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Die neue Welt · 1927-12-02 · Heft 11 (2.12.1927) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
1 (1927)
Issue
Heft 11 (2.12.1927)
Date
1927-12-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 30 Groschen V. b. b. DIE NEUE WELT BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.<*, vierteljährig Kc. 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E HERAUSGEBER: ROBERT STRlGKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint Jeden Freitag Jahrgang 7 Freitag, den 2, Dezember 1927 Nr. 11 Aus dem Inhalte: Rundschau. Robert Stricker: Der Fall Grünbaum. Diamant und Potocki. Dr. Bruno Hepner: Moskaus Judenpunkt. Dr. Otto Abeles: „La Fanny". Die magyarische Groteske. Max Reinhardt In seiner neuesten Glanzrolle — als JudV Aus Palästina. Die jüdischen Goldschmiede in Marokko. Aus der jüdischen Sport- und Turnbewegung. Dr. Sane] Beer: Die Linkshändigjkeit. Mittellungen des Verbandes der jüdischen Kaufleute. Austritte aus dem Judentum. Jüdischer Humor. Schalom Asch: Die Zauberin von Kastilien. WORSTEL- BIEL I., Schottenring 14 u. I., FUhrichg. 3. I Garant reines, heur. /Otof$S(6|hm^ 4.— *ei A>riahmev Voh | Der preußische Unterrichtsminister Dr. Becker ist; von den Hakenkreuzstudenten voll und ganz in den Bann getan worden.1 Er hat es gewagt, gegen den Terror aufzutreten- und-will die chauvinistischen Verbände in Oesterreich' und der Tschechoslowakei nicht in die deutsche Studentenschaft aufnehmen lassen, weü sie nur eine sehr geringe Minorität darstellen, sich' aber die Rechte der Mehrheit arrogieren und weil sie durch ihren gewalttätigen Antisemitismus die Einheitlichkeit der Hörerschaft sprengen. Diese Hakenkreuzstudenten halten nun Protest- Versammlungen gegen den Minister ab, der natürlich von ihnen sofort in den Judenstand erhoben worden ist. In Wien war eine solche Versammlung auf der Universitätsrampe und ein Mitglied des Akademischen Senates, ein Professor Czermak, fordert zum Rütli-Schwur auf. In Berlin war die Sache sogar noch solenner. Dort sandte der Reichsinnenminister v. Keudell den Protestierenden ein Sympathietelegramm. Die Sudetendeutschen agieren in Brünn, wo sie an der Technik ihre jüdischen Kollegen attakierten. Sie wollten nach ungarischem Beispiel ein Numerus claususTpogrömehen arrangieren. Die Sache, die dort unter dem Protektorat des Rektors selbst in Szene gesetzt wurde, sing aber schlecht aus, da die jüdischnationalen Studenten eine sehr kräftige Gegen, aktion durchführten. Das Hakenkreuz ist also wieder einmal aktiv geworden und will eine neue antisemitische* Hochschulbewegung einleiten. Es scheint, daß der Zeitpunkt schlecht gewählt ist. Denn die nicht unter dem Einfluß der judenfresserischen Tiraden made in germany stehende Umwelt ist jetzt auf Ungarn aufmerksam geworden, dessen Blamage in Genf im. nächsten Monat sichtbar werden wird. Deutschland kann ein Gleiches nicht riskieren. Aber das stört die Nationalisten nicht, die jede Ge-. legenheit gerne wahrnehmen, den'Ruf der deutschen Republik zu beschmutzen und die Jugend immer tiefer in die Verwilderung zu führen,. , Die Gefahren, die aus solchem Streben erwachsen, haben wir in Oesterreich oft genug gesehen und der hemmungslose Judenhaß hat furchtbare Entartungen gezeitigt. Die Verachtung fremden Lebens und. fremder, Ehre ist hier in ein System ge-, bracht, worden und .sie hat .auf das politische Leben abgefärbt. Die vielen Morde, die in Oesterreich von solchen radikaüsierten Elementen