Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 1 (1927)
- Issue
- Heft 14 (23.12.1927)
- Date
- 1927-12-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 30 Groschen V. b. b. DIE NEUE WEH BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteliänng S 4.20,'ganzjährig S 16.—; Polen monatlich 2loty 2.—, vierteljährig Zloty 6 —; Tschechoslowakei monatlich Kc.: 6;—, 1 v'ertcljahrig Kc, 15 —; Jugoslawien mönatli ch Dinar 14.—, viertel'fihrig Dinar 40.-; Rumänien - monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschend monatlich Mark 1.— vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.-, vieiteljährig Lewa 6').—; Hallen monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder mo atlich Schwei/er Francs 1.50, vierieljal rlj Schweizer Francs 4.50. HERAUSGEBER: ROßERT STRICKER Redaktion und V 1X.9 Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 1 Freitag, den 23. Dezember 1927 Nr. 14 t ÖBERRABBINER DR Z. P. CHÄJES Sökolöws Gedenki'ede. Die tiefe Trauer, in die der H,eimgang C h ajes das Judentum gesenkt hat, kam .in einem Massenmeeting zum Ausdruck, das am Abend des 20: Dezember vom zionistischen:Landeskomitee für Oesterreich im Sophiensaal veranstaltet :wurde. Zu tausenden strömte die jüdische Bevölkerung zu dieser-Versammlung. Der Andrang' war trotz der grimmigen' Kälte so stärk, daß noch vor Beginn Pölizeiassistenz zur Regelung des Zutrittes herangezogen werden mußte. Die führenden Persönlichkeiten des < jüdischen Wiefii der Präsident der Kultusgemeinde, der englische Der Leichenwagen. Phot. Wiltingen Bundespräsident H a I n 1 s c b verläßt nach der Trauerfeier den Seitenstetten-Tempel. . Wiillinger. Gesandte» Sir - Chilstön, Vertreter der amerikanischen, französischen und tschechoslowakischen Gesandtschaft, zahlreiche Universi^tsprofessoren, vor; allen aber die von Chajes so geliebte jüdische- Jugend, . halten sich eingefunden. Der Präsident der zionistischen Exekutive in London, Nahum Sokolow, hielt die Gedenkrede. Er hatte an der Beisetzung .tiipht teilnehmenV'köhneri, da er am Tage der/Feier eine wichtige Audienz beim Präsidenten M asVryk hatte. Wir lassen hier einen Auszug aus der geistreichen und formschönen Rede folgen," die die Versammlung in tiefster Bewegung anhörte. Bei den Schlußworten erhoben sich ■ die Anwesenden und; sprachen; den Segen mit, den', Sokolow dem Toten; ins Grab nachrief. r, Die Rede' dauerte eineinhalb Stunden und' die" Versammlung., wurde durch den Vorsitzenden Herrn .. Dr. Göldhammer um , 10 Uhr abends geschlössen. . .. Sokolow führte im wesentlichen das folgende aus: : „Chajes fw.ar einzig in unserer Generation. Was er wissenschaftlich, national, sozial geleistet, hat, das darzustellen, * wird die Sache späterer: Historiker sein.: Das Sprichwort, daß der. Prophet in seiner Heimat nichts gilt, bewährt sich an. ihm nicht. Er war ein Prophet und er galt in seiner Heimat, dia ihn schätzte und verehrte und die der Schmerz stes Aus dem Inhalte: Oberrabbiner Dr. Z, P. Chajes: Mein Amt. Hans Ch. R. Am bor, Jerusalem: John Bell. Rundschau: Eine antisemitische Dokumentenfälschung in Amerika. — Der Putsch im Münchener Bürgerbräukeller. — Bischof Godric Kean. Robert Stricker: Millionen für die Krim — für Palästina nichts. Dr. Fritz Löwe n s t e i n: Brief aus Palästina. Regierungsantisemitismus in eigener Regie. Die Pogrome in Rumänien. Aus Palästina. Die Juden in Algier. Jüdische Karrieren in Amerika. Aus der jüdischen Turn- und Sportbewegung. — Wie die Hakoah vernichtet werden soll. Dr. Sanel Beer: Die Hygiene der Kleidung. Austritte aus dem Judentum. Schalom A seh: Die Zauberin von Kastilien. WORSTEL-BlELI I. Schottenring 14^ und |. Führichgasse 3 j&röÄ 'Fü'rAwiertef■Küride»j,«'bei'Äf)nah'mervpn'5- Ke. Franko Zuste hing | An unsere geehrten Leser in Polen! Wir haben Ihnen bisher unser Blatt regelmäßig zugehen lassen. Wir bitten, nunmehr von den zugesendeten Bestellkarten und Erlagscheinen gefälligst umgehend Gebrauch zu machen, da wir sonst die weitere Zusendung der „Neuen Welt" einstellen mußten. * Die Verwaltung der „Neuen Welt-'. Verlustes brennt. Verloren haben ihn die Parteigenossen und alle, die ihn kannten, und sie alle müssen dazu .beitragen, daß seine Persönlichkeit und sein .Wirken in der Zukunft nach Verdienst beurteilt wird. , ' Chajes ist kein Individuum gewesen, er war eine geistige Organisation. In seinem Leben zeigt sich ein seltener Zug. Er ist in den Traditionen seiner Vorfahren geblieben, er hat sie fortgeführt und verschönert. Sein Ahne, der Rabbiner Hirsch Chajes in Brody, war ein Fürst im Reiche jüdischen Wissens, ein Pionier der Forschung, eine-Vordergrundfigur der Haskalah; er war die anerkannte Autorität, die uns durch Tat und Lehre bewiesen hat, daß die Aufklärung in Harmonie steht mit den Prinzipien des alten Judentums. Er war ein Verbreiter des Lichtes, eine patriarchalische Gestalt* auch als Person eine historische Tra« ' dition; die sich nicht in einer anachronistischen Form verkapselt, sondern sich mit der Zeit verbindet und doch ihr innerstes Wesen - bewahrt. 1 Und was der Ahne , war, war der Enkel, seine gesteigerte, veredelte Fortsetzung. - Er kam, nach Wien, in die Gemeinde, in der 'M a n n h e'i m e r< J e 1 i n e k, G ü d e m a n n gewirkt und,gelehrt hatten. .Und auch " ihr ,Wirken . setzte Ghajes, potenziert und gesteigert,; fort. Er wai der iFührer dieser großen und ehrwürdigen Gemeinde, nicht' ihr Geistlicher. Wir wissen nicht, ob es überhaupt eine jüdische Geistlichkeit im hierarchischen Sinne gibt. Die bestand in Palästina. In der Diaspora gibt es keine für den Altar geweihte priesterliche Persönlichkeit;-Nur das Wissen gibt der Persönlichkeit den Vorzug, unsere Statuten sind die Thora. Die Qualifikation für den geistigen Führer ist sein Können, das Wissen ist das Adelsdiptom, Auch in diesem Sinne war Chajes ein Großer. Das jüdische und das enzyklopädische Wissen