Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 16 (6.1.1928)
- Date
- 1928-01-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr, 16 DIE NEUE WELT Seite II Abermals ein Haupttreffer mit einem Schelhammer-Los gewonnen. ' Bei der vorgestern stattgefundenen Ziehung der Baulöse Em. 1925, fiel der Haupttreffer von lOO.OuO Schilling (eine Milliarde Kronen) auf das vom Bankhaus Schelhammer & Schattera, Wien, 1. Bez., Stefansptatz 11, verkaufte Los Serie 4925 Nr. 78. Wie wir an anderer Stelle berichten, wurde auch der erste Haupttreffer der Weihnachtsziehung der Klassenlotterte mit einem Schelhammer-Lös gewonnen. Austritte aus dein Judentum. Rudolf Fischer, 1. XI. 1904 Wten, led., IX., Sechsschimmelgasse 59. — Marie Erber, geb. SchnatteT, 261 l 1889 Wien, ger. getr., XII., Belghofergasse 26. — Therese Sehmied!, geb. Schön, 9. IV. 1870 Pardubitz, verh., II., Rembrandtstraße 41. — Siegfried Scherzer, 12. XI. 1906 Wien, Ied., I., Franz-Josefs-Kai 43. — Viktor GroBleld, 26. VIII, 1899 Wien, «ed., I., Wiesingerstraße 3. — Robert Goldmann, 23. VIR 1897 Wien, led'., I., Johannesgasse 22. — Mathilde Keller, geb. Wolff, 21. IX. 1868 Chattt de fonds, verw., I., Saizgrie* 15. — Elisabeth Rosenberg, 8. V. 1902 . Grafenwörth, lod., IX., Lazarethgasse 10. — Irene Berl, 15. I. 1907 Wien, led., I., Schottenring 7. — Gottfried Baum, : 29. III. 1895 Wien, led., XVII., .Rosenste ingassc 16. — Margarete Jokl, geb. Bloch, 5. XI. 1897 Wien, verh. IX., Latschkagasse 9. — Leopold Jokl, 15. XI. 1890 Wien, verh. selbe Adresse. — Kind Rudolf Jokl, 1. X. 1922 Wien, led., selbe Adresse. — Gisela Ehrensteiu, geb. Spergel, 15. I. 1878 Wien, verh., XIV., Märzstraße 33. — Ernestine Ehre«, stein, 20. X. 1905 Wien, Jed., selbe Adresse. — Jakob Ehren« stein, 15. XII. Wien, verh., selbe Adresse. — Berthaid Mark, 24. XII. 1906. Wien, XX., Brigittenauer Lände 22. - Egon Löwi, 8. X. 1904 Wien, Jed., VII., Schottenfeldgasse 21. — Wilhelm Klaber, 21. VIII. 1877 Budapest, led., IL, Taborstraße 22. — Alexander Plsk, 25. V. 1900 Budapest, led., IX. , Bleichergasse 20. — Naftade Malmann, 16. XII. 1900 Skalat, verh., IX., Praniergasse 29. — Ilona Rosenbaum, 5. XII. 1906 Turdossin, led., VI., Hirschengasse 11. — Berta Schnabel, 24. III. 1901 Atzerobrugg, led., I. Bez. — Salomon Bachschitz, 19. I. 1910 Lemberg, lod., iL, Herminengassc 5. — Dr. Leopold Goldstein, 3. VIII. 1875 Wien, verw., XVL, Hoferplafrz 7. — Leopold Leer, 23. VIII. 1902 Wien, (ed., XVL, Klausgasse 21. — Hans Kalzer, 22. II. 1907 Wien, led., IX., Nußdorferstraße 6. — Martha Löwenberg, geb. Meißner, 25; X. 1896 Wien, gesch., IX., Pbrzellangasse 36. — Seraphine Kautz, 21. VIJ. 1875 Budapest, verh., I., Neuer f Markt 3; ~ Dr. Wiflhelm Kautz, 30. X. 1863 Tarnopol, vörh„ selbe Adresse. — Irma Daranyi, geb. Baflasa, 20. VI. 1863. Arad, ger. gesch* XIII., Zeitgasse 3, Zoltan Bery,; 29. XII. 1881 Veszprim, verh., XIX., Biedengasse 4. .— r Emttiä Splra, 11. XL 1905 Wien, ied.,. XXV Treu- Straße 14-66. — Dezsö Tröster, 26. VI. 1905 Budapest, led., X. , AngeJigasse 19. ~ Berfhold Bronner, 4. III. 1880 Wien, verh., XXI., Stadtbahnerstraße 16. — Eugen Rosenfeld, 13. Vi. 1921 Wien, ied., Brunn a. Geb. — Fritz Rosenfeld, 2. IV. 1926 Wien, led., selbe Adresse. «— Bugen Krausz, •30. V. 1881 Beicz, getr„ V., Arbeitergasse 10. — Erwin v Sommer, 8. VI. 1898, Waidhofen a. d. Th., Jed., V., Schwanshorngasse 10. — Ilona Molnär, geb. SzerSnyi, 6. IV. 1903 Budapest, verlu, XVII., Promenadegasse 52. — Jeanette Trlger, 20. IX. 1907 Brünn, led., IX., Schwarzspanierstraße 4. Hilda Fried, 20. XII. 1893 Wien, led., IX., Alserstraße 48. — Albert Mohiär, 16. IX. 1901 Karisburg, verh., XVII., Promenadegasse 52. — Kind Sarah' Susanne ' Mplnär, 18. XL 1925 Wien, led., selbe Adresse. — Richard Stockmann, 11. IX. 1904 Wien, «ed., XV„ Turnergasse. 