstellungsarbeiten werden sieb auf rund 8000 S 'belaufen und erscheinen im Budget vorgesehen. Der Ku <l t u s g eme i nd e Oravita in Rumänien, deren Gebäude bei einer großen Feuersbrunst mm Teil zerstört worden sind, wurde zum Wiederaufbau der Gebäude ein Beitrag Von 500 S bewilligt. Des Ferneren wurden bewilligt: 'der ,Ges episch a \ t zur F ö r d e r u n >g d e r W i s s e n s c h a f t d e-s Judentums in Berlin anläßlich ihres 40jährigen Bestandes ein Beitrag von 1000 Mark und der Jüdischen Sonder sc hau in Köln 1 928 (Jsop) als Beitrag zur Schaffung einer jüdischen Presseabteilung 500 S- Einem über die Biib\ i o tn e'k der KKt\io sgem ein de erstatteten Bericht ist zu entnehmen, daß der Lesesaal im Jahre 1927 von 8533 Lesern besucht wurde. Das sind etwa 20 Leser pro Tag. Die Gründe für diesen schlechten Besuch sind in der ,,Neuen Welt" bereits aoseinandergesetzt worden. :): Ueber die Ma zz o t h - A >k t i om berichtete W/sepräsklent Dr. L ö w c it ih e r z, daß etwa 10.000 k-g Mazzoth zu, ermäßigtem Preis an die strenggläubigen Bedürftigen im Wege der orthodoxen Betihaus- <and Wohitätigkeitsvereine verteilt werden. An jüdische Kriegsbeschädigte wird ein Quantum «Maizzotli 'unentgeltlich ausgegeben. Für alle sonstigen GesuchstelÜor wird eine Bargeldunterstütizung gewährt. Die Pessach-Ausspeisungen im Lainzer Versorgungsheim und am Steinhof sowie ht dien Wiener Spitälern und in den Ausspeisevereinen werden von der Kultus gemeinde subventioniert. , Vizepräsident Dr. Jakob 0 r n s t e i n berichtete über die Georg StcinersClie Stiftung für arme jüdische Ohrenkranke («Kapital 3000 Mar). Die verfügbaren Stiitungserträgnisse sind Jährlich an eine oder zwei Personen zu verleihen. — Das L. D. Königsbcrg-Mädchen-hrziehungsinstitut (Lele Bondi-Heim) für Mädchen aus dem verarmten Mittelstand wird wieder reaktiviert. Es werden 8 bis J_0 Mädchen im Alter von 10 bis 12 Jahren unentgeltlich eingenommen. In das Kuratorium» wurde Herr Emil Engel delegiert. _____ ■" Mananna-**;;n:;;Es:^ Eine Pessachrede von Dr. Chajes. Die Pessachreden des zu früh verstorbenen Oberrabbiners Dr. Ph. C h a j e s, gehörten 'zu; seinen .glänzvollsten und tiefsten Kanzelreden. Es ist jetzt der erste Pessach seit dem Tode des von der Judenschaft der ganzen Welt betrauerten Mannes und so sei hier eine Pessachpredigtvom Jahre 1924 zum Teile wiedergegeben, die wohl als klassisches Muster moder- ■ ner Kanzeltiteratur gewertet werden wird. Er sprach über „den Freiheitsgedanken im Leben des jüdischen Volkes". Dr. Chajes sagte unter .anderem:; „Sowie die Knechtschaft eines Volkes darin liegt, daß es in Sprache und Kultur, im Denken und . Lebens von fremden Einflüssen beherrscht wird, so ist die Freiheit die Abschüttelung einer jeden von außen her auft ein Volk einströmenden Einwirkung, die der eigenen freien Kulturentwicklung hinderlich, ist,- Die Befreiung des jüdischen Volkes aus ägyptischer Knechtschaft bedeutet die dauernde Ueberwindnng des niedrigen Götzendienstes, des würdelosen Untertanengeistes Despoten und Tyrannen gegenüber, und nicht zuletzt d es K1 a ss enli nd K ast e n vo r u r t e i 1 s, das es der Priesterschaft ermöglichte, die Geister zu knebeln, und zu knechteii. Diesen Geist der Freiheit, wie er unserem Volke aus der Befreiung und aus Aegypten erwuchs, verstand das Judentum zu wahren und zu vertiefen. Es ist bezeichnend, daß wir das Freiheitsfest seit mehr als drei Jahrtausenden feiern. Auch ändere Völker begingen Freiheitsfeste. So die Deutschen nach den Befreiungs-' kriegen. Doch erwies sich ihr Gedenken der Freiheil schon nach kurzer Zeit als wirkungslos. Und Völker, wie die Serben und Bulgaren, die erst vor wenigen Jahrzehnten 'hre Befreiung erlebten, haben in der Mehrzahl ihrer Volksangehörigen von dieser Tatsache kaum mehr eine Erinnerung. Man sage nicht, daß dies bei ups Juden anders ist, seinen Grund darin habe, daß das Freiheitsgedenken zu einem religiösen Fest geworden ist. Denn die Religion hat es nie unterlassen, die Bedeutung) dieses Festes als Zeit und Erfüllung der F r e h heit zu betonen. Und das jüdische Volk hat den Freiheitsgedankerr so tief in seine Seele geschlossen, daß er sich m den be« deutsamsten Erscheinungen seiner geistigen Kultur auswirkte, Wie wäre es sonst erklärlich, daß es ein so kühnes Rebellenbuch, wie d a s B