begangen wurden und die durch die Namen N o w o s a d und Rothstock charakterisiert sind, haben keinerlei ernste Gegenwehr der: Gesellschaft erzielt und aus dieser verpesteten Atmosphäre heraus ist auch der letzte!A«sj$lag auf den .Mener, lür.gerö}eister. Sei.tz er- Jäher Tod des Budapester Kultuspräsidenten. Nach einer Konferenz mit Klebelsberg vom Schlag getroffen. - Der Wortbruch der Regierung in der üniversitätsfrage. — Der Numerus clausus. Der Präsident der Budapester Kultusgemeinde Dr. Alexander Leder er ist nach einer Konferenz mit dem Unterriehtsminister Grafen Kleb e 1 s b e r g über die Frage des Numerus clausus vom Schlag ge? rührt worden und g e s t o r b e n/ Die Konferenz war. insoferne resultatlos verlaufen, als der Minister erklärte, d i «Reg i e r u n g k ö n ne e in e- A.e n d erung des Haderschen' Gesetzes nicht d u r c h f üh r e «. 1 9 Aus Budapest wird .uns, über diese Angelegen-; Iheit noch berichtet: Am letzten Montag hielten die, Vertreter aller Kuitusgeimeinden unter dem Vp^sitz; des. Präsidenten der ' Biudapester Kiultusgemeinde; Dri Alexander Leder e r \, eine. •^Koiifereiiz abi iii; welcher 'beschlosseni:.wurdfc^\iift }W''0 rjaeid:e $ Hans er des 'Reichstages, eine Petition'zu, richten, in der die A b s c h a f f u n g des N u in er u s: c 1 a iu s iu s verlangt wird. Der, Vorsitzende betonte,. daß es für die Judenschaft derzeit'k e i n sciiwerwdeg e n d e r e s Gravatneund kein aufregen-. deres Problem gebe als die Skandale an den. Hoctyscihirlen. Die Regierung habe die Pflicht, die Ordnung wiederherzustellen. Die zur Konferenz erschienenen Vertreter der jüdischen Studentenschaften der Budapester, Debrecziner', Fünfkirchner und Szegediner Hochschiulen referierten über .die Ereignisse der letzten Wochen. Josef Ves'zi erklärte, daß die Regierung f ür d i e E r e i ig n i s s e. a n d e n Hoc h s c h u 1 e n v e ra n t w o r 11 i c Ii sei. Die jüdischen Gemeinde!1, mögen in ihrer Petition an die-beiden Häuser des Reichstages gegen die Gesetzwidrigkeit Verwahrung einlegen und die Verantwortung der Regieruing feststellen. ■ Nach der Sitzung erschienen! der Vorstand der Budapester israelitischen Kiuiltusgemejnde, Doktor Alexander L e de r e^r, und Reiühsratsabgeordneter Dr. Geza De s zi beim Kultusminister Grafen Kle-\ belsberg, um ihm diesen Beschluß der Konferenz mitzuteilen. Der Empfang war um halb 4 Uhr nachmittags zu En.de. Nach der Audienz erklärte Doktor;L e d e r e r, der Minister, habe da s. V e r s p r e c Ii e n gegeben, daß er über alle Mittel verfüge, um die Ord- , nung an. den" Hochschulen wiederherzustellen. Er halte seine - biisheriig.en .Erklärungen .aufrecht atnd -sei :#>epz;e&gfc. ^afrftie -Skandale vorüber seien. Dr. Le d^r e r begab sich fins dem Unterrichtsministerium in seine Wohnung. Dort wurde er Von einem Unwohlsein befallen und um 5 Uhr trat unerwarteterweise sein T o d ein. . Die Aerzte stellen fest, daß er einem Herzschlag erlegen sei. ' ...... . * ' An den Universitäten dauert die antisemitische Hetze fort. Die christlichen Studenten haben sich zu der Praxis entschlossen, die Vorlesungen zu verlassen, sobald ein jüdischer Hprer anwesend ist. Die Bewegung wird nach wie vor von. dem Grafen.Paul Teleki, dem Schwager des Ministerpräsidenten, "und dem Abgeordneten Gömbös geleitet. . (Weiteres siehe Artikel „Die magyarische Groteske" im Inneren des Blattes.) folgt. Der Attentäter Strebinger ist ein 22jähriger Junge, ein Zögling der „Ostara",'jener berüchtigten Pogromzentrale, die vor einigen