Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 19 (27.1.1928)
- Date
- 1928-01-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 30 Groschen V. b. b. DIE NEUE WELT BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty'2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei Kiönäilich Kc. 6.—, vierteljahrig Kc. 15 —; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteliährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., UniversUätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.— vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.-, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire «5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Lander mo >atüch Schweizer Francs 1.50, Vierteljahr!.* Schweizer Francs 4.50. Erscheint jeden Freitag Jahrgang 2 Freitag, den 27. Jänner 7928 Nr. 79 Infolge technischer Schwierigkeiten, die in dieser Woche hn Verlaufe ein^s Lohnkampfes in sämtlichen Wiener Druckereien eingetreten sind, mußte bei der Fertigstellung der »Neuen Welt" ein Teil des Materials zurückgelassen werden. Auch die Drucklegung hat sich verzögert Wir bitten unsere Leser um Nachsicht. _ Aus dem Inhalte: Der jüdische Unterricht und die Abfallbewegung. Dr. Zwi Perez Chajes: Wenn ich nicht mehr am ' Leben bin Urteile über Czernin. Dr. Otto Abe 1 es: Der arme Heine. Brief aus Graz. : Brief: aus Prag. : Dr. -Fritz L ö wen s t e i n, Jerusalem: Das Götzenbild im Tempel r~y: DiehKräm-iCr^sie, .' : '::' Auls Pjalästlna. , ..... ., Jakob K r a u s z: Rabbinertaüfett. in -Ungarn. Ein griechischer Minister über das Judentum. Juden im Kundschafterdienst. „Das geheime Gericht der Oberrabbiner." S; G u i 1 e r,' Jerusalem: Der, Vater der Hatikwah. Die Juden in der studentischen Internationale. - Dfe Tribüne. Aus der jüdischen Turn- und Sportbewegung. Scholem Alejehern: Menacftem Mendel Schalom A s ch: Die Zauberin von Kastilien. RUNDSCHAU. Jonny spielt auf .?.. ■ . Auf der Ringstraße in Wien,; , vor . der Oper, Siejjscht jetzt zwei- oder dreimal in der Woche reges lieben.. Deutschnationale Jünglinge und Mädchen 'freien drohend Stöcke und Fäuste und; singen wilde Öed'er. Sie demonstrieren gegen die Aufführung der Jazzoper „Jonny spielt auf". Sie erblicken in ihr eine Verunglimpfung und- Entweihung dieses größten deutschen Kunstinstit'utes. Man muß "gestehen, daß die Häkenkreuzler schon um .schlechterer Dinge willen auf'$e-Straße gezogen sind. P,er .Üriwillen darüber, daff^er aus Amerika importierte Tanzboden- und Knefjjenkrawall, zu dessen vollem Genüsse man nur in/gewissen-'Graden' von Verblödung oder Trunkenheit -gelangen kann, ist ehrlich und' nicht nur bei Häkehkreuziern zu finden. Etwas befremdlich wirkt 'nur! -der- Umstand, daß drei Vierteil aller Rufe und Lieder gegen die Juden gerichtet sind. Warum? •Weshalb? Der Komponist ist kein-Jude, die Opernver waltung christlichsozial, der Operndirektor ein wohltemperierter Antisemit, das Opernpersonal fast jüäinr'ein •. '.Aber.: das macht nichts. Der Jud* ist schuld!'