Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 18 (20.1.1928)
- Date
- 1928-01-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 30 dreschen V. b. b. BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.-^; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc. 15 —; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweix und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Erscheint Jeden Freitag Jahrgang 2 Freitag, den 20. Jänner 1928 Nr. 78 Der Herr Graf berichtigt Ottokar Czernin als antisemitischer Hetzer. Will der Herr Graf ein Tänzchen wagen, . ' Soll er's nur sagen, . . Ich spiel' ihm auf. (Mozart, „Figaros Hochzeit".) In der Nummer 16 der „Neuen Welt" vom 6. Jänner haben wir unter obigem Titel über ein vom Grafen Ottokar Czernin verfaßtes Jagd- und Reisefcagebuch berichtet, in welchem der hochgeborene Verfasser nachdenkliche Betrachtungen über das jüdische Gesindel der Kriegsgewinner zum besten gibt. Der Anblick eines häßlichen exotischen Meertieres, des „Sonnenfisehes", einer runden Bestie mit krummer Nase und ekelhaften, fleischigen Lippen, hat ihn angeregt, darüber wehmütig zu klagen, daß die armen christlichen Völker,: die Deutschen, und Franzosen;-, sich im Kriege nur deshalb zerfleischen mußten* : damit die ekelhaften jüdischen Kriegsgewinjjery. die .-»Sonnenfische", Geschäfte machen. Wir habjen, uns erlaubt, dies als' die größte aller, gräflichen Frechjjejtett zu bezeichnen upd daran zu.erinnern,, daß: .Seine gräfliche Gnaden der ' 'frefr 'Gesandte, Außenminister, Gehejmrat, Ritter des Goldenen Vlieses etc/ ete..ein großer Schieber vor dem Herrn W^r niid ist, idäß er iii traute*; geschäftlicher Gevaneirischaft mit jüdischen „Sonnenfischen" lebt und schachert, daß. er wohl am Äequafor über Sonnenfische-; schimpf t> aber in Wien und Berlin mit ihnen politische .und sonstige Geschäfte macht, mit ihnen •••Jrir^VeeyaUttgnsräten sitzt und mit ihnen noch viele andere einträgliche' Dinge treibt. In Beantwortung all dieser. Vorhalte übermittelt uns der Anwalt des Herrn Grafen folgende Berichtigung: Wien, am 12. Jänner'1928. Herrn Julius Löwy, verantwortlicher Schriftleiter der Zeitung „Die Neue Weit" Wien, IX., Universitätsstraße 6-8. „Im Auftrage und Vollmachtsnameri-des Herrn Ottokar Czernin fordere ich Sie auf Grund des § 23 P.-G. auf, vorliegende Berichtigung des in der Nummer 16 Ihrer Zeitung vom 6. Jänner 1927 (richtig 1928) erschienenen Artikels. mit' der Ueberschrift: „O t/rio k a r C z er n in als antisemitisch er Hetzer" in der gesetzlichen Weise, und zwar in der ersten oder zweiten nach Einlangen dieser Berichtigung erscheinenden Nummer zu veröffentlichen. .. Es ist unwahr, daß Herr Ottokar Czernin als österreichischer Gesandter in Bukarest während des Krieges sich bei allen Lebensmittel- und Waffentransp-Qrten . nach Oesterreichals Proyisionsagent jüdischer'Händler. betätigt hat. : ' Wahr ist vielmehr, daß Herr Ottokar Czernin-weder bei Lebensmittelnoch bei Waffentransporten,' nocli bei irgendeinem; arideren" Anlasse eine Provision oder irgendein Entgelt in welcher Form immer , erhalten oder angenommen hat. ' .Es; ist. unw||r, daß Herr Ottokar Czernin seine Dienste, sehr Ansehen, sein, Adelspatent, seine große Vergangenheit . jüdischen