31. — Erich Treu, 2. VIII. 1902 Wien, verh., IL, Vereinsgasse 27. — Alfred Weintraub, 9. V.. 1901 Wien, Ied., V., Sohön- " brunnerstraße 139. — Gerda Bronnor, 12. XL 1922 Wien, led., XXL, Stadtbalmstraße 16. — Stella Beck, 18. XII. 1907, Ied., Wien, stud. fus„ III., Fasangasse 18. Humoristische Ecke. . Copyright by Präger-Press«»* dienst (Dr. Mm Prtger) Wien Einwand gegen Gott. Fin alter Jude, dessen einziger Sohn sich hat taufen lassen, begegnet kurz nach diesem Ereignis einem Bekannten; der hält ihm das Geschehene vor*. „pein feiner Herr Sohn läßt sich taufen und du Jagst ihn nicht einmal 'aus dem Haus? Du bist doch ein f ronimer Jude vom .alteh Schlag — was wirst du tun, wenn die Zelt :. kommt, da du dich vor Gottes Gericht verantworten mußt under dir sagtGib Rechenschaft über deinen einzigen Sohn, der sich bat taufen lassen und Christ geworden ist!** \ „Was, ich tun werde?" erwiderte gelassen der Alte. „Ich werde kurz antworten: Und dein einziger Sohn, Heber Gott?" * Die letzten Rutenstreiche, Ais Herschei OstropoIJer im Sterben lag, rief er seine Frau an sein Lager und bat sie, sie möge ihm eine wurmige Pflaume zu essen geben, Die Frau wunderte sich, warum Hörschel gerade in der Sterbestunde, ein verbotenes Gericht essen wollte, und sah ihren Mann erstaunt an. „Wias schaust du mich so an?" sagte HerscheL „Die Sache ist ganz einfach: Drpben, auf Jener Welt, wird man doch mit eisernen Ruten gepeitscht .und dabei wird Jede Sünde einzeln ausgerufen. Wenn ich' dann drüben hören werde; Die wurmige Pflaume, dann werde ich wissen? J«Ut ltt'e w Ende, da* elnd <U# fetzten RtUewtrdche,* DIE ZAUBERIN VON KASTILIEN (16) Rom pflegte sie mit Ungeduld zu erwarten. Kaum hatte man sie nun auf der Via Appia bemerkt, wie; sie mit ihren krummen Beinen, Fratzen schneidend und schwer atmend, liefen, als sich in der Menge der Zuschauer wie ein Lauffeuer eine ausgelassene Heiterkeit verbreitete, und das Meer der menschlichen Köpfe und der vernnummten Gesichter er brauste in unbezähmbarem Lachen. ' „He, Jude, flinker, flinkerl — nimm deine glitschigen Fuße etwas in die Höhe!" „Guck' mal, wie der sich schaukePt! Als ob ihn das Fieber schüttelt!" „Und der hat einen Schwanz hinten; ich habe es selber gesehen! Genau wie der Teufel! Sieh mal den behaarten Schwanz, wie bei meinem Pudel, •ha, ha, ha!" , ' „Ich wette meinen Garten, mein Pferd, meinen Panzer, daß er den Roten überholt. Er springt ja wie ein Affe Seht doch!" „Jude, ich schneide deiner schwangeren Frau die Eingeweide heraus und nähe ihr eine Katze in den Leib, wenn du die Wette verlierst Ich habe auf dich mein bestes Pferd gewettet.' So rief man den beiden kaufenden Juden von allen Seiten zu und munterte sie mit Gelächter, und Geschimpfe, auf, einan.der zu überholen. Aber, diesmal, begnügte sich der Pöbel nicht mehr , mit den offiziellen Läufern, die das Ghetto ihm gestellt hatte. Trunken vor Lachen und vor lustiger Aufregung, begann er' auch die ehrwürdigen Juden von der Deputation zu hetzen, die dm Triumphbogen des Titus, stand. Die frommen römischen Juden, die zusehen mußten,'wie ihre „Vorsteher4* die Leute belustigten, hatten vor, Schande und Gram die Köpfe ziitr Erde gesenkt..,,Da<rmt sie den Bösen, nicht ins Gesicht zubücken, brauchten, was vom, Gesetz verboten yra& hattetv sie .sich die Augen mit dep;Händen bedeckt.; Aber plötzlich' würden sie von allch Seiten umrlngt. -uiki