u c h H i o b in den Kanon der biblischen Schriften aufnahm?! Und derselbe Geist be* herrscht die rabbinische Zeit. Im zweiten Jahrhundert lebte „der jüdische Faust", ein:Gelehrter, der später vom Glauben und vom Volk abfiel. Nichtsdestoweniger wurde seineu Lehren, die sein großer Jünger vortrug, Einfluß auf die Gesetzesübung eingeräumt. Und als . im Mittelalter, ein Mann, den man anderwärts als Ketzer bezeichnet haben würde, auftrat, C h i w i aus B a 1 c h, der den Wunglauben in Wort und Schrift bekämpfte und nach der Destruktion der herkömmlichen Auffassungen von Bibel und Religion sogar eifrige Propaganda trieb, hören wir wohl, daß Saadia und andere ihn literarisch bekämpften» nicht aber daß der Bann gegen ihn geschleudert worden wäre. Als später die Schriften Maimomdes von einem Teile der Gelehrten seiner Zeit und der folgenden Generation angefeindet wurden, kam es entsprechend den ZeitajÄchaiuj.ngen. wM m V^biennunfi seiner. Schriften, aten das jüdische Volk kümmerte sich in seiner großen Mehrheit weder um ..Bann noch um Verketzerung und bald -darauf zählte : Maimönides zu den unantastbaren. Autontäten, denen man allgemeine Anerkennung zollt. Als im ' 18. Jahrhundert der C h a s s i d i s m u s entstand, trat ilmi der Gäon von Wilna mit schärfster Entschiedenheit entgegen und richtete den Bannstrahl gegen den Urheber dieser Bewegung. Es kommt für uns nicht darauf an, wer im Recht war, ob der Beseht (Israel Baalschem — die Red.) oder der Gaon von Wilna. Lediglich darauf kommt es an, daß dieser Bann wirkungslos blieb, daß er vom jüdischen Volk einfach nicht zur Kenntnis genommen wurde, weil der gesunde Freiheitssinn unseres Volkes keine Bevormundung im Denken ertragt. Und _nocn in der jüngsten Vergangenheit, wenn der Jude in Polen oder in Rußland in Angst und Zittern vor dem Polizetmeister stand, war sein inneres Verhältnis zu diesem und seiner Stellung doch ein ganz anderes, als etwa das des; polnischen oder rumänischen Bauers oder Burgers. N»c erschien ihm, wie diesem, der Vertreter der brutalen Knechtung als ein Organ der höheren göttlichen Ordnung. Und da sich der Jude in seinem Innersten vom Knechtsinn freizuhalten wußte,, könnte er sich in Zeiten der Befreiung nach dem Wegfall äußerer Fesseln weit leichter und gründlicher in die geänderten Zeitverhältnisse hineinfinden, als andere. . In Italien erzählt man eine für diese Tatsache bezeichnete Anekdote. Als im Verfolg der französischen m Revolution einige von österreichischen Großherzogen regierte Kleinstaaten vorübergehend, als Republiken erklärt wurden, gab der damalige Rabbiner von Livorno, der berühmte Bibliograph Chajim David A d u l a i, übrigens em Palästinenser, seiner Begeisterung über die eingetretene Veränderung überlauten Ausdruck. Auf die Frage, weshalb er, der niemals vorher Interesse für politische Vorgänge gezeigt hatte, der Sache so große Bedeutung beimesse, antwortete er: „Wie sollte ich mich nicht freuen, wenn ich nunmehr durch alle Straßen Livornos, nicht bloß durch die des Ghetto, im offenen Talles zur Synagoge gehen kann!"' Aus dieser, nur dem Unverständigen lächerlich klingenden Aeußerung spricht die tiefe Schätzung der Freiheit als Grundlage der Ktilturentfaltung zu uns. Der Gedanke, daß jeder Mensch die unbedingte Freiheit haben müsse, nach sein er Fasson selig zu werden. Das jüdische Volk hat bewiesen, daß es den Freiheitsgedanken vollauf begriffen hat. Darum ist es ein tief beglückendes Gefühl, das den Juden jedesmal erfüllt, so oft er die Berichte der Bibel über die Erlangung der Freiheit für unser Volk liest. Und die Auswirkung des Freiheitsgedankens in unserem Volk, der in ihm, wie kaum einen anderen, in Fleisch und Blut übergegangen ist, gibt diesem die sittliche Berechtigung, mtteiuzustimmen in den Ruf: Es lebe die Frei heit!" Ein Weib, das brummt, der Trotz des Sohnes, und Ein Wechsel, welchen man uns protestiert. Verschlügt uns weniKcr, ich sug' es rund, Als wem» man am Salat nicht Huber-Psslg spürt. Balfours Gesundheitszustand. Der Gesundilieitszustaiid U>rd BaJfowrs ist weiterhin iiHiverändert. Entgegen Berichten über eine ern/ste Erkrankung erklärt sein Privatseikretär, daß Lord Balfoqr sieh einer Kiefer Operation, unterziehen mußte, was in Anbetracht seines hohen Alters eine, starke Rückwirkung auf die Nerven zw Fotae hatte. '