Händlern zur gefälligeh. Benützung angeboten bat. ... ' ,Wahr ist. vielmehr, daß ein „solches Anbot von ihm. weder. unmittelbar' no.ch^mittelbar erfolgte. V :.; Ör. Leopold Katz" Im Vergleiche zu allen Fakten, die wir dem Herrn Grafen in unangenehme Erinnerung zu bringen wagten, ist die Berichtigung reichlich mager ausgefallen. Das politische Verhältnis zu den „Sonnenfischen", bei welchen sich Ottokar Czernin ein Parlamentsmandat erbettelt und erschlichen hat, bleibt unberührt. Das Aufkaufen der Häuser , hnd Hypotheken ,der von Czernin als Opfer der jüdischen Sonnenfische so herzlich beweinten armen, geschlagenen Deutschen wird nicht geleugnet. Die; Riesengeschäfte mit Sonnenfischen werden in der Berichtigung nicht erwähnt. Daß der Herr Graf sich von seinen jüdischen Geschäftsfreunden Wucher, Betrug und 'andere nette Sachen vorhalten läßt und nach solch erquicklichen Auseinandersetzungen wieder ruhig ans Geschäft geht, wird in der Berichtigung diskret übergangen. .Ueber die spanischen und holländischen Holzgeschäfte, bei denen. Czernin den Gelegenheitsmacher' zwischen Erzherzogen und qstjüdischen Sonnenfischen vabgibt^.w.irdi-^r Mantel christlicher 'VergesseMeit - gebreitet. Daß Herr G/raf Czernin in Bukarest:..prpyisic^y^fc|.i;|'ge. getätigt; hat; haben wir und unsere Leser"^ ^"äSnpir^ep;' Daß er mit seinem pergamentenen;-Adelspaient; äas; König Ottokar oder Siegismund oder Wenzeslaus' einem seiner Urväter gegeben hat/^ei-Juden von Tür zu Tür feilbietend gegarigen ist, wird sich wohl der naivste Leser nicht vorgestellt haben. Daß aber ohne den hohen Adel und die hohen Würden des Vermittlers Bekanntschaften und geschäftliche Beziehungen zwischen Sonnenfischen aus dem fernsten Osten und habsburgischen Sprößlingen nicht zustandegekommen wären, diese Vermutung, bleibt aufrecht, trotz der Berichtigung.; Der Ururgroßvater des Herrn Grafen hat's entschieden besser gehabt. Wenn der von Juden Geld wollte, hat er sie einfach auf der Landstraße abgefangen und ausgeraubt. Er mußte keine Prövisionsverträge abschließen. Wenn dem an Juden etwas nicht recht war, hieß er sie einfach von seinen Knechten auspeitschen und erschlagen. Er mußte nicht zu jüdischen Advokaten laufen und für teueres Geld magere Berichtigungen herstellen lassen. Schade um diese gute alte Zeit! Die „Neue Freie Presse" gibt sich dazu her, die folgende Zuschrift des Herrn Czernin zu veröffentlichen: „Ein Wiener Woohen'blatt .greift mich wegen ' meines ,yAfriikaniischen Tagebuches" an und 'kritisiert eine darin enthaltene SteMe, in welcher ich die jüdischen Kriegsgewinner tadle. Vor allem protestiere ich gegen die :mir unterschobene Verwechslung des Judentums im allgemeinen mit jüdischen Kriegsgewinnern. loh 'habe »in meinen amtlichen Stellen ibesser als mancher andere Gelegenheit, gehabt, das patriotische Judentum' kennen zu dernen und es niemals mit den erwähnten Elementen . identifiziert. Ich halbe meinen Anwalt Herrn Dr. Leopold Katz .ersucht, wegen der in jenem Artikel gegen mich' erhobenen ehrenrührigen Angriffe die Ehrenbeieidigwirgsklage zu erheben." .Die „Neue Freie Presse" gibt sich nicht die Mühe, die von uns am 6, Jänner im Wortlaut wiedergegebene Stelle aus Czernins Tagebuch nachzulesen, sondern stellt sich dem