.»;. - " : -' 'Wer; aber: glaubt, daß damit das Judenkapitel iii. deVfe erledigt ist, der irrt [gSwa'ltjfc, Die;HäkehkreuzJeVfachen die Juden für A\ß \ Aufführung ' der Ne'gerHömödie verantwortlich, die;;3Q»ialde.m0.Hräten hingegen ^.stellen den Ent- •riisfcungssturm gegen die Saxophondudelei auf jüdische RebhWm'gi. Aus nicht ganz verständlichen Motiven Die Prozesse gegen die rumänischen Pogromstudenten. Sechs Plünderer auf freien Fuß gesetzt. Wie bereits in Nummer 18 der. „Neuen Welt" mitgeteilt, hat am 17. Jänner vor dem Gerichtshof in J a s s y der Prozeß gegen sechs S t.u d e n t e n begonnen, die beschuldigt waren, an den Exzessen und Synago/genschänd'ujigen ■ in .Groß w,a rd e in anfangs Dezember teilgenommen zu haben. Die Verhandlung wurde am 18. Jänner unterbrochen, am 23. wieder aufgenommen und sofort vertagt.'. Die sechs Angeklagten w u r den. auf fr e i e n F u ß g. esetzt und ihre Kollegen feierten dies mit Kneipen •und antisemitischen Straßenkrawallen. -.>,-■ Im Schöße des Gerichtes spielten, sich anscheinend . m.y s t e r i ö « e V o r g ä.n-.g.e ab.. Ein R ic -iiter wurde von der .oberen Justizbehörde suspendiert, dann, von der Polizei yi Haf t ge nomm en. Dieser .Riohter hat auf-••einem antisemitischen, Fe'st- Jbarckett der Anhänger des: B^kronp^ eine Rede fürdie'IijihrQ^|s^r^t|fi^^Gä+r-q!ss und gegen, die. Juden gehalten!' .= '-:'■■.!""V ' -' '"[ V " i'; .'; Der Revisionsrat der Armee verhandelte, ^dieser Tage über die Berufung der in B u k a r e $ t im Zur sammenhang mit den Vorgängen in Größwärde'in und Klauseriburg verurteilten Studenten. Die Rechtsvertreter der Verurteilten behaupteten, die/Juden selb st .hätten die Stu deriten z'U Plü nderngen aufgestachelt, um dan n S c h a d e nersa tz zu kriege"n. Der Armee-Revisionsrat W'ies die Beruf ün g. zu rü ck, so daß ' das Urteil aufrechterhalten bleibt. In jüdischen Kreisen herrsch!; Erregung über die Verurteilung: des jüdischen Fußballspielers B^l u m wegen angeblicher Teilnahme an Ausschreitungen in Großwardein. Man hält Blum für vollkommen unschuldig. Ein Armee-Ghetto? Der Czernowitzer „Vorwärts" meldet; ' ein führender Abgeordneter der Opposition habe einem Mitgliede der sozialdemokratischen Organisation in Rumänien die Mitteilung gemacht, daß er mit eigenen Augen einen E r laß d e s K r i e g s m i n i s t e r i u m s gesehen und gelesen habe, - in welchem verfügt wird, daß sä m 11 ic he jtidisc he n S o 1 d äten dem siebenten Armeekorpskommando H e r m a n n s t a d t (Sibiu) zugewiesen werden, und daß ferner kein Jude im Flu g^e u g we se n verwendet werden dürfe, „weil, sie alle der Spionage verdächtig seien".. Tatsächlich sdir mit <ler Trahsferieruiig der jüdischen Soldaten in' den Bereich des VII.: Armeekorps ' b ereits begonnen worden sein, so daß sieh in Bukarest augenblicklich kaum mehr als 300 jüdische Soldaten bei der dortigen Truppe befinden. Die „Ostjüdisohe Zeitung" bezeichnet diese Nachricht als u h g e h e u e r I i c h und erinnert daran, daß i m W e 11 k r i e g in Rumänien Juden aus verschiedenen Regimentern zusammengezogen und. i n die ersten Schützengräben' geschickt wurden. hat sich nämlich die Wiener Sozialdemokratie auf die Verteidigung und Verherrlichung der Bubiköpfe und nabelfreien Weiberröcke verlegt, also auch aiif die Förderung der Jazzmusik, die in irgend einem gewöhnlichen Sterblichen nicht erkennbaren Zusammenhang mit der Vergesellschaftlichung der Produktionsmittel zu stehen