Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 21 (10.2.1928)
- Date
- 1928-02-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 30 Groschen BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljahrig Kc. 15 —; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, WerteJiährlg Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.-, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Lander moatHch Schwefoer Francs 1.50, viert eljnl.rLj Schweizer Francs 4.50. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25~2~82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 2 Freitag, den 10. Februar 1928 Nr. 21 Aus dem Inhalte: r. st.: Der neue Judenstaat. Das österreichische Pro-Palästina-Komltee. Dr. Fritz Löwenstein, Jerusalem: Briei aus Palästina. Schalom Asch: Der Krug geht so lange... Der arme feige Hatvany. Die Wähiireiheit in Polen. Die zionistische Völkerbundanleihe. A. M. Ehrlich: Die Organisierung der jüdischen Kaufmannschaft. Dr. Otto A bel es: Charlie Chaplin, der jüdische Künstler. Jakob Krausz: Von der Höhle Machpelah. Aus der jüdischen Turn- und Sportbewegung: Dr. Saue! Beer: FußballYerletzungen. — Die Spiele der Hakoah. Die Judenmission in Wien. Austritte aus dem Judentum. S c h o I e m Ale jenem: Menachem Mendel. Die Zauberin Von Kastilien. . , RÜNPSC^U. Der Völkerbund;, ,"'{■' soll seinen Sitz nach Wien/verlegen. Angeblich, denn eine Bestätigung der seit einigen Tagen umlaufenden Gerüchte liegt nicht vor. Es ist auch schwer anzuuejimen, daß der Völkerbund, der doch erst kürzlich die'Pläne, des in Genf zu errichtenden. Palais bewilligt hat — zu altem Schmerz hat der Jude Fliegenheimer den ersten Preis'erhalten — jetzt aus der Schweiz scheiden sollte. Aber die Nachricht hat in Wien beträchtliche Aufregung hervorgerufen. Die Regierung: wiilirt:. die vom Takt gebotene Reserve, aber die; ,,rühreniden Orgarie", die sich auf ihren politischen: Blicki: so viel einbilden, zeigen Bestürzung. Kein Wunder. * Der Völkerbund als das; übernationale Institut', des" Weltfriedens ist der direkte' Widerspruch: zü dgn österreichischen Künsten, unter -denen die Hetzerei und, Reaktion an . erster Stelle steht. Der Völkerbund in Wien — da wäre das Ende der gegenseitigen Vernaderung und der von Partei wegen betriebenen Brünnenvergiftungen,, das Ende des Radauajrtisemitbmis, ein Anfang zur:vernünftigen Ordnung der Dinge.' Es. ist aufgefallen, wie .stark die Gegnerschaft gegen den Völkerbund sich zeigt. Sie wird allerdings gemildert durch die Hoffnungen der Fremdettfihdustrie. Es ist hübsch zu lesen,, daß auf der ersteh Seite der Zeitungen der Anschluß an Deutschland und die arisch-germanischen Belange in Gefahr geschildert und auf der vierten-Seite die volle Brieftasche der distinguierten Fremden abgebildet wird. Vor'n; Hakenkreuz, hinten Charlestön. Das nennt sich hierz'ülaii;de. Politik! .; \ Völkische Staatsbürgertheoile. Der frühere russisch-baltische, jetzt deutsche Baron v. Frey.tagh-Loringhpven, der im deutschen,, Reichstag von der deutschnationalen Reichstagsfraktion i als: Redner in deraußenpolitischen Debatte; vorgeschickt; worden-war, hat der deutschen Außenpolitik große Verlegenheit bereitet. Der französische Ministerpräsident Bri and; erwiderte darauf' in der, Kammer:-. „Herr v. Freytagh-koringhqven- Der Niedergang des Wiener Judentums. Die Budgetdebatte im Kultusvorstand. -— Verringerung der Geburten und der Eheschließungen, Steigerung der Sterblichkeit. — Die Abfallsbewegung. Im folgenden geben wir den Bericht über die Budgetberafcungen im Wiener Kultusvorstarid, Der Verlauf der Debatte läßt erkennen, daß bei der heutig e n Z u s a m m e n s e t z u n g des K ii 11 u svorStandes nicht zu hoffen ist, daß diese Institution belebend auf das im Niedergang begriffene Wiener Judentum wirken wird. Wohl haben die Oppositionsredner auf die herrschenden' Mängel hingewiesen; aber kein Anzeichen/spricht dafür, daß die •heute herrschende Mehrheit sich durch die Wucht der Argumente und Ziffern wird bewegen lassen,; von ihrer bisherigen Politik abzugehen. Es sind furchtbare D a t e n, die von der Opposition mitgeteilt wurden, aber sie blieben bei der Mehrheit o Ii li e Resonanz. , :... '•'• Eine \Aenderung . zum Besseren,läßt sich 'erst' erhoffen, wenn, die '£us;am^ Judentum lebenswichtigen Körperschaft •: gründlich'- geändert wird. Den einzigen/Weg hiezu bietet die- Proklamierung des allgemeinen, gleichen und d