Herrn Grafen bedenkenlos zur Verfügung. ' Aus dem Inhalte: Dr. Fritz Löwensteiii, Jerusalem: Man gewöhnt sich an alles, r. st.: In der Erwartung des grölten Wunders. ~y: Zu den Haifischen! S. L. Perez: Wie Michel, der Musikant, starb. Der siebente Dezember in Klausenburg. Hauptmann Tröbst: Im Hotel Britannia. Aus Palästina. Dr. Otto A bei es: Eine Nikolsburger Jüdin. Jakob Krausz: Pater Hilarius. Austritte aus dem Judentum. Aus der jüdischen Turn- und Sportbewegung. Die Fußballspiele der Hakoah. — Aus dem jüdischen Sport verband. Scholem Ale jenem: Menachem Mendel. (Humo-; ristischer Roman.) Schalom Asch: Die Zauberin von Kastilien. ^;;^ Für die in Deutschland kommenden Wahfen treffen die V ü 1 k i s c h e n ihre Vorbereitungen. Der Reichstag soll erst im nächsten Jahre neugebildet, werden, aber bereit sein ist alles und was man heute besorgen kann, soll man nicht aufs nächste Jahr verschieben. Die Kartothek mit. dem Verzeichnis aller des Judentums verdächtigen Personen ist stets, zur Hand und muß nur ergänzt werden. Ist das geschehen, dann kann das Gift auf verschiedene Arten in das Voik getrichtert werden. Da ist der H u ge n- I berg-Konzern mit seiner Maternkorrespondenz, die wir in der „Neuen Welt" bereits besprochen liaben. Wo der nicht langt, dort wird ein eigener Nachrichtendienst gutes .leisten. Es liegt uns eine Ankündigung vor, die verschiedenes hoffen läßt: „Unser Nachrichtendienst wird so organisiert sein, daß bei den kQinmenden Wahlen uns nicht 'nur jene gegnerischen Kandidaten bekannt werden, die Juden, i J ii d 1 ü n g e oder J u d e n s e r sind, sondern daß wir . dank des in unseren Händen betfindiiahen Materials im Nu festzustellen in der Lage sind, welcher der Kandidaten ein Freimaurer ist. Wir werden jede Rücksicht fallen lassen und gegen die anerkannten gedeckten Juden, gegen die weißen Juden, gegen die Freimaurer ein enthüllendes und vernichtendes Feuer eröffnen." Auch wer in 4er Terminologie des Ritualmordes nicht bewandert ist, wird erkennen, daß sich hier ein Einblick in einen gut organisierten Spitzeldienst auftut und daß ganze Banden von: Rassensohnüfflerh: mit deutscher Gründlichkeit an der Arbeit sind.. Ob die Resultate dieser Forschungen in jedem Falle mitgeteilt werden, darf man bezweifeln. Denn mancher, der heute mit Wotan und den Walküren auf dem Duzfuß steht, entpuppt sich schließlich als ein weißer oder gar ein gedeckter Jude. Und darum schweigen auch die Völkischen gar oft, wenngleich hinter ihnen ein so unerbittlicher Mahner ' steht wie Ludendorffs Gemahlin, Frau Mita Kremnitz, die allerdings den Juden noch nicht hinter alle Schliche gekommen ist. Sie klagte jüngst, daß die Juden , wie' der Mond der Welt ewig nur die Kehrseite zu-' wenden. Wir wollen bei diesem hübschen Bild nicht lange verweilen und nur die Hoffnung aussprechen,- air; von General Motors Der emriach<aumiätü<*e.KÜni.Stm*nK für dm HAH DEL und GEWERBE! ist diß beste, billigste und hyaieniscJwolltcommenste Methode zur IDEALEH KOHSERVIE« RUHG ALLER LEBEHIMITiEL! — Oas Kühihau« fUr den Betrieb! DER LEBENSMITTELHÄNDLER verlange Projekte oder. besuche unser Aussielhwgsiokal / — GENERALREPRÄSENTANZ: Warchalowslti, Fimterle & Co., Ges. m.b.II, Wien, I., Am Hof Nr. 3. Telephon; 66-1-74