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Die neue Welt · 1927-11-25 · Heft 10 (25.11.1927) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
1 (1927)
Issue
Heft 10 (25.11.1927)
Date
1927-11-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 30 Groschen NEUE W V. b. b. BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc. 15 —; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wfön, IX,, Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25~2-82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 7 Freitag, den 25. November 1927 Nr. 70 Aus dem Inhalte: Rundschau. —y: Der Feind im Hause. Ein getaufter Professor als Förderer der Hakenkreuzler. Hans Klee: Berliner Brief. Dr. Otto Abel es: Drei Prager Jüdinnen. Die Judenzählung in der deutschen Armee. N. R., Warschau: Brief aus Polen. Schalom Schwarzbart. Ans Palästina. Eine Rede Weizmanns in Berlin. Die jüdischen Adelsfamiüeu in Italien. Aus der jüdischen Sport- und turnbewegung. Jüdischer Humor. Schaloin Asch: Die Zauberin von Kastilien. Abonnementeinladung. Am 1. Dezember beginnt ein neues Abonnement auf „Die Neue Welt". Wir ersuchen, Bestellungen rechtzeitig aufzugeben und die fälligen Bezugsgebühren rechtzeitig zu überweisen, damit in der Zustellung keine Verzögerung cin- trete. ■ ■ Zahlstellen im Auslände: Bukowina: Banca d'Est, Cernauti, und deren Pttoviiizfilialeii. Das übrige Rumänien: Banca Manuarosch Blanc in Bukarest. Für Bulgarien hat die Buchhandlung „Ivria" in Sofia unsere Vertretung übernommen. Bestellungen und Zahlungen sind dorthin zu richten. Zahlungen aus dem übrigen Ausland wollen mittels rekommandierten Schreibens oder per'Bankscheck erfolgen. RUNDSCHAU. Der chemische Krieg ward uns allgemein als ein Schrecken kommender Zeiten bezeichnet. Aber er ist schon heute da und ist ein gerne angewandtes Mittel der Politik. Man ist einstweilen noch human und vergast nicht die Körper; die Geister sind schon vergiftet und nun ist die Wirtschaft an der Reihe. Ungarn hat vor zwei Jahren die Initiative ergriffen und die führenden Personen der Gesellschaft wirkten einträclitiglicli samt und sonders daran, in i t gefälschte m Geld, d i e höhere n, Z i e 1; e der m a* g y a r 1 s c h e n Revancheidee zu realisieren. Der Skandal war riesengroß und die ungarischen Gerichte mußten unter dem Druck der allgemeinen Empörung sich dazu entschließen ,eine Justizkornödie zu spielen." Windischgrätz, Nadossy, Baroß und noch einige ihrer Komplicen wurden mit Kerkerstrafen belegt. Windischgrätz ist jetzt im Sanatorium, Nadossy in einer Kuranstalt, über die anderen weiß man nichts Gewisses. Der Patriotismus ist aber wie die Liebe. Er höret nimmer auf. Und so ist von Ungarn aus die Verschwörung gegen den Weltfrieden mit neuen Impulsen verseilen worden.: Geht's nicht mit dem Franc, so geht's 'mit dem Tscherwonetz. Und war der falsche Franc nur zur'Nahrung der magyarischen Irredeiita bestimmt, was den Budapester Genies :in Paris übel vermerkt wurde, so ist'der falsche Tscherwonetz ein gutes Werkzeug gegen den 'Bolschewismus und das ist eine Parole, auf die vie|ewin-Europa hören und die sich auch einen größeren Radius schaffen kann. Was die Magyaren nicht1 ■ treffen, besorgt ihnen das g e i s t i g v e rwahdte Hakenk-reuz,-das ja über alle Meisterschaft im Organisieren verfügt, das immer weiß,, wo Ungarn bleibt beim Numerus clausus? Vertagung der Revision des antisemitischen Gesetzes Aus Budapest wird berichtet: Das nationale Organ „Magyarsag" teilt mit, daß die Regierung beabsichtige, das Gesetz über die Milderung des Numerus clausus auf einige Monate, voraussichtlich bis März nächsten Jahres, zu vertagen, in der Hoffnung, daß bis dahin der Widerstand der Studenten und der gesellschaftlichen Kreise gegen dieses Gesetz nachlassen und die Regierung das Gesetz dem Parlament unter günstigeren Umständen werde unterbreiten können. Die Genfer Vertretung der ungarischen Regierung ist daher mit dem Völker bund- Sekretariat in Verbindung getreten, um zu erreichen, daß das von der English Jewish Associa^ tiou im Namen der gesamten Judenschaft dem Völkerbund unterbreitete Memorandum, das den Anstoß zur Revision des Numerus clausus-Gesetzes gegeben hat, niicht auf die Tages- Ordnung der ^jfr&e.rab,8rty^un.gj v des Anknüpfungspunkte zu finden sind, und das auch aus Fehlern lernt. Die Windischgratz-Husaren wären seinerzeit nach Holland geritten und dort erwischt worden. Das Hakenkreuz macht's besser. Da ist eine fast unbekannte georgische Nation, die von den Bolschewiken schikaniert' wird. Emigranten leben überall und sie stellen in ihrer Verbitterung ein treffliches Kontingent zur Armee der Malkontenten und derer, die an der Unzufriedenheit zu verdienen verstehen. So ist die Affäre entstanden, die gegenwärtig alle Polizeibehörden in Atem hält und die die internationalen Zusammenhänge des Giftmischertums wieder einmal bloßlegt. Die Geschichte Europas seit dem Krieg ist da kondensiert. Hitlerputschisten, magyarische Glücksritter, ein