i r e 'k t e n Wahlrechtes ohne Ansehung, der Steuerleistung und ohne Unterschied des Geschlechtes. Der Vorstand der Wiener Kultusgemeinde hat, in drei Sitzungen den Voranschlag für dasj Jahr 1928 durchberaten und gemäß dem Antrag, des Referenten zum Besc'h 1 usse erhoben. In der Debatte wurden die brennenden Fragen' der Wiener Judenschaft, ''r die Abfallbewegung und die Frage des Wahl-, .rechtes . \ eingehend erörtert, doch zeigt die Mehrheit in. keiner, dieser Angelegenheiten die Bereitwilligkeit,; ihre, starre Haltung aufzugeben. Die Generafldebatte leitete am Sonntag der Referent Regierungsrat Oppenheim einj der zunächst auf die Notwendigkeit verwies, daß am 28.: bezetniber' beschlossene Budgetprövisorium durch ein ordentliches Budget albziiilösen. Er galb dänn' einen urofang«" reichen Ueiberfollak über die Entwickllurig. der finanziellen. Verhältnisse der K'üitusgemeinde von dem Jähre 1923 bis' zum gegenwärtigen Zeitpunkt Der' Voranschlag weist an Gesamteinnahmen S 5,731.152, an Gesamtausgaben ' ' s^5,99i;725^«',- '' aus, so daß -sich wa$r dejn^,Pr^imihare ein Fehlbetrag von S 260.573 ergibt. Nachdem äls jähr 1927 mit einem Defizit von S 207.067' abgeschlossen hat, so - erhöht sich der Fehlbetrag auf insgesamt S 467.640. Der Referent hob hervor, daß die Subventionen seit dem Jahre 1923 auf das lOfaahe, die Ausgaben für die J u g e n d ib i b I i o t (h e k auf - das 50fache, für das F ü rso r ge we s e n. auf das 20fache gestiegen sind, im ejiiiz&lnen erfordern dje, Kültusahgelogenheiten einen Zuschuß von S 323.000,' die" Uriteirrichtsangelegenheiten einen hat ein KfiegsprogranTm' aufgestellt, das ein e furchtbare Antwort für Stresemann war. ... Ich habe Vertrauen zu der-Loyalität des deutschen, Außenministers, aber ist es so ausgeschlossen, daß ein Umschwung der Stimmung Herrn von Freitagh-Loringhoven zum Minister machen kann? Was würde dann geschehen?" Dieser Freiherr von Freytagh-Loringhoven hat als Professor des Staats-' rechtes in Breslau 1924 ein wissenschaftliches Werk über die Reichsverfassung erscheinen lasen. In diesem Buch plädiert er für die' staatsrechtliche Scheidung des deutschen Volkes in. zwei Kategorien: wer „deutschen Blutes" ist, wird vollberechtigter Reichsbürger; wer polnischer, dänischer oder jüdischer Abstammung ist, wird bloßer Reichsangehöriger ohne Staatsbürgerrecht. Er hat weder Wahlrecht, noch kann er Staatsbeamter usw. werden. Die Entrechtung soll sich nicht nur auf die Bekenner des mosaischen Glaubens, sondern auch auf „Judenstämmlinge,. Judenmischlinge und jüdisch Versippte" erstrecken. Auf daß der „völkische Staat" in voller Reinheit erstehe! Fritsch und Ford. Im „Börsenblatt für den deutschen Buchhandel" verkündigt Theodor Fritsch, der Altmeister des Ritualmordes,' daß er berechtigt sei, seine Ausgabe des Fordschen Buches „Der internationale Jude" weitter zu verkaufen. Das hat eine nicht uninteressante Vorgeschichte. Fritsch ist nämlich, wie man noch von I seinem Wer-mannsbund her weiß, ein Freund , des mühelosen Verdienstes, und er hat Henry Fords Verlegenheit . ausnütze.n wollen. Er hat von ihm 40.Q00 Mark für den Verzicht auf das Vertriebshecht verlangt. Das ist Herrn Ford die Rücksicht auf seihe lieben Juden nicht wert und so wird;,Der internationale Jude" weiter verkauft werden. Was anderseits auch zeigt, le\n wie gutes Geschäft der Arifci« sremitismus ist, der sich solcherart recht gut in die germanisch-sittliche Weltanschauung einfügt. Der rumänische Außenminister hat sich in Rom über die Minoritäten in Rumänien interviewen lassen. Seine Ausführungen lauten so, wie das von einem Minister in der Fremde nicht anders zu erwarten ist: Ohne Unterschied der Abstammung... harmonische Eintracht... feste und unverrückbare Absicht..." Aber vor zwei Monaten gab es doch Klaüsenburg und Größwardeih, und seither sind einige Plünderer freigesprochen, einige ohne Urteil in . Freiheit gesetzt worden. Einige jüdische Friedhöfe sind geschändet, ein, Leichenzug zersprengt worden. Herr Tatarescu hat die christlichen Studenten seines .unverminderten Wohlwollens ver* sichert, der Justizminister, der in Klaüsenburg die Pogromrede gehalten hat, ist no.ch Justizminister. Es hat sich nichts geändert, nichts gebessert. Es sei denn, daß ein Abgeordneter in einem Brief an Herrn Weidmann das Bedauern, der Königin-Witwe Maria ausgesprochen hat. . . 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