man hetzte sie mit Geschrei und Lärm, Gelächter ürfd Spott auf:; „Juden; lauft, lauft!" v? . fMe Judeti backten erschrocken jujri, zitterten -und . yerst$nä&ii' nicht£ was jman von ihnen verlangte, aber von allen Seiten streckten sich ihnen Fäuste entgegen, drohende. Ausrufe erschöllen und rote, betrunkene Augen, bedrohten sie. Da und dort schlug man schon mit Stöcken und Kan.tschüs auf ihre Füße, stieß sie und rief: „judeiii. lauft, /lauf£ lauft!" , Eine .Anzahl , Juden, erschrocken, aufgeregt, nicht wissend, wjas man von ihnen wollte, begann instinktivau laufen. Die Quasten ihrer langen Talisiim. .yerwioHelten': sich zwischen ihre' Beine. Ein Teil stürzte nieder, andere verhüllten ihre; Gesichter mit den Gebetmänteln und ließen sich schlagen. Nachdem sie ein paar Schritte gelaufen waren, blieben sie plötzlich stehen, blickten ängstlich um sich her und wußten nicht, was sie nun tun, sollten. Die Verzweiflung der Juden, die übereinander .fielen und sich verwickölten, rief die 'höchste Ekstase' unter den Betrunkenen hervor. Ein' Lachen erscholl, wie das Brausen der stürniisthen See. Gejohle erhob sich von allen Seiten und wurde immer läuter; immer lebhafter gestikulierten die Leute mit nackten' Armen und Fäusten,; zwinkerten mit den Augen und riefen: /Juden, lauft, lauft, lauft!" ' In der Mitte der Juden stand der blinde Rabbi Jakob. Er begann mit den Händen um sich herum- »utasten, wie ein Mensch, der den Boden' unte'r sich wanken fühlt. Aber sein Gesicht drückte keine' Arigst aus. Ruhig und traurig, wie stets, senkte er huitiefer seinen Kopf, wobei sein Bart bis zu seinem Gürtel herimterreichte, dann rührte er sich' Vom Fleck. Schoii hatten ihn aber die lustigen Masken* erblickt, die die. Juden zum Laufen antrieben, und wollten .auf ihn zugehen, um auch mit ihm ihren Spaß'zu treiben, als> plötzlichein verschleiertes Mädchen sich durchden. Kordon der schweizerischen Soldaten' schlug, die um den Papst Wache hielten, in die Gruppe der; Juden drang, auf den blinden Rabbi Jakob zutrat und ihn an der Hand faßte.; Der Blinde erkannte seine Enkelin, zuckte z>ur sämmen und beide entfernten sich schnell zu den Leuten, die an den Hä/usern, standen. Allein der angeheiterte' £öbel sah es. Ein paar Leute verständigten sich mit Blicken, Hefen auf den Greis zu und versuchten, das Mädchen von ihm fort» zuziehen, „Sieh nach, wer das* ist! Sieh nach, ob es sich lohnt!" schrie jemand aus der Menge. Darauf riß einer der Ysrwnmten. den Schleier von dem Kopfe des" M£dc$ens,^.:? •Und da geschah ' ejwäs ^Unbegreifliches. SokiJd der. Maskierte das euthmüe•besieht des,1-Mädchens erbücjft«, Kniete er plöfzUch mi J&eiaim sich >« bekroMfiea. Von Schalom Asch Copyright by R. Löwlt- Veriag, Wien-Leipzig. Niemand begriff; was geschehen war. Aber dann erblickten die Leute vor dem knienden Mann — sie .— die, die dort bei dem blinden Juden stand und mit ihren großen traurigen Augen und lächelnden Lippen mildem Ausdruck tiefen Schmerzes und Erbarmens auf die' ausgelassene, lärmende Menge sah. Schon rief eine Stimme: „Seht, seht, wer dort steht! Das ist ja die heilige Madonna, die Madonna, der Liebel Seht! Seht!" „Die Madonna vom ,Heiligen. Herzen' hat sich gezeigt.;1 ' Es war, als hätte ein göttlicher Schreck die Menige befallen. Dieser Schreck steckte alle an und flutete über die. Menge wie ein Meer rauschender •Wellen. Hie und da rissen Menschen die Masken vom Gesicht, die phantastischen Hüte vom Kopie»,die heidnischen Kleider vom Leibe. Und in dem Meer der Vermummten enthüMten sich menschliche Gesichter. Da und dort knieten Menschen nieder und erhoben ihre