georgischer Student, nationalsozialistische Drucker, russische Monarchisten, Reisläufer und Landsknechte im bunten Durcheinander, eine üble Sippschaft, die aus dem Krieg kommt und sich vom Krieg ernähren lassen will. Und alle, alle bindet der Judenhaß aneinander, alle, alle zeugen für die seelische und geistige Gefahr, die das Judentum darstellt und die in den Geheimnissen der Weisen von Zion anschaulich beschrieben ist. Dieses Buclj, dem Henry Ford die Anregungen zu seinein inzwischen abgeleugneten und zurückgezogenen „Internationalen Juden" entnommen hat, prangt jetzt nach kurzer Pause wieder im Erdgeschoß der Wiener Universität in einem Anschlagkasten der deutschen Studentenschaft. Das Rektorat ist bisher noch nichteingeschritteu. Selbstverständlich noch nicht. Denn man ist dort sehr empfindlich für Kritik, aber nur dann, wenn sie die Leitung der Universität trifft, und der abgetretene Rektor M o 1 i s c h hat kürzlich herzbewegende Worte über die Beschuldigungen gesprochen. Ein anderer abtretender Rektor, nämlich der der Hochschule für Welthandel, hat es im Gegensatz zum Hofrat Moliseh für notwendig gefunden, die Jugend vor der politischen Verhetzung zu warnen und ein dritter Rektor, der technischen Hochschule, hat sich über clen. Rückgang der Frequenz, der Hörerscjiaft beschwert, ohne aber den Gründen für diese Erscheinung nachzugehen. Wir wollen diesem Maugel abhelfen. Der Niedc r-( gang des Hochschulwesens ist eine dir e k t.e Wir ku n g des H akenkr e u zg.e i s t e s, der die Jugend zur Lüge, zur Ueberschätzüng der rohen Gewalt und zum Verschwörertum führt. Die Jugend gerät nicht von selbst auf Abwege, sie wird dirigiert, das einemal von politi- Völkerfumdrates gesetzt werde. Die ungarische Regierung will sich dagegen v e r p f 1 i cht e ii, den Gesetzentwurf bis zur März-Session durchzubringen. . , . .# . Der ungarische Ministerpräsident hält es mit dem Holofernes bei Nestroy: Ich will sehen, wer stärker ist, ich oder ich! Graf Bethlen hat zugesagt, das Hallersche Schandgesetz abändern zu lassen; hernach hat er durch seinen Schwager, den Grafen Paul Telekl den antisemitischen Pöbel mobilisieren lassen. Der Kampf würde an den Hochschulen.selbst geführt, während im Parlament die Regierung ihre scheinheiligen Versicherungen wiederholte. Jetzt ist die Bewegung so weit, daß sie für den Grafen B e t Ii I e n den gewünschten Vorwand liefert, seine Versprechu ngen nicht einzuhalten. Die jüdische Öefferitliclikei t darfdieses nichtswürdige Spiel - nicht dulden. ■ , - * {'* , sehen Brunnenvergiftern, -das. anderemal von;brotneidigen Professoren. Die vollen Wirkungenr dieses Ungeistes haben wir'bereits gesehen. Die politischen Führer Deutschlands und Oesterreichs, die' den Krieg •anzündeten, kämen aus der nationalistischen;Schüle. Wie wird aber die Zukunft aussehen, wenn die •nächsten Führer und Lehrer des Volkes an' den •Geheimnissen der Weisen ' von Zion und ähnlichen Schändungen der Buchdruckerkunst ' ausgebildet' werden? Trotzki, Sinowjew, Radek und ihre Anhänger sind von der bolschewikischeu. Zentrale durch Ausschluß aus der Partei gemaßregelt worden. Sie hatten Opposition - betrieben und das ist ein Verbrechen. In Rußland gilt noch immer Lenins Wort, daß die Freiheit ein bürgerliches Vorurteil ist. Lenins Politik ist aufgegeben, aber ihre äußerlichen Merkmale, die politische Polizei, die Zensur, die Knebelung der Presse und der Meinungsäußerung sind geblieben und das mußte die Opposition erfahren, vor allere aber ihre jüdischen Angehörigen. Rußland will sicli wieder populär' machen und da auch der beste Willen ,an der russischen Spielart des Kommunismus nichts Nachahmenswertes finden kann, so versucht es die Moskauer Diktatur mit dem praktischen Antisemitismus'. Sie entfernt konsequent die jüdischen Politiker und läßt keinerlei Sentimentalität aufkommen. Trotzki ist der Organisator des Eisenbahnwesens und der ■Armee gewesen. Er hat die Grundlagen geschaffen, . auf denen das System steht.'Ohne seine Arbeit war der Leninismus undenkbar. Aber Trotzki ist ein Jude, nicht dem Bekenntnis nach, nicht nach Willen und Gefühl, aber nach Abkunft und Wesen. Er muß weg und mit ihm Sinowjew, der die Volkserhebung leitete, •Radek, der die diplomatischen Beziehungen des Sowjetstaates einrenkte und ihre Verbindungen mit dem Ausland wieder herstellte. Joffe, der Rußlands Politik im fernen Osten begründete, hat Selbstmord begangen. Sie ernten alle den Dank des Vaterlandes .und, der Partei, diese,jüdischen Genies, die so wertvoll für die Aufbauarbeit des jüdischen Volkes gewesen wären und doch das Volk ihrer Herkunft, ihrer Familie und ihres Blutes von sich gestoßen und verleugnet haben. In der antijüdischen Propaganda spielt seit jeher der jüdische Mädchenhandel eine wichtige- Rolle. Seine Existenz ist noch nie bewiesen worden. Daß Juden in diesem Schandgewerbe anzutreffen sind, sei nicht bestritten. Aber alle Sachverständigen

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