scheint. Die „Arbeiter-Zeitung" ist für Jonny und sein Saxophon und steht und fällt mit beiden. Nun hat sich das Blatt der Liberalen, die „Neue Freie. Presse", erlaubt, energisch gegen Jonny zu schreiben und zu protestieren. Auch sie hat schön bessere Dinge bekämpft. Darob ist die „Arbeiter-Zeitung" in hellen Zorn geraten und ihr Redakteur schleudert der „Neuen Freien Presse" einen Fluch entgegen, den gräßlichsten, den das Gehirn eines ganz- oder halbgetauften Journalisten ersinnen kann. Er nennt sie „v ö 1 k i s c h e s Blatt der i s r a ei itischen K u 11 u s g e m e i n d e", stellt also die böse Verschwörung gegen Jonny als eine im Seitenstetten-Tempel beschlossene Angelegenheit dar. Es ist also dafür gesorgt, daß der antisemitische Topf im Kochen bleibt. Von. rechts und links wird tüchtig eingeheizt. Lord Rothermere hat der werktätigen antizionistischen Propaganda inder „Daily Mail" einen Unterschlupf geschaffen, aus dem von Zeit zu Zeit vergiftete Pfeile abgeschossen werden. Im Vorjahre, als der Lord sich zu der Aktion für die Restaurierung des alten Ungarn und damit auph zum Kampfe gegen den Frieden in Mitteleuropa entschloß, ließ er sich von.der Gräfin Luise E s z t e rhazy auch dazu bewegen, in seinem weitverbreiteten Organ für die Abtretung des Palästina-Mandates an Italien Stimmung zu machen. Der Lord gehört der konservativen Partei des Oberhauses an, und zwar jener Gruppe, die schon vor vier Jahren gegen das Mandat Stellung genommen und dank einer Zufallsmehrheit ihre Resolution durchgebracht hatte. Der neuerliche Vorstoß wurde als eine Art ballon Ü'essay betrachtet,, der eine ernste diplomatische Aktion lancieren sollte. Die englische und die italienische Regierung gaben unanzweifelbare Dementis aus und so flaute das Aufsehen wieder ab. Der Lord läßt aber nicht locker und er hat einen Reiseberichterstatter namens P e r c i v a 1 Phillips nach Kairo geschickt und läßt sich von ihm über „P a i äs t i n a als kommunistischer Herd" referieren. Das ist ein Thema, das immer zieht, besonders in England, in dessen inneren politischen Kämpfen die Abneigung gegen den Bolschewismus eine so große Rolle spielt. Phillips berichtet also, daß Palästina das Zentrum der bolschewikischen Bewegung im mittleren Osten sei und daß von Moskau aus an der Errichtung einer j ü d i s c h - a r a b i s c h e n Föderation, gearbeitet werde. Nun ist es sicherlich richtig,' daß auch jüdische Agitatoren sich mit viel Fleiß, aber herzlich geringem Erfolg um die Verbreitung kommunistischer Ideen in Palästina bemühen und daß. sie in sehr hohem Grade an der Verschärfung der Einwanderungsvorschriften die Schuld . tragen. Herr P.hiIIips hat aber auch herausgefunden, <J|ß eines der Agitationsziele, d i e -B e s c h 1 a gn 4 h nfe des Bodens zum Zvweck' der Verteilung an die arabischen Bauern sei. Das ist der Der ekktrisc^automatifche KÜHISMKAHK für HMQtiU und GEWERBE! ist die beste, billigste unü hyqienisch voMommenate Methode zur IDEALEN KONSERVIE¬ RUNG ALIER LEBENSHITiELI - Pas KUhthaut »Ur den BetriebI J>ER GASTWIRT verlange Prospekte oder Jbeeuche unser AmsieUunqslokal l — GENE < ALKEPRÄsEN lANZ; WarchalQW8ki, Fimterle 4b Co., Qes. m. b. H, Wien, L, Am Hof Nr. 3. Telephon: 66-1-74