Hände zu dem Heiligenbilde, das vor ihnen leibhaftig erschienen war. In den weiter abliegenden Straßen wußte man noch nicht, was geschehen war, und dort erschollen nach wie vor die lustigen Karnevalsgesänge, das Lachen des Pöbels, das Geräusch und das Geschrei — hier aber knieten die Menschen nieder, erhoben, ihre Hände zum Himmel und sangen Ave Maria. Wie vor einem vom Himmel herniedergefaienen Feuer rückten die Römer von. dem Mädchen ab, liefen davon und warfen sich auf die Erde* senkten die Gesichter und streckten die Händezu. der Erscheinung aus. ., Das. jüdische Mädchen aus dem Ghetto aber faßte ihren blinden Großvater wjeder'an der Hand, führte ihn aus der Menge heraus, vorbei, an. den knieenden erschrockenen Menschen, die wie stille Wasser zu ihren Füßen lagen, und verschwand mit ihm in den Toren des Ghettos. * \ . : )■■: xni. ^\ 3 Die gefangene Gottheit. , . In den obersten Räumen de's; Vatikans saß Papst Paul IV;; in seinem Zimmer, das wie die Klosterzelle eines: .Einsiedlers aussah und-, hur vier nackte Wände' aufwies. Der Papst saß auf einer 'harten Bank und blickte ein Bildwerk an, das yor ihm auf einem unbedeckten Tisch stand und den,.von Schmerzen gepeinigten Jesus darstellte. Das schwermütige, knochige; breite Gesicht des Papstes. -sali poch schwermütiger und düsterer als gewöhnlich aus. Dicke,., sqhwere Falten lagerten übereinander auf seiner Stirn und verdeckten seine Augen, so daß man sie kaum noch sah; nur sein Mund zog sich breit über das Gesicht und um ihn senkten sich zwei dicke Haütfalten wie zwei Wasserstföme. Der Papst schien furchtbar' mißgestimmt .zu seih, und in der Tat: so düster wie sein Gesicht wären in diesem Augenblick auch sein Gemüt und seine Gedanken. Mit langen, harten, abgearbeiteten Fingern grifi der Papst nach dem Kruzifix und betrachtete es. ,Wer sind die, von denen du abstammst? Bist du noch mit Leib und Blut mit" ihheh':: verbunden? Hast du denn keine Macht über sie, daß sie es wagen, dich, so lange ..und so hartnäckig abzulehnen? Hat Gott, dein Vater, dich nur zu uns,- 'ziu>#fen' knechten hernieder gesandt, sie. aber als seine Söhne selbst unter, seinen Schutz genommen? öder haben sie vielleicht durch eine geheime Kraft dich und deine heilige Mutter gefangen? FJeinigen sie dich in ihren Synagogen? Durchbohren sie dein Herz und ziehen daraus dein Blut? Halten sie deine heilige Mutter wie mit Ketteii an ihre Tempel gebunden, damitsie für sie Wunder tue und sie. vor uns rette? . . . Schicken sie die Unbefleckte ins Feuer und Wasser? Sag', sag', sag'!" Der Papst stellte das Kruzifix unwirsch auf den Tisch zurück/erhob sich'schwerfällig, und seine langsamen Schritte ertönten gleich Hammerschlägen in dem großen,' breiten Zimmer. In seiner Phantasie sah er d|e. heilige Mütter von den Juden gefangen. Genau so wie das römische Volk glaubte auch er, daß die Juden durch ein Geheimmittel die Muttergottes mit ihren gotteslästerlichen Büchern beschworen hätten, bei ihnen im Ghetto zu. bleiben und ihnen in der Not zu helfen. Er sah förmlich, wie sie; das heilige Herz, die auserwählte Jungfrau; die Mutter des Kindes Jesus, an der Tür einer Synagoge im Judenghetto, mit einer eisernen Kette gefesselt lag. Dort hielten die Juden sie gefangen und peinigten sie und belustigten sich über sie. Jedesmal aber, wenn sie in Gefahr waren, lösten sie ihre Ketten, verkleideten sie als Judenmädchen, ließen sie vor den Christen erscheinen, retteten sich, seilet ütid führten "sie "dann wieder in ihre Synagoge zurück, legteu sie dort von neuem in Ketten und Welten sie in einem geheimen Raum gefonieo. (ForUötruas folsU