Jahren durch die Veranstaltung von „Antisemitenbummeln" . und Sprengung von Vorträgen öffentliches Aergernis erregte. Von dieser „Ostara" aus führte den Strebinger der Weg zu den Frontkämpfern, die den Jungen aufnahmen, obzwar er nie an der Kriegsfront gewesen sein konnte. Das ist ein Kreis von Menschen, die die Waffe als politisches Mittel verehren und deren Programm sich im praktischen Judenhaß erschöpft. In diesen Händen befindet sich ein' großer .Teil der deutschen Jugend, der die Führer der Politik kein großes und fruchtbares positives Ziel zeigen. Die i Politik ist materialistisch geworden und sie - treibt die Jugend in die Arme finsterer Elemente, deren ganzen Lebensinhalt der Haß bildet und die die Jugend zum Krieg gegen eine wehrlose Minderheit erziehen wollen. Sie treiben sie überdies noch in sittliche Verlotterung und Korruption. Es ist kein Zufall, daß'solche junge Leute, die durch das Hakenkreuz erzogen wurden, in den Reihen der internationalen Geldfälscher zu finden sind, daß der F e me m o r d eine"ständige Einrichtung geworden ist und daß-sich solche „nationalsozialistische Ethiker" zur S pi t z e 1 e i hergegeben haben; Eben erst sind die zwei festgestellt worden,; die den Saboteur S ciil a g e t e r an die Franzosen im Ruhrland denunzierten , und die seine Kämeraden waren. Wir haben Jn Wien die Sorte von S c h r i f 11 e i t e r n, die in ihren Sudelblättern vom jüdischen Ritualmord reden und dann, wie dies in der Vorwoche zum so und so vielten Male passierte, nicht den Mannesmut aufbringen, sich vor Gericht zu stellen. Es ist eine merkwürdige Welle von ethischer Pflichtauffassung, in der diese Jngetid plätschert, t,, . , Joan Bratianu. Das .unerwartete Ableben des mächtigsten rumänischen Staatsmannes, des Ministerpräsidenten Bratianu, hat die öffentliche Meinung im ganzen. Lande in Erregung versetzt. Doch herrscht überall Ruhe. Die Regierung, <ie jetzt vom Bruder des Verstorbenen,. dem bisherigen Finanzminister Vintila Bratianu,' geleitet wird, Hat Maßnahmen getroffen, um Versuche zu Ruhestörungen im Keime zn ersticken.. Joan. Bratianu . hat während des Krieges eine antisemitische Politik geführt. Nach dem Kriege hat er ein anderes Verhältnis zu den Juden gesucht, immerhin hat,er als Ministerpräsident geduldet, daß die antisemitische Studentenbewegung und die von Guza begründete Christliche Liga zu Macht und Einfluß kamen. Vor den letzten Parlamentswahlen aber hat er sich persönlich um ein Abkommen mit der Union rumänischer Juden bemüht und sich ihr gegenüber verpflichtet, gewisse jüdische Forderungen zu erfüllen. Hat Ford geschwindelt? Wie kürzlich aus New York gemeldet wurde, hatte Henry F-o r d erklärt, er habe am 1. November an den Inhaber des Hammer- Verlages . Theodor F r i t s c h ein: Schreiben gerichtet, in, welchem er ihm den Weitervertrieb der deutschen Ausgabe des Büches „Der internationale Jude" untersagt. Hiezu erklärt Theodor Fritsch: „Ohne zunächst zu der Frage der Rechtswirkung eines sol-; cnenVerbotes Stellung zu nehmen, stellt der Hammer- Verlag ausdrücklichst fest, daß bis z u m 22, N o- 1 vember ein solcher Brief im Hammer-Verlag nicht eingegangen ist. Der Veröffentlichung eines angeblichen Briefes in der Presse wohnt für ihn nicht die geringste Beweiskraft inne; das Buch wird daher nach wie vor ausgeliefert werden." , Es sind nur zwei Möglichkeiten offen: entweder lügt Fritsch oder Ford hat die Unwahrheit gesagt. Die Wjatol ist sobwer. t,,

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